Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XX (1958)
- Issue
- 9 (Septiebre, 1958)
- Date
- 1958-09-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Septiembre 1958 BOLETIN INFORMATIVO 9 EIN NICHT JUEDISCHER ZIONIST von Adolf Seidemann DER ANTISEMITISMUS IN POLEN Scharfe Stellungnahme der Presse gegen die Judenverfolgungen Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass Theodor Herzl der Begründer der zionistischen Bewegung war. Zionismus gibt es seit fast 2000 Jahren, seitdem der jüdische Staat zu existieren aufgehört hat. Seit 20 Jahrhunderten ist es die Sehnsucht und die Hoffnung sehr vieler, dass der Messias erscheinen, das jüdische Volk “von allen 4 Enden der Erde” vereinen und nach Erez Israel zurückführen werde. Von Zeit zu Zeit sind Männer aufgestanden, die sich als der erwartete Messias ausgaben und sie bekamen sehr viel Zulauf und Anhänger. Nachdem diese aber entlarvt worden waren, entschlossen sich viele Juden nach dem Heiligen Lande zu gehen, um dort ihren Lebensabend zu verbringen, und in heiliger Erde ihre letzte Ruhestätte zu finden. Es entwickelte sich sogar ein schwunghafter Handel mit Erez Jisroel-Erde, die in kleinen Säckchen in alle Länder verschickt auf die Leichname, nach der Taaroh, gestreut, wenigstens symbolisch die Beerdigung im Heimatboden ausdrücken sollte. Was Herzl’s unvergessliches Verdienst war, ist die Erziehung jüdischer Menschen nach Palästina zu gehen, nicht um dort zu sterben, sondern zu leben, zu arbeiten und das Land neu aufzubauen. Er hat aus dem ideologischen den politischen Zionismus gemacht, ohne den die Medinat Israel nicht zustande gekommen wäre. Ein weiterer sehr verbreiteter Irrtum ist es, dass nur Juden Zionisten seien. Es gab zu allen Zeiten Nichtjuden, die sich für die Errichtung eines jüdischen Staates mit aller Kraft eingesetzt haben. Auch viele Prominente waren unter ihnen, wie Napoleon, Oliver Cromwell und andere. Nur eine von diesen Persönlichkeiten soll im Folgenden behandelt werden. Aimé Pal Here entstammte einem streng fromm katholischen Eltemhause in Paris. Er wurde Schriftsteller und er erzählt in einem seiner Bücher “Le sanctiére inconnu”, wie die Bilder des alten Testaments in der Doré’- schen Bibel, als er als Kind den Text noch nicht lesen konnte, ihn faszinierten. Die Bilder, von denen er später einmal sagte, dass sie die wahrhafte Geschichte eines Volkes darstellen, “dessen Beruf es war, uns das Heil zu bringen”. Er fühlte, dass Israel lebt und dass seine Rolle mit der Entstehung des Christentums nicht zuende sei. Erwachsen erkannte er die grossen Schwierigkeiten, die dem Bestände des jüdischen Volkes durch die immer krasser sich auswirkenden Assimilationsbestrebungen der französischen Juden sich ergaben, und er erkannte, dass der Zionismus die éinzige Möglichkeit sei, das Judentum zu erhalten. Josef Fisher, der als Leiter des K.K.L. nach Paris entsandt wurde, schildert die ungeheueren Schwierigkeiten, die sich ihm darboten, als er unter den assimilierten französischen Juden Mitarbeiter für seine Tätigkeit suchte. Juden, die dem Zionismus nicht nur ablehnend, sondern sogar feindlich gegenüberstanden. Er lernte Pallière kennen, erzählte ihm von seinen Schwierigkeiten, und Pallière drückte ihm spontan den lebhaften Wunsch aus, ihm behilflich zu sein. Fisher war angenehm überrascht, zu konstatieren, wie dieser Christ über die Ziele des Zionismus und des K.K.L. auf dem Laufenden war. Er sah in ihm ein mächtiges Instrument zur Wiedererweckung des palästinensischen Bodens, und des nationalen und religiösen Wiederauflebens des Judentums. Sehr bald erklärte er seinen Beitritt zum Centraleomité. Durch seine beredte Sprache und gewandte Feder verstand er es, sowohl in Paris als auch in der Provinz, wo er die wichtigsten Gemeinden als Propagandaredner besuchte, Hörer und Leser in seinen Bann zu ziehen. Im Jahre 1926 begab er sich nach Marokko. Er war der Pionier des Aufbauwerkes in dem Lande, das noch nie ein offizieller Repräsentant des K.K.L. besucht hatte. Im gleichen Jahre wurde er zum Vicepräsidenten des Centraleomité ernannt, welchen Posten er innehatte, bis er infolge seiner angegriffenen Gesundheit Paris verlassen musste. Kränkelnd reiste er trotzdem von-Ort zu Ort, und es gelang ihm, überall seine Hörer für die gute Sache zu begeistern. Das war zur Zeit eine schwierige Aufgabe, aber er hat sie glänzend gelöst. Er gewann für seine Ideen angesehene Männer von Einfluss, und zwar die beiden Präsidenten der “Liberalen Union”, beide bisher Antizionisten, Roger H a y m a n und später André Bauer. Letzterer war Präsident der “Vereinigung jüdischer Jugend”, wo Pallière ihn anregte, für die Zionistische Bewegung zu kämpfen, trotzdem er bisher diese Idée selbst bekämpft hatte. 1927 veranlasste Pallière ihn, in das Centraleomité des K.K.L. einzutreten, wo er bald zum Schatzmeister «.ernannt wurde. Pallière kargte in den Sitzungen nicht mit Ratschlägen, voll von Klugheit und Takt. Er war ein ausgezeichneter Diplomat im besten Sinne des Wortes. Die Arbeit eines Propagandisten und Förderers für eine zionistische Aktion war in dem französischen Milieu mehr als schwierig, und immer verstand er es, der Schwierigkeiten Herr zu werden. In der “Union Liberale”, in der Zionismus bisher “Tabu” war, gewann er drei feurige Mitarbeiter. Henry Lewen und Alfred Schwöb, ferner Alice Blum, in deren Salon die besuchtesten Zusammenk ü n f t e stattfanden und wo man jüdische und zionistische Probleme diskutierte. Pallière war der beliebteste bei diesen Abendunterhaltungen. Bei allem, was er unternahm, war die Eleganz, und Präzision seines Stils, und die Feinheit seiner Gedanken von ausserordentlicher Wirkung. In der 2. Nummer der “Revue” dem Organ des K.K.L. schrieb er einen Artikel, “Unsere Mystik”, in dem er die jüdische Jugend zum Glauben an die Ewigkeit des jüdischen Volkes, und an “die wiedergefundene Erde” führte. Er wandte sich mit Erfolg insbesondere an diejenigen, welche die Religion verlassen hatten und es gelang ihm in sehr vielen Fällen, den Willen zum Judesein zu erwekken. Aber trotzdem litt er dauernd darunter, dass er bei den französischen Juden nicht genügend gehört wurde, und diese bittere Enttäuschung verfolgte ihn bis zu seinem Tode. In einem Artikel in der “Terre Retrouvé”. “Der Irrtum der Balfourdeklaration” sagt er: Dieser Christ, gebildet durch die Bibel, glaubte, dass seine Deklaration den Enthusiasmus aller Juden entflammen, und das nationale Wiederaufleben, wie es die Propheten angekündigt haben, den Juden die Kraft wiedergeben würde, ein geeintes jüdisches Volk erstehen zu lassen. Mit tiefer Betrübnis, und mit beissender Ironie wendet er sich in diesem Artikel an diejenigen Juden in Frankreich, Deutschland, England und Amerika, die die Zeit nicht erkannt. Mit diesen Juden habe er nichts gemein, und das seien auch nicht die Juden, denen er sein Leben gewidmet habe. Er wettert gegen den geteilten Zion i s m u s, der hin und her schwankt und verstümmelt wird. Was haben diese Juden, die in ihren Ländern nicht bedroht waren, für die Erlösung des Heiligen Landes getan? Die Begeisterung war weniger als mittelmässig und die Gebefreudigkeit ungenügend. Die reichen Juden haben ihre Pflicht nicht erkannt. Nur die Armen haben ihre Beiträge für den K.K.L. geleistet. Am Anfänge des Artikels in der “Terre Retrouvé” verteidigt er sich gegen eine etwaige falsche Interpretation seiner Ausführungen. Es sind die Juden, und nicht das Judentum, die mich enttäuscht haben. Im Übrigen hülle ich mich in Schweigen, schreibt er, um mich vorzubereiten, vor dem Richter der Welt zu erscheinen, und mich zu rechtfertigen. Sein scharfes Denken begriff schnell, dass das Judentum nicht durch die abseits gebliebenen Juden repräsentiert wird. Er hat es nicht mehr erlebt, dass die nationale Wiedergeburt heute eine Tatsache ist, die durch die Schaffung der Medinat Israel zum Ausdruck gekommen ist. Heut ist der jüdische Staat der mächtige Faktor dieses Erwachens, welches die ganze Gemeinschaft erfasst, und ihre Zusammenfassung in ihrem historischen Vaterlande verursacht hat. Balfour, Pallière, und viele andere nichtjüdische Freunde Israels haben nicht Unrecht, im Judentum Vertrauen zu erwecken und sein Gewissen aufzurütteln. Das Erwachen des nationalen Gewissens ist nicht aufzuhalten. Pallière war eine der Persönlichkeiten, die beigetragen haben zur Wiedergeburt unseres Volkes und zur Einheit des geistigen und nationalen jüdischen Lebens. Es heisst im jüdischen Schrifttum, dass zu allen Zeiten innerhalb aller Völker der Erde 36 wahrhaft Gerechte vorhanden seien. Pallière war einer von ihnen. Angesichts des wachsenden Antisemitismus in Polen hat die polnische Presse eine Offensive gegen die unerfreuliche Bewegung auf genommen. Nach der sehr klaren und kompromisslosen Stellungnahme der populären Wochenzeitung der jungen Marxisten “Po Prostu” hat jetzt Juliusz Bürgin in der kulturpolitischen Zeitschrift “Przeglad kulturalny” einen alarmierenden Artikel veröf fentlicht. Der Autor macht das verflossene kommunistische Regime dafür verantwortlich, dass es seinerzeit die aus Moskau kommenden “wilden Beschuldigungen” über die angebliche “trotzkistiseh-zionistische Gefahr”, die nichts als eine grosse Lüge war, auch für Polen übernommen habe. Auf diese Weise hätten die führenden kommunistischen Parteiinstanzen in Polen zu der “vergifteten Waffe des Antisemitismus” gegriffen. Es sei ein grosser Unsinn gewesen, schreibt Bürgin, die jüdischen Kommu nisten einer Verschwörung mit dem Imperialismus zu beschuldigen. Genau so unhaltbar wäre es, jedem Georgier vorzuwerfen, er sei ein georgischer Nationalist. Mit einer direkten Anspielung auf die Person Stalins erinnert der polnische Publizist, d ir vor einigen Jahren Botschafter Warschaus im kommunistischen China war, dass ein Georgier ein “grossrussischer Nationalist” sein kann. Der Verfasser des Artikels Saudi-Arabien ist keineswegs ein entlegenes öden unzugängliches Land. Es nimmt beinahe die ganze arabische Halbinsel ein und die Ostküste des Roten Meeres. Täglich segeln Hunderte grosser Schiffe nordwärts und südwaerts, angesichts dieser Küste, mit ihnen Luxusdampfer, die zwischen Europa, Indien, Australien und dem Fernen Osten kreuzen und deren Passagiere in ihren bequemen Hallen, Decken und Kajüten keine Ahnung haben von dem unmenschlichen Sklavenschacher, der nur wenige Meilen von ihnen entfernt seinen Verlauf nimmt. Unter diesen Schiffen sind auch Reihen von Tankern mit Oel von den arabischen Quellen, denn Saudi-Arabien ist eines der Hauptgebiete der Oelproduktion unserer Welt, und tatsächlich sind es die ungeheuren Gewinne durch das Oel, die diesem Lande indirekt den Sklavenkauf ermöglichen. Jährlich wallfahrten Zehntausende von Pilgern aus der gesamten mohammedanischen Welt nach Mekka in Saudi-Arabien, wo der Sklavenhandel in aller Oeffentlichkeit und vor aller Augen betrieben wird. Mekka ist tatsächlich das Zentrum des Sklavenmarktes des ganzen macht die Natolln-Gruppe dafür verantwortlich, dass sie in einem für sie kritischen Augenblick ihre Rettung im Antisemitismus suchte. Auf diese Weise wollten sich die Schuldigen am Unheil Polens vor ihrer Verantwortung drücken und die Juden zu Sündenbökken des eigenen Versagens machen. Bürgin schreibt offen von der Tragödie der polnischen Juden, bei denen jetzt ein regelrechter Exodus begonnen habe. Der Auszug der jüdischen Bevölkerung aus Polen sei “eine furchtbare Anklage an die Volksmacht, Partei und an alle”. Aber sogar bei der Ausreise mache man den Juden Schwierigkeiten und verlange von ihnen zusätzliche Gebühren. Während die deutschen Auswanderer, die in ihre Heimat fahren, von den Gebühren befreit sind, müssen die Juden, die aus ihrer Heimat vertrieben werden, dafür noch bezahlen. Das sei die Folge der verbrecherischen Politik der früheren Parteiführung, die seit den Schauprozessen gegen Rajk und Slansky und seit der Verhaftung der jüdischen Aerzte in Moskau eine “Arisierungspolitik” getrieben und schliesslich zu einem vielschichtigen Chauvinismus beigetragen habe, der sowohl antijüdisch wie auch antideutsch, antiukrainisch und schliesslich auch antisowjetisch sei. Landes. Man sagt, was Wall Street für den amerikanischen Businessman ist, das bedeutet Mekka für den arabischen Sklavenhändler. Saudi-Arabien ist, wie schon gesagt, von der Welt nicht abgeschnitten. Vom südlichsten Punkt Israels, Elath im Golf von Akaba, kann man sehen, wie vier Länder aneinandergrenzen: Aegypten, Israel, Jordanien und Saudi - Arabien. Saudi-Arabien ist deutlich in Sicht, kaum weiter als einen Steinwurf entfernt. In Saudi- Arabien selbst besteht eine grosse amerikanische Flugbasis, Hunderte ausländischer Geschäftsleute und Techniker sind nur allein in der Oelindustrie beschäftigt, und eine grosse Anzahl ausländischer Diplomaten ist am Hofe von König Saud akkreditiert. All diese Menschen wissen von dem Sklavenhandel, und keiner kann etwas dagegen tun. Die Tatsachen sind immer wieder veröffentlicht worden, sind vor die Vereinten Nationen gebracht worden, sowohl durch Einzelpersonen, die Beweise aus erster Hand gesammelt hatten, wie auch durch freie Organisationen, wie etwa die Anti-Sklaverei-Gesellschaft von Grossbritannien. (Neue Zürcher Zeitung.) SKLAVENHANDEL IN SAUDI - ARABIEN