Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XX (1958)
- Issue
- 9 (Septiebre, 1958)
- Date
- 1958-09-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Septiembre 1958 BOLETIN INFORMATIVO 11 von Dr. Alfred Gruen 220 Jahre sind verstrichen seit dem Zeitpunkt ar, welchem sich das Schicksal eines Mannes erfüllte, der in dem politischen Leben eines deutschen Kleinstaates eine Führende Rolle spielte, des württembergischen Geheimen Finanzrates Joseph Süss Oppenheimer. Sein rascher Aufstieg und sein jaeher Sturz haben nicht nur der Legende reiche Nahrung geboten sondern wurden auch von Wilhelm Hauff und in neuerer Zeit von Lion Feuchtwanger in Novellen, bezw. Romanform behandelt, teilweise mit grosser dichterischer Freiheit, welche mit der historischen Wirklichkeit nicht allenthalben übereinstimmt. Dieser Abenteurer wirklich grossen Stils gehoerte einer aus Oppenheim stammenden, weit verzweigten jüdischen Familie an, deren Hauptlinie die Wiener Oppenheimer darstellten, die als Hofbankiers des Kaisers politisch und wirtschaftlich bedeutenden Einfluss ausübten. Dies hing mit einer Erscheinung der damaligen Epoche zusammen, naemlich dem Emporkommen einer besonders privilegierten Klasse jüdischer Finanzleute, der Hofjuden oder Hoffaktoren, deren Aufgabe es war, die Mittel für die prunkvolle Hofhaltung der damaligen Fürsten zu beschaffen. Auch Joseph Süss ging den Weg, den seine wiener Verwandten bereits mit grossem Erfolge beschritten hatten. Er befasste sich zunaechst mit Wechsel- und Handelsgeschaeften sowie mit dem Vertrieb von Juwelen. Seine angenehmen gesellschaftlichen Formen, seine Eleganz und seine Unterhaltungsgabe machten es ihm leicht, auch in den hohen Kreisen Fuss zu fassen, und bald galt er in der deutschen Finanzwelt so viel, dass sein Geschaeftsfreund Isaak Simon aus Landau, gewoehnlich Isaak Landauer genannt, ihn dem damaligen Generalgouverneur von Serbien und Kaiserlichen Generalfeldmarschall, dem Prinzen Karl Alexander von Wurtttemberg vorstellen konnte. Süss wusste sich schnell das Vertrauen des Prinzen zu erwerben der ihn zu seinem Hof- und Kriegsfaktor und Schatullenverwalter ernannte und ihn, als Karl Alexander fast unerwarteterweise 1733 regierender Herzog von Württemberg wurde, zum eigentlichen Minister machte. Suess hatte keinen offiziellen Beamtenposten, er erhielt nur den Titel eines Geheimen Finanzrates, aber er war im Besitz aller Macht und benützte sie, um die recht kostspieligen Neigungen seines Herrn finanziell zu verwirklichen. Durch seine nie versagende Dienstwilligkeit trug er allen politischen, wirschaftlichen, privaten und auch — aller-privatesten Wünschen des Fürsten Rechnung und machte sich ihm dadurch unentbehrlich. Als Wirtschafts und Finanzfachmann war Süss ohne Zweifel seiner Zeit weit voraus. Er hatte schon damals erkannt, dass in der Zusammenfassung des zerstreuten und schlecht arbeitenden Volksvermoegens der Schlüssel zur tatsaechlichen Macht lag. Seine ganze finanzpolitische Taetigkeit ging von diesem Grundsatz aus, und die souveraene Ueberlegenheit, mit der er diese Probleme behandelte, entsprang einer Weitsichtigkeit, die ihn, wenn man ihn nur wirtschaftsgeschichtlich betrachtet, ohne Zweifel zum ersten Finanzpolitiker seiner Zeit machte. Karl Alexander war für ihn die Brücke zur Verwirklichung seiner Ideen, und das waere ihm vielleicht sogar zum Segen des Landes geglückt, wenn sein fieberhaftes Vorwaertsdraengen, sein, man moechte sagen, amerikanisches und jedenfalls durchaus unzeitgemaes i ses Tempo ihn nicht zu Gewaltsamkeiten verleitet haette, die ihm schliesslich den Boden unter den y; Füssen entzogen. f-i Vom sozialen und moralischen Standpunkt aus *■* ' wird man seine Steuerpolitik mit Recht skrupellos schelten. Rein finanzpolitisch gesehen ist die Art, f;1 wie er immer wieder neue Geldquellen zu erschlossen wusste, schlechterdings genial, wie denn die ganze Persoenlichkeit ohne Zweifel einen genialen f Zug hat. Wenn man sich vergegenwaertigt, welche a Fülle von geistiger Arbeit er bewaeltigte, wie er nicht nur politische Plaene entwarf, finanztechnische Probleme ausarbeitete, dem Herzog über die verschiedensten Dinge Vortraege hielt, sondern auch seine umfangreichen Privatgeschaefte und finanziellen Transaktionen erledigte, geschaeftliche Beziehungen t zur gesamten europaeischen Handelswelt und zahlreichen Hoefen unterhielt und zu diesem Zweck in; , allen europaeischen Sprachen eine umfangreiche Korrespondenz führte, daneben gesellschaftlich eine ' ■ grosse Rolle spielte und auch noch seine literarischen Interessen pflegte —er besass eine ausgesuchte Bibliothek— so muss man in ihm einen ungewoehn- & j liehen Kopf respektieren, der den Typ des modernen, feingebildeten und kultivierten "Businessman" ff vorwegnimmt. Er muss ein Schnell- und Vielarbeiter y, 1 ersten Ranges gewesen sein, besessen von einem J r ausserordentlichen Ehrgeiz und einer Arbeitswut, die “ in jenen behaglichen Zeiten noch fremdartig anmute- ' te und infolgedessen allgemeiner Verstaendnislosig- * i keit begegnete.! Süss war der erste Jude in Deutschland, der Ka- '$ \ valier, hoffaehig und gesellschaftlich gleichberechtigt if f war Wenn bei einer der grossen Festlichkeiten in S seinem Hause Karosse auf Karosse vor dem Portal %; hielt, wenn auf den Treppen sich die Livreen der Lakaien und Pagen mit den glaenzenden Toiletten || der erschienenen Gaeste mischten, dann stand inmitf ten des mit kostbaren Moebeln, seltenen Teppichen £ : und erlesenen Kunstwerken geschmückten Empfangsp saales, mit dem verbindlichen Laecheln des vollen- £ | deten Hofmannes nicht etwa ein Angehoeriger der verachteten jüdischen Rasse, sondern ein glaenzender g i überlegener Kavalier, der mit liebenswürdiger Selbstj. verstaendlichkeit die Honneurs machte, nach drei Seiten zugleich konversierte, immer witzig, immer yer- ' bindlich immer vollkommen beherrscht. Wenn dieser ' mittelgrosse, elegante und bewegliche Herr mit der y' leisen Selbstverstaendlichkeit eines regierenden Fürs-, > \ ten seine Gaeste zur Tafel bat, dann waren auch die £ : Verwoehntesten überrascht, denn solchen Prunk warJg man selbst bei Hoffestlichkeiten nicht gewoehnt. Inzwischen verschaerfte sich die politische Span-ff*; nung in Württemberg von Tag zu Tag. Der Herzog, i§l:! der schon vor seinem Regierungsantritt zum Katho- 3? lizismus ubergetreten war, plante einen Staatsstreich, der auf eine gewaltsame Wiedereinführung des Ka-’Jß: tholizismus in dem protestantischen Lande hinauslief.“¿K Doch all diesen Vorbereitungen machte der ploetz-'^ä liehe Tod des Herzogs, den ein Schlaganfail hinweg-•fm raffte, ein Ende. Und nun entlaedt sich die in den Im vier Jahren seiner Regierung auf gespeicherte, ungeheure Wut des misshandelten und auf gehetzten äg| Volkes, und zwar einzig und allein gegen den verhass-Wg, ten jüdischen Finanzrat, der für alle Uebergriffe derjm bisherigen Regierung verantwortlich gemacht wird, *39 und gegen den man sofort ein hochnotpeinliches Prozessverfahren einleitet. Wenn auch die übrigen Raete des Herzogs ebenfalls verhaftet wurden, so war es doch offensichtlich, dass zum alleinigen Sündenbock lediglich der jüdische Günstling des Fürsten ausersehen war. Zwar konn te er sich mit Recht darauf stützen, dass er nichts ohne Wissen und Befehl des Herzogs getan habe, dass keiner seiner Vorschlaege ohne Zustimmung der verfassungsmaessigen Kollegien oder Deputationen verwirklicht wurden und er im übrigen durch ein ihm vom Herzog erteiltes schriftliches Absolutorium aller Verantwortlichkeit enthoben war. Dennoch wurde er nach nahezu einjaehrigem Verfahren zum Tode durck den Strang verurteilt. Dieses Urteil wurde am 4. Februar 1738 in besonders schimpflicher Weise vollstreckt, denn der masslose Hass gegen Süss wollte sich nicht damit begnügen, ihn Kurzerhand aufzuhaengen, man wollte sich vielmehr über ihn auch noch im Tode lustig machen und haengte ihn in einem eisernen Kaefig an einen 35 Fuss hohen Galgen. Die Leiche des Exekutierten blieb volle 6 Jahre in dem Kaefig haengen. Erst 1744 wurde sie vom Galgen abgenommen und unter ihm begraben. Aber schon sehr bald nach seinem Tode erhob sich die Stimme der Besonnenheit. Die Saetze, mit denen der Verteidiger im Prozess, der tübinger Jurist Moegling, seine Verteidigungsschrift eingeleitet hatte: Wann jemals ein fürstlichen Bedienter seinem Herrn mit Fleiss, Treue und Eifer, mit Aufsatzung seiner Hab, Guts und Kredits, ja Leib und Lebens, aufrichtig und nach Kraeften gedient hatte, so ist es gewiss auswärts rubizierter Inquisit...”, verfehlten nicht ihre Wirkung, die noch durch die Erklaerung des Landschaftskonsulenten Johann Jakob Moser verstaerkt wurde, eines der rechtschaffenen Maenner das Landes: "Viele, die weit aergere Schelme, als Süss sind, laufen als ehrliche Leute noch frei und ungestraft herum". Auch der Pfarrer Rieger, ein frommer und gerader Mann, der schon am Sonntag vor der Hinrichtung über diesen Fall gepredigt hatte, bekannte oeffentlich: “Dieser ist nicht wie ein Epikuraeer gestorben, er hat an Gott und Gottes Geist, Unsterblichkeit der Seele und Ewigkeit geglaubt und den Namen Gottes bis zu seinem letzten Atemzug angerufen". Nachdem die Leidenschaftsausbrüche des Volkes sich einigermassen abgekühlt hatten begann man allmaehlich über diesen haesslichen Prozess und die schmachvolle Exekution Scham zu empfinden. Die vielen Schmaehschriften, die noch mehrere Monate nach der Hinrichtung erschienen waren verstummten mit einem Schlage, gleichsam als ob das Volk in seinem unbestechlichen Gerechtigkeitsgefühl begriffen habe, dass Süss ihm nur als Opfer von den wahrhaft Schuldigen vorgeworfen worden war, um die Aufmerksamkeit von den eigenen Machenschaften abzulenken und sich umso fester in den Sattel zu setzen. Das war das Ende dieses eigenartigen Manes der ein allzu williger Fürstendiener, ein genialer Hasardeur und ein bedenkenkloser Glücksritter war, dem aber durch eine Ueberfülle von Glück und Leid, von Schuld und Busse doch ein Schicksal im hoeheren Sinne zuteil geworden ist. (“Juedische Wochenschau”). Gemeindehaus, Av. Portugal 810, Sonntag, den 19. Oktober um 6 Uhr nachmittags MUSIKALISCHES ALLERLEI Eine Veranstaltung heiterer und ernster Musik. Leitung: JUAN PEYSER Conference: KITTY SCHWARZ M itwi rkende: (SOPRAN): Operetten Lieder und Duette (SOPRAN): Operetten und Duette (CELLO): Melodioeses und Virtuoses Klavierbegleitung: JUAN PEYSER Eintrittskarten zu $ 800.— im Buero der Gemeinde Ein Teil des Betrages kommt dem Altersheim zugute. MATILDE BRODERS ALFRED NEUGEBAUER (BARITON): DITA MARCUS HANS LOEWE