Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XX (1958)
- Issue
- 9 (Septiebre, 1958)
- Date
- 1958-09-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 BOLETIN INFORMATIVO Septiembre 1958 Die Frage des Nachwuchses Wir alle, die wir glauben, dass der Fortbestand des Judentums in Chile um jeden Preis gesichert werden muss, stehen heute vor der Frage, wie wir den Nachwuchs uns naeher bringen koennen. Es wird dabei viel von der sogenannten zweiten Generation gesprochen, den Menschen von 18-40 Jahren. bei denen das Interesse an unserer Gemeinde geweckt werden soll, und es wird allgemein bedauert, dass wir trotz vielen Nachdenkens der Loesung dieses Problems in den letzten Jahren nicht naeher gekommen sind; im Gegenteil, wenn wir uns genau pruefen, dann muessen wir zugeben, dass die wenigen Versuche, die von unseren aktivsten Elementen unternommen worden sind, praktisch an dem mangelnden Interesse und der allgemeinen Indifferenz gescheitert sind. Es ist daher angebracht, die Gruende unseres Misserfolges zu untersuchen und daraus Schlussfolgerungen fuer unsere kuenftige Arbeit zu ziehen. Ein Fehler, den wir machen, liegt in der Stellung der Frage selber. Eine zweite Generation in dem Sinne einer mehr oder weniger einheitlichen Gruppe Menschen existiert nicht. Wir muessen vielmehr in der Altersklasse von 18 - 40 Jahren drei verschiedene Gruppen unterscheiden, die jede fuer sich eine verschiedene Mentalitaet haben, so dass das Problem, wie man diese Menschen an uns heranziehen kann, auch nicht einheitlich geloest werden kann. Wir muessen unterscheiden: erstens die Unverheirateten, mit ihrem starken Drang nach Geselligkeit, oft auch mit dem Wunsch nach kultureller Arbeit, zweitens die Schicht der Jungverheirateten, bei denen aus den verschiedensten Gruenden der Wunsch nach Geselligkeit und kultureller Arbeit wesentlich geringer ist und schliesslich die relativ kleine Schicht der erfolgreichen Geschaeftsleute, die Zeit und Arbeitskraft uebrig haben, um sich leitenden Arbeiten in den Institutionen zu widmen, und die zum Teil sich auch noch jung genug erhalten haben, um geistig und kulturell interessiert zu sein. Was bietet nun unsere Gemeinde diesen drei Gruppen? Die jungen Menschen, die in allererster Linie Geselligkeit suchen, finden nichts bei uns, was sie anzieht. Die Raeume der Gemeinde sind vom Standpunkt dieser Menschen aus gesehen kalt und unfreundlich. Sie suchen ein Klubhaus, in dem man die Freunde trifft, von dem aus man ins Kino geht, wo man an einem kalten Wintertag gemuetlich Schach, Bridge, Tischtennis spielen kann, wo Zeitschriften ausliegen, hin und wieder ein israelischer Film gezeigt wird und wo man, wenn auch erst in zweiter Linie, sich auch einen Vortrag anhoeren kann. Dass diese Altersklasse besonderen Wert darauf legt, in einer ihr genehmen Umgebung tanzen zu koennen, braucht nicht betont zu werden. Wollen wir nun wirklich ernsthaft, dass die jungen unverheirateten Menschen zu uns kommen, dann muessen wir ihnen geben, wonach sie verlangen. Es sind mehrere Hundert Menschen alleine aus dem Kreis der letzten Immigration, ohne dass damit gesagt sein soll, dass die Jugend heute noch einen Unterschied nach Herkunftslaendern macht. Kommt diese Jugend aber erst einmal regelmaessig zu uns und weiss sie, dass unser Gemeindehaus das Zentrum ihres gesellschaftlichen Lebens ist, dann wird es uns leicht sein, aus den Vielen, die kommen werden, eine Auslese von geistig interessierten Menschen zu treffen, die fuer juedische Tradition und Geschichte Interesse haben. Es werden sich spontan Arbeitsgruppen bilden. Denn bei all dem oftgehoerten Pessimismus ueber die heutige Jugend; es gibt heute wie frueher viele leichtlebige und viele ernste Menschen, und es muss unsere Aufgabe sein, sowohl die einen wie die anderen an uns zu ziehen. Die zweite Schicht, die Jungverheirateten, ist in vielen Faellen so sehr mit ihrer Familie und dem Aufbau der Existenz beschaeftigt, dass sie kaum irgendwo anders als im Estadio Israelita zu sehen ist. Diese Menschen kommen jedoch noch zu einem grossen Teil zu dem Gottesdienst an den Hohen Feiertagen, zu Simchas Tauro sieht man sie und man hoert oft von ihnen, dass sie schon der Kinder wegen einen Weg zu irgendwelchen religioesen Werten suchen. Es gilt, diesen Menschen, die zu einem grossen Teil noch eine lebendige Beziehung zu einem Teil unserer Tradition haben, einen Jaum Kippur - Gottesdienst zu geben, der wirklich sie aus dem Druck des Alltags erhebt, —nicht die Orgel ist wichtig, sondern die innere Andacht—, ein Gottesdienst, in dessen Zentrum das “Unssane Taukef” und der Kniefall stehen, nicht das stundenlange Sammeln von Geld, denn nicht Geld erhaelt das Judentum und seine Institutionen, sondern der Geist. Und es muss der Versuch gemacht werden, diese Menschen dadurch an uns zu ziehen, dass wir ihren Kindern etwas geben, was ihre Eltern ihnen gerne geben moechten, aber nicht koennen. Es soll damit gesagt sein, dass wir fuer die Kinder unserer Gemeinde regelmaessig alle juedischen Feste religioeser und nationaler Art feiern muessen. Die Gemeinde hat damit schon einen erfolgreichen Anfang gemacht. Es kann aber in dieser Hinsicht noch viel geschehen, insbesondere was die Durchfuehrung der Feste anlangt, und man sollte sich nicht scheuen, die bezahlte Mitarbeit der Lehrer der juedischen Schule und der Schlichim in Anspruch zu nehmen. Es koennten Ausfluege der Gemeindejugend unter fachkundiger Aufsicht, ebenfalls von bezahlten Kraeften, organisiert werden, es kann ein juedischer Pfadfinderbund, angeschlossen an die hiesigen Boy - Scouts, gegruendet werden und wir koennen versichert sein, wenn es uns gelingt, die sieben— bis fuenfzehnjaehrigen an die Gemeinde zu binden, dann werden auch die Eltern nicht mehr der Gemeinde fern stehen. Was schliesslich die Erneuerung der Leitung der Gemeinde und ihrer Mitarbeiter in den verschiedenen Institutionen anlangt, so faellt die Last dieser Arbeit —wie auch wohl zum grossen Teil in Europa— auf die Schultern der Gruppe der erfolgreichen Geschaeftsleute. Fuer einzelne konkrete Aufgaben wie Sammeltaetigkeit, Presse, Organisierung der Jugendarbeit etc. duerfte es immer moeglich sein, auch Menschen aus den anderen Gruppen zu gewinnen, die gerne ihren Rat und ihre Arbeitskraft fuer eine fest begrenzte Aufgabe zur Verlegung stellen werden, doch kann eine Mitarbeit an regelmaessigen Sitzungen, die oft bis in spaete Stunden dauern, nur von einem kleinen Kreis von Menschen erwartet werden. Wir alle wissen, dass die Gemeinde als lebendiges Zentrum juedischen Lebens in Gefahr ist und dass sie absterben muss, wenn es uns nicht gelingt, die jungen Menschen an uns zu ziehen. Vielleicht erfordert die vor uns liegende Aufgabe ein radikales Umdenken in vieler Hinsicht, aber wir sollten daran denken, dass der Schabbat fuer die Juden da ist, nicht die Juden fuer den Schabbat. So ist auch das Gemeindehaus, auf das wir seinerzeit so stolz waren, als wir es einweihten, und das heute zu einer leeren Huelle zu werden droht, fuer die Gemeindemitglieder da. Wenn die Jugend, die allein fuer die Zukunft unser Gemeinschaft ausschlaggebend ist, verlangt, dass das Gemeindeleben neue Bahnen einschlaegt, dann muessen wir mit der Jugend Der bekannte Schriftsteller Dr. Juan Marin, der ein besonderer Kenner und Freund der arabischen Kultur ist, hat fuer sein Buch “El Pueblo Judio” dem Autor Miguel Saidel spontan einen aussergewoehnlich freundlichen Glueckwunschbrief geschickt. ☆ Fuer die letzten August-Tage war der Besuch einer Delegation des American Jewish Comittee, bestehend aus dessen mitgehen. Machen wir den Versuch, uns ganz auf die Wuensche der jungen Menschen einzustellen, dann werden sie auch zu uns kommen, und ist die Jugend erst einmal bei uns, dann koennen wir sicher sein, dass sie auch unseren Weg weiter gehen wird, auf ihre Weise und so wie sie es aufs Beste versteht. WALTER LEVY. Ehrenpraesidenten Jacob Blaustein und Praesidenten, Erwin Engel, angesagt. ☆ Zu einen Gasttournee weilten in Chile die israelischen Tennismeister und Davis-Pokal - Mannschaft Avidar und Davidman. Sie spielten im Estadio Israelita mit sehr guten einheimischen Tennisspielern und gewannen. Dem Schabbat- Gottesdienst wohnten sie in der Synagoge der B’ne Jisroel bei. Kulturveranstaltungen Sociedad des Herrn Gerd Leisersohn KULTURVERANSTALTUNG der Sociedad Cultural Israelita “B’ne Jisroel” Montag den 22 September 1958, abends 9 Uhr VORTRAG des Herrn Dr. Siegfried Krebs Delegierter der Universitaet Jerusalem fuer Latein Amerika “Die neue Universitaetsstadt von Jerusalem" mit Lichtbildern AUS DEM JISCHUW