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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1958-09-01 · 9 (Septiebre, 1958) · p. Seite 7

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XX (1958)
Issue
9 (Septiebre, 1958)
Date
1958-09-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Septiembre 1958 BOLETIN INFORMATIVO 7 CHAIM LASKOW- DER SOLDAT von Shraga Har - Gil „Chaim Laskow ist eine Firma”, erzaehlte man sich seinerzeit in der juedischen Brigade im englischen Heer. Viel hoerte ich als Soldat der Brigade von ihm, doch erst als wir in Holland waren, lernte ich ihn persoenlich kennen. JEs war ein kalter Wintertag, und es schneite ohne Ende, Ploetzlich wurden wir zum Appell gerufen. Es hiess, dass wir, die neu in der Kompagnie waren, Laskow, dem neuen Kompagnie - Kommandanten vorgestellt werden sollten. Im Gegensatz su den anderen Offizieren war Laskow in eine einfache Felduniform gekleidet, hatte Militaerstiefel an, und man sah sofort, dass die Ausruestung direkt von unserem Quartiermeister kam und ein „Massanzug” wie alle Felduniformen war. Die anderen Offiziere gingen am liebsten in Uniformen, die vom BataiUionsschneider gemacht wurden. „Bei mir werdet ihr euch nicht viel ausruhen”, sagte Laskow in einem sehr sachlich gehaltenen Ton. Und so war es auch. Der Krieg war bereits zu Ende, andere Offiziere machten sich ein leichtes Leben, und Hessen auch ihren Soldaten mehr freie Zeit, doch bei Laskow gab es all das nicht. Ausser dem offiziellen Urlaub mussten wir Tag und Nacht ueben, und das bei zehn Grad unter Null. Eines Tages sah er, wie wir Handschuhe anhatten, als wir Gewehruebungen machten, auch schossen wir immer mit Handschuhen, denn gerade das Gewehr war bei Frost besonders kalt, doch bald war all das zu Ende. Laskow kam dazu, erklaerte uns, dass man sich abhaerte, wenn man ohne Handschuhe Gewehruebungen macht Wir laechelten etwas misstrauisch. Laskow nahm das Gewehr von einem der Soldaten und zeigte uns, dass auch er kann, was er von den anderen verlangte. In Holland war damals gerade der Krieg zuende. Die Leute waren ausgehungert und nahmen die juedischen Soldaten, wie auch alle anderen Truppen der Verbuendeten als Befreier auf. Offiziere wie Mannschaften waren bei den ansaessigen Frauen sehr beliebt, und gingen soviel wie moeglich aus, nur einer blieb meistens im Feldlager und las Literatur: der junge Captain Laskow. Man erzaehlte sich, dass er mit den Buechern von Klausewitz schlafen gehe und mit denen von Captain Liddle Hart aufwache. Der Krieg war schon lange aus. Die Soldaten wollten nachhause und interessierten sich ziemlich wenig fuer das Soldatentum, doch Laskow erklaerte immer und immer wieder: „Wir Juden brauchen Soldaten und echte kaempfende Truppen, wir werden sie eines Tages sehr noetig haben”. Mancher lachte ueber diese komische Prophezeiung. Drei Jahre spaeter ging sie in Erfuellung. Eines Tages verschwanden aus unserem Lager einige beladene Lastwagen. Laskow, unser Kommandant, war wuetend. Die Autos waren fuer den Transport von Fluechtlingen vorgesehen. Laskow wusste ungefaehr, wer der Mitschuldige an dem Riesendiebstahl war. Er rief ihn zu sich auf das Zimmer, nahm ihm seine Offiziers- Dienstabzeichen ab und sagte, „ich werde dich solange schlagen, bis du die Autos, die so wichtig fuer uns sind, zurueckgibst, doch hast du die Moeglichkeit, dich zu wehren”. Nach einigen Stunden waren die Autos wieder da. Wer ein guter Soldat war, der war bei Laskow immer gut angeschrieben, denn Laskow war in erster Linie und immer Soldat. Wenn er den Appell abnahm, erweckte er immer den Eindruck, als ob er jeden Moment selbst bereit sei, in den Kampf zu ziehen. Immer sah man ihn in Felduniform. Er hatte immer den etwas grobschlaechtigen Gang eines gezaehmten Baeren. Man wusste, Laskow war mutig, man wusste, dass ein Soldat, der etwas Ernstliches auf dem Herzen hatte, sich an ihn wenden konnte, doch nichts war Laskow verhasster als Drueckeberger. Einige Zeit nach der Aufloesung der juedischen Brigade traf ich Laskow auf der Strasse. Er erzaehlte mir, dass er in der Elektrizitaetsgesellschaft arbeite, doch war das nur eine Tarnung. Laskow war auch weiter hauptsaechlich in der Hagana taetig und organisierte den ersten Offizierskurs, der in Natania abgehalten wurde, und dessen Absolventen die ersten Kader der jungen Armee Israels wurden. Es vergingen wieder einige Monate, und ich verlor ihn ganz aus den Augen. Eines Tages waehrend des Befreiungskrieges, als ich auf einer Chaussee nach dem Norden stand und auf eine Freifahrt wartete, hielt ein Jeep. Der Chauffeur war kein anderer als mein frueherer Kommandant Chaim Laskow. Wieder machte er den selben Eindruck wie frueher. Er war durch und durch Soldat. Es war gerade nach der Schlacht bei Latrun, die mit unserer Niederlage endete, und in der er einer der Kommandanten 'war. Ich sah, es schmerzte ihn aufrichtig um jeden gefallenen Soldaten, obwohl er die Toten nicht kannte, da sie erst einige Tage zuvor aus Zypern ins Land gekommen waren. Doch er machte nicht den Eindruck eines Mannes, der sich durch einen Misserfolg geschlagen gab. Als seine „halbgepanzerten Einheiten” einige Wochen spaeter durch das Galil sausten und mit der Einheit, der ich angehoerte, einen Teil des westlichen Galils eroberten, war es wieder Laskow, der immer ruhig und kuehl blieb und auch in der groessten Hitze des Gefechts niemals irgendein voreiliges Kommando gab. Viele Jahre vergingen. Ich hatte ihn schon fast vergessen, als ich Laskow im Sinai - Feldzug als Kommandanten der Panzereinheiten, traf, die den groessten Teil zum Erfolg der Kampagne beitrugen. Sein Stab befand sich in einem verlassenen aegyptischen Militaerlager. Er erzaehlte uns, was man alles im Zimmer des aegyptischen Generals gefunden hatte. Als Laskow das Zimmer bezog, waren alle Luxusartikel verschwunden, es verblieben nur eine grosse Landkarte und einige alte Stuehle darin. Laskow erklaerte immer wieder: „Ich will es niemals besser haben als meine Soldaten”. Uebrigens erzaehlten mir seine Soldaten, dass Laskow stets die Gefechte selbst leitete und immer zur rechten Zeit zur Stelle war. Er blieb niemals in der Etappe, waehrend seine Leute im Feuer lagen. Vor einigen Monaten besuchte ich Laskow in seiner Wohnung. Er erzaehlte mir verschiedenes ueber den Befreiungskrieg. Er war darueber verbittert, dass viele versuchten, die verschiedenen Episoden des Befreiungskrieges unsachlich zu schildern. Ich befand mich in Begleitung eines jungen Sergeanten doch er, der Aluf, nahm uns als gleiche auf und liess nicht eine Minute lang durchblicken, dass er, einer der hoechsten Offiziere Zahals mit einem Unteroffizier, ganz frei und kameradschaftlich sprach. Als wir uns verabschiedeten, drueckte er uns die Hand und er drueckte sie kraeftig. Einen solchen Haendedruck vergisst man nicht so schnell. Das ist der neue Befehlshaber der israelischen Armee. YESO A JLÜkOMERAL para TERMINACIONES PERFECTAS Gran rendimiento Distrib: SODIMAC - S. A. G. SAAVEDRA BENARD AGENCIAS GRAHAM S. A. C. DESHALB! von Kurt Kaiser - Blueth Unlängst hat man in einer Stadt in Westfalen einen Bürger verhaftet, der ein Modell der Friedlichkeit schien und der Sympathie in allen Kreisen der Bevölkerung genoss. Der brave Mann hatte einen Abscheu vor aller Politik und lebte nur seiner Arbeit. Er war der Besitzer einer Schuhmacherwerkstatt. Alle Welt war baff vor Erstaunen, dass bei diesem arbeitsamen und freundlichen Zeitgenossen die Polizei erschien. Sie erschien nicht ohne Grund — der friedliche Bürger war in Wirklichkeit ein ehemaliger SS-Chef, der sich unter falschem Namen etabliert hatte und auf dessen Schuldkonto der Tod von mehr als 30.000 slowakischen Juden kam... Das ist der Grund, weshalb sich ein Jude in Deutschland nicht heimisch fühlen kann! In allen Ecken sitzen sie, kaschiert, aber auch mit offenem Visier, die Mörder unserer Kinder und unserer Eltern. Es steht einem Mörder nicht an der Stirn geschrieben, was er in jüngster Vergangenheit angerichtet hat. Sie haben Gesichter wie jedermann, manchmal sogar ausgezeichnete Manieren und können höchst liebenswürdig sein. Der Arzt, der Dir in seiner Sprechstunde ein Mittel gegen die Schlaflosigkeit verschreibt und überaus angenehm und verbindlich wirkt — hat er nicht vielleicht vor 15 Jahren die Notwendigkeit begründet, aus Gründen der artreinen Biologie und des Rassenschutzes die jüdischen Männer zu sterilisieren? Der Kellner, der Dich aufmerksam bedient, war er nicht einer Von jenen, die die Synagogen in Brand steckten, die in der Kristallnacht die Scheiben klirren Hessen, die Juden misshandelten? Der redegewandte Herr, der Dir einen Radioapparat verkaufen will, ist er nicht vielleicht einer von denen gewesen ,die im Warschauer Ghetto Frauen und Kinder niedermetzelten oder denen in Riga mehr als 10.000 Juden zum Opfer gefallen sind? Und die nette Dame, die Dir im Eisenbahnwagen so anheimelnd von ihrer kleinen Nichte erzählt, hat sie nicht vielleicht, mit Schaum vor dem Munde, dem Manne aus Braunau Beifall gebrüllt und frenetisch Hassgesänge gegen die Juden angestimmt, die man in die Todeslager schleppte? Das was das Vergessen so schwierig macht, so verzweifelt schwierig, ist ja nicht die Tatsache, dass all das passieren konnte. Unsinn, zu sagen, dass diese Frevel “nur in Deutschland möglich” gewesen seien. Hüten wir uns vor dummen und gefährlichen Vorurteilen! Das war und das ist überall möglich, wo die psychologischen und materielien Voraussetzungen gegeben sind und wo es einigen Kanaillen gelingt, diese Voraussetzungen für ihre verbrecherischen Gelüste nutzbar zu machen. Wer kann mit Sicherheit sagen, dass die Deutschen “prädestinierter” für derartige barbarische Ausbrüche seien als andere Völker? Aber die Misere Hegt nicht da. Sie Hegt in dem entsetzlichen Phänomen, dass man diese furchtbare Epoche nicht als etwas Einmaliges, Unerklärliches für immer von der deutschen Geschichte isoliert hax, dass sie nicht in Pestquarantäne getan wurde, dass Tausende ehemaliger aktiv MitbeteiUgter und Mitschuldige heute “Demokraten” spielen dürfen, dass ein Gesetz die Bürger, die sich nicht genieren, ermächtigt, jene Dekorationen zu tragen, die die Mörder verliehen haben und an denen nicht nur das Blut gefallener bewaffneter Gegner, sondern vor allem das Blut gemeuchelter unbewaffneter Zivilisten, Frauen, Männer und Kinder klebt — auch wenn man es nicht wahrhaben will —, kurzum, dass man diese Periode des Grauens und des Verbrechens ohne Namen nicht mit dem Messer des Chirurgen ausschneidet, sondern sie als Teil des Ganzen in die Geschichte des Volkes einfügen will. Nicht als ihren besten Teil, gewiss, aber doch als ein Stück von ihr.. . Aus dieser fluchwürdigen Zwiespältigkeit, die den Mord nicht Mord zu nennen wagt, und die den Irrsinnsausbruch, den Amoklauf eines ganzen Volkes als eine Kette höchst bedauerlicher “Irrtümer und Fehler” zur Diskussion stellt, erwächst das Grauen der überlebenden Juden von denen, die höchstwahrscheinlich in aller Unschuld längst alles vergessen haben. Wächst dieses Misstrauen, das man gewiss pathologisch nennen könnte, wenn es nicht seine elementare Rechtfertigung in dieser intellektuellen und moralischen Unsauberkeit fände, die man den Männern, die Hitlers Erbe zu liquidieren hatten, zum Vorwurf machen muss. Dass die Mörder unter den Deutschen sind, wer wäre kleinlich verbittert genug, es ihnen nach zwölf Jahren noch zum Vorwurf zu machen? Mörder sind nicht nur unter den Deutschen, sie sind, leider, überaU. Aber, dass man gestern Mörder sein konnte, heute ein friedlicher Bürger sein darf, um vielleicht morgen ebenso unbedenklich wieder ein Mörder zu sein, das vor allem ist es, was die Opfer als unerträglich und revoltierend empfinden müssen. Die Unlogik und die Inkonsequenz sind die Wegbereiter der Komplizität. Wenn das Schandregime des Dritten Reiches unehrenhaft und verbrecherisch war, so war nichts was ihm, direkt oder indirekt, diente, ehrenhaft. Es gibt keine halbe Ehrlosigkeit, kein halbes Verbrechen. Wie die Gerechtigkeit nicht teilbar ist und nach Mass angewandt werden kann, so gibt es nur eine unteilbare Unehrenhaftigkeit. Es gibt keine Orden und Ehrenzeichen, verliehen von den Mördern unschuldiger Frauen und Kinder, selbst wenn aus diesen Orden das blutige Hakenkreuz entfernt worden ist Wer sie trägt, trägt keine Ehren, sondern Un-Ehrenzeichen. Man hat vergessen, sich selbst die Wahrheit zu sagen. Und das ist es, was die Atmosphäre so schwer macht, dass einem der Atem vergeht... Und wenn mich ein wohlmeinender deutscher Freund fragt — weshalb dies Sichfest- Beissen in der Vergangenheit, dies unüberwindbare Misstrauen, so muss ich ihm sagen: —Deshalb—! (LA SEMANA ISRAELITA).

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