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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1958-09-01 · 9 (Septiebre, 1958) · p. Seite 5

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XX (1958)
Issue
9 (Septiebre, 1958)
Date
1958-09-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Septiembre 1958 BOLETIN INFORMATIVO 5 DER ANTISEMITISCHE TERROR Zur Erinnerung an den dramatischen Beginn einer grossen Leidensgeschichte hat die Zentralleitung des Jüdischen Weltkongresses in New York eine Protestkundgebung gegen den kommunistischen Antisemitismus veranstaltet und eine spezielle Ausgabe der Publikation des Kongresses den Opfern des Antisemitismus gewidmet. Die meisten Berichte dieser Ausgabe stammen von kompetenten jüdischen Kulturpolitikem und von bekannten jüdischen Intellektuellen, die ihre Informationen über den Leidensweg der Märtyrer der antisemitischen sowjetischen Politik an Ort und Stelle gesammelt haben. Die vorgelegten Dokumente enthüllen Gewaltakte und Methoden des offiziellen kommunistischen Antisemitismus, die bisher der grossen Oeffentlichkeit unbekannt waren. LIQUIDIERUNG DER JÜDISCHEN KULTURINSTITUTIONEN Am 13. Januar 1948 kam in Minsk der Direktor des Jüdischen Staatstheaters, Solomon Michallowitsch Michoels, unter mysteriösen Umständen ums Leben. Zwar ehrte ihn der Kreml mit einer feierlichen offiziellen Beerdigung. Aber kurz darauf setzte die systematische Terrorisierung der jüdischen Kulturinstitutionen und die Verfolgung der jüdischen Schriftsteller ein, so dass es naheliegend war, im Ableben Michoels einen kaltblütig geplanten Anschlag zu erblicken, eine These, die namentlich M. Mann in der in Tel Aviv erscheinenden Zeitschrift “Die goldene Kette" sowie die von einer Gruppe jüdischer oppositioneller Kommunisten in Montevideo herausgegebene Publikation mit dem Titel “Wir werden leben" verfechten. Ohne irgendwelche Warnungen oder Erklärungen wurden die jüdischen Zeitungen und Zeitschriften verboten; geschlossen wurden die jüdischen Verlagsanstalten, das jüdische Staatstheater, die Theaterschule namens Michoels, die Bibliotheken, sämtliche jüdischen Lehranstalten, und zwar Mittelschulen und Hochschulen. Es erfolgten bald Verhaftungen der jüdischen Dichter, Künstler, Schauspieler und Musiker. Nach einem kontrollierten dokumentarischen Bericht des Generalsekretärs der bekannten humanitären Organisation Jewish Labor Committee of America, J. Pat, in der erwähnten Publikation des jüdischen Kulturkongresses forderte der Terrorfeldzug gegen die Juden folgende Opfer: 238 jüdische Schriftsteller bzw. Dichter, 97 jüdische Maler, 94 jüdische Schauspieler und 19 jüdische Musiker. Die Gesamtzahl der liquidierten jüdischen Intellektuellen ist viel grösser. Das Jewish Labor Committee o£ America, dessen Verdienste um den Kampf gegen den kommunistischen Antisemitismus nicht übersehen werden können, publizierte die Namen der Opfer der antisemitischen Politik der Sowjetdiktatur in der Schrift “The People vs. The Soviet Government” (Report Edited by J. Pat. Jewish Labor Committee. New York City. 1956). DIE OPFER Von den besonders bekannten jüdischen Schriftstellern und Dichtern, die verhaftet, gefoltert, deportiert und hingerichtet wurden, werden in der Publikation des Jüdischen Kongresses nachstehende Namen hervorgehohen: David Bergei - son, Romanschriftsteller und namhafter Dichter der jüdischen Literatur, dessen Werke in andere Sprachen übertragen sind; er wurde nach langen Entbehrungen und Folterungen deportiert und erschossen; Perez Märkisch, ein berühmter Dichter, der nach Torturen erschossen wurde. Vor seinem Tod hat Märkisch den kommunistischen Henkern ins Gesicht geschleudert: “Ihr seid Hitleristen! Ihr seid Barbaren!” Der Schriftsteller David Hofstein wurde, nachdem man ihm sein Todesurteil bekanntg e g e b e n hatte, irrsinnig. Die Vollstrekkung des Todesurteils wurde nun zurückgestellt und Hofstein ins Gefängnis abtransportiert, um als abschreckendes Beispiel für andere Leidensgenossen zu dienen; er lebte nicht mehr lange. Der Schriftsteller Leib Kwittko wurde zusammen mit andern Berufskollegen im Gefängnis erschossen. Der Schriftsteller D. Nestor wurde deportiert und später liquidiert. Die Schriftsteller Moscha Kulbak, Dobruschin und Schniur haben in den Konzentrationslagern den Tod gefunden. Das sind nur einige Beispiele aus der grossen Zahl von jüdischen Schriftstellern, die als Opfer des kommunistischen Antisemitismus umkamen. Die verhafteten Schriftsteller schmachteten oft nach der Deportation mehrere Jahre in Gefängnissen, in Konzentrationslagern und in verlorenen Gegenden, wo sie systematisch erniedrigt und gepeinigt wurden. David Bergelson, Perez Märkisch und Itzig Feier wurden im November 1949 aus Moskau deportiert und in Gefängnisse eingeliefert; erschossen wurden sie am 12. August 1952. Am gleichen Tag wurde auch der Schriftsteller Kwittko erschossen. Viele der hingerichteten jüdischen Schriftsteller hatten ein Bekenntnis zum Kommunismus abgelegt und nahmen gegenüber dem Diktaturregime eine loyale Stellung ein, dennoch wurden sie liquidiert. SCHWEIGEN DER 8OWJETRU6S ISCHEN SCHRIFTSTELLER Aufsehenerregende Einzelheiten über die brutalen Methoden der Liquidierung des Schriftstellers David Bergelson und des Dichters Itzig Fefer berichtet der bekannte amerikanische Schriftsteller Howard Fast in seinem Buch “The Naked God” (Praeger, New York), das er nach seinem Bruch mit den Kommunisten herausgegeben hat. Seine wertvollen Informationen verdienen ganz besondere Beachtung, weil er in den langen Jahren, in denen er in der kommunistischen Bewegung eine angesehene Rolle spielte, mit den sowjetrussischen und jüdischen Schriftstellern in freundschaftlichem Kontakt stand und die Gewaltmethoden des totalitären Kommunismus gut kennt. “Es fängt an mit der Verhaftung von David Bergelson”, führt Fast in seinem Buch aus, “dem in der ganzen Welt bekannten sowjetisch-jüdischen Schriftsteller. Warum er verhaftet wurde, wissen wir nicht, diese Frage können nur die Russen selbst beantworten. Aller Wahr- Von Paul Olberg scheinlichkeit nach hing es mit dem erfundenen “Zionisten- Komplott” zusammen, und so war der entscheidende Grund für seine Verhaftung auf jeden Fall seine jüdische Abstammung, was immer sonst noch für Gründe Vorgelegen haben mögen. Er wurde ins Gefängnis gebracht und systematisch verprügelt. Er sollte sich zu einer Reihe von Verbrechen bekennen, die ihm in allen Einzelheiten vorerzählt wurden — also keine Gehirnwäsche, kein Wahrheitsserum oder irgendwelche anderen Mittel aus dem Arsenal der Science - Fiction, sondern nichts weiter als der Knüppel und die Peitsche”. Stalins Hofdichter 11ja Ehrenburg spielte in dem tragischen Fall Bergelson eine besonders schändliche Rolle. “Noch ehe Bergelson starb”, berichtet ferner H. Fast, “erfuhr Itzig Fefer von dessen Verhaftung und Leiden. Da er ein Freund von ihm war, bemühte er sich um seine Rettung. Aber keiner der Schriftsteller, an die er sich wandte, war zu einem gemeinsamen Schritt bereit. Alle hatten Furcht und sagten Fefer nur, dass sein Insistieren ihn nur selbst ins Gefängnis bringen würde. Fefer wandte sich auch an Ehrenburg, der ihm jedoch ebenfalls die Hilfe versagte, obwohl er sehr gute Beziehungen zu Stalin hatte. Fefer soll Ehrenburg damals zugerufen haben: “Ich werde es also allein versuchen — und wenn sie mich verhaften und umbringen, dann möge mein Tod bloss an das Ende deines Lebens dein Gewissen belasten!’ Und so geschah es. Von seinem Gewissen getrieben, kam Fefer zusammen mit Bergelson um”. Fast wirft die natürliche Frage auf, die Tausende und aber Tausende von Menschen in der freien Welt noch bis auf den heutigen Tag sich stellen: “Wo war in diesem Augenblick Fade jew, der sich nach dem 20. Kongress erschossen hat? Wo war Polewoj, den ich geschätzt und geliebt habe wie nur wenige andere Menschen? Wo war Simonow, wo Scholochow? Wo waren sie alle, die immer wieder und überall in der Welt Vorträge über die Ehre und die Integrität der Menschheit gehalten hatten? Wo waren die selbstgerechten Prediger der Literaturnaja Gaseta? Wo waren all die ehrenwerten sowjetischen Schriftsteller, die Amerika immer als ein Land der Barbaren, ohne Kultur und Tradition, bezeichnet hatten? Gewiss, bei uns wurden Sacco und Vanzetti hingerichtet, aber unser Ruf der Empörung war damals in der ganzen Welt zu hören. Habe ich meine Stimme nicht immer erhoben, wenn ich von Ungerechtigkeiten in meinem eigenen Lande erfuhr? Im Namen all dessen, was euch heilig ist, meine russischen Freunde, wo waren eure Stimmen, als bei euch der Mord durch das Land ging?” Auf diese Frage erfolgte aus Sowjetrussland keine direkte Antwort. Als eine indirekte Antwort muss das Andauem der peinlichen Situation gelten, dass alle von Fast genannten prominenten sowjetrussischen Schriftsteller nach wie vor die antis em i tisch e Politik des Kreml keiner Krjtik unterziehen. Von einem Protest dieser Schriftsteller gegen den Anti¬ IN SOWJETRUSSLAND semitismus kann schon gar keine Rede sein. Der bedeutendste Dichter der modernen jüdischen Literatur und Vorsitzende des Kulturkongresses, H. Leiwik, beurteilt und verurteilt die antisemitische Politik des Sowjetkommunismus als eine Methode der absoluten Missachtung der Menschenrechte und der Menschenwürde. “Ein Hund, ein Laika”, führt er in der erwähnten Publikation des Kulturkongresses aus, “wird von den Sowjetmachthabern in den Himmel gehoben. Der Mensch aber wird von ihnen erniedrigt, gefoltert und in die tiefste Tiefe der Erde, ins Grab, geworfen”. Leiwik erhebt eine schwere Anklage nicht nur gegen die Machthaber des Kreml, die die Hauptverantwortung für die brutale Judenverfolgung tragen, sondern auch gegen die sowjetrussischen Schriftsteller, die die Ausrottung der jüdischen Schriftsteller und die Liquidierung der jüdischen Kulturinstitutionen stillschweigend hingenommen haben. “Die ganze sowjetische Literatur trägt die Schuld an der Ausrottung der jüdischen Schriftsteller und an dem Verrat den jüdischen Berufskollegen gegenüber”, erklärt Leiwik in seiner Anklage. Seine scharfe Kritik verschont nicht die jüdischen kommunistischen Schriftsteller in den Vereinigten Staaten, welche die furchtbaren Verbrechen des russischen Kommunismus verschwiegen oder sogar verteidigten. Leiwik stempelt diese Leute als die “finsteren Ehrenburgs” ab. Einen gewissen Anhaltspunkt zur Aufklärung der Rolle der sowjetrussischen Schriftsteller liefern die Beobachtungen, die der amerikanische Publizist und Redaktor der jüdischen Tageszeitung “Vorwärts” Leon Krischtal auf seinen Studienreisen in Sowjetrussland machte und die er in der Publikation des Kulturkongresses schildert. Er machte die persönliche Erfahrung, dass bekannte sowjetrussische Schriftsteller ganz und gar unter dem schändlichen Einfluss des Terrorsystems ihr Dasein fristen. So gewähren sie zum Beispiel einem ausländischen Journalisten nur dann ein Interview, wenn sie die Genehmigung der zuständigen Instanz eingeholt haben. In diesem Zusammenhang sei in Erinnerung gebracht, dass auch unter dem Zarismus keine Freiheit existierte. Trotzdem fanden ideell gesinnte Dichter Wege und Mittel, um ein mutiges Wort gegen die Unfreiheit zu sagen. STALINS DEPORTATIONSPLAN Bekanntlich zielte Stalins antisemitischer Plan darauf hinaus, die etwa 2,5 Millionen Juden in Sowjetrussland nach den entferntesten Gegenden des Riesenreiches zu deportieren. Die Juden sollten dem sicheren Tod preisgegeben werden. Dieses Gewaltprogramm sollte durch einen Monsterprozess gegen die berühmten jüdischen Aerzte, die angeblich kommunistische Führer ums Leben brachten, eingeleitet und begründet werden. Alle Vorbereitungen für den Schauprozess waren schon getroffen. Das Schauspiel der Gerichtsverhandlungen war anscheinend für anfangs März 1953 vorgesehen. Aber dieser Plan brach glücklicherweise zusammen, da Stalin unmittelbar vor den Gerichtsverhandlungen starb. Das Schauspiel des Aerzteprozesses wurde rückgängig gemacht. Eine neue Phase der politischen Geschichte Sowjetrusslands begann. (Neue Zuercher Zeitung). ANWACHSEN DER JUEDISCHEN BEVOELKERUNG IN LATEIN AMERIKA STATISTIKEN VON 1939 - 1956 Interessante Informationen des jüdischen Weltkongresses. Der Juedische Weltkongress veroeffentlicht einen interessanten Bericht, aus dem hervorgeht, dass die juedische Bevoelkerung in 27 Laendern suedlich der Vereinigten Staaten von Amerika in den Jahren von 1939 bis 1956 um 162.000 gstiegen ist, und somit 5% der gesamten juedischen Bevoelkerung in der Welt betraegt, die auf 11.810.000 geschaetzt wird. Die Zahl der in diesen Laendern wohnenden Juden betrug 1939 ca. 667.000 und wuchs, hauptsaechlich auf Grund des natuerliehen Wachs, tums der Bevoelkerung und der grossen Emigration aus Europa nach dem 2. Weltkrieg bis auf 667.000 im Jahre 1956. Diese Ziffern sind ein Teil eines allgemeinen Studiums ueber Wanderungsprobleme und einer Statistik ueber die juedische Bevoelkerung in der Welt im Jahre 1956, die von dem Institute fuer juedische Probleme vorbereitet werden. Wie allgemein bekannt, vertritt der Juedische Weltkongress Organisationen in mehr als 60 Laendern. In 12 Laendern Südamerikas leben augenblicklich, dem Bericht entsprechend, 626.000 Juden und in 15 Laendern Mittelamerikas und der Antillen weitere 41.000. Die Vergroesserung der juedischen Bevoelkerung war besonders bemerkenswert in den 6 nachfolgenden Laendern und entsprechen die Ziffern den Jahren 1939 und 1956: Argentinien von 320.000 auf 400.000; Brasilien von 75.000 auf 125.000; Chile von 25.000 auf 35.000; Kolumbien von 4.000 auf 9.000; Uruguay von 30.000 auf 40.000 und Venezuela von 2.000 auf 5.000. Ueber die uebrigen Laender gibt der Bericht folgende Statistik fuer das Jahr 1956 an: Bolivien: 3.000; Kostarika: 1.200; Kuba: 8.000; Curaçao: 750; Dominikanische Rep.: 300; Ecuador: 3.000; El Salvador: 260; Brit. Guayana: 130; Guatemala: 390; Haiti: 100; Honduras: 80; Jamaica: 1.400; Martinica: 100; México: 26.500; Nicaragua: 200; Panamá: 1.500; Paraguay: 1.500; Perú: 3.500; Surinam: 1.000; Trinidad: 200; Islas Vírgenes: 60. Aus dem Bericht geht ebenfalls hervor, dass in ganz Latein-Amerika 220 juedische Schulen existieren, an deren Unterricht ca. 30.000 juedische Kinder teilnehmen.

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