Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XX (1958)
- Issue
- 8 (Agosto, 1958)
- Date
- 1958-08-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 BOLETIN INFORMATIVO Agosto 1958 Flucht eines Naziverbrechers nach Aegypten Die Laufbahn des Lagerarztes von Buchenwald In dem kürzlich zu Ende gegangenen Prozess gegen den Lageraufseher von Buchenwald, Sommer, wurde der Lagerarzt Dr. Hans Eisele von glaubwürdigen Zeugen immer wieder als Massenmörder erwähnt. Wochenlang hatte dieser Prozess Sommer das Gericht in Bayreuth und die Oeffentlichkeit beschäftigt, und die furchtbaren Verbrechen der Naziführer fanden wieder eine grauenhafte Bestätigung. Vorher hatte man in Deutschland oft hören können, dass diese ungeheuerlichen Verbrechen gegen die Menschheit als eine Erfindung der Amerikaner bezeichnet wurden, als reine Greuelpropaganda zu dem Zweck, das Ansehen Deutschlands zu verunglimpfen. Der Prozess Sommer, der zur Verurteilung des Angeklagten zu lebenslänglichem Zuchthaus wegen mehrfachen Mordes führte, hat endlich die deutsche Oeffentlichkeit aufhorchen lassen. Im Prozess gegen Sommer war der Direktor des Nachrichtenamtes der Stadt München, Josef Ackermann, ein Hauptzeuge. Man hätte annehmen können, dass die Aussagen dieses Zeugen, der lange Jahre seines Lebens als Häftling in Buchenwald verbrachte, das Gericht und die Staatsanwaltschaft hätten hellhörig machen müssen. Ackermann beschönigte keineswegs die furchtbaren Taten des Massenmörders Sommer, vertrat jedoch die Ansicht, dass Sommer nur “die Faust” des KZ-Systems gewesen sei während die intellektuellen Urheber des grauenhaften Systems sich nicht auf der Ankla- I! gebank, sondern wieder in angesehenen Stellungen befänden. Direkt und indirekt nannte Akkermann als Beispiel den Lagerarzt von Buchenwald, Dr. Hans Eisele, der in dieser Eigenschaft Verbrechen von nicht zu überbietender Grausamkeit begangen hatte, seit einigen Jahren aber in München-Pasing wieder eine florierende Praxis als Arzt betreibt. Es war Ackermann selbst, dem es gelungen war, den ehemaligen KZ-Arzt von Buchenwald ausfindig zu machen. Als an der Identität Dr. Eiseies nicht mehr zu zweifeln war, übergab Ackermann seine Unterlagen dem Münchner Polizeipräsidenten Anton Heigl, der nach genauer Prüfung der Sachlage den Kriminalamtmann Bauer mit den weiteren Untersuchungen beauftragte. Dabei wurde festgestellt, dass Dr. Eisele für seine Mordtaten im KZ-Lager Dachau von einem amerikanischen Militärgericht am 13. Dezember 1945 zum erstenmal zum Tode durch den Strang verurteilt worden war. Am 14. August 1957 wurde Eisele von einem amerikanischen Kriegsgericht für seine Verbrechen im Lager Buchenwald zum zweitenmal zum Tode verurteilt, später aber zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt und in die Strafanstalt für Kriegsverbrecher nach Landsberg übergeführt. In Anbetracht seines guten Verhaltens wie auch dank angeblicher familiärer Beziehungen zu hohen amerikanischen Politikern wurde der zweimal zum Tode Verurteilte im Jahre 1952 aus der Haft entlassen, wobei dies jedoch von den amerikanischen Behörden den deutschen Amtsstellen nicht mitgeteilt wurde. Diesen Umstand wusste Eisele geschickt auszunützen. Er kehrte nicht nach Freiburg im Breisgau, seinem früheren Heimatort, zurück, sondern meldete sich im Februar 1952 bei den zuständigen Amtsstellen der Stadt München und wurde als harmloser “Spätheimkehrer” anerkannt. Es wurde erst jetzt festgestellt, dass alle seine Angaben bei den Behörden unwahr gewesen sind. Er behauptete, dass er in amerikanischer Internierungshaft nur gewesen sei, weil er SS-Arzt war. Die Behörden schienen keine Zweifel an der Richtigkeit seiner Angaben gehabt zu haben, und Dr. Eisele hatte es deshalb sehr leicht, auch von der Aerztekammer und dem Aerztlichen Bezirksverein als “heimkehrender” Arzt zugelassen zu werden. Er erhielt eine staatliche Beihilfe von 3000 Mark sowie weitere 25000 Mark, um sich niederlassen zu können, ausserdem die automatische Anerkennung als Kassenarzt. Seit der Nennung seines Namens im Prozess Sommer soll sich ■—• nach Angaben des Leiters des Aerztlichen Bezirksvereins — die Frequenz der Praxis Dr. Eiseies verdreifacht haben. Dieser Beweis der Sympathie mit einem berüchtigten Naziverbrecher, der rechtsgültig zum Tode verurteilt war, wirft ein eigenartiges Schlaglicht auf die moralische Verfassung gewisser deutscher Kreise. Ackermann hatte sein Beweismaterial gegen Dr. Eisele bereits am-14. Mai dem Polizeipräsidenten übergeben. Zur gleichen Zeit nannte er drei Zeugen, die ihre schwer belastenden Aussagen unter Eid gemacht haben, Aussagen, die noch viel grauenhafter sind als alle Tatsachen, die im Mordprozess Sommer an den Tag kamen. Trotz allem wurde der MordfalJ Eisele erst am 26. Juni, also fast sechs Wochen später, der Staatsanwaltschaft in München zugeleitet. Am 28. Juni wurde der Haftbefehl gegen den ehemaligen KZ-Arzt erlassen. Seit dem 27. Juni ist Eisele jedoch verschwunden. Erst einige Tage später wurde die Polizei in Alarmbereitschaft gesetzt, um Eisele zu verhaften oder seine Flucht zu verhindern. Der KZ- Arzt hatte also sehr viel Zeit, seine Flucht zu planen und in aller Ruhe die Abreise durchzuführen. Inzwischen wird gemeldet, dass sich Dr. Eisele zu Schiff von Genua nach Aegypten begeben und unbehelligt in Kairo eingetroffen ist. Seit einigen Tagen wird er nicht nur von den deutschen Polizeibehörden, sondern auch von der “Interpol” gesucht. Dem Flüchtling war aber offenbar bekannt, dass der Arm dieser internationalen Fahndungsorganisation nicht nach Aegypten reicht. - (“Neue Zürcher Zeitung”). Stefan Laskowilz JOYERO Hechuras, Transformaciones y Composturas 21 DE MAYO 617 Entrepiso, Local 4 Fono 495476 Oberhemden Klinik Reparaturen jeder Art Kragen — Manchetten — Vorderteile werden preiswert und schnell ausgeführt. 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