Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XX (1958)
- Issue
- 8 (Agosto, 1958)
- Date
- 1958-08-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Agosto 1958 BOLETIN INFORMATIVO 5 BAGDAD - PAKT: Bagdad ohne Pakt und Pakt ohne Bagdad U.R.S.S 0. R- S. S. *8oia RR AH 6 P=AS I RIA IRAK RAM EGIPTO S U DAN r^o E T lOPIA DER MITTLERE OSTEN Was bleibt dem Westen noch? (Karte: “Ercilla”). “Eden ist der Initiator des Bagdad-Paktes, der heute buchstaeblich. nur noch an dem duen nen Lebensfaden des unpopulaeren Premiers von Irak, Nuri es Said, haengt und mit dessen bevorstehenden Zusammenbruch die gesamte Mittelostpolitik Englands vor dem Nichts stehen wird”. (“Monatsspiegel” September 1946) Der Faden ist jetzt durchschnitten worden. Am 14. Juli 1958 war es so weit. In einem blutigen Putsch, der der prowestlichen Koenigsfamilie von Bagdad und ihrem “Starken Mann” Nuri das Leben kostete, uebernahm ein “republikanisches” Regime unter Fuehrung des Brigadier Karim el Kassem die Macht in Bagdad. “Republikanisch” heisst dort: eine Allianz der nasseristisch orientierten arabischen Nationalisten aus der Schule jenes Raschid Ali el Ghailani, der waehrend des 2. Weltkriegs dort unter der Nase der Englaender eine Nazi - Regierung etablierte, und der Kommunisten . Die Westmaechte antworteten mit der Landung amerikanischer Truppen in Libanon und britischer Fallschirmjaeger in Jordanien, um die beiden letzten arabischen Laender des Mittleren Ostens, die noch nicht der Allianz Nasser- Kruschev zum Opfer gefallen sind, zu retten. Waehrend der zweiten Haelfte des Monats Juli war es der Friede der Welt, der an einem Faden hing. Er wurde zum Glueck nicht durchschnitten. Die befuerchteten Gegenmassnahmen Kruschevs —Ent- Sendung von “Freiwilligen” nach Syrien, Einmarsch in Iran— blieben aus. Er begnuegte sich damit, die Rolle des Friedensretters zu spielen und die Gipfelkonferenz, an der ihm aus Propagandagruenden enorm viel liegt, rasch zustande zu bringen. Im Moment, da diese Zeilen gedruckt vorliegen werden, ist vielleicht der Vorhang vor dem Konferenz - Theater schon hochgegangen und die Hauptdarsteller erscheinen in dramatischen Posen. Ein nach Abermillionen zaehlendes Publikum wird gespannt auf die Buehne schauen. Das wirkliche Drama aber wird ganz wo anders weiter abrollen: auf den Oelfeldem des Mittleren Ostens, wo zwei Drittel der Oelreserven der Welt verborgen liegen; auf den Wasserwegen und Oleodukten, durch die das Blut der europaeischen Industrie fliesst; auf den Strassen und Feldern Arabiens, wo unteremaehrte und analphabetische Massen vom Strudel eines aggressiven Nationalismus mitgerissen werden. ZEICHEN DER SCHWAECHE? Die Staatsmaenner jedenfalls lenken das Scheinwerferlicht und damit die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf den gruenen Tisch. Eine neue Phase der Verhandlungen hat begonnen und, falls keine weiteren Ueberraschungen eintreten, darf man wohl damit rechnen, dass sich der neue statu quo fuer eine gewisse Zeit stabilisiert. iÄl NURI ES SAID Der Faden ist durchschnitten (Foto: "Revue”) Unverantwortliche Kommentatoren haben das Ausbleiben russischer Gegenmassnahmen einfach als ein Zeichen der Schwaeche ausgelegt. Eine solche Interpretation ist nicht mehr als das westliche Gegenstueck zu der russischen Propaganda-Simpelei, Moskau habe damit einen neuen Beweis seiner “Friedens”-Politik geliefert. In Wirklichkeit ist Russland weder schwach noch friedlich. Fuer ihn waren aber drei Ueberlegungen massgebend, die ihrer Bedeutung nach in umgekehrter Reihenfolge folgendermassen aussehen: Die dritte zuerst: Die Vorbereitungen zur Gipfelkonferenz agonisierten und es bot sich Kruschev eine einzigartige Gelegenheit, den Westen zu ihrer Durchfuehrung unter den fuer Russland maerchenhaft guenstigen Begleitumstaenden der amerikanisch-britischen ‘Agression” in Libanon und Jordan zu zwingen. Der zweite Grund war Nasser. Der aegyptische Diktator war in der Stunde der Entscheidungen von seinem Staatsbesuch in Belgrad nach Moskau geflogen, um Kruschev zu bewegen, keine militaerische Repressalien zu ergreifen. Diese Bitte entspricht dem Charakter der Allianz Kruschev- Nasser, bei der ein jeder den andern als Werkzeug fuer seine eigenen Plaene benutzt bezw. fuer dessen Plaene dient. Nasser arbeitet am Aufbau eines gross - arabischen Imperiums von Persischen Golf bis Marokko. Er stoesst dabei u.a. mit den Westmaechten zusammen und braucht die Rückendeckung von Moskau. Er ist sich aber klar darueber, dass eine direkte Intervention der Russen ihm die Fuehrerstellung kosten wuerde. Kruschev rennt gegen die westlichen Positionen in der ganzen Welt an. Dabei bedient er sich nicht nur der Kommunistischen Parteien, sondern eines jeden Verbündeten, der ihm dabei dienlich sein kann, gleichwelcher Ideologie. Im Mittleren Osten ist dies heute der Nasserismus. Fuers erste sieht er in ihm ein derart geeignetes Instrument zur Verdraengung des Westens, dass er ihm sogar Syrien, mit laechelnder Miene zum boesen Spiel, ueberlassen hat, obwohl dort die kommunistischen Agenten unter Serrach praktisch bereits die Macht kontrollierten. So hat er auch jetzt, seiner Allianz mit Nasser zuliebe, die Finger aus dem Spiel gelassen. Einstweilen profitieren beide unwahrscheinlich hohe politische Dividenden von der Sozietaet. Fuer den hypothetischen Fall, dass sie den Bankrott der westlichen Konkurrenz herbeifuehren koennten —man kann nicht leugnen, dass sie auf dem Wege sind—, waere der Moment fuer die interne Auseinandersetzung gekommen. Wie diese auszugehen pflegt, das weiss man zum Beispiel in Osteuropa sehr genau. Und zuletzt der Hauptgrund, Nummer Eins: Kruschev will wirklich keinen Krieg. Nicht aus den romantischen Beweggründen des kommunistischen “Stockholmer Manifests” heraus, sondern weil er die Partie ohnehin gewinnen kann. Wenn er sie noch nicht gewonnen hat. Mit dem “friedlichen” Koenigsmord von Bagdad hat er fuers Erste genug erreicht. Denn was bedeuten die Ereignisse des 14. und 15. Juli? Sie bedeuten, dass das vermeintliche Gegengewicht, mit dem der Westen die Vereinigte Arabische Republik (VAR) Nassers aufzuwiegen gedachte, zerschmettert ist. Und sie bedeuten, dass die beiden letzten arabischen Staaten, in denen noch pro - westliche Regie r u n g e n herrschen, naemlich Libanon und Jordan, dieselben nur noch auf den Spitzen der amerikanischen und englischen Bajonette existieren koennen. Im Libanon ist durch die Wahl des General Chehab zum Praesidenten selbst diese Moeglichkeit in Frage gestellt. Auf alle Faelle aber handelt es sich um die beiden schwaechsten, unbedeutendsten und unwichtigsten unter den arabischen Staaten. ZEICHEN DER STAERKE? So gesehen, ist auch die Besetzung dieser beiden Laender kein unbedingtes Zeichen der Staerke des Westens. Gewiss, man hat die augenblickliche Situation stabilisiert, aber zweifellos nur fuer eine gewisse Zeit, nicht allzulange und ausserdem, nachdem man die vitale Position im Irak abgeschrieben hat. So trafen sich die “Bagdad- Pakt”-Maechte (heute noch die Tuerkei, Iran —das naechste Opfer?—, Pakistan und England) mit Foster Dulles in Lon- ■ V»lT “Das Bad ist erfrischend’ (Karikatur von Dosch, in “Davar”) don und berieten ueber die Zukunft des Paktes... ohne Bagdad. Man fuetterte die Presse mit Nachrichten, dass das neue Regime in Irak gute Beziehungen mit dem Westen aufzunehmen wuensche und man gewaehrte ihm die unvermeidliche diplomatische Anerkennung, man gab seiner Freude darueber Ausdruck, dass es weiter Oel an die westlichen Kunden zu liefern gedenke und man nahm sogar mit einer gewissen Zuversicht davon Kenntnis, dass der Brigadier Kassem die Beteiligung des Irak am Pakte noch nicht “formell” gekuendigt hat. Will man nicht sehen oder nur nicht zugeben, dass die “guten Beziehungen” zum Westen von den neuen Herren in Bagdad und den alten in Kairo und Moskau nur von Bedeutung sind, solange etwas Gras ueber das Grab Faisals waechst? Will man nicht zugeben oder sieht man wirklich nicht, dass der Irak im Moment gar keinen anderen Kunden fuer sein Oel hat, die westliche Versorgung aber nunmehr vom “guten Willen”, vom politischen Kalkuel, von der Erpressung des Feindes abhaengt? Und wenn man sieht, dass der Abfall Bagdads vom Bagdad-Pakt keine Frage der Formalitaeten oder nur noch eine solche ist, warum gibt man es nicht zu? Man hatte noch nicht einmal die Phantasie, dem Kind einen anderen Namen zu geben. Foster Dulles resuemierte das Ergebnis der Konferenz mit einer Erklaerung, die einem Faustschlag in das Gesicht eines jeden denkenden Menschen gleichkommt: der Pakt sei staerker als je zuvor! Mit Respekt vor der oeffentlichen Meinung hat sein Konzept von Demokratie offensichtlich nichts zu tun. DIE VERPASSTE UND DIE PASSENDE GELEGENHEIT Es muss noch einmal gesagt werden: der Anfang vom Ende im Zusammenbruch der angloamerikanischen Politik im Mittleren Osten war die Suez- Aktion. Die amerikanischen Oel-Konsortien und ihr Agent Foster Dulles glaubten in ihrem Wahn, die freiwerdenden britischen Positionen einnehmen zu koennen. Sie zwangen England und Frankreich zu schmachvollem Rueckzug und spekulierten auf “Prestigezuwachs” und Nassers Dankbarkeit. Nasser hat sich bedankt, auf seine Art. Andere haben die freigewordenen Positionen eingenommen. Die Gelegenheit wurde verpasst, Aegypten unter einem Naguib zur Raison zurueckzubringen und das heisst heute ausserdem Syrien und Irak. Saud von Arabien, Eisenhowers persoe n 1 i c h e r Freund, dem spaeter eine entscheidende Rolle gegen den wieder frech gewordenen Nasser zugedacht worden war, ist heute kaum mehr als ein Gefangener seines Bruders Faisal, der Amerika und den Westen hasst. Der Scheich von Kuweit wird frueher oder spaeter den Canossa-Gang nach Kairo antreten muessen. In Libanon ist ein Praesident gewaehlt worden, der das Vertrauen aller, das heisst auch der nasseristischen Aufstaendischen, geniesst. Hussein von Jordan ist von Nasser in offener Aufforderung zum Mord das Schicksal seines Grossvaters Abdullah prophezeit worden. Was bleibt dem Westen noch? Waere es nicht die passende Gelegenheit, die bisherige Politik zu revidieren? Einzusehen, dass es absurd war zu glauben, ein. Staat wie der Irak koenne den Willen oder die Kraft haben, den Westen gegen Nasser und Kruschev zu verteidigen? Das Oel-Problem unter dem Gesichtspunkt der Versorgung und nicht unter dem des Geschaefts zu behandeln? Israels als einen der vorgeschobenen Posten der Zivilisation zu akzeptieren, den es tatsächlich darstellt und ihm nicht weiter die Waffen und Wirtschaftshilfe zu verweigern, die es gegen die Bedrohung und Boykott braucht? Zu versuchen, die Initiative zurueckzugewinnen? Eine neue Politik zu entwerfen? Nasser weiss, wohin er will. Kruschev weiss es. Wann wird man es auch in Washington und London wissen? ATSCHEKA.