Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XX (1958)
- Issue
- 8 (Agosto, 1958)
- Date
- 1958-08-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Agosto 1958 BOLETIN INFORMATIVO 7 DAS TAGEBUCH DIE WAHRHEIT, NICHTS ALS DIE WAHRHEIT, DIE GANZE WAHRHEIT 118! mm m¡M Wmm Ä2 ■ ANNE FRANK So sah das juedische Maedel aus, das an das Gute im Menschen glaubte und trotz allem von den Nazis ermordet wurde... (Foto: Fischer-Buecherei) Ist die volle Wahrheit in das Bewusstsein der deutschen Nation gedrungen? Arthur Koestler schreibt: “Vermutlich wird sie niemals eindringen, weil sie einfach zu fuerchterlich ist, als dass man ihr offen ins Antlitz blicken koennte”. Und Dr. Meier Teich bemerkt dazu ergaenzend: “Man muesste der deutschen Jugend, wenn sie zu neuen und besseren Menschen erzogen werden soll, die volle Wahrheit zur Kenntnis bringen: dass es unter sechs Millionen schuldlos umgebrachten Juden nicht weniger als eine Million Anne Franks gegeben hat ungezählte Tausende von lebensfrohen, herrlichen, begabten, ja auch genialen Kindern, die dem deutschen Massenmord ebenso unschuldig zum Opfer gefallen sind”. Anne schrieb an “Kitty”: “Stell Dir vor, wie interessant es waere, wenn ich einen Roman vom “Hinterhaus” veroeffentlichen wuerde. Bei dem Titel allerdings wüerden sich die Menschen denken, es handelt sich um einen Detektiv-Roman. Aber nun im Ernst. Wird es nicht Jahre nach dem Krieg, vielleicht nach zehn Jahren, unglaublich erscheinen, wenn wir erzaehlen, wie wir Juden hier gelebt, gesprochen, gegessen haben?’ Am 15. Juli 1944 notierte sie: “Wir Juengeren haben doppelte Muehe, unsere Ansichten zu behaupten in einer Zeit, in der alle Ideale vernichtet und zerstoert werden, wo die Menschen sich von ihrer haesslichen Seite zeigen, wo gezweifelt wird an der Wahrheit, am Recht, an Gott!... Das ist das Schwierige an dieser Zeit: Ideale, Traeume, schoene Erwartungen kommen bei uns noch nicht auf oder sie werden, getroffen durch die greuliche Wirklichkeit, total zerstoert”. Und: “Es ist ein Wunder, dass ich all meine Hoffnungen noch nicht aufgegeben habe, denn sie erscheinen absurd und unerfuellbar. Doch ich halte daran fest, trotz allem, weil ich Anne Frank wurde am 12. Juni 1929 in Frankfurt am Main geboren. Ihre Familie emigrierte nach Holland und fand waehrend der Besatzungszeit Zuflucht in einem Versteck in der Prinzengracht in Amsterdam. ft Dort entstand das “Tagebuch” in Form von Briefen an “Kitty”, die “liebste Freundin” mit der Eintragung vom 12. Juni 1942: “Ich hoffe, dass ich Dir alles anvertrauen kann, wie ich es bisher noch niemals konnte, und ich hoffe, dass Du mir eine grosse Stuetze sein wirst”. ft Das Tagebuch zeichnet “das Schicksal der Eingeschlossenen, die, monataus, monatein, auf diese Raeume und auf sich selbst angewiesen, zur Zimmer hoelle verdammt, ihre Tage und ihre Naechte bestehen mussten” (Albrecht Goes). ' ft Seine Aufzeichnungen sind von schoenster Klarheit und Offenheit und spiegeln die seenoch stets an das Gute im Menschen glaube. Es ist nun einmal nicht moeglich, alles auf der Basis von Tod, Elend und Verwirrung aufzubauen. Ich sehe, wie die Welt langsam mehr und mehr in eine Wueste verwandelt wird, ich hoere immer staerker den anrollenden Donner, der auch uns toeten wird, ich fuehle das Leid von Millionen Menschen mit, und doch, wenn ich nach dem Himmel sehe, denke ich, dass alles sich wieder zum Guten wenden wird, dass auch diese Haerte lische Entwicklung einer fruehreifen Jugendlichen, die mit der eigenen Seele und der Umwelt ringt und sich um das Verstaendnis einer Welt bemueht, von der ihr nur ganz wenige Quadratmeter zugaenglich sind. ft Die letzte Eintragung ist vom, 1. August 1944. Sie umfasst das Tagebuch eine Lebensspanne von zwei Jahren. ft Im August 1944 —die alliierten Befreiungsheere standen bereits in Frankreich— wurde das Versteck, wahrscheinlich durch Denunziation, von den Deutschen aufgespuert. Anne Frank kam mit ihrer Mutter und Schwester nach Auschwitz, wo Frau Frank im Frauenlager Birkenau starb. ft Spaeter wurde sie nach Bergen verschleppt; dort kam erst Margot um und etwas spaeter, vermutlich im Maerz 1945, starb auch sie. ein Ende haben muss und wieder Friede und Ruhe die Weltordnung beherrschen werden. Inzwischen muss ich meine Ideale hochhalten; in den Zeiten, die kommen, werden sie dann vielleicht doch noch ausfuehrbar sein”. Die letzte Eintragung ist vom 1. August 1944, am 4. August fiel die Gestapo ins Hinterhaus ein. Von seinen Insassen ueber lebte nur Otto Frank. Ueber das Schicksal der anderen Untergetauchten interviewte Emst Schnabel eine Schicksalsgenossin, Frau de Wiek, die folgendes aussagt: “... Frau Frank ist gestorben. Und mein Mann ist auch gestorben. Herr Frank hat es mir gesagt, als wir uns in Kattowitz wiedersahen. Herr van Daan wurde vergast. Herr Frank hat ihn zur Gaskammer marschieren sehen. Herr Düssei ist in Neuengamme umgekommen. Peter nahm die SS mit, als sie im Januar Auschwitz verliessen. Herr Frank lag in der Krankenbaracke, und er hatte Peter zu ueberreden versucht, sich auch im Krankenblock zu verstecken, aber Peter wagte es nicht. Sie nahmen ihn mit. Sie nahmen alle mit,... die noch laufen konnten. Es war kalt und die Strassen waren vereist. Von den meisten hat man nichts mehr gehoert. Auch von Peter van Daan nicht. Wie Frau van Daan gestorben ist, ist nicht bekannt. Margot ist Ende Februar oder Anfang Maerz 1944 gestorben. Eine Barackennachbarin sagt, sie sei schwer krank gewesen und tagelang im tiefsten Koma. In einer solchen Ohnmacht sei sie (Fortsetzung Seite 9). ANNE FRANK: DAS MAEDEL, DAS DEN TOD UEBERLEBTE ANNE FRANK SIE UEBERFLUEGELTE DIE STIMMEN DER ZEIT “So blieb diese Stimme bewahrt, eine von den Millionen, die verstummt sind, vielleicht die schwaechste von allen. Sie sagt, wie diese Millionen gelebt, gesprochen, gegessen haben, und sie ueberdauerte das Geschrei der Moerder und ueberfluegelte die Stimmen der Zeit”. (Ernst Schnabel: Spur eines Kindes). Das Tagebuch der Anne Frank hat in wenigen Jahren eine v i e 1 f a c he Millionenauflage in allen Kultursprachen erfahren. Allein die deutsche Ausgabe (Fischer-Buecherei) war vor mehr als einem Jahr von 450 Tausend. Die Buehnen—, Hoerspiel— und Film-Version ist von den amerikanischen Drehbuch —Autoren F r a n c e s Goodrich und Albert Hackett und hat den Pulitzer— Preis gewonnen. Der Filmdirigent George Stevens bereitet augenblicklich in Hollywood die Lichtbild-Version vom Tagebuch vor. Die Hauptdarst e 1 I e r i n Millie Perkins wurde unter mehr als zehntausend Anwaerterinnen ausgesucht, die er und sein Stab examinierten. Die letzte Auswahl traf Stevens persoenlich zwischen sieben Schauspielerinnen: Janne Sarstadt (Amsterdam), Sabine Sinjen (Berlin), llana Kuper (Tel Aviv), Chariklla Baxevanos (Wien), Marie Versini (Paris), M e IIn d a Byron (New York) und Millie Perkins (Hollywood). Die deutsche Urauffuehrung fand gleichzeitig in 7 Staedten statt und erweckte einen Eindruck ohnegleichen. Die sieben Saele blieben stumm und das Publikum nach dem Fallen des Vorhangs an die Sitze gefesselt: Scham und Ergriffenheit erstickten jeden Applaus. Die deutschen Rundfunkanstalten und der Fischer —Verlag lassen die Einnahmen aus Hoerspielen und Veroeffentlichungen dem von ihnen gegruendeten Anne Frank —Stipendium zufliessen, das jungen israelischen Studenten, Kuen s 11 e r n und Wissensch a f t I e r n Studienaufenthalte in Europa ermoeglichen soll. Die deutschsprachige Buehne Santiago unter Leitung von Reinhold Olszewsky brachte im Jahre 1956 Auszuege aus dem Tagebuch zur Vorlesung und fuehrte den Reinertrag juedischen wohltaetigen Zwecken zu; das “Teatro Experimental” hat seine Avant-Premlere der “WIZO” zediert. Die Inszenierung des “Teatro Experimental” steht unter der Regie seines Direktors Agustín Slré und die Besetzung der Rollen Ist wie folgt: Xrmena Gallardo (Anne Frank), Bélgica Castro (Annes Mutter), Rubén Sotoconil (Herr Frank), Coca Melnick (Margot), Lucho Barahona (Peter van Daan), Roberto Parada und María Cänepa (seine Eltern) und Jorge Lillo (Dr. Dussel). tplilffi i»; »II MILLIE PERKINS So sieht die Schauspielerin aus, die das juedische Maedel darstellen wird, die trotz allem an das Gute im Menschen glaubte... (Foto: “Paris Match”)