Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1958-07-01 · 7 (Julio, 1958) · p. Seite 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XX (1958)
Issue
7 (Julio, 1958)
Date
1958-07-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/8553624-8557203-9194381--2322-8557345
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

8 BOLETIN INFORMATIVO Julio 1958 KU - KLIIX - KLAN ORTSGRUPPE CHILE ENTLARVT mïïy B MANUEL ALBERTO SOTO LOPEZ, FRANZ HEINZ PFEIFER RICHTER UND DIE BRUEDER OSCAR UND CARLOS URQUIETA VARGAS: ...marschieren im Geist in ihren Reihen mit! DIE OFFENBURG’SCHE OFFENBARUNG DES HERRN LUDWIG PANKRAZ UND Kommentar zu einem Antisemiten-Prozess Von Fridolin Tschudi Ich war nie ein Nazi und Antisemit, Ich weiss, wieviel Schuld diese Herrn auf sich luden. Ich weiss, wie ich selber darunter oft litt. Doch wen trifft die Hauptschuld?— Die Juden! Die Juden! Ich bin lutheranisch getraut und getauft Ich achte die fremden Gebraeuche und Sitten. Ich habe den “Stürmer” aus Jux nur gekauft. Doch wer war beleidigt?— Die Israeliten! Ich trat der Partei erst bei Kriegsausbruch bei. Ich war nie befreundet mit Goebbels und Himmler. Ich sagte ganz offen, wer Mendelssohn sei. Doch wer wühlte weiter? Die Rothschild und Simler! Ich habe schon früh vor dem Iwan gewarnt. Ich sah selbst in Polen ein paar Europäer. Ich sass in Paris als Franzose getarnt Mae khi nus a trahi? — Nu wer? Der Hebräer! Ich habe als Pankraz, der Schmoller, gerast. Ich habe gesprochen. Entscheide dich du denn. Ich habe gesagt, sie gehoeren vergast. Und wer rührt sich wieder? — Die Ju-den! Die Ju den! (“Die Weltwoche”) MONATSSPIEGEL (Fortsetzung von Seite 7) Die Beziehungen der nordamerikanischen Regierung zu ihren lateinischen Nachbarn war im Laufe des letzten Jahres das Thema vieler Zeitungskommentare und wichtiger politischer Konferenzen. Mit Recht koennen die meisten suedamerikanischen Staaten behaupten, eine stiefmuetterliche Behandlung seitens ihres noerdlichen Nachbarn zu erfahren . Mit uebertriebener Sorglosigkeit glauben Politiker im Weissen Haus, an dem suedlichen Hintertuerchen keinerlei Bedrohung fuerchten zu muessen. Soweit die offizielle Einstellung Nordamerikas zu den Lateinamerikanischen Staaten. Anders jedoch und realer betrachten uns, die wir hier im Sueden leben, die nordamerikanischen Geschaeftsleute und Privatorganisationen. Schon laengst hatten die weitsichtigen Kaufleute und die Grossfinanz einen potentiellen Markt und ein grosses Wirkungsgebiet in Sued-Amerika entdeckt, das zwar ganz andere Charakteristiken zeigt, als sie es von zu Hause gewoehnt sind, aber trotzdem grosse Moeglichkeiten bietet. Aber nicht nur die nordamerikanische Geschaeftswelt “entdeckte” uns, sondern auch die in Nordamerika so verbreiteten religioesen Sekten und Missionsverbaende. Viele von ihnen haben auch hier in Chile wie in anderen suedamerikanischen Staaten ihre Zelte aufgeschlagen, und versuchen, mit der Bevoelkerung Kontakt zu bekommen, Seelenfang zu treiben, oder sie sonst in ihrem Sinne zu beeinflussen. Der materielle oder geistige Segen, der den von ihnen Erfassten zukommt variiert in den verschiedensten Graden, doch neuerdings hat sich eine neue Organisation dazugesellt, welcher man wirklich keinerlei positiven Werte zuschreiben kann. Es handelt sich um niemand Geringeren als den so beruechtigten Ku Klux Klan. Es ist wohl ueberfluessig, an dieser Stelle den erzreaktionaeren Charakter dieser Organisation und ihr trauriges Wirken in den Vereinigten Staaten zu analysieren. Doch ganz neu und erwaehnungswert ist die Tatsache, dass auch diese Organisation, die bisher ein voellig lokales Wirkungsfeld hatte, Expansionsdrang verspuert und sich neuerdings Suedamerika als Betaetigungsfeld ausgesucht hat. Seit ungefaehr einem Jahr macht auch die chil e n i s c h e Zweigstelle des K. K. K. sich bemerkbar. Die ersten Versuche, sich in Chile zu organisieren, wurden nach erprobten nordamerikanischem Muster gemacht und auch von dort dirigiert. Vom Hauptquartier des K.K.K., dem kleinen Staedchen Waco in Texas, kamen die entsprechenden Anordnungen. Unter dem Pseudonym eines Herrn Horace Sherman unterhaelt der K.K.K. dort sein eigenes Postfach, ueber das der Kontakt innerhalb der Staaten und auch ins Ausland a'’frerht erhalten wird. Von dort wurde die chilenische Ortsgruppe reichlich mit Propagandamaterial versorgt. Auch die faschistische Internationale mit ihrem Hauptsitz in Schweden, war, wie immer in solchen Faellen, “mit von der Partie”, und liess es sich nicht nehmen auch ihrerseits Hetzpropaganda per Post an den hiesigen Mittelsmann zu schicken. All das Material kam hauptsaechlich mit dem Leitmotiv des Rassenhasses. Doch die Parole “Arische Edelrasse”, “Tod dem Neger”, “Katholizismus ist verkapptes Judentum” und Antifreimaurertum, schienen hier falsch angebracht und somit blieben nur noch der Antisemitismus und als sekundaerer Schlachtruf auch der Antikommunismus uebrig. Auf diese beiden Gebiete somit verlegte sich die lokale “Ortsgruppe”. Ihr Werbefeldzug zur Erfassung aktiver Mitglieder bestand zunaechst im Kontaktnehmen mit Splittergruppen aufgeloester reaktionaerer Verbaende und bezeichnenderweise auch durch direkte und permanente Inserate im “Mundo Arabe”, in denen sie offen um Mitglieder zur “Bekaempfung des internationalen Judentums” warben. In Erwartung betraechtlichen Zulaufs stellte man ein komplettes organisatorisches Geruest auf. Man schuf die altbekannte Rangordnung mit mystischen Titeln. Unter anderen den Posten des Ortsgruppenfuehrers (“Gran Dragón”), Oberpriesters und die der Kommandanten dreier Kampfgruppen. Bezeichnenderweise waren die Namen dieser 3 Kampfgruppen folgende: Adolf Hitler, Manuel Rodríguez, Benito Mussolini. Der erwartete Erfolg von Massenzustrom blieb aber aus. Wahrscheinlich wirkten die Kampfparolen nicht zuendend genug und bestand auch kein allzu grosser Kampfgeist. Nur einige wenige meldeten sich, die bereit waren, wirklich aktive Arbeit in diesem Sinne zu leisten, sich dem mystischen Zeremoniell dieser Organisation zu unterwerfen und sich nachts mit Kapuzen beim Hersagen geheimer Formeln auf entlegenen Feldern oder an den Abhaengen des San Cristóbal zu treffen. Ihre Taetigkeit bestand zunaechst einmal im Sammeln von gedrucktem Propagandamaterial und dessen Verteilung hier. Ebenfalls wurde in Chile mit einfachen Hausmitteln lokales Material gedruckt. Da sich kein Weg fand, einer Druckerei in Chile einen solchen Auftrag zu geben, wurden einige Klichées lokalen Charakters in Mendoza angefertigt. Ein weiteres Wirkungsfeld war der Versand von Droh-und Schmaehbriefen an Mitglieder der juedischen Kollektivitaet und einige chilenische Persoenlichkeiten mit bekannt kommunistischen S y.m p a t h i e n Briefe an die Presse; Naechtliches Beschreiben von Hauswaenden und Strassen bildeten ein weiteres Element der Routinearbeit. Nachdem es ihnen gelungen war, sich im Laufe der Zeit mit den erwaehnten Mitteln der Oeffentlichkeit bekannt zu machen, gingen sie zur zweiten Etappe ihrer Programms ueber: naemlich der Terroraktionen. Von Zeit zu Zeit unternahmen sie naechtliche Ausschreitungen mit Steinen und primitiven selbstgemachten Zeitbomben gegen bekannte Gebauede der verschiedenen juedischen Organisationen. Wenn auch der materielle Schaden nicht gross war, bedeutete er doch fuer sie einen Erfolg, da das Aufbauschen dieser Aktionen durch die Presse zur Annahme fuehrte, dass die Organisation ueber betraechtliche Mittel und eine reichliche Anzahl von Mitgliedern verfuege. Sowohl bestimmten Vertretern der Kolektivitaet, als auch der Polizei war es jedoch gelungen, einige Zusammenkuenfte des K. K. K. zu belauschen und der Organisierung des Terroraktes, der am Donnerstag, den 21. Mai gegen die sefardische Synagoge geplant und ausgefuehrt wurde, auf die Spur zu kommen. Dadurch konnten die Täter dieser Aktion in flagranti gefasst und verhaftet werden. Beim Schreiben dieser Zeilen läuft beim Gericht die Klage einiger juedischer Organisationen gegen die Täter. Zur Zeit sind 5 Jugendliche in Haft, die auch gestanden haben, Mitglieder des K.K.K. zu sein. Einer von ihnen ist Kadett der Fliegerschule und unterfaellt somit der Militaerjustiz. Von den anderen vier gibt der 21 jaehrige, heute noch vom Nazigeist beseelte Deutsch-Chilene, Franz Heiz Pfeifer Richter, an, der geistige und organisatorische Raedelsfuehrer der chilenischen Ortsgruppe zu sein. Wahrscheinlich versucht er mit seinem “Gestaendnis”, andere Dirigenten abzudecken. Aber auf alle Faelle gehoert er zum inneren Kreis der Organisatoren, denn bei der Haussurisches Regime schrie nach einer Reform und wenn De Gaulle sie durchfuehren sollte, dann wird man nur sagen koennen, dass Frankreich das Glueck gehabt hat, in einer schweren Stunde den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Kein geringerer Demokrat als León Blum schrieb bereits im Jahre 1941 (“A L'Echelle Humaine”): “Das repraesentative bezw. parlamentarische Regime, so wie es ausgeuebt wird, muss tiefen Korrekturen unterzogen werden. Sollte dies nicht moeglich sein, so muessten wir zu dem Schluss gelangen, dass das parlamentarische Regime nicht d:e Form demokratischer Regierung darstellt, die die franzoesische Gesellschaft braucht. .. Was man nicht antasten darf, sind die wesentlichen Prinzipien der Demokratie: Souchung fand man bei ihm belastendes Material. Unter anderem einen der Stempel, die auf den Flugblaettern verwendet wurden, Briefe aus USA. mit Propagandamaterial und eine “Stiftung” von US$ 5.— von einer begeisterten Anhaengerin des K.K.K. aus USA. Da die Verteilung des Propagandamaterials sehr viel Porto erfordert und man sich die Finanz i e r u n g verbilligen wollte faelschte Herr Pfeifer einen Portofreistempel, erst der Diputiertenkammer und dann, um nicht aufzufallen, den des Senats. Letzterer wurde gleichfalls bei der Haussuchung gefunden. Da man sie seinerzeit im Moment der Verhaftung im Besitze von Pistolen, Totschlaegern und selbstgemachten Brandbomben fand, ergab sich somit eine Anklage die sowohl unter die “Ley de Defensa de la Democracia”, wie auch unter Faelschen offizieller Stempel, den Versuch von Brandstifveraenitaet des Volkes, Regierung der Nation durch sich selbst, Kontrolle der Nation ueber die Behoerden, Anerkennung und Garantie der Buergerrechte und der Menschenrechte. Man darf naemlich nicht vergessen, dass der Parlamentarismus nicht die einzige, ausschliessliche und notwendige Form der Demokratie ist. Ich gebe auch schmerzlos zu, dass der Parlamentarismus in Frankreich nicht den Erfolg des staendigen Fortschritts hat, der ihm in England beschieden ist, wenn man mir zugibt, dass die wirkliche Lehre, die wir daraus ziehen muessen, in der Notwendigkeit besteht, eine andere demokratische Regierungsform zu studieren.” Prophetische Worte. tung, des Verhinderns von Gottesdiensten und der Erpressung faellt. Die Eltern dieser Jugendlichen haben in gemeinsamer Aktion einen Appel an das Gericht gemacht, mit der Begründung, dass all diese Anklagen doch Hinfaellig seien, auf Grund des Alters der Angeklagten und das Ganze somit nur als Dummerjungenscherz, betrachtet werden sollte Obwohl man heute weiss, dass die Anzahl der Mitglieder dieser Geheimorganisation sehr gering ist, besteht kein Zweifel, dass solche Ereignisse weder als Kindereien bezeichnet werden koennen, noch mit einem Achselzucken uebergangen werden dürfen. Wir wissen aus trauriger Erfahrung, dass man die Organisation von Hass bereits im Keim ersticken muss, bevor bittere Fruechte geerntet werden. Gad Haymann. ATSCHEKA

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.