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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1958-07-01 · 7 (Julio, 1958) · p. Seite 7

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XX (1958)
Issue
7 (Julio, 1958)
Date
1958-07-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Julio 1958 BOLETIN INFORMATIVO 7 V Gamal oder Camille In “EI Mercurio” vom 29. Juni erklaert der Etymologe Mario Pei, man koenne einen Aegypter von einem Syrer an der Aussprache des arabischen Wortes fuer “Kamel” unterscheiden: erstere sagten “gamal” und letztere “chimel”. Uns, der arabischen Sprache nicht maechtigen Laien, mag eine solche Feinheit irrelevant erscheinen, denn ein Kamel bleibt schliesslich ein Kamel und unter der Aegide von Gamal ■—oder Chimel— Abdel Nasser werden solche Ueberreste der “Systemzeit” in den Gefilden der Vereinigten Arabischen Republik (VAR) wahrscheinlich “gleichgeschaltet” werden. Interessant wird aber ein solcher Ausflug in die Linguistik, wenn man unterwegs den Kampf um die Herrschaft im Libanon beobachtet. Wenden sich doch hier die Kanonen Nassers —und Kruschevs— gegen den Praesidenten Gamal Schamun oder Camille Chamoun, wie er selbst sich nennt. Camille ist eine mehr phonetische als sinngemaesse Uebertragung von Gamal ins franzoesische und symbolisiert die Abwendung von der Wueste und ihrer Fauna sowie den Einfluss des Westens: in der Sprache und in der Politik. Das dramatische Dilemma des Libanon in zwei Monaten Aufstand heisst heute: Gamal oder Camille, Wuesten oder Westen. Vom Ausgang des Buergerkriegs im Libanon, denn dazu ist der Aufstand inzwischen ausgeartet, wird ein Grossteil der weiteren politischen Entwicklung des Mittleren Ostens fuer die naechste Zukunft abhaengen. Damit auch die militaerische und diplomatische Position Israels. Wie klar dies von allen unseren Menschen erkannt wird, sieht man daran, dass seit der Sinai-Aktion die Frage “wie wird das ausgehen?” nicht mehr so oft gestellt worden ist wie jetzt. Nun kamen zwar alle Propheten des Altertums aus der Wueste oder sie zogen sich in diese fuer ihre Weissagungen irgendwie besonders guenstige Umgebung zurueck, das will aber noch nicht heissen, dass es heutzutage leicht sei, Prophezeiungen ueber die arabische Wueste und die umliegenden Doerfer anzustellen. Wie wird die Sache im Libanon ausgehen?. .. Sucht man einen Praezedenzfall, so ist die Rebellion gegen den Koenig Hussein von Jordanien im vergangenen Jahr der naechstliegende. Die Parallelen liegen auf der Hand: in beiden Faellen war das Volk gegen den Herrscher, Nasser inspirierte und organisierte den Aufstand und die Syrer versorgten ihn mit Menschen und Kanonen. In Jordan gelang es dem Koenig, den Sturm zu ueberstehen. Heisst das, dass es auch in Libanon dem Praesidenten gelingen wird? Offensichtlich nicht. Hussein setzte sich vor allem dank einiger Umstaende durch, von denen zwei hervorgehoben zu werden verdienen: Die Unterstuetzung von seiten des benachbarten Irak, mit dem er sich ja auch bald danach in der Arabischen Foederation (AF) zusammenschloss und die unbedingte, ja begeisterte Loyalitaet seines Heeres, der gut gedrillten “Arabischen Legion”. Ein Blick auf die Karte genuegt,um zu sehen, dass dem prowestlichen Regime in Libanon von der AF aus nicht geholfen werden kann. Das kleine Land hat eine unendlich lange Grenze mit Syrien und eine kurze mit Israel, von wo aus man bei aller Parteilichkeit keinen Finger fuer ihn ruehren wird. Es ist praktisch isoliert. Und was das Heer anbetrifft, so ist es weder kampftuechtig noch loyal. Der Oberstkommandierende, ein gewisser Saeb Salam, geht nur aeusserst zoegernd gegen die Rebellen vor und spekuliert offensichtlich darauf, mit einer Machtuebernahme bei einem eventuellen Waffenstillstand als Kompromissloesung zu fungieren. Die Situation ist daher derart prekaer, dass dies auch Foster Dulles auffiel. Er erkannte, dass man Libanon nur von der Seeseite aus helfen koenne und liess die 6. Flotte, die gleiche, die bei der Suez-Krise zugunsten von Nasser intervenierte und ihn rettete, gegen Nasser demonstrieren. Einige Sendungen von leichten Waffen wurden bei Nacht und Nebel geloescht bezw, auf dem Luftwege geschickt. In Anbetracht der schuechternen Dimensionen dieser Hilfe, die das ominoese Mass einer “Intervention” nicht ueberschreiten sollte, zumal Moskau prompt mit seinen stets marschbereiten “Freiwilligen” drohte, verpuffte sie vollkommen. Darauf wandte sich der originelle Staatssekretaer an die NU, offensichtlich mit der Idee, nach dem Vorbild Korea und dem genialen Schema des von seinen Parteigenossen vielgeschmaehten Truman amerikanische Truppen unter der Flagge der Weltfriedensorganisation einsetzen zu koennen. Leider hatte er dabei ein Detail uebersehen: dass die Russen im Moment den Sicherheitsrat nicht boykottieren, wie sie es damals taten und auch keine Anstalten treffen, sich durch solch eine Dummheit noch einmal reinlegen zu lassen. Das Optimum, das sich daher erreichen liess, war die Entsendung einer Mission von ca, hundert “Beobachtern” unter der Leitung des erprobten Demokraten Galo Plaza, ehemaliger Praesident von Ecuador. Die hundert Mann sind also im Moment, da diese Zeilen geschrieben werden, im Begriff, mit Eifer und Hingabe den Zusammenbruch des konstitutionellen Regimes in Libanon zu beobachten. Sie beobachten, wie von Syrien aus die VAR in die internen Angelegenheiten des Nachbarlands interveniert. Sie beobachten, wie eine kommunistische Minderheit die Fuehrung des Aufstands an sich reisst. Sie beobachten die Sorge und Bedraengnis der christlichen Haelfte der Bevoelkerung, die hinter Chamoun steht, vor der Bedrohung, die eine Herrschaft des rueckstaendigen und fanatisierten moslemischen Sektors darstellt. Sie beobachten die Brandschatzungen der Fedayeen, so wie sie dies vor nicht allzu langer Zeit an den Grenzen Israels taten. Ein kleiner Unterschied liegt darin, dass bei den Morden an Israels Grenzen Foster Dulles die beobachtende Taetigkeit der NU- Experten vollauf befriedigend fand. Fuer den Libanon wuerde er eine etwas aktivere, polizeiliche Haltung vorziehen. In diesem Sinne wurde denn auch das in arger Bedraengnis befindliche Regime bei Hammarskjold vorstellig: eine Polizeitruppe der NU, aehnlich der im Gaza-Sektor stationierten, solle zumindest die Grenze nach Syrien abriegeln. Vergeblich. Hammarskjold wollte sich nicht festlegen. Und das ist aeusserst bedenklich. Sowohl in seinen Auswirkungen, denn man wuesste nicht, von wo aus dem Regime Chamoun noch geholfen werden koennte. Wie auch als Symptom, denn Hammarskjold war immer nur gerne Anwalt... fuer gewonnene Prozesse. Sonnenfinsternis Seit den Tagen von Serajewo, wo der Kronprinz Franz Ferdinand einem Attentat zum Opfer fiel, hat wohl nur selten ein einziger Schuss ein solch gewaltiges Echo in der ganzen Welt ausgeloest wie der gegen Imre Nagy abgefeuerte. Der damalige Schuss in Serbien, dem heutigen Jugoslawien, wurde von einem Studenten namens Prinzip abgegeben; der heutige zielte gegen Jugoslawien und gegen das Prinzip, das es vertritt. Zur gleichen Zeit, da der neue Stalin sich oeffentlich Titos Agrarpolitik und Rueckkehr zur Marktwirtschaft zueigen macht, treibt er den Kampf gegen ihn, ob angeblicher ideologischer Abweichungen, auf die Spitze. Gewitterwolken sind ueber die internationale Szene heraufgezogen. Die Gipfelkonferenz ist in weiteste Fernen gerueckt. Die Tagung der Atom-Experten in Genf bereits gescheitert, bevor sie noch begonnen hat. Truppen der Satelliten-Staaten konzentrieren sich an den Grenzen von Jugoslawien, und China uebertrifft alles Dagewesene an diplomatischen Affronten. Zweifellos hat Kruschev dies so vorausgesehen, geplant, disponiert, gewollt. Was er aber nicht voraussehen konnte, war der unuebersehbare Schaden, den er sich und seiner Sache mit dem Mord an Nagy, Maleter und ihren Genossen zugefuegt hat. Es war ein tausendfaches Echo des Entsetzens, der Abscheu und des Grauens, das die Welt durchhallte. Keine antikommunistische Heuchelei der Reaktion, sondern echte Empoerung, von links bis rechts. Alle Naiven, die im Anschluss an den 20. Kongress der K.P.R. glaubten, die Sowjet-Union koenne liberaler werden, sind eines Besseren belehrt worden; alle Agenten entlarvt. Die Maske der “kollektiven Fuehrung” wird durchschaut, die Fratze der stalinistischen Diktatur ist wieder unverhuellt. Was einem Schinderhannes und anderen Wegelagerern des Mittelalters unwuerdig erschienen waere, Kruschev hat es getan: den Eid des freien Geleits zu brechen, der Nagy zum Verlassen des Asyls in der jugoslawischen Botschaft bewogen hatte. Die “Eisschmelze” des verlogenen Hofsaengers Ehrenburg ist zerronnen; geblieben ist Koestlers “Sonnenfinsternis” und eine neue Eiszeit bricht ueber die Haelfte der Erde herein, die in ihrem Schlagschatten liegt. Umbruch in Frankreich Durch drei Faktoren ist der General de Gaulle zur Macht gekommen: durch den absoluten Bankrott der 4. Republik, durch die Meuterei der Generalitaet, der Kolonialisten und der faschistischen Petainisten und durch die Entscheidung der franzoesischen Sozialisten, ihn als Regierungschef zu akzeptieren. Das Dilemma, vor dem die Sozialistische Partei stand, konnte nicht tragischer sein: de Gaulle oder die Kommunisten, Zurueckweichen vor der algerischen Erpressung oder Buergerkrieg. Wenige Wochen haben genuegt, um zu zeigen, dass die Mehrheit der Partei unter Guy Mollet und Vincent Auriol den richtigen Weg einzuschlagen verstand. Der Nackenschuss, dem Nagy zum Opfer fiel, war die Bestaetigung fuer die Unmoeglichkeit, mit Kommunisten zu paktieren und gemeinsame Sache zu machen. Die Linie, die De Gaulle eingeschlagen hat, dafuer, dass er nicht nur den Buergerkrieg, sondern auch die Erpressung unterdruecken will. Und mehr als will, auch kann: der Einzige, der es im Moment kann. Er hat die “Comités de Salud Publique” zur Ordnung gerufen. Er hat fuer Algier vernuenftige und liberale Reformen vorgeschlagen. Er hat das Heer in seine professionellen Schranken zurueckgewiesen. Er hat die Beziehungen zu Tunis bereinigt. Er hat die gesunden Elemente der Republik, die Mollet, Teitgen, Pfimlin rehabilitiert. Er hat die dringlichsten Probleme in Angriff genommen. Und er hat bei allem ein politisches Geschick entwickelt, das er frueher nicht besass. Wer in ihm ein Symbol der Diktatur oder gar des Faschismus sah, hat ihm Unrecht getan. De Gaulle hat Geschichte gemacht im Kampf gegen Hitlers Diktatur und Faschismus und er ist sich treu geblieben. Gewiss, die gleichen Anhaenger Petains, die ihn von Vichy aus einst zum Tode verurteilten, haben heute Entscheidendes beigetragen, um ihn zurueck zur Macht zu bringen. Aber er, er hasst sie noch wie einst. Zwar teilt er mit ihnen gewisse romantische Ideen von Frankreichs Grossmachtstellung. Aber in seiner Eigenschaft als veranwortlicher Regierungschef hat er bisher nichts getan, was die europaeischen und westlichen Bindungen des Quai d’Orsay beeintraechtigten. Es wird unsere Leser interessieren, dass auch Israels Botschafter Jacob Tzur ausdrückliche Sicherheiten in Bezug auf die Fortdauer der franzoesisch-israelischen Freundschaft erhalten hat. Natuerlich war es keinem Demokraten bei der halbjaehrigen Vertagung der Parlaments-Sitzungen wohl zu Mute. Wer wollte aber bestreiten, dass es so einfach nicht weiter ging? Ein solches parlamenta- (Fortsetzung siehe Seite 8) DER LIBANON Das Land ist isoliert... (Karte: “Ercilla”) HeififtrraMe Hwfflil Asiyiic Ghazir BEIRUT Saida» ftasheiyo i Mt. 1 Mwirm/ DAMASCUS SYRIA Saniyas Noqura El Qwneitra ISRAEL VP Sera Of HAIFA Galilm• Nazareth 5»JORDAN

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