Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XX (1958)
- Issue
- 6 (Junio, 1958)
- Date
- 1958-06-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 BOLETIN INFORMATIVO Junio 1958 AUSWANDERUNG und AUFBAU (Fortsetzung von Seite 7) Das Gleiche gilt von den meisten Zweigen des Handwerks und Gewerbes. Die zahlreichen Angehoerigen dieser Gruppe haben sich ueberall durchgesetzt und koennen ihre Aufbauarbeit mit berechtigtem Stolze betrachten. Sie sind in der “Asociación Israelita de Técnicos e Industriales” (A. T. I.) organisiert, welche in diesen Tagen ihr 10-jaehriges Jubilaeum feiern konnte. Die Zahl der in Emigranten - Betrieben angestellten Arbeiter und Beamten wurde schon im Jahre 1942 auf 5000 geschaetzt; heute betraegt sie das vielfache. Die eingewanderten Landwirte stiessen, wie schon gesagt, auf die Schwierigkeit, dass sie zum Ankauf von Guetern nicht das erforderliche Kapital besassen und nur sehr selten eine Anstellung finden konnten. So verlegten sie sich hauptsaechlich auf die Gefluegelzucht und andere landwirtschaftliche Kleinbetriebe. Sie haben auch hier in entsagungsvoller Arbeit Grosses geleistet und sich die dankbare Anerkennung ihrer Schicksalsgenossen gesichert. In der Forstwirtschaft spielen die Emigranten eine grosse Rolle. Ein grosser Teil der Einwanderer verlegte sich aus naheliegenden Gruenden auf den Handel, und dieser ist —wie jeder vorurteilslose Sachverstaendige anerkennt, ein ebenso wichtiges Glied einer gesunden Volkswirtschaft wie die Produktion. Voraussetzungen sind natuerlich, dass die Handelsunternehmungen im Sinn einer richtigen Gueterverteilung arbeiten, und dass sie in den Haenden von sachkundigen und anstaendigen Menschen liegen. Unsere Kaufleute haben bewiesen, dass diese Voraussetzungen bei ihnen vorliegen, und sie haben sich die Anerkennung und das Vertrauen sowohl der Lieferanten als auch der Kaeufer erworben. Wenn einmal Vorurteile gegen sie bestanden —und das war unbestreitbar der Fall— so kann man sagen, dass sie heute ueberwunden sind. Wichtige Leistungen hatten die Einwanderer auch in den sogenannten Hilfszweigen des Handels aufzuweisen, wie im Buchpruefungs— und Versicherunswesen, der Propaganda, Schaufensterdekoration usw. Der grosse Fortschritt auf diesen Gebieten muss jedem Beobachter auf fallen, welcher die vergangenen Zeiten mit dem gegenwaertigen Zustande vergleicht. Die Hauptleistungen des mitteleuropaeischen Judentums im 19. und 20. Jahrhundert lagen auf dem wissenschaftlichen, geistigen und kulturellen Gebiete. Man haette wohl befuerchten muessen, dass diese Arbeit unter dem Drucke materieller und seelischer Not einen schweren und irreparablen Schaden leiden wuerde. Aber das war keineswegs der Fall. Kaum hatten die Emigranten wieder ein Dach ueber dem Kopfe —und gewoehnlich war es ein sehr bescheidenes und nicht immer wasserdichtes Dach, so begannen sie sich auf ihre geistigen Interessen und ihre kulturelle Mission zu besinnen. Unsere Juristen waren lange Zeit hindurch von der Arbeit auf ihrem Spezialgebiet ausgeschlossen, und erst in neuerer Zeit haben einige von ihnen ein Arbeitsbereich gefunden, auf dem ihnen ihre Vorbildung nuetzlich war. Dagegen ist es vielen unserer Mediziner gelungen, ihr eigenes Feld zum Segen ihrer Mitmenschen auch hier weiter zu bearbeiten, nachdem sie, oft schon Autoritaeten auf ihrem Gebiet, sich zum zweiten Male auf die Schulbank gesetzt und ihre Pruefungen abgelegt hatten. Alle haben sich bewaehrt, und viele haben sich auch in dieser neuen Umgebung wiederum einen grossen Namen erworben; wie z. B. der Kinderarzt Professor Dr. Finkeistein, der orthopaedische Chirurg Professor Dr. Simon, beide leider verstorben, und der Augenarzt Professor Dr. Guttmann. Eine Reihe unserer Freunde hat uneigennuetzig versucht, das Interesse an dem ueberkommenen geistigen Erbe in unseren Kreisen wachzuhalten und es an die juengere Generation weiterzugeben. Auch in den Zeiten schwerer materieller Sorgen haben sie sich den Blick auf die ewigen Werte des Lebens nicht nehmen lassen. Es entstanden eine Reihe von Seminaren und Round-Table-Gemeinschaften, in denen die verschiedensten wissenschaftlichen und kulturellen Probleme eroertert wurden. Das Musikleben des Landes hat durch zahlreiche juedische Musiker und nicht zuletzt durch ein grosses, aufnahmefaehiges juedisches Publikum unbestreitbar viele Bereicherungen erfahren. Ueber die Arbeit der Gemeinde auf kulturellem Gebiete wird an anderer Stelle dieses Blattes von berufener Seite berichtet. Auch die Loge hat hier wertvolle Mitarbeit geleistet. In dieser Bilanz der Einwanderung bilden die Leistungen unserer juengeren Generation einen besonders erfreulichen Aktivposten. Weitaus die meisten dieser jungen Leute, auch wenn sie als verwoehnte Kinder reicher Eltern hier ankamen, haben mit festen Haenden zugegriffen und sich einen Platz an der chilenischen Sonne erobert, wenn sie es nicht vorzogen, an der Verteidigung, und dem Aufbau Israels mitzuwirken. Die Hiergebliebenen sind in allen Zweigen des chilenischen Lebensbereiches anzutreffen. Ein grosser Prozentsatz von ihnen hat die akademische Laufbahn eingeschlagen und seine grosse Begabung unter Beweis gestellt. Viele von ihnen haben sich bereits in jungen Jahren einen Namen gemacht, der ueber unseren Kreis hinaus bekannt geworden ist. Sie duerfen hier nicht unerwaehnt bleiben. Freilich wird auch diese Liste keineswegs vollstaendig sein; sie bezieht sich nur auf solche Jugendliche, die im zweiten Viertel dieses Jahrhunderts geboren sind, und ist alphabetisch geordnet. Werner Ackermann zeichnete sich als Psychologe aus und hat ein Stipendium an der altberuehmten Universitaet La Sorbonne in Paris erhalten, wo er zur Zeit seinen Studien in Psyc h o 1 o g i e und Soziologie obliegt. Peter Freund, der sich mit seinen Eltern in Temuco niedergelassen hatte, ist Técnico-Químico der Escuela de Artes y Oficios; trotz seiner jungen Jahre hat er bei der Installation der ersten Zuckerfabrik Chiles in Los Angeles an leitender Stelle mitgewirkt und dabei ausgezeichnete Arbeit geleistet. Diese neue Industrie stellt die wertvollste Foerderung dar, welche die chilenische Landwirtschaft in der letzten Zeit erhalten hat. Sie hat dem Lande im Betriebs jahre 1956/57 eine Devisen- Ersparnis von 6.950.000 Dollar ermoeglicht. Heinz - Alfred Grüenbaum, der Sohn des unvergesslichen Sekretaers unserer Gemeinde, studierte an der Escuela de Ingeniería der Universidad de Chile, nachdem er das Aufnahmeexamen als bester Kandidat des Jahres bestanden hatte. Im September 1954 kam er mit einem Stipendium des British Council nach London. Er machte Forschungsarbeiten auf dem Gebiete der Elektronen - Beugung und veroeffentlichte 1956 und 1957 Arbeiten, die in fuehrenden englischen Zeitschriften Aufnahme fanden. Vor kurzem ist er nach Santiago zurueckgekehrt und arbeitet in dem Forschungsinstitut der Universidad de Chile; ausserdem ist er bei der “Endesa” taetig. Dr. Guenter Josef ist Ingenieur bei der Corporación de Fomento. Max Linder, kaum 30 Jahre alt, ist bereits Sektionschef im elektrischen Laboratorium der Endesa. Dr. Werner Loewenstein, 33 Jahre alt, ist Professor an der Escuela Dental der Universidad de Chile und hat Forschungsarbeiten im Instituto de Fisiología durchgefuehrt; er hat einen Lehrauftrag an die Columbia- Grosses Aufsehen erregte vor kurzem in London die Rede einer jungen Frau aus einer der führenden jüdischen Familien Englands, Judy Montagu, die ein leidenschaftliches Bekenntnis zu jüdischem Volkstum enthielt. Die “Sensation” kam vielleicht daher, dass Miss Montagu als “Freundin von Princess Margareth” eingeführt wurde; sie gehört einem Kreise junger Menschen an, der sich intellektuell und sozial betätigt, und an dem auch die Prinzessin, Schwester der Königin, teilnimmt. Miss Montagu spielt dort dank ihrer Intelligenz und Persönlichkeit eine führende Rolle. Dies macht sie für die englische Gesellschaft interessant. Aber ganz abgesehen von dieser persönlichen Note verdient ihre Kundgebung gerade von der jüdischen Seite, in einer Zeit, wo das Problem der jüdischen Kontinuität vielfach diskutiert wird, besondere Beachtung. Miss Montagu ist die Tochter von Edvin Montagu, der während des ersten Weltkrieges Mitglied des englischen Kabinetts war. Das war die Zeit, als Dr. Weizmann sich um die Zustimmung der englischen Regierung zu den zionistischen Zielen bemühte, und Montagu war einer der Gegner im englischen Kabinett; nicht nur wegen seiner, wie man damals sagte, “assimilatorischen” antizionisti sehen Ueberzeugung, sondern auch, weil er, verantwortlich für Indien, eine feindselige Reaktion der indischen Mohammedaner befürchtete, auf die sich England als ein loyales Element stützte, was University in New York erhalten und arbeitet dort als Physiologie - Professor. Dr. Cinna Lomnitz ist Direktor des Instituto de Investigaciones Geofísicas der Universidad de Chile und arbeitet im Instituto Sismológico, nachdem er mehrere Jahre im Ausland erfolgreich taetig gewesen war. Seiner Initiative ist es zu verdanken, dass drei fuehrende wissenschaftliche Organisationen der U. S. A. die modernen Instrumente fuer die Erdbebenwarte auf dem San Cristóbal zur Verfuegung gestellt haben; damit hat Chile den Vorrang unter allen Instituten dieser Art in Südamerika. Dr. Gastón Kohn hat hier Agronomie studiert, ein Stipendium in U. S. A. erhalten und dort seinen Doktortitel erlangt. Er hat hier vor kurzer Zeit Vortraege im Ministerio de Agricultura und in der Asociación de Fabricantes de Conservas gehalten; gegenwaertig ist er wieder in der U. S. A. Egon Marx ist von einigen Jahren als der beste Schueler des Instituto Nacional praemiiert worden; er bildet sich gegenwaertig an der Escuela de Ingeniería weiter und gibt, mit seinen 21 Jahren, schon jetzt Unterricht in den unteren Klassen der Schule. Fraeulein Ruth Prager, bei Erscheinen dieses Blattes wahrscheinlich schon Frau Ruth Lewin, deren Mutter Mitarbeiterin in unserer Gemeindeverwaltung ist, arbeitet als Assistentin im Instituto Biowährend des Krieges gegen den Kalifen, den türkischen Sultan, besonders wiehtig war. Edvin Montagu starb 1924, als seine Tochter Judy zwei Jahre alt war. Viele andere Mitglieder der Familie Montagu sind im jüdischen Leben bekannt, Edvins Vater, Samuel Montagu (1832- 1911), seit 1907 Lord Swaythling, war liberaler Abgeordneter im britischen Parlament und sehr aktiv in jüdischen Angelegenheiten. Er war ein Führer des orthodoxen Judentums in England, das er zur Synagogen - Föderation organisierte. Von seinen Nachkommen war Ewen Montagu ein Präsident des Englisch - Jüdischen Verbandes und der Verfasser des Romans “The Man that never was” (Der Mann, den es niemals gab), die Erzählung einer Kriegs-Episode, an der Ewen Montagu selber Anteil hatte, der von einer Irreführung des deutschen Spionagedienstes durch Dokumente in der Hand eines “erfundenen” Offiziers berichtet. Eine Tochter Lord Swaythlings und Tante Judys ist auch die bekannte Führerin des liberalen Judentums, Lilian Montagu, die einzige jüdischliberale Rabbinerin in England. Judy Montagu hat also eine prononziert jüdische Umgebung, aber sie selber ist unjüdisch aufgewachsen. Von allen Kindern Lord Swaythlings war ihr Vater Edvin der unjüdischste. Ihre Mutter war eine christliche englische Aristokratin. Das Kind wurde mehr in christlicher als in jüdischer Religion lógico der Escuela de Medicina. Unter unserer juengsten Generation gibt es zahlreiche Schueler, die sich bereits an sichtbarer Stelle ausgezeichnet haben. Wir koennen wegen des beschraenkten Raumes nur drei nennen: Raúl Goldschmidt, der jetzt Direktor des Physikalischen Seminars des Instituto Nacional ist, welches Amt frueher Heinz Gruenbaum bekleidet hatte, und Irene Lehmann, Tochter von Hermann Lehmann, des Generalsekretaers unserer Gemeinde, sowie Sylvia Back, welche ihr Bachillerato als beste Abiturientinnen des Jahres bestanden haben. Schliesslich seien noch die ausgezeichneten Leistungen erwaehnt, welche jugendliche Mitglieder unserer Gemeinschaft auf den verschiedensten Gebieten vollbracht und dem Lande in internationalen Wettbewerben wertvolle Dienste geleistet haben. Betrachtet man diese Liste, so kann sie uns, trotz ihrer Unvollstaendigkeit, mit berechtigtem Stolze erfuellen. tue zeigt, ebenso wie die Leistungen der aelteren Generation, dass es kein schlechtes Menschen-Material gewesen ist, das vor zwei Jahrzehnten an die Kueste dieses schoenen Landes gespuelt worden ist. Sie gibt uns das Vertrauen, dass —was die Zukunft auch bringen mag— auch die neue Generation ihrem Schicksal mit Intelligenz, Mut und Entschlossenheit die Stirne bieten wird. erzogen, was sie m inrer Rede sehr amüsant schilderte. Sie wusste nichts vom Judentum ausser wager Bekanntschaft mit der Bibel. Von grösstem Interesse ist ihre Schilderung, wie sie allmählich zu verstehen begann, dass sie etwas anderes ist als die Menschen ihres Verkehrs, wie sie die Vorbehalte beobachtete, die man ihr gegenüber hatte. Allmählich erwuchs ein jüdisches Bewusstsein, das nicht religiös war. Judy Montagu nennt es “racialism”; das ist das englische Wort, das vielleicht dem deutschen Wort “Volkstum” am nächsten kommt. Unverblümt spricht sie es aus, dass ihr dieses jüdische Volksbewusstsein allmählich zu einer Quelle des Stolzes wurde. Es war wie ein beglückendes Erlebnis zu verstehen, wo man hingehört, und das voll zu bejahen. Das war ein bemerkenswertes Bekenntnis. Ehemals deutsche Juden wird das an vieles erinnern, das ihnen selbst zustiess, als Hitler kam. Aber in England gab es keinen Hitler. Vielleicht ist so etwas Hitlers Fernwirkung. Seit 1933 kann kein charaktervoller Jude gleichgültig sein gegen sein Judentum; auch wenn er in Unkenntnis erzogen wird. Einmal kommt die Stunde des Verstehens. Der Londoner “Daily Express”, der eine Auflage von vier Millionen hat, druckte die Rede von Miss Montagu voll ab, was als eine Geste des Respektes bezeichnet werden muss. ("Semana Israelita”). Eine Juedin kehrt znrueck Von Robert Weltsch