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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1958-06-01 · 6 (Junio, 1958) · p. Seite 9

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XX (1958)
Issue
6 (Junio, 1958)
Date
1958-06-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Junio 1958 BOLETIN INFORMATIVO 9 STEHT AUF ZUM DIENSTE! Von Rabbiner E. i. Loewenstein Im Jahre 1827 erliess der Zar Nikolaus eine Verordnung, nach der die juedischen Gemeinden verpflichtet wurden, Rekruten im Alter von 12-25 Jahren zu stellen. Dieser Ukas hatte die religioese und geistige Vernichtung des russischen Judentums zum Ziel. Als das Dekret in Wilna bekannt wurde — so wird erzaehlt —, stroemten in jener Nacht juedische Menschen auf die Strassen Wilnas, klopften an die Tore der Juden und riefen aus: “Was schlaft Ihr? Die Welt steht in Flammen. Die Zelte Israels brennen. Steht auf zum Dienste fuer den Schoepfer”. Hundert Jahre spaeter stand die Welt in Flammen. Die Zelte Israels brannten. Aber diesmal war es grausige Wirklichkeit und nicht eine Metapher der Verzweiflung. Als ich am 13. September 1939 zum ersten Male am ersten Abend des Rosch Haschana 5700 im Kino Capitol auf der Independencia zu Menschen sprechen durfte, die gleich mir den Flammen Europas entronnen waren, stand vor unseren Augen das Bild des im Feuer sich verzehrenden Europas. Damals waren es noch die 192 Synagogen, die die moerderische Hand zerstoert hatte, das unendliche Leid, das ueber juedische Menschen gekommen war. Es schien uns das moerderischste Leid der Jahrtausende waehrenden juedischen Leidensgeschichte, das keine Steigerung erfahren konnte. Hinter uns lagen 2000 Jahre der Geschichte des Judentums in Europa. Seit jenem Jahre 63 vor der buergerlichen Zeitrechnung, dem Jahre, in dem der Roemer Pompejus Jerusalem besetzte und Juden als Gefangene nach Rom mit sich schleppte, war Israels Schicksal mit Europa verbunden. Wenige Jahre spaeter waren diese juedischen Gefangenen freie Menschen. Schon Cicero weist auf die Rolle hin, die sie im Leben der roemischen Gesellschaft spielen. 2.000 Jahre haben Juden auf dem europaeischen Festland gelebt. Es verging kaum ein Jahrhundert ohne Verfolgungen, ohne Vertreibungen ohne Pogrome! 1016 die Kreuzzuege, 1348/49 der “Schwarze Tod”, 1492 die Vertreibung aus Spanien, 1648/ 49 die Chmelnitzky - Pogrome, 1881/82 und 1903/06 die Pogrome in Russland, 1919/20 die Verfolgungen in der Ukraine. Und schliesslich kam der Hoehepunkt und Abschluss der Europaeischen Geschichte der Juden durch die Moerder unserer Zeit. Mit dem Gefuehl, ein neues Kapitel in der Geschichte unseres Volkes zu eroeffnen, begannen wir unsere Arbeit. Mitten im Brand fingen wir an. Es war wie unsere Weisen des Talmuds sagen, als sie ihre Zeitgenossen zur Demut aufriefen: “Jeder Mensch muss sich so fuehlen, als ob das Schwert zu seinen Fuessen liegt und das offene Gehinom (Hoelle) hinter ihm”. So war unser aeusseres Leben damals. Die Zeit schien gegen uns zu arbeiten. Wie oft versammelten wir uns damals in verzweifelter Stimmung. Es war noch in der Monjitas 512. Dort war es manchmal recht eng. Jeden Schabbat sah man in der ersten Zeit neue Menschen, denen es gelungen war, die Hoelle Europas hinter sich zu lassen. Aber das Schwert der unsicheren Zukunft lag zu unser aller Fuessen. Auch damals waren es immer nur wenige, die einen unzerstoerbaren Optimismus besassen. Sie glaubten an den Sieg des Guten, obwohl Land um Land erobert, eine Gemeinde nach der anderen zerstoert wurde. Nur Menschen eines Volkes, das schon tausendfach Zerstoerung und Wiederaufbau, Untergang und Wiedergeburt erfahren hatte, konnten in dieser Zeit an die Schaffung einer neuen Gemeinde auf einem fuer die juedische Geschichte neuen Kontinent denken. Andere Menschen in dieser Situation — mit dem Schwert zu den Fuessen und dem Gehinom hinter sich - haetten vielleicht versucht, sich zu verstecken. Der aus Zentraleuropa nach hier gekommene Jude bekannte sich zu seinem Erbe und zu seinem Schicksal und schuf die juedische Gemeinde, unsere heutige “Sociedad Cultural Israelita B’ne Jisroel”. Wenn unsere Gemeinde mit Stolz ihren 20. Geburtstag feiert, so gebuehrt ein Wort des Dankes jenen Maennern und Frauen, die damals die Grundlagen zu ihr legten, vor allem ihren beiden ersten verewigten Praesidenten Siegmund Freudenthal und Josef Hirschberg, deren Werk ihr Nachfolger, Dr. Siegfried Landau, fortgefuehrt und zur heutigen Hoehe gebracht hat. Diese Maenner haben mit ihrem Mut und ihrem Optimismus bewiesen, dass jenes so schwer uebersetzbare Wort: Emuna — Gottvertrauen, Glaeubigkeit, Pflichtbewusstsein auch unser Erbteil geblieben ist. Damals, als unsere Gemeinde noch ihre ersten Gehversuche machte, bestand trotz der Zerrissenheit draussen in der Welt bei uns in unserem kleinen Kreise ein inniger Zusammenhang. Wir schlossen uns zusammen und suchten ein Maximum an juedisch religioeser, kultureller und nationaler Arbeit zu leisten. Die Tragik des europaeischen Judentums legte uns besondere Verpflichtungen auf. Leider haben viele die Zeit vergessen, in der das Schwert zu unseren Fuessen lag. Sie verlassen sich heute darauf, dass andere die Arbeit leisten werden. Nicht alle sind sich noch dessen bewusst, dass niemand eine Leistung vollbringen kann, wenn der Widerhall nur duerftig ist. Wenn unsere Gemeinde fuer viele andere Gemeinden auf diesem Kontinent ein Vorbild ist, so ist dies der selbstlosen aufopfernden Arbeit der Maenner zu danken, die ihre Geschicke seit vielen Jahren leiten. 20 Jahre sind vergangen, seitdem ein kleiner Kreis, erfuellt von Idealismus und Optimismus den Entschluss fasste, unsere Gemeinde zu gruenden, um unser spezifisches Erbe zu retten und juedischen Menschen eine neue seelische Heimat zu bieten. Inzwischen haben wir Geschichte erlebt wie keine andere Generation vor uns und hoffentlich auch kein Geschlecht nach uns. Jahrtausende alte Zentren juedischen Lebens wurden mit brutaler Hand zerstoert, Saeulen juedischer Gelehrsamkeit unbarmherzig vernichtet. Hinter uns blieb die tragische 2000 Jahre alte Geschichte des europaeischen Judentums. Inzwischen entstanden jedoch neue Zentren in Amerika undin unserer Medinat Israel, auf die wir mit erneuter Hoffnung schauen. Inmitten dieses sich neu gestaltenden und formenden juedischen Lebens duerfen auch wir auf die 20 Jahre des Bestehens unserer Gemeinde mit dem Gefueh der Dankbarkeit zurueckblicken. Wir duerfen dankbar sein fuer die Rettung — wie viele unter uns haben daran schon vergessen!—, dankbar sein fuer die Moeglichkeit eines Wiederaufbaus in einem demokratischen und freien Lande — wie vielen ist dies schon wieder eine selbstverstaendliche Tatsache!—, dankbar sein Tag fuer Tag fuer die erneute Hoffnung auf die glueckliche Zukunft Israels, wie viele betrachten schon unsere Medinat Israel als eine Selbstverstaendlichkeit! So weiten unsere Wuensche fuer die kommenden Jahre in erster Linie den Maennern und Frauen unserer Gemeinde. Moegen wir auch in Zukunft in Ruhe und Sicherheit an ihr weiterbauen koennen. Moege es uns gelingen, in ihren Mauern juedische Tradition und juedischen Geist weiter erstarken zu lassen. Denen, die die Geschikke unserer Gemeinde lenken und leiten wuenschen wir Kraft und Ausdauer, dass sie nicht erlahmen moegen in dem Werk, das sie mit so viel Vertrauen in die Zukunft begonnen. Den Jungen wie den Alten, den Eltern wie den Kindern moege der Lenker des Weltalls die Kraft und den Willen verleihen zu einen positiven, sich stets bewaehrenden Judentum. Am Beginn erzaehlten wir von den Juden Wilnas, die im Jahre 1827 angesichts der Gefahr ausriefen: “Was schlaft Ihr? Die Welt steht in Flammen. Die Zelte Israels brennen. Steht auf zum Dienste fuer den Schoepfer”. Wenn auch die Zelte Israels — Gott sei es gedankt — nicht mehr brennen, so darf der Ruf auch heute fuer unsere Generation nicht ungehoert bleiben: “Steht auf zum Dienste fuer den Schoepfer”. ¡•.w.-.v.CtKv? mm mmmm ' x; $<££; ISRAEL: Land der Kontraste iSlli ■mz mm vEKWTHfoirnjiv& 100 Q00 OLIM PIE HEILIGE PFLICHT DER. KOLLEKTIVITAET MUSS VON ALLEN ERFUELLT WERPEN.-

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