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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1958-05-01 · 5 (Mayo, 1958) · p. Seite 9

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XX (1958)
Issue
5 (Mayo, 1958)
Date
1958-05-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Mayo 1958 BOLETIN INFORMATIVO 9 Gedankenreichtum und Schoenheit des Buches Ruth (ZUM SCHOWUAUSFESTE) Unser Schowuaus (Schawuot) —oder Wo chenfest, das zweite der drei historischen oder “Wallfahrtsfeste”, wird in der Thora das “Fest des Schnittes”, “Fest der Erstlinge des Weizenschnittes” ¡oder auch “Tag der Erstlinge” genannt. Zur Zeit des Tempels wurden naemlich an diesem Feste zwei Weizenbrote von der neuen Ernte als Erstlingsopfer dargebracht. Doch als “Wochenfest” wird es deshalb bezeichnet, weil es das einzige Fest ist, das urspruenglich an kein bestimmtes Monatsdatum geknuepft war; vielmehr wurden sieben Wochen vom Tage der Darbringung des Omers, dem 16. Nissan, gezaehlt und am darauffolgenden Tage, dem fuenfzigsten nach Pessach, das Wochenfest begangen. Doch seit der Einfuehrung des Kalenders steht sein Datum fest. Am 6. (in der Diaspora auch am 7.) Siwan feiern wir Schawuot, wie man in Israel sagt. Die talmudische Ueberlieferung belehrt uns aber, das an jenem 6. Siwan die Offenbarung des “Zehnwortes” vom Sinai erfolgt sei, und daher hat das Fest auch die Bez eichnung “Zeit, da uns die Lehre erteilt wurde” erhalten. Im Laufe der Jahrtausende, seit das juedische Volk seinem Heimatboden entrissen worden war, ging logischerweise der Erntecharakter des Festes mehr und mehr verloren, und fortan galt Scho- .wuaus besonders als der Tag des Gedenkens an das gewaltige religioese Erlebnis der Sinaioffenbarung, die von unseren Propheten, von Denker10 und Dichtern, in grossartigen und erhabenen Bildern als der hoechste Augenblick in der Entwicklungsgeschichte nicht nur Israels, sondern der gesamten Menschheit verherrlicht worden ist. Einer unserer Weisen fand hierfuer die schoenen Worte: “Als Gott die Thora offenbarte, da ward der Gesang in den Lueften unterbrochen und gehemmt der Flug der Voegel. Es verstummten die Tiere, und das Meer hielt inne in seinem Rauschen; der menschlichen Zunge erstarb das Wort. Nur ein Ruf wurde auf der ganzen Erde vernommen: Ich, der Ewige, bin Dein Gott". Und an diesem Tage des “Zehnwortes”, der Visionen unserer Propheten (Ezechiel und Habakuk), lesen wir eine kleine Erzaehlung aus der Zeit der Richter, das Buch Ruth, dessen Hintergrund uns die vollen und reifen Aehren der Saatfelder zeigt, und das uns in das Leben der Schnitter hineinfuehrt. Was soll, so ist gefragt worden, dieses Buechlein am Feste der Weltgesetzgebung? Was sollen Aehrenfelder und Sichelklang, der heitere Gesang der Landleute, in einer Atmosphaere, die erfuellt ist vom Rollen des Donners, vom Leuchten der Blitze, vom Beben der Huegel und Erzittern gewaltiger Baumstaemme? Die Antwort darf vorweggenommen werden: Das anmutige Buechlein ergaenzt in wunderbarer Weise das grosse Werk der Thora, weil es eines der herrlichsten Denkmaeler juedischer Duldsamkeit, juedischer Familientreue und tiefer Menschenliebe ist. Goethe, bekanntlich ein hervorragender Bibelkenner, nennt Ruth “das lieblichste kleine Ganze, das uns episch und idyllisch erhalten wurde”. Einfach und schlicht wird uns das Schicksal einer israelitischen Familie im Lande Moab erzaehlt: Wir lernen Ebimelech kennen und seine Soehne, die zu den angesehensten und wohlhabendsten Maennern im Lande Israel gehoerten. Da entsteht eine Hungersnot, und unter ihr leiden vor allem die Armen; hilflose Witwen und Waisen jammern. Doch scheint die reiche Familie des Abimelech hiervon wenig Notiz genommen zu haben; sie wanderte nach Moab aus. Dort, in der Emigration, sterben der Vater und die beiden kinderlosen Soehne, waehrend die Ehefrau und die beiden Schwiegertoechter am Leben bleiben; eine von ihnen heisst Ruth. Und diese steht nun vor unserem geistigen Auge als eine der edelsten und anmutigsten Frauengestalten des gesamten biblischen Schrifttums. Wie reagiert Ruth auf die neue Situation? Sie weiss, dass die Schwiegermutter, arm geworden, ihr, der jungen Frau, nicht einmal das Existenzminimum bieten kann; doch sie vermag von der Mutter ihres verewigten Gatten nicht zu lassen, ist bereit, sich von Heimat und Haus zu trennen und gelobt mit echt - weiblichem Empfinden: “Der Tod allein kann uns von einander trennen”. Ruth, die Moabitin, die Heidin, fuehlt als religioese Israelitin, und diese Liebe vergilt ihr das juedische Volk, indem es einer seiner heiligen Schriften ihren Namen gibt, ihrer Liebe und Treue ein ewiges Denkmal setzt: Am Fest der Offenbarung soll ihre Lebensgeschichte erzaehlt werden. Gleichzeitig entwirft die Schrift eine feine Charakteristik von Boas, einem vornehmen juedischen Manne, dessen Menschlichkeit geruehmt wird. Freundlich pflegt er seine Arbeiter mit dem Grusse “Gott mit Euch” zu ermuntern, und liebevoll spricht er zu Ruth: “Oft ist mir erzaehlt worden, was Du an Deiner Schwiegermutter getan, nach Deines Mannes Tode, wie Du Vater, Mutter und Heimat verliessest, um zu einem Volke zu gehen, dass Du nicht kanntest. Moege Gott Dir diese Tat vergelten, und moege Dein Lohn ein vollkommener sein”. Dieser Boas bemueht sich, das Besitztum seines Anverwandten Ebimelech der Familie zu erhalten; er, der reiche Grundbesitzer, heiratet Ruth, die verarmte Witwe, und er erfuellt zugleich damit das Gebot der Thora: “Der Name des Verstorbenen solle nicht aufhoeren unter seinen Bruedern”. Antisemitische DER FALL In der Nacht auf den Samstag ist vor dem Landgericht im badischen Staedtchen Offenburg ein Prozess abgeschlossen worden, der in der deutschen Presse ein ausserordenntlich starkes Echo gefunden hat. Angeklagt war der Gymnasiallehrer Ludwig Pankraz Zind, und zwar wegen antisemitischer Aeusserungen, die in ihrer Brutalitaet unwahrscheinlich toenen, die aber kaum als voellig isolierter Einzelfall im heutigen Deutschland gewertet werden. Zind hatte vor einem Jahr im Wirtshaus zu spaeter Stunde erklaert, im Dritten Reich seien noch viel zu wenig Juden vergast worden und er selber habe im Krieg “mit seinen Jungen” Hunderten mit dem Spaten das Genick eingeschlagen, worauf er noch heute stolz sei; der Staat Israel gehoere “ausradiert”, usw. Als er darauf von einem halbjuedischen Anwesenden gestellt wurde warf er diesem entgegen, auch er muesste nachtraeglich noch samt Frau und Kindern vergast werden. Die Schulbehoerden scheinen den Vorfall laengere Zeit nicht als besonders gravierend empfunden zu haben; erst unter dem massiven Druck der oeffentlichen Meinung kam es zu Sanktionen. Das Gericht hat Zind jetzt wegen Beleidigung und fortgesetzter Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener zu einem Jahr Gefaengnis unbedingt verurteilt; durch das Urteil verliert er ueberdies auch seine Lehrerstelle, Zind hat bereits appelliert, so dass eine Verhandlung vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe bevorsteht. Es wird uebrigens berichtet, dass dem Verurteilten bereits von aegyptischer Und so finden sich zwei Herzen in Liebe, zwei reife Menschen in Treue, und, hatte die idyllische Erzaehlung mit Unglueck und Strafe begonnen, so schliesst sie mit dem Berichte, dass Ruth und Boas die Urgrosseltern des bedeutendsten Koenigs in Israel, David’s, werden, an dessen Namen sich die ßchoensten Hoffnungen fuer das juedische Volk und die Menschheit knuepfen. So duerfen wir in dem Buche Ruth eines der erhabensten Denkmaeler des jue d i s c h e n Geistes erblicken, das Hohelied der Toleranz, des Mitgefuehls und der Gerechtigkeit schlechthin. Liebe und Treue werden hier als die herrlichsten Resultate religioes - sittlicher Erziehung dargestellt. Indem wir die Erzaehlung am Feste der Thora lesen, bekennen wir Juden vor der Welt, dass wir niemals auf Bekehrungsversuche ausgehen, und dass wir die taetige, die selbstlose Liebe, als die glaenzendste Ausstrahlung der juedisch - religioesen Idee betrachten. “Ruth” ist auch das Hohelied der Treue und Liebe zweier lebenserfahrener Menschen fuer einander, die sich im gemeinsamen Leben bewaehren. So koennen wir den letzten und tiefsten Sinn unserer Festlektuere darin sehen, dass diese uns belehren will, religioese Wahrheiten durch sich selbst siegen zu lassen. Indem sich das juedische Volk zur Thora und zu diesem kleinen Buche, dieser “Megillat Ruth” bekennt, will es zum Ausdruck bringen, dass es sich fuer alle Zeiten an die hoechsten Forderungen des Judentums gebunden fuehlt, naemlich, Naechstenliebe und Menschlichkeit zu verwirklichen. CURT W1LK. Stroemungen in Westdeutschland ZIND ALS SYMPTOM Seite eine Stellung angeboten worden sei. Die zweitaegigen Prozessverhandlungen Hessen in Abgruende blicken. Zind entpuppte sich dabei nicht etwa als alter eingeschworener Nazi, sondern als ein Mann der “voelkisch bewussten” Gattung, dessen geistigen Hintergrund eine der damaligen nationalistisch und antisemitisch gestimmten Burschenschaften bildet, von wo die Linie dann ueber den “Stahlhelm” zur SA fuehrte; nach dem Krieg gehoerte er zur Kategorie der Minderbelasteten. An seinem Weltbild hat sich seit den dreissiger Jahren kaum etwas geaendert; die so fuerchterlich folgenschweren Propagandaphrasen der “Bewegung” braucht er noch immer vorbehaltlos zum Nennwert. Vor Geficht noch meinte er das Reich habe die Juden in Konzentrationslagern festsetzen muessen, “damit sie mit Deutschland kein Schindluder treiben konnten auf der Basis gegenseitigen Verrats”. Von Vergasungen will er nichts gewusst haben, und wenn er seinem Gegenueber zurief, er gehoere auch vergast, so habe er damit lediglich eine gelaeufige populaere Wendung gebraucht, die heute nichts anderes mehr besage als etwa: “Dass dich der Teufel hole”. Als ein Anwalt unter lautloser beklemmter Aufmerksamkeit des Saales einen Augenzeugenbericht von Vergasungen verlas, unterhielt sich Zind ostentativ mit seinem Beistand, als gehe ihn das nichts an. Das lokale Publikum scheint uebrigens zeitweise mit Bezeugungen seiner Sympathie fuer den Angeklagten keineswegs zurueckgehalten zu haben. Der als Zeuge zitierte Oberamtmann der Stadt erklaerte, die Verhaftung Zinds habe in Offenburg das Vertrauen in die Justiz erschuettert; einer der Nebenklaeger fuehlte sich veranlasst, die Richter zu einem unerschrockenen Urteil zu ermuntern, “zu dem in einer Kleinstadt Mut und Ueberwindung gehoert”. Im Fall Zind einen Beweis oder Indiz fuer eine bereits wieder virulent gewordene antisemitische Stimmung breitester Schichten in Deutschland sehen zu wollen, geht zu weit anderseits ist die Affaere aber auch nicht einfach als Ausnahmefall ohne jede symptomatische Bedeutung abzutun. In Offenburg ist wieder einmal Licht auf Schiechten gefallen, die aus dem Bewusstsein mancher Deutscher ins Dunkel abgesunken sind, auf jenen Winkel der unbewaeltigten Vergangenheit, die in den letzten zehn Jahren einfach “vergessen” wurde, ueber die man in stillschweigender U e b e reinkunft nicht mehr spricht und mit der man sich weitherum ueberhaupt nie ernsthaft auseinandergesetzt hat, die aber vielleicht gerade deswegen ein Herd gefaehrUcher Keime geblieben ist. Die Reaktion der deutschen Publizistik auf jene brutale Art von Antisemitismus, wie sie sich im Fall Zind aeusserte, ist ueberwiegend eindeutig und eindeutig negativ. Die Frage ist, wie tief die desinfizierende Wirkung, um die sie sich bemueht, in jene Bevoelkerungsschichten dringt, die sich in solchen Dingen heute nicht oeffentlich aeussern und die ihr privates Urteil dem Zugriff der Justiz zu entziehen verstehen. “Neue Zuercher Zeitung". sin s ( IST PER AUSPRUCK PEINES SOLIPARITAET MIT PEM AUFBAU ISRAELS/

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