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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1958-05-01 · 5 (Mayo, 1958) · p. Seite 8

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XX (1958)
Issue
5 (Mayo, 1958)
Date
1958-05-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 BOLETIN INFORMATIVO Mayo 1958 BLITZLICHTAUFNAHMEN VON EINER REISE NACH USA Von Rabb. Egon Loewenstein In seinem Buch “Judaism for the modern Age” .berichtet Robert Gordis im Vorwort eine Anekdote: Israel Zangwill erzaehlt die Geschichte von einem alten Juden, welcher waehrend der dunkelsten Tage des 1. Weltkrieges darum ersuchte, den britischen Kriegs- Premierminister, David Lloyd George, sprechen zu duerfen. Als er nach der Absicht dieses Besuches gefragt wurde, antwortete er: “Ich moechte mit dem Premierminister ueber Gott sprechen”. Diese wahrscheinlich apokryphische Anekdote mag in jenem zweiten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts erzaehlt worden sein, um einen Menschentyp zu ironisieren, der in den schwersten Stunden im Leben eines Volkes ueber nichts anderes zu sprechen hat als ueber ein Problem, das in keiner Weise in irgendeiner Beziehung zu den realen Fragen der Gegenwart und ihrer Loesung steht. Seitdem sind etwa 4 Jahrzehnte vergangen. Heute wird der Jude —und nicht nur er— nicht mehr belaechelt, wenn er ueber Gott sprechen will. Das religioese Problem ist wieder sehr real geworden. In Buechern oder Zeitschriften kehrt es immer wieder. Man berichtet von einer religioesen Renaissance in vielen Laendem und vor allem in den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Die Staetten der Andacht-Kirchen und Synagogen wachsen wie Pilze aus dem Erdboden und werden —was das Wichtigste ist— besucht. Die Juden —und um diese geht es uns selbstverstaendlich in erster Linie— zeigen sich wieder wesentlich interessierter an allen Fragen, die die religioese Zukunft des Judentums angehen. Dies war das Bild, das ich mir vor unserer Reise von der Entwicklung des nordamerikanischen Judentums gemacht hatte. Menschen aller Richtungen und Einstellungen begegneten mir, mit denen ich ueber diese Fragen sprechen konnte. Ich habe mich von der Vielzahl der Synagogen und oft auch von ihrer kuenstlerischen Ausgestaltung und laeumlichen Ausdehnung beeindrucken lassen. Die eindrucksvolle organisatorische Kraft vieler juedischer laenderumspannender Institutionen hat auf mich gewirkt. Ich habe die grosszuegige Freiheit und Freigebigkeit gespuert, mit der die Grundlagen fuer ein neues juedisches Leben gelegt werden. Selbstverstaendlich kann ich kein abschliessendes Urteil aus eigener Erfahrung ueber die erwaehnte Renaissance des religioesen Judentums faellen. Aber soviel ist mir klar geworden, dass das Judentum in Nordamerika am Beginn einer Entwicklung steht, die moeglicherweise auch ein verstaerktes Interesse am religioesen juedischen Leben mit sich bringen kann. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Idee des “american way of life”, das heisst der Wille, eine spezifisch nordamerikanische Haltung zum Leben entwickeln zu wollen. Es wird viel vom amerikanischen “melting-pot” gesprochen. Er fuehrt dazu, dass die Menschen der zweiten Immigrationsgeneration den Kontakt mit den Ursprungslaendern ihrer Eltern zu verlieren beginnen. Dieser Prozess scheint uns manchmal merkwuerdige Formen anzunehmen, weil ihm oft jede wirkliche kulturelle Basis fehlt. Er ist jedoch im Grunde nichts anderes als das Streben, aus dieser Vielheit der Inmigrationswellen eine Einheit werden zu lassen. Selbstverstaendlich sind die Juden in diesen Verschmelzungsprozess eingezogen. Gaebe es nicht die dieser Vereinheitlichung entgegenwirkenden Faktoren, wuerde der Assimilationsprozess in diesem Lande wesentlich staerkere Formen annehmen, als wir sie in Zentral-Europa erlebt haben, wo die dauernde Wanderung von Ost nach West, die europaeische Traditionsschwere und der latente Antisemitismus eine vollkommene Assimilation verhinderten. Welches sind die dem Prozess des “melting-pot” entgegenwirkenden Faktoren? Ein Freund und Kollege, mit dem ich ueber diese Probleme sprach, fuehrte drei Momente an: Hitler, Israel und der Kommunismus. Es ist kein Zweifel, dass der Nationalsozialismus und seine bitteren Folgen eine schwere Schockwirkung zur Konsequenz gehabt haben. Darueberhinaus fuehlt man sich heute in weiten Kreisen verpflichtet, die Verantwortung zu tragen, die dem nordamerikanischen Judentum mit seiner ueber fuenf Millionen Menschen durch die Zerstoerung des europaeischen Judentums auferlegt worden ist. Ohne Zweifel hat auch die Wiedergeburt des Staates Israel das juedische Bewusstsein vieler Menschen ebenso geweckt und gestaerkt wie in den suedamerikanischen Laendern. Aber auch der dritte Faktor, der Kampf der USA gegen den Kommunismus, der neben dem gesunden Willen zur Selbstbehauptung auch Auswuechse wie den Mac Carthysmus gezeitigt hat, spielt dabei eine nicht wenige Rolle. Man fordert von den Buergem des Staates ihr Alibi dafuer, dass sie keine Beziehung zum Kommunismus haben. Die Zugehoerigkeit zu einer Congregation ist ein solches Alibi. Dieses Alibi schuetzt vor dem Verdacht, der schweren persoenlichen Schaden zur Folge haben kann. So ist ein Judentum im Entstehen begriffen, dessen Grundlage nicht weltanschauliehe Ueberzeugungen oder tiefschuerfende Ideologien sind, sondern —wie mein Freund es formulierte— das einfache Gefuehl dafuer, dass man zu etwas gehoeren muss, dass man sich mit etwas identifizieren muss. “I have to belong”. Aus dieser Verpflichtung, zu etwas zu gehoeren heraus, werden Synagogen gebaut, werden die Kinder in staendig zunehmender Zahl zur Sunday school oder anderen Schulen geschickt, Erziehungsinstrumente ge schaffen, Wohltaetigkeit geuebt, die juedischen Fonds unterstuetzt. Es ist unbestreitbar, dass sich mehr und mehr ein spezifisch nordamerikanisches Nationalbewusstsein herauskristallisiert und die Bindungen an die Heimatlaender der Eltern nachlassen. Aber es ist auch festgestellt worden, dass die Vielzahl der existierenden Kirchen und religioesen Manifestationen, die meist ein historisches Erbe der Ursprungslaender sind, ein anderer Weg nationaler Identifizierung sind. So ist auch die Synagoge nicht nur die Staette religioeser Andacht, sondern zugleich der spezifisch nordamerikanische Ausdruck der Zugehoerigkeit zum juedischen Volk. Dafuer spricht die Tatsache, dass in sehr vielen Synagogen neben der nordamerikanischen Fahne auch die Fahne des Staates Israel ihren Platz findet. Israel ist eine hoffnungsvolle Realitaet fuer den nordamerikanischen .T"^pn. aber keine für ihn mögliche Heimat. Trotzdem kann kein Zweifel darueber bestehen, dass die Mehrheit der nordamerikanischen Juden, auch derer, die vor zwanzig Jahren aus Deutschland nach USA gekommen sind, sich dort zu Haus fuehlen. Dafuer mag ein Beispiel sprechen. Ein Studienkollege, der frueher Misrachist war und selbst einige Jahre in Israel gelebt hat, wurde waehrend unserer Unterhaltung in seiner Wohnung an das Telefon gerufen und als er zurueckkam, erzaehlte er: “Eben hat mich der Gouverneur der Provinz angerufen, um mich zu fragen, wann wir dieses Jahr unsere “Hohen Feiertage” begehen, da man mit dem Beginn des Schuljahres darauf Ruecksicht nehmen will. Und jetzt wirst Du verstehen, warum wir uns hier so zu Haus fuehlen”. Und man spuerte die Begeisterung der Freunde, die um den Tisch herum sassen, bei diesen Worten. Ob ihnen bewusst wurde, dass diese Ruecksichtnahme moeglicherweise auch innerpolitische Gruende wie die Sicherung von Stimmen fuer die naechste Wahl haben kann, weiss ich nicht. Fest steht, dass fuer die meisten juedischen B u e r g e r dieses Landes Israel nicht viel mehr als ein Objekt ihres philanthropischen Beduerfnisses ist, dem durch das Steuersystem weitgehendst nachgeholfen wird. Die fuer die juedische Zukunft verantwortlichen Menschen bejahen aus ganzem Herzen ihre nordamerikanische Heimat und zweifeln nicht daran, dass das nordamerikanische Judentum sich in aufsteigender Entwicklung befindet. So ist mir auf dieser Reise bewusst geworden, auf welch andersartigen Grundlagen sich unsere juedische Arbeit entwickelt. Gewiss, es gibt vieles, was wir von unserem grossen Bruder lernen koennen. So vor allem, dass der einzelne Jude und auch die isolierte Gemein- Die Juden Japans befinden sich vorwiegend in Kobe, das im letzten Weltkrieg als jued. Zufluchtstaette grosse Bedeutung gewann. Aber auch hier handelt es sich um nur 30 Familien. de schwach sind. Juedisches Leben muss in einen umfassenden organisatorischen Rahmen eingebaut werden, um Kraft zu erhalten. Dies erkannt zu haben, ist die Staerke des nordamerikanischen Jude n t u m s. Rabbiner, Lehrer, Gemeinden, Wohlfahrtsinstitutionen, Erziehungsanstalten stehen nicht jeder fuer sich allein, sondern wirken zusammen, um das zu schaffen, was sie erstreben: das Nordamerikanische Judentum. Wird von Gott heute wieder mehr gesprochen? Das weiss ich nicht. Aber ich weiss, dass viele Faktoren wirksam sind, um das Rueckgrat dessen zu staerken, was immer die Seele des Judentums war: das historische, religioese Judentum. Die’ Juden in China sind von 25.000 im Jahre 1946 auf 397 zusammengeschrumpft. Heute bestehen kleine jued. Gemeinschaften nur in Shanghai, Charbin und Tientsin, dazu je 4 Juden in Dairen und Mukden. DIE S. C. I. "B'NE JISROEL // bittet um Meldungen stimmbegabter Damen, Herren und Kinder, die bereit sind in unseren Choeren mitzuwirken. Evtl, gegen Verguetung. Naeheres im Gemeindebuero. ZU FAMILIEN - FESTLICHKEITEN Telegramme Blumen-Abloesungsspenden, Baeume, Goldenes Buch, Bar—Mizwah—Buch, Kindei—Buoh des KEREN KAJEMETH LEJISRAEL Telefonisch« Bestellungen: 33096 (Gemeinde) oder 87707 STATISTISCHES msm. vEKWTM/oimjivä IDDODP OLIM PIE HEILIGE PFLICHT DER. KOLLEKTIVITAET MUSS VON ALLEN ERFUELLT WERPEN,

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