Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XX (1958)
- Issue
- 5 (Mayo, 1958)
- Date
- 1958-05-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Mayo 1958 BOLETIN INFORMATIVO 3 EIN JAHR GEMEINDETAETIGKEIT WORTLAUT DES RECHENSCHAFTSBERICHTS DES PRAESIDENTEN DER S. C. I., HERRN DR. SIEGFRIED LANDAU, VOR DER ORDENTLICHEN GENERALVERSAMMLUNG AM 20. APRIL 1958 Unser Beitrag zum Aufbau Israels — Jugendarbeit erfordert Neugestaltung — Zusammenschluss der "zweiten Generation" — "Unsere Synagogen, auch wenn sie neu sind, sind alt" — Gottesdienst, One ge Schabbat, Seder, Basmizwa, Synagogenchoere — Die Kulturarbeit und ihre Probleme — Das Gemeindeblatt, eine Monatsschrift — Neuorganisation der Sonntagssammlung — Beziehungen zum Rest des Jischuw: "in der gemeinsamen Arbeit, eine Einheit" — Der "B'ne Jisroel - Wald" — Magbith, die Hauptaufgabe — Eine Pflicht, keine Bitte — Mitgliederbewegung, Werbung, Verwaltung. ln wenigen Tagen werden wir das 10 jaehrige Bestehen unseres Staates Israel festlich begehen. Jeder Einzelne von uns wird stolz darauf sein, was in dieser kurzen Zeitspanne trotz aller politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten geleistet worden ist, wird gluecklich sein, dass Hunderttausende unserer Brueder, die aus Laendern, in denen sie der Unterdrueckung und Verfolgung ausgesetzt waren, in ihre Heimat Israel gerettet werden konnten und jetzt sagen koennen: “Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein”. Jeder Einzelne von uns freut sich taeglich und besonders in diesen Jubilaeumstagen ueber jeden Fortschritt, den Israel macht, ueber jede Gruendung einer neuen Industrie, ueber die Neuschaffung von Kibbuzim, Doerfern und Staedten, ueber die Steigerung des Exportes, ueber die Erschliessung von Kupferminen, den Anbau neuer landwirtschaftlicher Produkte, ueber den Ausbau der Haefen, ueber die freie Schiffahrt, ueber die Entwicklung des Negev. Und jeder Einzelne von uns fragt sich selbst, ob er das Seine zu diesem Erfolge beigetragen hat und ist beglueckt, wenn er diese Frage vor seinem eigenen Gewissen positiv beantworten und bei einem Besuch Israels sagen kann: “Das ist auch mein Werk”. In einem frueheren Bericht, den ich Ihnen zu erstatten die Ehre hatte, ist darauf hingewiesen worden, dass unser Staat einen zuverlaessigen Bundesgenossen hat, naemlich das juedische Volk. Dieses juedische Volk, vertreten durch die Gemeinden der Diaspora, muss sich wie jede Einzelperson die gleiche Frage vorlegen: Haben wir im vergangenen Jahre unsere Pflicht erfuellt? Ist es uns gelungen, den Hoffnungen gerecht zu werden, die man in uns gesetzt hat? Haben wir eine Gemeindearbeit geleistet, die nicht nur administrativ, sondern positiv juedisch gewesen ist und uns das Recht gibt, bei dem kommenden Staatsfeiertag von uns sagen zu koennen: auch unsere Gemeinde hat in bescheidenem Umfang durch ihre Arbeit chuz learez zur Entwicklung des Staates Israel beigetragen? Unter diesem Gesichtspunkt meine verehrten Damen und Herren, will ich Ihnen den Bericht ueber das abgelaufene Geschaeftsjahr vorlegen, nichts beschoenigen, sondern kritisch zu dem auf den verschiedenen Gebieten Geleisteten Stellung nehmen. lager, ein gelegentlicher Jugendgottesdienst als ein aussergewoehnlicher Erfolg betrachtet wird. Alle diese bisherigen Versuche loesen das entscheidende Problem unserer juedischen Galuth-Existenz, die aktive Mitarbeit der sogenannten “zweiten Generation” zu sichern, nicht. Mit Recht betont der von berufener Feder geschriebene Artikel in der “Juedi s c h e n Wochenschau”, dass es sehr leicht sei, an der Jugend herumzukritisieren und ihr den Vorwurf zu machen, sie sei nicht juedisch interessiert. Sollten diese Vorwuerfe irgendeine Begruendung haben, dann richten sie sich an die falsche Adresse. Wir selbst, wir Erwachsenen muessen uns diese Vorwuerfe machen, denn unsere Jugend ist wie jede Jugend ein Produkt ihrer Erziehung, ihrer Umgebung, der Schule und vor allem des Elternhauses. Das Problem ist besonders in unserem Erdteil ein allgemeines und in fast allen Laendern gleich schwierig. Das darf aber kein Trost im Sinne des roemischen Sprichwortes sein: solamen miserie socios habuisse malorum”. (Fuer Elende ist es ein Trost, zu wissen, dass sie nicht allein ungluecklich sind). Wir muessen versuchen, den bestehenden Zustand zu verbessern und duerfen keine Muehe und Kosten scheuen, das erstrebte Ziel zu erreichen. Was wir bisher getan haben, ist Etwas, aber bei weitem nicht Alles. Wir haben unseren Religionsunterricht in derselben Weise fortgefuehrt wie in den frueheren Jahren: Unsere Herren Rabbiner und ein junger Lehrer haben im Gemeindehaus und in den Raeumen des Kindergartens des Vaad Hajinuj Unterricht erteilt und unser Kantor hat am Sonntag vormittag unseren Schuelern die traditionellen Gesaenge beigebracht. Es fanden fast allmonatlich Jugendgottesdienste statt, zu Purim veranstalteten wir eine erfolgreich verlaufene Feier und besonders soll eine gemeinsam mit der A. T. I. durchgefuehrte, sehr gut vorbereitete Chanukkafeier dankend erwaehnt werden. Dass auch der wichtigsten Daten unseres juedischen Jahres, unserer religioesen Feiertage und des Jom Haazmaut stets im Unterricht gedacht wurde, ist etwas Selbstverstaendliches. So wurde auch ein sogenannter “dritter Seder”, der gut besucht war, fuer unsere Kinder abgehalten, in dem ihnen die Braeuche dieses Festes erklaert wurden. Wir sind uns aber dessen bewusst, dass dieser Unterricht, der nur einmal in der Woche 60 oder 90 Minuten erteilt wird, bei weitem nicht ausreichen kann, um unseren Kindern auch nur minimale Kenntnisse im Hebraeischen, juedischer Geschichte und Tradition zu uebermitteln. Alle unsere Bemuehungen, die Anzahl der Unterrichtsstunden zu DIE SORGE UM DEN NACHWUCHS Es ist schon eine Tradition geworden, dass wir uns in unseren Generalversammlungen in erster Linie darueber aussprechen, was auf dem Gebiete der Jugenderfassung und der Jugenderziehung erreicht worden ist. Wir wissen, dass unsere Jugend unsere Zukunft ist, dass ohne ihre Mitarbeit der Fortbestand juedischer Gemeinden ausserhalb Israels gefaehrdet ist. Soll dieser Satz, wie in interessanten Auszehrungen in der Argentinischen “Jue d i s c h e n Wochenschau” dargelegt wurde, nicht zu einer billigen Phrase degradiert werden, dann muss endlich etwas Konkretes fuer die Jugend geschehen. Es handelt sich hier nicht um einige Reformen ueber Verbesserungen unseres juedischen Lebens, sondern um eine Neugestaltung. Es ist schon sehr oft auf die Notwendigkeit einer staerkeren Jugendarbeit hingewiesen worden. Gründlegend muessen die Bedingungen fuer eine Erziehung unserer Jugend und fuer eine moderne Jugendarbeit geaendert werden und nicht nur durch vereinzelte Versuche und theoretische Anregungen. Wir sind leider in unseren Ansprachen und Vorstellungen so bescheiden geworden, dass einige wenige Religionsstunden, ein gemeinsames Jugendferien- LEON ROSENTHAL ZUM GEDENKEN Zu Beginn der Generalversammlung am 20. April sprach der Praesident der Gemeinde, Herr Dr. Landau, die folgenden Worte im Anschluss an die Ehrung der im Laufe des Jahres verstorbenen Gemeindemitglieder: Seit genau zehn Monaten weilt ein Mann nicht mehr unter uns, der Mitbegruender unserer Gemeinde, der seit ihrem Bestehen fuer sie wirkte, fuer den die “Sociedad Cultural Israelita B’ne Jisroel” Lebensinhalt gewesen ist, unser lieber Freund und langjaehriger Vize-Praesident Leon Rosenthal. Als ich vor Jahresfrist mit ihm ueber die bevorstehende Generalversammlung sprach, gab er mir mit seinem scharfen Geiste klare Ratschlaege und nahm mit seiner Vitalitaet vom Krankenbett aus regen Anteil an unseren Problemen. Kurz darauf schloss er fuer immer die Augen. Man sagt, die Zeit heile alle Wunden; fuer uns ist aber diese Wunde noch offen. Leon Rosenthal fehlt uns bei jeder Gelegenheit. Was unser Leon Rosenthal als Mensch, als Freund, als Wohltaeter, als geschaetztes Direktoriumsmitglied, als Vertreter unserer Gemeinde im Comité Representativo bedeutet hat, haben wir versucht, in den Abschiedsworten zum Ausdruck zu bringen, die wir bei seiner Beisetzung sprachen, der Beisetzung die, wie es selbsverstaendich war, unter Teilnahme des groessten Teils unserer Mitglieder von der Stelle aus erfolgte in der er so viel geschaffen hatte, von unserem Gemeindehause aus. Es gibt kaum eine Gelegenheit in unserem Gemeindeleben, bei der wir nicht Leon Rosenthal gedenken, bei der wir uns nicht fragen: Wie haette er gehandelt? Was haette er fuer richtig gehalten? Und folgen wir dann seinem uns immer gegenwaertigen Rate dann ist bestimmt das Inresesse unserer S.C.I. gewahrt. Leon Rosenthal wird in unserer Gemeinde immer fortleben, sein Andenken wird nie verloeschen. Sein Bild in unserem grossen Sitzungssaal wird dafuer sorgen, dass er bei allen Beratungen ueber das Wahl unserer S.C.I. mit uns verbunden bleibt. vergroessern, scheiterten daran, dass den Kindern durch das hiesige Schulsystem nur wenig freie Zeit zur Verfuegung steht. Wir wissen aber andererseits, dass unsere Kinder von ihren Eltern angehalten werden, englisch oder franzoesisch zu lernen und Musikunterricht zu nehmen. Sind bei einigem guten Willen nicht auch noch ein bis zwei Stunden woechentlich fuer einen intensiven juedischen Unterricht zu eruebrigen? Ist nicht das Erlernen der hebraeischen Sprache in heutiger Zeit fuer unsere Jugend ein erstrebenswertes Ziel, damit sie mit unserer israelischen Kultur durch die Landessprache Israels verbunden wird? Wir haben erreicht, dass durch die Vermittlung des Merkaz Letarbut Lejisrael, des Kulturdepartaments der Federación Sionista in unserer Gemeinde unentgeltliche Ivrit - Kurse fuer unsere Jugend unter Leitung eines kompetenten Lehrers veranstaltet werden und haben hierauf durch eine Anzeige in unserem “Boletín Informativo” hingewiesen. Wir hoffen, dass zahlreiche Kinder von diesem Angebot Gebrauch machen werden. An unseren Jugend-Gottesdiensten am Schabbat-Nachmittag nehmen leider keineswegs alle in Frage kommenden Kinder teil. Ich richte einen erneuten Appell an unsere Eltern, uns bei der Durchfuehrung des Unterrichts, der Jugend-Gottesdienste und aller fuer unsere Kinder vorbereiteten Veranstaltungen dadurch zu helfen, dass sie ihre Kinder an ihnen teilnehmen lassen. Wir wollen und duerfen uns nicht damit begnuegen, dass an den sieben bisher abgehaltenen Kursen nur 74 Kinder teilgenommen haben. Nur mit Hilfe unserer Eltern kann die Religionsschule im kommenden Jahre weiter ausgebaut werden. Der bereits fuer das vorige Jahr angekuendigte Sonder- Gottesdienst fuer Jugendliche am Rosch Haschono und Jom Kippur wird von unseren Herren Rabbinern und unserem Kantor fuer dieses Jahr vorbereitet und soll unseren Jugendlichen an diesen wichtigsten Tagen unseres religioesen Lebens die Teilnahme an einem ihrem Alter entsprechenden Gottesdienste ermoeglichen. Die Kinder sollen hierdurch in aie Lage versetzt werden, die Ethik und den Sinn unserer Feiertage und unserer Gebete zu erfassen und es soll erreicht werden, dass sie dadurch spaeter selbst einmal in der Lage sind, die Tradition des juedischen Volkes fortzusetzen. Dass ein solcher spezieller Jugend - Gottesdienst ausserordentlich wichtig ist, beweist uns das im vergangenen Jahre (Fortsetzung Seite 5)