Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XX (1958)
- Issue
- 4 (Abril, 1958)
- Date
- 1958-04-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Abril 1958 BOLETIN INFORMATIVO 5 DER BAUMEISTER DES STAATES DAVID BEN GURION Blättert man in dem Philo- Lexikon vom Jahre 1935, so wird man vergebens den Namen suchen, der heute nicht nur der jüdischen Oeffentlichkeit, sondern der ganzen fortschrittlich gesinnten Welt ein Begriff geworden ist: Ben Gurion. Auch sonst wird man nicht allzuviel biographisches Material über diese einmalige Persönlichkeit unserer Zeit finden. All das, was ihn persönlich betraf, trat immer in den Hintergrund. Von früh an kam es ihm auf die Sache an, die er vertrat und mit der er sich so personifizierte, dass sie sein Leben ausfüllte — und ihm wenig Zeit für sich selbst liess. Je weniger Müsse und Aufmerksamkeit er aber seinem persönlichen Ich schenken konnte, desto eigener und charaktervoller wurde er als Träger der zionistischen Idee, der er schon als lOjähriger Knabe verbunden war und die er bereits als Vierzehnjähriger öffentlich auf der Rednertribüne grosser Versammlungslokale in Warschau mit tiefster Ueberzeugung und Begeisterung verkündete. Sein Vater, Avidor Green, ein in seiner Vaterstadt Plonsk angesehener Anwalt, liess seinem aufgeschlossenen, lembeg i e r i g e n Sohne eine gediegene hebräische und weltliche Erziehung zukommen, die ihm später die Beherrschung von acht Sprachen in Wort und Schrift ermöglichte. Ben Gurion, wie sich der junge Kolonist David kurz nach seiner Ankunft in Palästina nenen wird, wurde — wie viele seiner jüdischen Altersgenossen — in die Auseinandersetzungen der sehr bewegten Zeit der Aufklärung, der Politisierung der Studentenschaft, der grossen sozialen Erschütterungen hineingezogen; er erlebte das Anwachsen einer nach Ausschreitungen und Verfolgungen drängenden antisemitischen Bewegung in Russland. Im Gegensatz aber zu den jungen Juden, die die Lösung des Judenproblems in dem Kampfziel der sozialistischen Bewegung, der klassenlosen Gesellschaft sahen, liess sich Ben Gurion in seiner Auffassung nicht beirren, dass nur mit der Synthese von Zionismus und Sozialismus der jüdische Weg beschreitbar ist. Als Mitgründer einer Gruppe, die sich der Poale Zion anschloss, vertrat er in dem Pogromjahr 1905 den Standpunkt der jüdischen Selbstverteidigung. Das bedeutete für ihn keine theoretische Erörterung, sondern die Notwendigkeit zu handeln Er kam darum auf die zaristischen schwarzen Listen. Bereits damals galt für Ben Gurion nur soweit die Theorie, als sie in sich die Möglichkeit der Verwirklichung trug. Das selbst zu tun, was man von anderen fordern will, wurde sein Lebensgesetz. Darum zog Ben Gurion Anfang des Jahres 1906 die für ihn einzig mögliche Konsequenz und ging als Landarbeiter nach Palästina, wo er infast allen Teilen des Landes in den verschiedensten Siedlungen tätig war. Er darf sich rühmen, der erste jüdische Schomer (Wächter) gewesen zu sein. So lernte er das Land kennen, kam mit den Menschen zusammen, die in mühseliger, entsagungsvoller Arbeit, oft verzweifelt und verbittert, aber immer wieder zäh und zu allem entschlossen, einem seit Jahrhund erten vernachlässigten Boden Fruchtbarkeit abrangen. Die ersten kollektiven Siedlungen entstanden, deren Probleme Ben Gurion ernsthaft beschäftigten. Der Kontakt mit den landwirtschaftlichen und industriellen Arbeitern bestärkte ihn in seinem Bestreben, aus diesen aufbauenden Elementen eine gesellschaftliche Kraft zu formen, die einst dazu berufen sein würde, dem Lande ein eigenes Gepräge zu geben, wenn dieses Lahd ihr eigenes Land geworden ist. Schon in diesen ersten Jahren der Verwurzelung jüdischer Arbeitskraft schwebte ihm die Idee vor, der er viel später in der Forderung: “Von der arbeitenden Klasse zum arbeitenden Volke” Ausdruck geben konnte. Kurz vor dem Ausbruch des ersten Weltkrieges begab sich Ben Gurion zusammen mit seinem Gesinnungsfreunde Ben Zwi, dem heutigen Präsidenten Israels, nach der Türkei, um dort die Gesetze und Sitten des Landes zu studieren, zu dem das damalige Palästina gehörte. Er begann sogar türkisch zu lernen. Schon damals zeichnete sich Ben Gurion durch die Gabe aus, mit Realitäten rechnen zu können, die er in den Dienst des Zieles setzte, das er in unerschrockener Gradlinigkeit verfolgte. Als 1914 der erste Weltkrieg ausbrach, wurden Ben Zwi und Ben Gurion von den Türken verhaftet und nach Alexandria abgeschoben. Es wurde ihnen der Befehl übermittelt, dass sie niemals wieder ihren Fuss auf palästinensischen Boden setzen dürften.— Ben Gurion nützte diese Zeit aus. Auf Wunsch der Poale Zion verlegte er sein Arbeitsfeld nach den Vereinigten Staaten. Dort schuf er in unzähligen Versammlungen, Besprechungen, Zeitungsartikeln die Stimmung für die Schaffung einer jüdischen Legion und für die Voraussetzungen einer vorbereiteten Einwanderung sachkundiger Arbeitskräfte nach Palästina. Jüdische Menschen für das jüdische Land heranzu ziehen — das wurde die Parole Ben Gurions. Im Jahre 1917 kämpfte er als Korporal des jüdischen Bataillons der britischen Armee gegen die Türken. In diesem Jahre überreichte im Namen seiner Regierung der englische Minister Arthur Balfour zu Händen von Chaim Weizmann eine Erklärung von höchstem politischen Werte — die sogenannte Balfour-Deklaration. Wieder war es Ben Gurion, der sofort erkannte, was dieses Stück Papier bedeuten konnte, wenn eine Realität dahinter steht, nicht die Realität des Absenders, sondern die des Empfängers. In einer unerhörten Gradlinigkeit verfolgte Ben Gurion sein Ziel. Er organisierte die grosse jüdische Arbeiter- Gewerkschaft — die Histadrut — 1921 wird er ihr Generalsekretär — ein Amt, das er bis 1933 bekleidete. Hier wurden Menschen herangebildet, die das Rückgrat einer wirtschaftlichen Ordnung bilden sollten, auf die sich der kommende jüdische Staat als einen bedeutenden Faktor stützen kann. Zu der sozialen Aufgabe kam die politische hinzu. Schon 1907 hatte Ben Gurion in einer Versammlung der Poale Zion von der Notwendigkeit der politischen Unabhängigkeit des jüdischen Volkes gesprochen. Auf dem 14 Zionistenkongress erklärte er, dass Zionismus nur eins bedeuten kann: Errichtung des jüdischen Staates. Mit einem beispiellosen Optimismus glaubte er an die Erreichung dieses Zieles, das die Voraussetzung zu einer friedlichen Einordnung des jüdischen Volkes in die grosse Völkergemeinschaft bietet. Obwohl Ben Gurion einer der ersten Sozialisten war, der ein Buch über Sozialismus ins Hebräische übersetzte, hütete er sich vor einseitigem Theoretisieren. Die Doktrin muss in die Sprache der Tat umgesetzt werden können, sonst taugt sie nicht. So glaubte er nicht an Wunder, noch an eiserne Gesetze der Entwicklung. Wenn er an etwas glaubte, so war es an die Kraft des Willens. Man muss Mut haben zu fordern, allerdings auch die Moral das Geforderte selbst zu erfüllen. Wenn man diesen Worten nachgeht, so findet man in ihnen den Schlüssel zu dem jüdischen Staatsmann Ben Gurion, der dem jüdischen Volke in einer grossen.Stunde seiner Geschichte herangereift ist. Dieser Mann war dazu berufen, am 14. Mai 1948 den jüdischen Staat auszurufen. Diesem Manne konnte nicht nur das kleine von 31 Millionen Feinden umgebene Israel, sondern die gesamte Judenheit die Verantwortung für eine schicksalsvolle Zeitepoche anvertrauen. Ben Gurion, der seit dem Jahre 1935 Präsident der Exekutive der Jewish Agency war, der im Kampfe gegen das im Jahre 1939 herausgegebene Weissbuch an erster Stelle stand, der sich im Gegensatz zu Chaim Weizmann für die Einwanderung einsetzte, der die Haganah aufbaute, der sich eingehend und umfassend mit der modernen Militär-Wissenschaft beschäftigte — mit der Zusammensetzung und Austattung der Truppen — blieb in der Stunde der ernsten Gefahr kühl und besonnen Er war davon überzeugt, dass Israel für die Freiheit, für die Menschenrechte und Würde, für den sozialen Fortschritt leben muss. Man kann Ben Gurion nur verstehen, wenn man sich darüber Rechenschaft gibt, dass dieser kühne und kühle Realist ein Mensch von einer fast mystischen Gabe prophetischer Vision und Einfühlung ist. Trotz allem Realismus war er kein Rationalist. In einem Brief an einen jungen Freund schrieb er einmal: “Die Ideen Einsteins und Newtons, die Shakespeareschen Dramen, die Gespräche Platons und Buddhas sind nicht die Frucht eines blossen Spieles von Atomen und Elektronen, die sich unaufhörlich bewegen, sondern lebendiger Ausdruck von etwas Grossem und Verborgenem, was wir mit “Geist” bezeichnen”. Als sich Ben Gurion im Jahre 1953 nach Sdeh Boker zurückzog, wueste ein jeder, dass dieser dynamische Mensch nicht lange Zeit abseits stehen könne. Hatte er nicht kurz zuvor das tapfere Wort gesprochen: “Wenn die Umstände gegen Israel sind, so müssen wir die Umstände ändern”. Dieser Augenblick kam. Und Ben Gurion übernahm aufs neue die schwerste Verantwortung, die ein Volk seinen führenden Menschen auferlegen kann. Wollen wir Juden der Galut den Staatsmann Ben Gurion ehren — so gibt es für ihn, der immer nur die persönlich zionistische Verantwortung forderte — eine Ehrung: Kampfgenossen Israels zu sein, nicht durch enthusiastische Worte, sondern durch die schlichte, selbstverständliche Tat — durch sichtbare Solidarität. Durchführung der illegalen HANS SILBER. Sonntagssammlung Leider kann unsere Sonntagssammlung in der bisherigen Form nicht mehr fortgefuehrt werden, da uns Kinder zum Sammeln an den Sonntagen fehlen. Dieses edle Werk darf trotzdem nicht zum Erliegen kommen. Vorstand und Repraesentanz haben daher beschlossen, diese monatlichen freiwilligen Spenden, durch die in den vergangenen Jahren soviel Gutes getan werden konnte, bei unseren Mitgliedern durch unsere Cobradores erheben zu lassen. Diese werden bei ihrem naechsten Besuch jedem Mitglied eine Karte vorlegen zwecks Eintragung des Betrages, der monatlich kassiert werden soll. DAVID BEN GURION fsSStäß IfV $ mê ym ms M'¿ÍÉÁ: