Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1956-12-01 · 12 (Diciembre, 1956) · p. Seite 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVIII (1956)
Issue
12 (Diciembre, 1956)
Date
1956-12-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/8553624-8556986-9194262--1937-8557194
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

10 BOLETIN INFO GEDENKEN AN LEO BAECK (Fortsetzung von Seite I) (C A LT NEU Geburt an dieses Leben gebunden. Und bin doch frei, dieses Leben zu erfuellen, es schoepferisch zu gestalten. So bin ich Geschaffener und Schoepfer zugleich. Denn das Leben, obwohl es von Gott stammend sein Ewiges besitzt, bleibt doch im Irdischen, Nichtigen, Sinnlosen verhaftet, wenn es nicht durch die Tat des Menschen verwirklicht wird. Sein Goettliches tritt erst durch die Verwirklichung durch den Menschen hervor. “Es ist Gottesschoepfung und bedarf doch des Menschen, um zum Gottesreiche zu werden”. In diesen Spannungen sieht Baeck das Wesen der juedischen Religiositaet. Deshalb nennt er das Judentum als die Religion der Spannungen die “klassische Religion”. Denn “klassisch” ist eine Religion, die diese Spannungen heute und hier in diesem Leben austraegt, “romantisch” dagegen nennt er bei aller Ehrfurcht vor dem Glauben von Millionen das Christentum, dem er Jahrzehnte des Studiums gewidmet, weil es die Sehnsucht ausfuellt nach Erloesung, nach Erloesung von dieser Welt. Aber deshalb ist Judentum immer der grosse Widerspruch zu jedem “Heute”, “weil es das, was immer ist und immer seiifTsbll, dem entgegenstellt, was gerade jetzt ist”. Deshalb war es das Unantike in der antiken Welt und ist das Unmoderne in der modernen Welt. Der Jude ist der grosse Nonkonformist in der Geschichte, ihr grosser Dissenter. Der Kampf um Selbsterhaltung, um die Bewahrung des juedischen Volkskoerpers ist so ein Kampf fuer die Religion, der Kampf fuer die Religion ein Ringen um Bewahrung des Volkes. “Kein Gedanke der Macht war darin. . •, nicht Macht, sondern Kraft. Als Kraft in der Welt lebt das juedische Dasein. Und Kraft ist Groesse!” Diese Kraft seines Judentums, durch ihn zum Ausdruck gekommen in unserer Zeit, bewirkte die Groesse von Leo Baeck. Wo man ihm begegnen durfte, in welchem Gremium und bei welchem Anlass, ob in dem kleinen Hinterstuebchen des gebaeudes, in dem er als Vorsitzender der Reichsvertretung amtierte, die grossen Vorderzimmer ihren Geschaeftsfuehrern ueberlassend, ob in seiner Berliner Wohnung am Schoeneberger Stadtpark oder im Stadtbahnabteil dritter Klasse, eingekeilt zwischen den anderen Fahrgaesten, auf der Fahrt zwischen Bahnhof Friedrichstrasse und Zoologischer Garten, zwischen den Haeusern von Lehranstalt und Reichsvertretung, niemals entzog man sich seinem Bann. Niemals dem packenden, nicht loslassenden Blick der ovalen Augen hinter der Brille, nicht den unbeholfen anmutigen Bewegungen der Haende, nicht der zitternden und doch so festen, so eindringenden Stimme. Auch eine Unterhaltung ueber kleine Dinge des Tages erhob sich ploetzlich auf eine Ebene, wuchs zu einer Weite, die den Teilnehmer unendlich bereichern musste. Und dieser Mann war wahr. In den vielen Nachrufen auf Verstorbene, die er von Amtswegen zu halten hatte, verschwieg er nicht deren i z h 1 e r und Schwaechen, aber er liess sie in einem neuen Lichte sehen, zeichnete sie mit dem liebenden Wissen um den Menschen, sie erstanden in einer hoeheren Wahrheit als der des Alltags. Wahrsein und Mut zum Wahr sein verschmolzen in ihm zum grossen Wahrheitsmut des Bekenners. Wem diese Charaktereigenschaft gegeben ist, in dem Augenblick des Erkennens einer Wahrheit sie auch auszusprechen, der steht ausserhalb, ueberhalb der Grenzen, in denen Mehrheit und Stimmzettel, Konvenienz und Scheu vor der Konsequenz regieren. Der spricht als Nichtzionist sein “Ja” zum Zionismus, als im Jahre 1897 der Allgemeine Rabbiner-Verband in Deutschland seine bekannte Entschliessung gegen die zionistischen Bestrebungen fasst und der 24jaehrige Baeck, kuerzlich erst in das Amt in Oppeln eingefuehrt, zusammen nur noch mit einem zweiten Rabbiner gegen diesen ueberwaeltigenden Mehrheitsbeschluss stimmt. Mit diesem Wahrheitsmut setzt sich der junge Oppelner Rabbiner zu Anfang dieses Jahrhunderts an seinen Schreibtisch und beantwortet eine eben erschienene Schrift eines voellig ungleichen Gegners. Im Jahre 1903 hatte der evangelische Theologe Adolf von Harnack, ordentlicher Professor an der Berliner Universitaet, Exzellenz, Freund des Kaisers und von diesem geadelt, in seinem Buche “Das Wesen des Christentums” diesem als “Ideenreligion” das Judentums als “Gesetzesreligion” gegenuebergestellt. Der moderne Mensch koenne sich nicht von ausserhalb seiner Umwelt stehenden Vorschriften binden lassen, sondern sei nur imstande, sich einer Religion hinzugeben, in denen sich die Ideen seines modernen Denkens und Empfindens ausdrueckten. Das war die Aufforderung zur Taufe. Und der unbekannte Rabbiner in einer kleinen Gemeinde im Osten des Kaiserreichs widerlegt den beruehmten Berliner Professor. Sein Buch, “Das Wesen des Judentums”, wird bahnbrechend fuer die Erkenntnis sowohl bei Juden als auch bei Nichtjuden, was Judentum tatsaechlich ist. Mit eben diesem Wahrheitsmut steht der zum geistigen und politischen Fuehrer der deutschen Juden gewordene Baeck — Gaon und Exilarch in einer Person — gegen Ende des Jahres 1941 vor einem Referenten der Gestapo im Polizeipraesidium am Alexanderplatz und er traegt als Judenabzeichen den gelben Davidstern. Und selbst der Gestapoleiter kann sich dem Fluidum dieser Persoenlichkeit nicht entziehen und um sich aus dem eben aufkommenden Zweifel zu befreien, ruft er auf den gelben Stern weisend: “Aber Sie muessen doch zugeben, dass das deutsche Volk hinter der Politik des Fuehrers steht, auch hinter seiner Judenpolitik”. Baeck antwortet: “Wenn ich jetzt von Ihnen, vom Alexanderplatz, zu Fuss in meine Wohnung am Schoeneberger Park zurueckkehren werde, (Fortsetzung Seite 11) TEXT UND BILD VON G Die geniale und profetische Praegung dieses Wortes durch Herzt bestaetigt sich im Lande heute auf Schritt und Tritt. Modernste Staedte wachsen von neuem auf historischen Boeden, direkt neben den Ausgrabungen der Reste aus biblischen Zeiten. <- E i n Supereonstellation der EL-AI Linie auf dem Flugplatz von Lydda Im Vordergrund das immer bereitstehende Ambulanz auto des Magen David Adom. -> 40 km entfernt vom Flugplatz: ein Blick von der letzten israelischen Stellung ueber das in Truemmern liegende Niemandsland auf die Mauern der Altstadt, die der arabischen Legion als Festung dienen. « : « Ms ¡MI -> “Wo die Welt mit Brettern vernagelt ist”. Eine Strasse Jerusalems, die direkt in den von Jordanien besetzten Teil hineinfuehrt. Quer herueber hat man eine Mauer aufgestellt um sich vor den Kugeln der arabischen Scharfschuetzen zu s i c h e r n Rechts ein gebaeude der Universitaef. Davor “Drachenpaehne” um in gefaehrdeten Momenten arabischen Panzern den Durchbruch zu versperren. <- Blick durch das schmiedeeiserne Tor auf die friedlich daliegenden christlichen Heiligtuemer in Nazareth, beschuetzt von der Regierung Israels.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.