Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVIII (1956)
- Issue
- 12 (Diciembre, 1956)
- Date
- 1956-12-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Diciembre. 1956 BOLETIN INFORMATIVO SUEZ UND SINAI: EINE ZWISCHENBILANZ (Fortsetzung von Seite 5) U. S.A. unter der Maske der V. N. handelten, was nur dadurch moeglich war, dass die Russen stupiderweise damals den Sicherheitsrat boykottierten und damit freiwillig auf ihr Veto verzichteten. Unter diesem, vielleicht etwas sehr kuehlen, aber gewiss nicht unrealistischen Gesichtspunkt besteht daher auch heute kein Grund, in die Effekti vitaet der V.N. allzu grosses Vertrauen zu hegen. Ist das ein Unglueck? Wuerde es sich bei dieser Mammut - Organisation wirklich um eine “gerechte” Art von Weltregierung handeln, muesste man diese Frage vielleicht bejahen. Leider handelt es sich aber beim Sicherheitsrat und wie bei diesem bei allen anderen Agenturen der V.N., um Gremien, wo zwei Grossmaerhte gleichzeitig die Rolle der Klaeger und der Richter innehaben. Man braucht kein Jurist zu sein, um zu wissen, dass ein solches Gericht nicht unparteiisch urteilen kann. Vor allem, wenn die se Anklaeger-Richter in Wirklichkeit mehr als einmal auf die Anklagebank gehoeren. BILANZ IN WASHINGTON Bei all dem bleibt noch die groesste Frage oiien: wie i^ es moeglich, dass die beiden Grossmaechte, die doch schliesslich in erbittertem un offenenem Kampf um die Welt herrschaft liegen, sich in der Frage Aegypten so weitgehend einig sein konnten? Die Liebe der Russen zu Nasser ist verstaendlich und wohlbegruendet. Er hat ihnen Tuer und Tor im Vorderen Osten geoeffnet, England una Frankreich, die noch vor zehn Jahren das ganze Gebiet kontrollierten, vollkommen z urueckgedraengt und durch den Kanal-Coup die Oelversorgung von ganz Europa in Frage ge stellt, d.h. fuer einen Kriegs fall die gesamte europaeische Verteidigungsposition von de Elbe bis nach Gibraltar. Nur daraus erklaert sich auch der von blinder Wut und Hass dik ■ tierte Ausbruch gegen Israel (Bulganin: “Die Existenz des Staates ist in Frage gestellt!”) das zu seiner eigenen Ueberraschung durch die Sinai-Kampagne den russischen Plaenen einen vielleicht ebenso grossen Schaden verursachte wie den aegyptischen. Der Verlust der russischen Waffendepots, die zu Nassers treuen Haenden nun einmal sehr schlecht aufgehoben waren, hat die roten Nazis von Moskau nun dazu bewogen, den noerdlichen Nachbarn Israels, Syrien, fieberhaft aufzuruesten. Der naive Glaube, dass die Syrer mit diesen Waffen mehr anzufangen wissen als ihre aegyptischen Alliierten ist unverstaendlich, kann uns aber letzten Endes einen zweiten Feldzug kosten. Viel schwerer verstaendlich ist die Politik der republikanischen Administration in Washington. Was hat Eisenhower dazu bewogen, Israel und Amerikas wichtigste Alliierten der Aggression zu bezichtigen? Wie kann ein Dulles so wenig Verstaendnis dafuer aufbringen, wenn seine treuesten Freunde zwecks Verteidigung ihrer vitalsten Interessen sich gezwungen sehen, “am Rande des Krieges entlang zu jonglieren”? Welches ist der Sinn dieser verzweifelten, und leider vorerst mit Erfolg gekroenten Anstrengungen, den Diktator Nasser, Marionette des Kreml, im Moment seines Untergangs zu retten? Es gibt leider nur eine Erklaerung: Fuer die “Standari Oil Co. die “Aramco” oder die Oelmillionaere von Te^as uni sonstwo gibt es kein Problem von Diktatur und Demokratie keinen Gegensatz zwischen rotem Nazismus und freier Welt keine britischen und franzoesischen Alliierten, es gibt nur eins: das Geschaeft. Solange las Erdoel fliesst und Dividenden abwirft ist alles in Ordnung und ob nun irgend öin aus der Wuec+e e’-itlaufer,»r rTalunke?anz Europa an der Gurgel hat. ist ib-°-> um Bevor nicht die Russen ihre Luvus-Fotels in Miami mit Fallschirmabspringern besetzen merken sie nicht, worum es geht. Und das State Department ist eine Agentur -’er Oel-Interessen. Der Che* '"v" uv,,c einer grossen vrJ^i.wrrn!| der Unterstaatssekretaer im Fach spezialisierter Ingenieur der letzte Portier dank der Politik der Personal Abteilung eingefleischter Isolationist und Reaktionaer und wenn mal einer faehig war, ueber seine Nase hinweg zu gucken ist er schon laengst auf seine “Loyalty” geprueft worden und als “Kommunist” entlarvt und entlassen. Darf es jemanden Wunder nehmen, dass solche Leute in dem Sklavenhaendler Saud einen zuverlaessigen Freund sehen, in Nasser einen respek¬ I Aegypten aufruesteten, schick- 1 te man Waffen an den Irak, als ob Nasser etwa seine dor-; tigen Spiessgesellen und nicht Israel bedrohe. Nach Nassers [ militaerischem Zusammenfcruch bewaffnen die Russen Syrien; und was tun die Amerikaner? Sie schicken Waffen... wieder nach dem Irak! Hat man denn die ganzen arabischen Solidaritaetsbeteuerungen ueberhoert? Ihre militaerische Unfaehigkeit uebersehen? Nicht gelernt, dass, wenn FEISAL, HUSSEIN, KUWATLY, SAUD UND CHAMOUN Ausverkauf im Bazar von Beirut (Foto: “Time”) tablen “nationalen” Fuehrer, i Tsrael aber einen unerwuenschten Unruhestifter? Alle Fehler, die die Englaende in den ’eMten T',hren begangen haben we-den von ihnen, ungeachtet er bitteren Erfahrungen rlie :e offensichtlich nicht verstehen jetzt wiederholt. Als die Russen --- üfiiüW äs SsjT* “MEIN KAMPF” ALS SOLDATENBIBEL fuehrten die aegyptischen Soldaten als Tornister-Ausgabe in ihrem Gepaeck auf der Halbinsel Sinai mit, als sie von den Israelis angegriffen wurden. Unser Bild zeigt links die Rueckseite des Umschlags, rechts die Titelseite der 1955 (I) erschienenen arabischen Ausgabe von Hitlers - “Mein Kampff”. (Abbildung und Text: “Koelnische Rundschau”, 25.11.) (Foto: “Time”) es ueberhaupt zwei Staaten im Vorderen Osten gibt. militaerisch irgendwie zaehlen und ausserdem noch Demokratien sind, dies nur in erster Linie die Tuerkei und ausserdem Israel sein koennen? Aber nein, nach vielen Jahren irrtuemlicher Araber-Politik war den Englaendern ihr unsinniger Bagdad-Pakt endlich auseinandergefallen und da weiss man in Washington nichts Besseres zu tun, als zu versuchen, ihn zu flicken. Man ist wirklich versucht, mit Churchill zu sagen, dass noch nie so Wenige mit so vielen Fehlern so vielen Schaden angerichtet haben. Die Mittelost-Politik der Regie* uuo —...—..... .v ci ist iaisch Ln der Einschaetzung der aggressiven Tendenz des arabischen Nationalismus, falsch in der Analyse der russischen Gefahr und falsch in den Mitteln, mit der sie beide behandelt. Das ist schlecht fuer Israel, schlecht fuer die freie Welt und somit doppelt schlecht fuer Israel. Dass es zuguterletzt auch sohler-ht fuer die Vereinigten Staaten und selbst fuer die Standard Oil Co. ist, bleibt ein schwacher Trost, zumal an die 35 Millionen Waehler erst ganz kuerzlich anderer Ansicht waren. BILANZ IN BEIRUT __ Natuerlich haben auch die Araber ihr Fazit aus den letzten Ereignissen gezogen. In Libanons Hauptstadt Beirut trafen als Gaeste des Praesiuenten Camille Chamoun ein: Shukri el Kuwatly von Syrien, “Koenig” Hussein von Jordan, “Koenig” Feisal von Irak und “Koenig” Saud von “Aramco”- Arabien. Fuer Aegypten war nur Nassers Botschafter in Beirut anwesend. Ein abschliessendes Kommunique wurde nicht veroeffentiicht und auch die recht wenig originellen Erklaerungen, -in denen man gegen Israel, England und Frankreich vom Leder zog, konnten nicht ueber die stark zugespitzten inneren Gegensaetze hinwegtaeuschen. Unter den vielen unterirdischen Umwaelzungen, die im arabischen Lager vor sich gegangen sind, haben die folgenden am meisten zu dieser Krisensituation beigetragen: Das gegenseitige Beistandsoaktsystem ist aufgeflogen. Speziell Saud ist von ..er miiitaerischen Unfaehigkeit seines aegyptischen Alliierten masslos enttaeuscht. Syrien be-‘ findet sich seit der Moskau- Reise seines Premiers Shukri el Kuwatly in der Hand einer pro-sowjetischen Militaerklique. Der syrisch-irakische Gegensatz kann sich jederzeit ueber Trans Jordanien entladen und dem Leben dieses kuenstlichen Staatengebildes ein Ende machen. Bisher hat nur die Angst vor Israel die syrischen und irakischen Aasgeier vor dem Einmarsch abgehalten und damit Hussein vorerst— wie lange noch?— den Thron bewahrt. Libanon seinerseits als zur Haelfte christlicher und zivilisier Lester unter n arabischen Staaten sieht k.ar die Alternative, sich entweder mit Israel an den Grenzen o ex den Russen innerhalb der Grenzen abzufinden und zieht ersteres vor. Und schliesslich ist Nassers Fuehrerstelhmg zusammengekracht, da er mit seiner Grossmaeuligkeit heute nur noch in Washington Eindruck schinden kann, aber nicht mehr unter seinen listigen Kumpanen. Die von Jen Aegyptern mutwillig vorgenommene Blockade des Suez- Kanals ist ein schwerer Schlag fuer die Milliarden-Dollar-Einkuenfte des Oelkoenlg Saud. Die Sprengungen der Oellinien in Syrien ein ebensolcher fuer den Irak. Alles in allem, hatten die Potentaten der Wueste es schwer, aus ihren Pakten Freundschaft« beteuerungen und gemeinsamer Politik eine Bilanz zu .ehen. Es war mehr als eine Bi» lanz, ein Ausverkauf. Leide* haben sie einstweilen noch gutglaeubige Abnehme» Jm Westen und interessierte im Osten. Wie lange noch? ATSCHEKA.