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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1956-11-01 · 11 (Noviembre, 1956) · p. Seite 7

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVIII (1956)
Issue
11 (Noviembre, 1956)
Date
1956-11-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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f*CoTÍ«mbre 195S 7 BOLETIN INFORMATIVO DAS PROBLEM DER ALTEN IM KIBBUZ Von Dr. Neter. Degania A. Wie in vielen Ländern, bildet auch in Israel däs Schicksal der Alten ein ernstes Problem. Es ist vielleicht nicht ohne allgemeines Interese, zu sehen, wie sich das Problem der Alten in der Gemeinschaftssiedlung, im Kibbuz, darstellt. Der Verfasser ist 1876 in Deutschland geboren. Er war 1899 bis 1938 Arzt, 1938 bis 1941 (Deportation) Präsident der Israelischen Gemeinde Mannheim, 1941 bis 1945 im Konzentrationslager. Seit 1946 lebt er in Degania A, einem der frühen Kibbuzim, am Jordan gelegen. Die Redaktion. Das Problem der Alten bietet in der Kwuzah (im Kibbuz) keine besonderen Schwierigkeiten. -Was die Seelen der Alten schwer belastet, ist die Angst, Kindern oder anderen Verwandten zur Last zu fallen- Daher das oft mühevolle Streben der Eltern, diesen Termin, wo sie auf die Hilfe der Kinder angewiesen sind, so lange hinausauschieben, wie es irgend möglich ist. Nur nicht die Kinder in Anspruch nehmen! Diese Furcht plagt die Menschen, welche sich den späteren Jahren naehern und die damit rechnen müssen, dass Alter oder Invalidität oder wirtschaftliche Gründe es unmöglich machen, sich selber zu versorgen. Der Gedanke, auf fremde Hilfe angewiesen zu sein, — und seien es auch die eigenen Kinder —, dieser Gedanke hat viel Bitteres. Eine gewisse Scheu macht es vielen Eltern schwer, von ihren Kindern oder Verwandten etwas anzunehmen. Im Kibbuz sind die Eltern frei von dieser quälenden Angst, sie fallen ihren Kindern nicht zur Last und brauchen nichts von ihnen anzunehmen. Die Gemeinschaft sorgt für die Eltern in allen Wechselfällen des Lebens. Diese Fürsorge wird von den Eltern als ein Hecht (und vom Kibbuz als eine Pflicht) betrachtet, das den Eltern durch, die Arbeit ihrer Kinder' zu steht. Die Fürsorge durch die Gemeinschaft belastet im allgemeinen nicht die Seele der Betreuten. Wie sorgt der Kibbuz für die alten Eltern seiner Bürger? Man kann wohl ohne Uebertreibung sagen, dass die Gemeinschaft ihren Verpflichtungen - gegenüber den Eltern in zufriedenstellender Weise nachkommt. Selbstverständlich nach Massgabe der wirtchaftlichen Verhältnisse des Kibbuz. Wie der Kibbuz die Alten in Krankheitsfällen betreut, überschreitet oft das, was eine Fürsorge durch die Familie' zu leisten imstande ist. In gleicher Weise bietet der Kibbuz auch in anderen Notfällen des Lebens weitgehende Hilfe. Manchen Eigenarten des Alters trägt der Kibbuz Rechnung; so essen z. B. unsere Eltern an den Diättischen, wo ihnen eine gewisse Anzahl von Speisen zur Auswahl geboten wird. Neben der Angst, jemandem zur Last zu fallen, beschwert oft noch ein anderes Gefühl ehe Seele der Alten; es ist dies das schmerzliche Gefühl, sich nicht mehr nützlich machen zu können, sei es durch Arbeit, sei es durch irgendeine andere Beschäftigung. Auch hier kann der Kibbuz“ weitgehend helfen. Er bietet den Alten die Möglichkeit, zu arbeiten oder sich sonst irgendwie nützlich zu machen. Es besteht für die Eltern keinerlei Zwang zu arbeiten; sie arbeiten nach freiem Willen und nach Massgabe ihrer Kräfte. Diese Möglichkeit zu arbeiten kann nicht hoch genug bewertet werden; sie nimmt den Alten das bedrückende Gefühl, dass man überflüssig geworden ist und zu nichts mehr taugt. Die Arbeit — und sei sie noch so geringfügig — belebt und stärkt das gesunde Selbstbewusstsein und gibt dem dahinschwindenden Leben einen aufrichtigen Inhalt; sie verhindert auch, dass man allzusehr der Nörgelei und dem Klatsch verfällt. In einer Anzahl von Kibbuzim ist es den Eltern nicht möglich, ihre religioesen Bedürfnisse zu erfuellen. So kommt z.B. in unserem Kibbuz kein Gottesdienst zustande. An den hohen Feiertagen geht man zum Gottesdienst in den benachbarten Kibbuz. Aber auch hier in, unserem freidenkerischen. Kibbuz ist jederzeit ein Minj an zum Kaddischsagen zu erreichen. Es kommt ott zu Schwierigkeiten, wenn alte Eltern mit ihren Kindern und Kindeskindern in einem gemeinsamen Haushalt leben. Die derzeitigen wirtschaftlichen Verhältnisse zwingen leider allzuoft zu einem solchen Zusammenleben, das den Alten und den Jungen nicht gut tut. Die Not eines solchen gemeinsamen Haushaltes ist oft sehr gross und lässt verstehen, wenn man nach Wegen sucht, ihr abzuhelfen, z.B. durch Altersheime. Bei diesem Ausweg ist aber der Verkehr zwischen den Eltern und den Familien ihrer Kinder oft sehr erschwert. Anders im Kibbuz. Hier wohnen auch alt und jung getrennt. Aber die Entfernung zwischen den beiden Wohnungen ist so klein, dass sie keine Rolle spielt, aber doch den grossen Vorteil hat, dass die beiden Familien getrännt leben. Der familiäre Verkehr zwischen den Generationen gestaltet sich dadurch nach freiem Belieben, so wie man ihn pflegen will, unabhängig von äusseren Umstaenden. Und das ist für beide Teile, für das Zusammenleben von alt und jung, sehr gut. Zum Schluss bleibt noch die Frage zu beantworten: Wie stellt sich das Problem des Alters für den Kibbuznik selber dar? Für den Kibbuznik hat das Alter seinen Sehrekken weitgehend verloren. Er kann dem Alter entgegensehen ohne die Angst, jemandem zur Last zu fallen. Auch an Arbeit oder irgendeiner Beschäftigung wird es ihm nicht fehlen. Der Kibbuznik kann ohne Furcht an das nahende Alter denken, an das Nachlassen der körperlichen und geistigen Kräfte; er weiss, dass für seine späten Jahre gesorgt ist. Diese Gewissheit bedeutet sehr viel für den Kibbuznik, der sich den “Fünfzigern” nähert und der die Begriffe Arbeitslosigkeit, Krankheit und .Alter kennengelernt hat. Während in den Altersheimen die “Alten” zumeist auf den Verkehr mit Gleichaltrigen beschränkt sind (mit all den Nachteilen einer solchen Beschränkung), lebt im Kibbuzim alt und jung suzammen; es leben drei Generationen miteinander i n ungezwungener Weise. Diesen freigewählten Verkehr mit den Jüngeren und mit den Jungen erhält den Alten eine gewisse Frische, das Altwerden geht langsamer. Die Gelegenheit, sich zu beschäftigen, sich seinen Liebhabereien hingeben zu können, und der Umgang mit Jüngeren — all das schützt das Alter vor körperlicher und seelischer Versteifung. Und noch eines: Die ganze Atmosphäre des Kibbuz, die Toleranz und das gegenseitige Verantwortungsgefühl hat etwas. Wohltuendes für die Alten und bestärkt sie, voller Vertrauen, in dem Gefühl der persönlichen Freiheit. (“Da» Neue Israel”. Zusrlch). SELTSAME EINWANDERER AUS AMERIKA Von Schctlom Ben-Chorin Vor einiger Zeit brachten die “New York Times” folgende Nachricht: “Zwei Konvertiten zum Judentum verlassen d i e USA nacht Israel, Mr. und Mrs, Cletas Trinker aus Grand Häven, Michigan, die neuerlich zum Judentum konvertierten, trafen heute in New York ein, auf dem Wege nach ihrem neuen ständigen Heim in Israel. Sie fühlen sich als Vortrupp einer kleinen amerikanischen Kolonie gleicher Weltanschauung. Die Trinkers brachten nur ihre Kleider mit sich und mechanische Werkzeuge, und die Auswanderer beabsichtigen, ihr Sieben - Zimmer - Raus zu verkaufen. Sie lassen drei verheiratete Kinder zurück. Mr. Trinker, der heute 44-jährige, ist Mechaniker und Werkzeugschlosser. Die Trinker waren konfessionslos, als sie sich der ‘United Israel World Union’ anschlossen, die in West Olive in Michigan ihr Gemeindezentrum unterhält”. Soweit die merkwürdige und Aufsehen erregende Pressemeldung. Was steht dahinter? Wer sind die Trinkers und wer sind die Männer und Frauen, die ihnen folgen wollen? Was bedeutet das “Community Center in West Olive und was ist die “United Israel World Union”? Man kann vielen Touristen aus Amerika, darunter zionistischen Funktionären und Rabbis aller Richtungen, Vertretern der Benej-Berith-Logen und des Jüdischen Weltkongresses diese Fragen vorlegen (und der Schreiber dieser Zeilen hat es versucht), ohne eine befriedigende Antwort zu erhalten. Denn die United Israel World Union ist heute in Amerika selbst und im Weltjudentum noch nicht so bekannt, wie sie es eigentlich verdienen würde. Der Grund ist klar: der UN-Korrespondent David Horowitz, der sich wiederholt in Israel aufgehalten hat, der Gründer dieser Bewegung und ihr geistiger und organisatorischer Führer, „unternimmt etwas, was ein jüdisches Novum darstellt: er bekehrt planmässig Nichtjuden zum Judentum, treibt also jüdische Mission. Und bereits am 21. September 1953 konnte der jiddische “Forwards” melden, dass 3.700 amerikanische Christen den jüdischen Glauben angenommen haben. Das ist das Werk von Dr. David Horowitz (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Präsidenten der Bank Israel) und seiner Gerim-Bewegung “-United Israel World Union”, deren Zentrum in West Olive, Michigan, sich befindet. Das Ehepaar Trinker wurde am 28. April 1954 zum zweiten Male feierlich getraut und zwar unter einer Chuppa. die aus Israel stammte. Als Trauzeugen fungierten Dr. David Horowitz und der Führer der Gerim-Kolonie aus West Olive, Mr. William Goodin, und die juedische Trauzeremonie vollzog Rabbi James H. Burkey. Auch der Bruder des Mr. Trinker liess sich mit seiner Frau nochmals nach jüdischen Ritus trauen. Das “United Israel Bulletin” vom Oktober 1954 brachte die Bilder der altneuen Bräutigame, jeder mit einem schönen Tallith angetan. Zunächst werden sich die Trinkers in der Siedlung Alma bei Safed nach geeigneten Siedlungsmöglichkeiten Umsehen, denn dort hat sich die Gruppe der italienischen Gerim aus San Nicandro niedergelassen, die mit den neuen amerikanischen Gerim in Verbindung stehen. So brachte das amerikanische Bulletin vom August 1955 auf der Titelseite das Portrait von Esther Tritto, einer italienischen Konvertitin, die vom Katholizismus zum Judentum übertrat und jetzt mit den Ihren in Alma bei SaJed lebt und arbeitet. Die Familien Boiringer und Goodin aus West Olive, Dillon aus Wilbur (West Virginia), ebenso ein ehemaliger methodisticher Geistlicher mit Frau und drei Kindern und der Se-, kretär der UIWU. Mr. Peter (jetzt: Schimon) Moyle und seine jüdische Frau Mary Abel wollen sich der neuen Siedlung in Israel anschliessen. Am 1. Februar 1954 richtete Ministerpräsident David Ben Gurion ein eigenhändiges Schreiben in englischer Sprache an Mr. Moyle und lud ihn zu einer Pessach - Pilgerfahrt 1 nach Israel ein. Während einige der Gerim tatsächlich bereits Pilgerfahr- S ten nach Israel unternahmen, errichteten die in West Olive Ansässigen dort einen altbiblischen Opferaltaraus unbehauenen Steinen und mit vier Hörnern (Karenoth Ha-nisbeach), und wenngleich sie dort keine Tieropfer daroringen, so bildet der Altar im Freien doch den Mittelpunkt ihrer Gottesdienste und ihrer eindrucksvollen Pessachfeier. Die Gerim fühlen sich als das “Haus Josephs”, das mit dem “Hause Juda” nunmehr wieder vereint werden soll und gemeinsam mit den Juden wollen diese Israeliten aus den Völkern das Land Israel aufbauen. Tiefste Glaubensüberzeugung, geschöpft aus genauer Kenntnis der Bibel und ein messianischer Zionismus begeistert diese echt amerikanischen Farmer und Handwerker, kernige Gestalten, die sich anschicken, ins Land der Bibel zu ziehen. Nicht allein ein theoretischer Glaube beseelt diese schlichten Männer und Frauen: sie wissen auch für ihre Ueberzeugung zu leiden. Da ist zum Beispiel der junge amerikanische Soldat Pvt. Nicky E. Goodin zu nennen. Auch er konvertierte im Rah men der Horowitz-Bewegung zum Judentum und lehnte es . ab, die Gesetze der Kaschruth zu verletzen als er, nach Japan zu den dortigen amerikanischen Truppen versetzt wurde. Er bestand darauf, streng gemäss der biblischen Kaschruth (Leviticus Kap. XI) zu leben. Etwa 20 verschiedene Armee-Zirkulare befassen sich mit diesem eigenartigen Fall Militär-Rabbiner Chaplain Sbloff half dem jungen Nicky etwas mit koscheren Konserven aus, obwohl die eigentlich jüdischen Soldaten während ihrer Militärzeit sich im allgemeinen in diesen Fragen als zeitweise dispensiert betrachten. Nicht so der glaubenstreue junge Nicky der nur von Gemüsen und Eiern lebte, bis durch einen Erlass vom August 1952 die religiösen Ansprüche des Ger anerkannt wurden. Wie die meisten Gerin (zum Judentum übergetretene Nichtjuden) neigen auch die soeben in Israel eingewanderten Trinkers und ihre Freunde in West Olive zu einer Art modernem Karäertum, d. h., sie geben den biblischen Satzungen den Vorzug gegenüber der talmudischrabbinischen Tradition, die ihnen meist unbekannt und auch schwer zugänglich ist. Der Wahlspruch der Gruppe von West Olive heisst: “Mosaic law for one wotld” (Das mosaische Gesetz für die — ganze, in ihm—geeinte Welt). Diese Maxime stammt von Philo her, dem grossen hellenistischen Philosophen des alexandrinischen Judentums. In zehn Glaubenssätzen “Declaration of Principles” haben die Gerim ihre Ueberzeugungen zusammengefasst: 1.) der Glaube an Einen Gott. 2.) der Glaube an den erkennbaren Weltplan dieses einzigen Gottes. 3.) der Glaube an die Offenbarung am Sinai. 4.) der Glaube an die hebräische Bibel als “Blueprint” Gottes. 5.) der Glaube an die hebräische Herkunft der anglo - sächsisch -keltischskandinavisch - amerikanischen Völkerfamilie (Verlorenen Zehn Stämme). 6.) der Glaube an den Abfall die- (Fortsetzung Seite 17)

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