Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVIII (1956)
- Issue
- 11 (Noviembre, 1956)
- Date
- 1956-11-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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«vil >»M»aireII 6 Mustapha ist ein arabischer Bauer, Mann zweier Frauen und Vater von elf Kindern; er ist Bürger Israels und lebt in einem Dorf im Galil, nicht weit von der syrischen Grenze, In einer Zeit der Grenzzwischenfälle, Interventionen der Vereinten Nationen und Drohung kriegerischer Verwicklungen zwischen Israel und den arabischen Staaten fragt man sich — was ist mit Mustapha? Schliesslich ist er nur einer von 200.000. So gross ist die arabische Minderheit im jüdischen Staat. Nach dem Abzug der Briten aus Palästina im Jahre 1943 verliess eine halbe Million Araber das Land. Man hatte ihnen gesagt, ihre Brüder aus den Nachbarstaaten würden über das Land fegen, die Juden ins Meer werfen und dann könnten sie wieder in ihre Städte und Dörfer zurück und reichlich Beute finden. Mustapha dachte, wozu erst Weggehen, wenn man wieder zurückkehrt, und vielleicht findet man mehr Beute, wenn man an Ort und Stelle bleibt. Aber es kam ganz anders, als man ihm und den anderen gesagt hatte. Israel ging als Sieger hervor. Mustapha und alle, die geblieben waren, fühlten sich betrogen (die gegangen waren, sogar noch mehr). Viele ihrer Dörfer waren in Trümmern; ihre Herden waren dezimiert, ihre Märkte verschwunden und ihre politischen und religiösen Führer über alle Berge. In den Städten war die Situation nicht viel anders. Arabische Handwerker hatten ihre Kunden verloren, Kaufleute ihr Geschäft, Beamte ihre Stellung. Arbeiter ihr Brot. Mustapha fühlte sich fremd in der veränderten Umgebung, und wie ihm erging es vielen. Israel war für sie ein Land westlicher, im Grunde europäischer Zivilisation, waehrend sie durch Sitte , und Tradition *n andere Lebensformen gebunden wären. Ein grosser Teil ihrer Familien und Freunde waren nach Transjordanien, Syrien und Aegypten geflohen. Auch wenn sie von ihren Führern belogen worden waren: jenseits der Grenzen war ihre geistige Heimat. Tags hörten sie im Kadio die arabische Hasspropaganda gegen Israel; nachts kamen von jenseits der Grenzen Infiltranten, Spione und Saboteure. Nun liegen vie- BOLETIN INFO RMÄTI VO Noviembre 1958 WAS GESCHIEHT MIT MUSTAPHA? Von HERBERT FREEDEN le arabische Dörfer, wie auch aas von iviustaplia, an der Grenze; kann man Schwägern und Cousins, auch wenn ,sie Marodeure sind Unterschlupf, verweigern? Den israelischen Behörden sind diese Dinge bekannt, und da in dem mehr oder weniger latenten Kriegszustand Sicherheitsmassnahmen der Vorrang gegeben werden muss, steht bis heute der grösste Teil der von Arabern bewohnten Städte und Dörfer unter Militärverwaltung; ihre Bewegungsfreiheit ist eingeschränkt, und sie müssen besondere Erlaubnis haben, wenn sie ihre Wohnorte verlassen wollen. Politisch sind sie im allgemeinen der jüdischen Bevölkerung gleichgestellt, obwohl sie nicht zum Heeresdienst aufgerufen werden. Aber jeder Bürger über 18 Jahre, beiderlei Geschlechts, ist wahlberechtigt. Damit ist Israel der erste Staat im Mittelosten geworden, der den arabischen Frauen Wahlrecht gegeben hat. Ob er sich damit bei Mustapha und anderen Männern beliebt gemacht hat, ist fraglich. Jahrelang sah man Mustapha, wenn er seine Produkte auf den Markt brachte, auf einem Kamel reiten und seine beiden Frauen hinter ihm auf Eseln traben. Während des Kriegesänderte sich plözlich die Reihenfolge, und die Esel mit den Frauen trabten vor dem Kamel, das ihn trug. Plötzlicher Respekt vor dem, weiblichen Geschlecht? Nicht ganz! Mustapha erklärte: “Vielleicht liegen Landminen auf den Strassen”. In Israels Parlament, der Knesseth, sitzen sieben arabische Abgeordnete. Im vergangenen Sommer gingen 77.000 Araber zur Wahlurne. Iri ihrer überwiegenden Mehrheit stimmten sie für die sozialdemokratische ‘‘Mapai”, d. h. den ihr angeschlossenen arabischen Gruppen, weiterhin für die linkssozialistischen Parteien die jetzt in der Regierungskoalition sitzen, und für die Kommunisten. Noch sind nicht alle in Israel lebenden Araber Bürger. 50.000 sind im Laufe j der letzten Jahre illegal ins Land gekommen und müssen erst eine gewisse Zeit ansässig sein, bevor sie naturalisiert werden können. Was hat jene 50.000 nach Israel gebracht? Nicht nur. die Wiedervereinigung mit ihren Familien, sondern auch die wirtschaftliche Pros p e r i t ä t. Tatsächlich ist es Mustapha und den Seinen noch niemals, so gut gegangen wie in Israel. Die Regierung gab ihnen Darlehen und Zuschüsse zur Entwicklung des Bodens, stellte ihnen Saaten und Düngemittel zur Verfügung, oftmals auch Instruktoren und Farm-Maschinerie, und legte Bewässerungsprojekte an Im Gegensatz zu anderen Mittelostländern bearbeiten die Bauern ihren eigenen Boden. Nicht den von Effendis. Allein über 7.000 arabische Familien leben vom Tabakanbau, 700 von Fischerei. Die Herden auf arabischen Gehöften betragen über 150.000 Stueck Vieh. So kommt es, dass der Lebensstandard der arabischen Landbevölkerung Israels weit über dem der Nachbarstaaten liegt. In den Städten ist die Situation nicht ganz so günstig. UnT ter den ungelernten Arabern gibt es ein gewisses Mass von Arbeitslosigkeit. Der grösste Teil' uer araoischen Arbeiter sind Mitglieder der grossen Gewerkschaftsorganisation Histadruth und bekommen gleiche Löhne wie ihre jüdischen Kollegen. Sie nehmen gleichberechtigt an allen Wohlfahrts- ■und Sozialeinrichtungen teil, Krankenkasse, Kinderiürsorge, Arbeitslosenunterstützung usw. : Aber bei allen fortschrittlichen Massnahmen des jungen Staates Hessen sich gewisse psychologische Fehler nicht vermeiden. Wäre Mustapha heute ein junger Mann, so könnte er nicht zwei Frauen haben. Die Knesseth hat nämlich Vielweiberei und Kinderehen verboten. Bekanntlich gehörte es unter Moslems zum guten Ton, nicht nur eine zweite Frau zu heiraten, sondern möglichst ein Mädchen unter 17 Jahren. Die beiden Verbote kamen deshalb als ein ziemlicher Schock für die Muselmänner. Inzwischen ist ein Problem aufgetreten, das diesen Schock , erheblich milderte: arabische Mädchen sind zu teuer Nicht nur bekommt die Frau keine ■Mitgift in die Ehe, sondern der Heiratslustige muss die Braut ihrem Vater abkaufen. Neulich klagte eine Delegation arabischer Junggesellen dem Staatspräsidenten Ben Zwi ihre Not ueber die hohen Preise, die es. jungen Leuten sehr, schwer mä hen, eine Frau zu erstehen, es sei denn, sie ist sehr hässlich. Auch mit der Erziehung klappt es nicht ganz. Der 1949 obligatorisch gewordene Schulbesuch ist bis heute bei Mustapha unbeliebt: er will seine elf Kinder als Helfer bei der Arbeit haben, aber nicht zum Lernen fortschicken. Dazu kommt noch ein Vorurteil gegen die Erziehung von Maedchen, und schon gar in Koedukationsschulen. Trotzdem machen jetzt die Mädchen bereits 30 Frczent der arabischen Schülerschaft aus. Das Problem der arabischen Minderheit in Israel ist nur ein Teiiproblem der grossen arabisch - israelischen Auseinandersetzung. Bei vielen der Araber Israels besteht ein Konflikt zwischen Loyalitäten —der Loyalität gegenüber dem Staat und der gegenüber den Stammesbrüdern jenseits der Grenzen. Soll Mustapha sich zur “Fünften Kolonne” schlagen oder ein zuverlässiger Bürger werden, bereit, den Staat, in dem er lebt, mit der Waffe in der Hand zu verteidigen? Erst in einem Frieden zwischen Israel und der arabischen Umwelt wird auch dieser Konflikt gelöst werden — und leider sieht es gegenwärtig nicht nach einem solchen Frieden aus. REPARADORA DE CALZADOS "MERCED" MERCED 770 - TEL 32905 SCHUHREPARATUREN von Herren - Damen - Kinderschuhen Erstklassige Ausführung - Schnell und pünktlich VERGESSEN SIE NICHT! SONNABEND EN 1. DEZEMBER 10.30 h. . * h?• IM GEMEINDEHAUS A.T. 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