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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1956-10-01 · 10 (Octubre, 1956) · p. Seite 6

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVIII (1956)
Issue
10 (Octubre, 1956)
Date
1956-10-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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BOLETIN INFORMATIVO \ 6 Octubre, 1956? BLITZLICHTER AUS ISRAEL Von Rabbiner E. Loewenstein Es ist mir eine freudige Genugtuung, feststellen zu duerfen, dass viele unserer Leser Interesse fuer die Berichte aus Israel zum Ausdruck gebracht haben. Dies ist uns ein Beweis dafuer, dass unsere Freunde verstanden haben, dass, was in Israel vor sich geht, auch uns angeht. Israel ist ein Land, in dem 20% des juedischen Volkes um eine Zukunft in Winde und Selbstachtung fuerdas ganze Judentum ringen. Aber der Alltag ist nicht verschieden von dem Leben anderer Voelker. Ein Beispiel davon wollen wir heute geben. Am Donnerstag, d. 26. April kam Danny Kaye, der bekannte nordamerikanisch-juedische Komiker zu einem 4-maligen oeffentlichen Auftreten im Aufträge und zu Gunsten der “Unicef” (Kinderfond der Vereinigten Nationen) nach Israel. Er hatte die von der “Unicef” unterstuetzten Institutionen zu besuchen und durch oeffentliche Veranstaltungen Gelder zu Gunsten hilfsbeduerftiger Kinder zu sammeln. Er hat bereits 60.000 km Reisen um die Erde im Dienste der Menschlichkeit und Kinderhilfe hinter sich. Der Vorverkauf fuer sein Auftreten an einem Mittwoch abend in Tel Aviv begann um 9 h frueh. Bereits um Mitternacht stellen sich die ersten Interessenten mit Klappstuehlen, Decken und Essvorraeten vor dem Verkaufsbuero ein. Als gegen Morgen 6 Polizisten eintrafen, fanden sie bereits eine lange Schlange vor. Einer hatte ein transportierbares Radio mitgebracht, mit dem man sich die Zeit vertrieb. Dann erschienen auch Familienmitglieder mit Getraenken und Sandwiches. Man zahlte enorme Preise fuer den Platz (zwischen 6-20 isr. Pfund). Ein Journalist schreibt: Man schlug sich um die Eintrittskarten zu Danny Kaye wie einst in Zeiten der Zena (der Nahrungsmittelrationen) um rationierte Fischfilets. Wo Danny Kaye auftrat, muss die Polizei ihn vor den begeisterten Massen schuetzen und Sicherheitsmassnahmen ergreifen, um Ruhe und Ordnung sicherzustellen. Zehntausende stehen Spalier, wo sein Auto vorbeifaehrt. Fuer einige Wochen ruecken alle brennenden nationalen Probleme in den Hintergrund. Er erhaelt Leitartikel in der Tagespresse. Jede Minute seines Aufenthaltes wird genau registriert. Auf dem Wege von Tel-Aviv nach Tiberias folgen ihm 10 Autos mit Presseleuten. Eine serioese Zeitung stellt demgegenueber fest, dass auf einer Tagung der Nations Food and Agricultural Organisations nur 5 Journalisten anwesend waren. Als bekannt wird, dass der Komiker am Freitagabend in der Bilu-Synagoge (einer Synagoge mit herrlichem Gottesdienst, wo nur Kinder unter 13 Jahren vorbeten und hunderte von Kindern einen Kinderchor mit herrlich klaren und begeisterten Stimmen bilden) besuchen wird, pilgern Tausende hin. Nach dem Gottesdienst haelt er eine kurze Rede in jiddisch, bei der das Publikum staendig lachen musste. Ein Zeitungsberichterßtatter meint sarkastisch, ob man nicht jetzt das Mittel gefunden habe, um die Synagogen zu fuellen. (Die Gottesdienste sind uebrigens in Israel wesentlich besser besucht als bei uns. Vor allem sieht man sehr viel Jugendliche). Als er die Jugend Haifas in den Muttergarten auf den Carmel einladet, kommen 10.000 Kinder nebst Eltern, Lehrern und Erziehern, die ein grosses Durcheinander verursachen, sodass der Empfang abgebrochen werden muss, um Unfaelle zu vermeiden. Zu seinem Auftreten in Ejn Gev (am Kineretsee gegenueber von Tiberias) erscheinen mehr als 3.000 Personen. Dieser Bericht ueber den Besuch Danny Kaye in Israel zeigt uns das Land von einer sehr normalen Seite. Er selbst war sehr begeistert ueber den Empfang und versprach, bald wiederzukommen. Einen aehnlichen Trubel gab es auch bei dem Auftreten des englisch— klassischen Ballets, bei dem auch enorme Eintrittspreise bezahlt werden. Jetzt ein Bild von dem anderen Israel, das uns sein heroisches Antlitz zeigt. In diesem Jahre nahmen die 1. Mai- Feiern einen anderen Charakter, an als bisher. Anstelle der Aufmaersche in den Staedten, die dem Volke die Erfolge vor Augen fuehren sollten, welche die Organisation und die Solidarifiiet der Gewerkschaften fuer sie errungen haben, ging Israels Arbeiterschaft in diesem Jahr in Massen in die Grenzsiedlungen, um an den Befestigungsarbeiten teilzunehmen und das Land gegen Angriffe zu schuetzen. Ueber 50.000 Arbeiter und Angestellte nahmen an dieser Demonstration der Entschlossenheit Israels sein Land zu schuetzen teil. Sie kehrten am Abend (verbrannt von der gerade an diesem Tage bruetenden Sonne) in Demonstrationszuegen zurueck. Die Lastwagen waren mit roten Fahnen und Inschriften bedeckt, die zur Verstaerkung der Sicherheit des Landes aufriefen. Tausende von Buergern des Lahdes standen an den Einfallstrassen der Staedte und begruessten die mueden Zurueckkehrer mit grossem Applaus. Der Bürgermeister von Jerusalem Agron nahm an den Arbeiten in einem blauen Arbeitshemd teil. Der Staatspraesident Jizchak ben Zwi besuchte in Begleitung seiner Frau und fuehrender Militaers die Korridorsiedlungen um Jerusalem, in denen ^Befestigung sarbeiten durchgefuehrt wurden. Waehrend des Besuchs verschiedener Kibuzim wurde uns spaeter erzaehlt, und gezeigt, wie wichtig die Arbeit am I.Mai gewesen ist. Freunde berichteten uns, dass auch die Angestellten— vor allen der Regierungsbehoerden und der Sochnut— Sonn—- und Urlaubstage der Befestigung der Grenzen des Landes widmen. “Es ist gut”, schreibt eine Zeitung, dass der Tag der Arbeit in diesem Jahr nicht durch Arbeitsverbot und durch Fahnenparade gefeiert wurde, sondern als Demonstration der Arbeit, um die hoechste Pflicht der gegenseitigen Hilfe und der tatkraeftigen Sorge fuer Staat und Volk zu erfuellen”. Auch der Zionistische Weltkongress wurde am 1. Mai unterbrochen und durch eine Reise der Delegierten in die Grenzsiedlungen im Negew ■ gekroent, wo sie die Probleme des Landes nicht, durch Information von dritter Hand sondern durch den Augenschein kennen lernen konnten. Und nun noch ein Wort zum 24. Zionistischen Weltkongress, ueber dessen Verlauf unsere Leser aus anderen Zeitungen informiert sein werden. Wer ein wenig die Geschichte der Zionistischen Bewegung kennt, weiss dass jeder dieser Kongresse ein Markstein auf ihrem Wege ist. Trotz aller Entt'aeu-» schung ueber das Ergebnis dieses Kongresses, der nicht die so lang erwartete Loesung unserer Probleme gebracht hat, war er doch fuer den, der zum ersten Male an einer solchen Demonstration der Einheit des juedischen Volkes teilgenommen hat, ein Erlebnis. Gewiss, es wurde viel gesprochen und viel Reden gehalten. (Charles Wingate, der grosse Englische Offizier und Freund des juedischen Volkes hat einmal gesagt: Reden ist der juedische Nationalsport und wir koennen dem hinzufue'gen: Wie fuer die anderen Voelker ihre nationalen Sportfeste zum Training ihrer Arm— und Beinmuskeln dienen, trainieren wir auf unseren Kongressen unsere Redefaehigkeit). Aber der 24. Zionistische Weltkongress in Jerusalem wird in unsere Geschichte als der Ausdruck der Solidaritaet des juedischen Volkes mit seiner Medina eingehen. Es war ein erhabenes Bild die Delegierten aller Laender zu sehen, darunter viele der Schelichim, die uns in den vergangenen Jahren besucht haben und sich alle sehr fuer den chilenischen Jischuw interessierten, die sich um die grossen Probleme des juedischen Volkes in Israel und in der Diaspora muehten. Die ueberragende Figur des Kongresses war ohne Zweifel Dr. Nahum Goldmann, den viele von uns kennen und der mit seiner Diplomatie und Entschlossenheit dem Kongress den Stempel seiner kaempferischen Persoenlichkeit aufdrueckte. Leider hat das Diasporajudentum nicht mehr sehr viel hervorragende Persoenlichkeiten aufzuweisen. Israel hat es verstanden, die dynamischen Menschen an sich zu ziehen. Nahum Goldmann legte in seinen grundlegenden Referaten (aus denen wir Auszuege in der kommenden Nummer des B. I. veroeffentliehen werden) die Notwendigkeit fuer die Zionistische Bewegung dar, sich mehr fuer die Entwicklung des juedischen Lebens in der Diaspora zu interessieren. Er wies vor allem auf die ungeheure Gefahr der Assimilation hin, die das juedische Volk in seinen Wurzeln bedroht. Er verteidigte auch jene Zionisten, die sich aus irgendeinem Grunde nicht dazu entschliessen koennen, sich einer der existirenden zionistischen Parteien anzuschliessen und trotzdem zionistische Arbeit leisten wollen. (Ein Problem, das uns besonders interessierte und uns auch in weiterem Kreise beschaeftigen sollte). Vor allem verlangte er die Schaffung zionistischer Landesfoederationen, an die alle zionistischen Gruppen angeschlossen werden sollen. (In Chile haben wir eine solche Landesfoederation in der Federation Sionista schon seit 36 Jahren). Der Kongress hat seine Reife dadurch bewiesen, dass er verstand, dass solche fuer die Zukunft der zionistichen Weltorganisation entscheidenden Probleme dem Aktionskomite zur Loesung ueberlassen werden muessen. In einem Gremium von ueber 500 Delegierten bei Anwesenheit von manchmal 3.000 Zuhoerern koennen diese Lebenswichtigen Fragen nicht zur Entscheidung gelangen. Sie beduerfen ruhiger und abgewogener Ueberlegungen. In diesem Aktionskomite ist uebrigens Chile auch durch zwei Delegierte <i Das “Instituto de Extensión Musical” beendete den diesjaehrigen offiziellen Abono- Cyclus mit 4 Konzerten unter der Leitung von Paul Klecki, dem hervorstechendsten Dirigenten seit laengerer Zeit. Sein Mitwirken bedeutete Ueberwindung einiger Defekte der Sinfónica, die bis dahin kein anderer hat beseitigen koennen und sie gegenueber frueheren Jahren auf niedrigem Niveau hielt. Wenn einerseits das Orchester unter gewissen Anormalitaeten leidet, welche von heute auf morgen schwer zu Korrigieren sind und wahrscheinlich nur durch Ersatz einiger Plaetze mit auslaendischen Kraeften verbessert werden koennen, so herrschte andererseits eine unausgeglichene, deficiente Abstimmung des Klangkoerpers vor, dessen Folge oft Mangel an Tonrelief und Klangkraft war. Beides muss in der Zukunft beruecksichtigt werden, um die Gefahr eines Stehenbleibens innerhalb ihrer laufenden Entwicklung, die bis jetzt eine Glueckliche war, auszuschalten. Das Orchester war jedoch wie umgewandelt, nachdem Klecki es in seine Haende nahm und unter aufopfernden Probearbeiten die genannten Defekte wenigstens zeitweise reparierte. Er sagte selbst verzweifelnd, wie schwer und aussergewoehnlich diese Arbeit war, wo Kollegen frueherer Jahre lieber nach Portillo gefahren sind. Paul Klecki zu komentieren ist dankbar. Er ist ein Dirigent mit unuebertroffen klarer Stabfuehrung, grossem Ausdrucksvermoegen und dramatischem Gefuehl, dessen Interpretation auf gruendlicher Kenntnis der Meister, ihrer Werke und ihrem Geist beruht Sein natuerliches Vermoegen, dies einem Orchester unmissverstaendlich zu uebermitteln schafft absolute Klarheit der Interpretation und abgestimmtes Gewebe der Themen. Jedem Orchesterteil und Thema widmet er sich schon um einen Bruchteil vor Beendigung des Vorhergehenden. Es ist nicht uebertrieben, Paul Klecki heute in die Klasse eines Eugen Ormandy eingereiht zu sehen (er hat mit ihm vieles gemeinsam), und man kann nur hoffen, dass unserem Orchester von dieser pedagogischen Arbeit etwas geblieben ist. Leider setzte er die geplanten Mahler-Auffuehrungen in (León Gomberoff und Roberto Aron) vertreten. Es wird weitgehendst von der Persoenlichkeit Nahum Goldmanns; abhaengen, ob der zionistischen Bewegung auch in der Zukunft die Rolle zukommen wird, die sie einst unter Theodor Herzl, David Wolffsohn, Otto Warburg, Chajim Weizmann, Nahum Sokolow innegehabt hat. Wir wuenschen. ihm die Entschlusskraft und Weitsicht, die er in den hohen Positionen, die er seit Jahreneinnimmt, bewiesen hat. letzter Minute wegen Unzu— laenglichkeit der Blaeser al> und aus seinem Programm, aller 4 Konzerte waren besonders gluecklich diesmal die zeitgenoessischen Werke gewaehlt. Die “Symphonische Dichtung” von dem Chilenen Alfonso Leng (expressiv, interessant und wertvoll seit. 1921), “Verklaerte Nacht” von Arnold Schoenberg (aus seiner frueheren Epoche, zwar sentimental, doch technisch grossartig, woran auch eine unerkiaerliche Solo - Entgleisung des 1. Cellos nichts aenderte) und das besonders schoene Konzert von Paul Hindemith (eine Partitur voll von Ideen und Leben, meisterhaft durchgefuehrt). Das bekannte Cello-Konzert von Dvorak war fuer Arnaldo- Fuentes, von dessen natürlichem Talent ich schon frueher sprach, eine zu grosse Aufgabe- Sein schlecht gestimmtes Instrument brachte einen bedauerlichen Misston in dieses Konzert und ihn selbst sichtlich aus der Fassung. Derartige Experimente schaden jungen Kuenstlern psychologisch viel mehr als das Publikum anzunehmen gewillt ist. Da ich die Tschaikowsky- Symphonie, und das Bach-Konzert von Iniesta gespielt, nicht hoerte, bleibt mir nur noch, festzustellen, dass die 3. Symphonie “Eróica” von Beethoven ein wuerdiger, imposanter und qualitativ ueber allem stehender Abschluss der 4 Konzerte von Paul Klecki war- Wuerdig sowohl eines durchschwere Probearbeit geschleiften Orchesters, als auch eines: beeindruckenden Dirigenten, der das Niveau der Konzert- Saison auf dasjenige frueherer Jahre erheben konnte. Als die letzten Takte der “Eróica” verklungen waren- und das Publikum und mit ihm noch mehr die Sinfónica stehend Paul Klecki eine spontane, begeisternde und ueberzeugende Ovation brachten, da dachte ich aber doch weniger an die Leistung eines grossen Dirigenten sondern mehr noch an den Juden Klecki. der geruehrt und herzlich kaum zu danken wusste. Wie viele, ausser uns, wussten noch, dass er, in Lodz geboren, ein ueberzeugter Jude ist, dass er‘ das Israeli-Orchester auf seiner Tourhee um die Welt leitete, dass er praktisch als der Représentant Israels und seines- (Fortsetzung Seite 10> mÿnssmmm Konzert - Feuilleton

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