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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1956-10-01 · 10 (Octubre, 1956) · p. Seite 7

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVIII (1956)
Issue
10 (Octubre, 1956)
Date
1956-10-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Octubre, 1956 BOLETIN INFORMATIVO 7 /V ymVtl! SCHNITZLER ARTHUR Zum 25. Todestage des Dichters VON ESSMASCHINEN, GUMMIMENSCHEN, HITLERS- UNTERGANG UND KINDERTRAENEN Filme, die zum Nachdenken anregen, gibt es nicht ailzuviele. Einige von denen* die wir in der letzten Zeit sahen, vermochten es irgendwie. Auf den ersten Blick haben sie nicht Vieles gemeinsam. Sucht man aber solche gemeinsamen Nenner, so stellt man erstens fest, dass sie sich mit Zeitgeschehen befassen und nicht nur verfilmte; Belletristik sind. Das trifft auch, dank des Realismus seines Themas, fuer “El Saiario del Miedo” zu. Was allerdings der Regisseur ClouzJot in diesem gigantischen Film geleistet hat, um sich unter die Grossen der Filmkunst hinaufzuarbeiten, hat er mit dem jamrhervollen Bloedsinn von “Las Diabölicas” wieder verdorben . Ferner draengt sich die Erkenntnis auf. dass keiner der Filme, die irgendwie wert sind, vor der Vergessenheit bewahrt zu werden, “Cinemascope”- Werke sind. Wie dies auf so vielen Gebieten des Lebens der Fall ist, hat der unzweifelhafte technische Fortschritt, den panoramische Sicht, Klangperspektive und Farbfilm mit sich gebracht haben, keine entsprechenden intellektuellen Fortschritte mit sich gebracht. Im Gegenteil, man kann sich nur fragen, wie lange die diesbezuegliche Anspruchslosigkeit der Hollywood- Magnaten die Geduld des Publikums noch wird ausbeuten koennen. "TIEMPOS MODERNOS" Am frappantesten wird einem das vor Augen gefuehrt mit der neuen Kopie des zwan zig Jahre (!) alten Werkes von Charlie Chaplin, “Tiempos Mo dernos”. Welche Fuelle von Geist, Philosophie, Humor, Hu manitaet, Prophetie, kurz Ge nie hier mit technisch gerings ten Mitteln— Stummfilm!— geboten wird, kann man bereits ermessen, auch ohne in den Abgrund des tridimensio nalen Stumpfsinns zu blicken. Baende muesste man schrei ben, um dieses vielleicht groes ste Werk des groessten Filmkuenstlers auszuschoepfen unc zu wuerdigen. Die Bedrohung der menschlichen F r e i h e i durch die Maschine, sowie durch die aus deren Diktatui erwachsenden Maechte des to talen und totalitaeren Staates stellen das Grundthema. Die Sehergabe Chaplins wird aber nicht nur an Probleme” bestaetigt, die, wie etwa der “Automatismus” in grossen Be trieben, heute erst wirklicl akut werden, sondern selbst a technischen Ideen, wie die Te levision fuer Fabrikunterneh mungen, die vor 20 Jahrer noch nicht einmal ein Traum war und heute existiert. De Grundton des Films ist, wie immer bei Chaplin, gesell schaftskritisch, ohne tendenzioes zu wirken. Sein Humor voll Bitterkeit, aber nie verzweifelt. Unvergesslich einzelne Sze nen: Die in Unordnung geratene Fuettermaschine, das Miss geschick mit der roten Fahne, der unfreiwillige Kokaingenuss die Rollschuhfahrt am Abgrund, die unbezahlte Zeche, der Tanz mit dem Suppenhuhn, der Chanson mit dem vergessenen Text und vor allem, die Szenen voll ruehrender Menschenliebe im Kampf um das Glueck seiner vom Schicksal verfolgten Genossin. , Manch grossem Clown ist es vielleicht schon gelungen,' sein Publikum durch Weinen zum Lachen zu bringen; wie man aber die Menschen durch eine Geste und einen Blick zum lachen und weinen zugleich bringen kann, wird noch lange Zeit Charlie Chaplins Geheimnis bleiben. “EN LA ARENA DEL CIRCO” Dieser russische Film ueber den Zirkus von Moskau zeigte, dass auch ein technisch schlechter Film nicht unbedingt Niveau haben muss. Schlechte Farben, unsaubere Photographie, miserabler Klang. Die Darstellung, so anspruchslos wie nur moeglich, da ein Ansager eine Zirkus- Darbietung nach der anderen einfuehrte, ohne die geringste Rahmenhandlung. Die Artisten selbst, ganz grosse Klasse und absolut vom Rang der bisher in den juengst eingegangenen nordamerikanischen Unternehmen (Barnum und Bailey, Ringling Bros.) taetigen Kuenstler, die wohl in den naechsten Jahren, auf der Flucht aus dem Lande der Television und der Drive-in-Kinos auch zum Teil hierher kommen werden. Und sonst? Zwei vielleicht nicht uninteressante Beobachtungen. Die erste: ein gutes Drittel der maennlichen Zuschauer, uniformiert. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie staendig marschbereit sind. Notfalls, vom Zirkus aus. Es brauchte nur loszugehen. Die andere: die Artisten wurden entweder angesagt als “Kuenstler des Volkes der Sowjetrepublik von daundda” oder als “Emeretierter Kuenstler der Sowjet-Union”. Leutnant, Oberleutnant. Gaukler, Obergaukler. Der Weg zur klassenlosen Gesellschaft. .. “OCASO DE SANGRE” UND “EL ULTIMO ACTO” Diese beiden grossen Pabst- Filme, der eine ueber den missglueekten Stauffenberg- Aufstand und der andere ueber die letzten Tage in der Reichskanzlei. gehoeren vollkommen zusammen. Der Stil ist der gleiche, die Hauptdarsteller sind es ebenfalls und der zweite faengt eigentlich, trotz des Zeitabstandes von einem bewegten Kriegsiahr, da an, wo der andere aufhoert. Trotzdem mutet der Film vom 20. Juli noch aufrichtiger und dokumentarischer an. Es ist der kalte Bericht von der Tat einer Handvoll entschlossener Offiziere und der Verkettung unglueckseliger Umstaende die ein Rechenfehler (die Einbeziehung des ahnungslosen Idioten Remer) einerseits | und die unvorstellbare Tuecke des Geschicks andererseits mit sich brachten. Die ersten Kabel vor zwoelf Jahren sprachen bereits vom Misslingen des Aufstandes. Vom Standpunkt der Politik des “unconditional surrender” schien es damals kein Unglueck, dass der Irre von Braunau nicht von einer Handvoll preussischer Offiziere abge loest worden war. Rueckblikkend, war es ja eins. Die Offiziere sitzen ehedem heute in Bonn und in der “Nato” in Paris und es sind sicher noch nicht einmal die besten, denn die machten am 20. Juli mit und wurden gehaengt. Und wieviel Tod und Grauen, besonders fuer uns Juden, hat dieses Jahr Krieg noch gebracht, dass dieser Held mit dem einen Auge und dem einen Arm namens Stauffenberg seinem Volke— und damit auch den andern— ersparen wollte! Im Hinblick auf solche Gedanken sieht man dieses herrliche Filmdokument mit einer Spannung— wie wenn das Attentat doch noch gluecken koennte—, die den Zuschauer bei “Der letzte Akt” nicht erfasst. Hier ist alles schon vorgezeichnet . Gewiss, es gibt grandiose Szenen: die Orgie im Bunker in den letzten Stunden; das Einstuerzen der Spree— Fluten in die gesprengte Untergrundbahn, die tausenden von Ausgebombten als Luftschutz diente; die trostlose Leere der sterbenden Hauptstadt; das Religionsgespraech der beiden Nazi-Offiziere. Aber, “die Moral von der Geschieht” bleibt irgendwie im Daemmerlicht. Pabst ueberspitzt seine Absicht, den Braunauer als Irren hinzustellen und geraet dadurch in die Gefahr, dass dessen Paroxismus auf harmlose Gemueter irgendwie als “Groesse” wirkt. Dass er dies nicht beabsichtigte, ist klar; aber die Wirkung bleibt bestehen. Albin Skoda spielt den Braunauer sehr gut; die Aehnlichkeit ist fast vollkommen erreicht. “LAGRIMAS DE REBELD1A" Auch dieser von Englaendern in Israel gedrehte Film verschmilzt eine geringe Dosis Romanhaftes mit einer sehr grossen Portion Wirklichkeit. Eine Gruppe Waisenkinder aus Nazi-Europa und Nordafrika gelangt 1947 nach Palaestina und -wird dort in einem Kinderheim untergeb rächt. Der Film zeigt den liebevollen Kampf ihrer Erzieher gegen die asozialen Tendenzen, die das eine Kind mehr, das andere weniger, als Produkt einer grauenvollen Kindheit belasten. Der Sieg ueber ihre misstrauische, menschenfeindliche, verkrampfte und verkruemmte Einstellung erfordert Zeit. Und in dieser Zeit proklamieren die V. N. die Teilung Palaestinas —man erlebt den Jubel der juedischen Bevoelkerung auf den Strassen Jerusalems in der denkwuerdigen Nacht des 20. November 1947—, die Englaen- Am 21. Oktober 1931 ist Arthur Schnitzler im Alter von 69 Jahren in Wien, seiner Geburtsstadt und Staette seines dichterischen Schaffens, verstorben. Der 25. Todestag soll abermals die grosse literarische Bedeutung dieses juedischen Schriftstellers hervorheben, der auch unserer Epoche noch nahesteht. Arthur Schnitzler war der Sohn eines Universitaetsprofessors, eines anerkannten Internisten, und hatte nach beendetem Studium in Wien selbst noch als praktischer Arzt gewirkt, ehe die Literatur voellig von ihm Besitz ergriff. Unter dem Einfluss von Flaubert und Maupassant fand er den Weg zur Gestaltung realistisch-impressionistischer Kunst und wurde bald der Liebling der grossen gesellschaftlichen Salons von Wien, Mitglied des Dichterkreises “Jung Wien”. In einigen seiner Werke hat Schnitzler eine gewisse Vorliebe fuer erotische Probleme, in Verbindung mit schwierigen, absonderlichen seelischen Zustaenden, bekundet und hierbei haeufig eine leidenschaftliche Lebensglut zum Ausdruck gebracht. Zunaechst war es der Prosaiker, der zur Beruehmtheit gelangte, dem spaeter der Dramatiker folgte. Seine wichtigsten Novellen und Romane, zum Teil verfilmt, “Dr. Graessler, Badearzt”, “Fraeulein Else” “Leutnant Gustle”, “Der Weg ins Freie” werden noch heute gelesen, waehrend ein grosser Teil der Dramen zum staendigen Repertoire vieler europaeischer Buehnen gehoert. Schnitzler war ein grossartiger Gestalter der Wiener Atmosphaere, des buergerlichen Oesterreich zwischen 1890 und 1910 besonders, das er gern in kosmopolitischer Erweiterung gesehen haette. Ist es ihm gelungen, Wiener Milieustimmung in bezaubernder Weise wiederzugeben, so hatte er doch auch vollen Sinn fuer die juedische Problematik. Zwei dramatische Werke “Der Weg ins Freie” und “Professor Bernhardi”, das tragische Geschehen um einen juedischen Arzt, der aus dem Gefuehl ergreifendster Menschlichkeit heraus einen katholischen Geistlichen von einem Sterbebette fernhalten will, diese bei den Dramen allein beweisen des Dichters juedisches Empfinden. Dass “Professor Bernhardi” heute in Deutschland der ziehen ab und die Araber beginnen ihre Invasion— man sieht die Kaempfe um Jerusalem, den schrecklichen Wassermangel und den Kampf um Nachschub—: die Rahmenhandlung verschmilzt mit der eigentlichen Geschichte zu einer harmonischen Einheit. Die Schauspieler mit Ausnahme des Amerikaners Jamie Smith sind alle Dilettanten, die sich ihrer Aufgabe grossartig entledigen und ihre “Typen” mit besonderer Echtheit darstellen. Alles in allem, ein wirklich guter Film, der nicht nur fuer uns erschuetternd, sondern auch auf ein nichtjuedisches Publikum ergreifend wirken muss. H. K. viel gespielt und begeistert aufgenommen wird, mag ats eine bescheidene “geistige Wiedergutmachung” a n g e s ehen werden. Otto Brahm und Max Reinhardt, Victor Barnowsky und andere bedeutende Theaterleiter trugen zu Schnitzlers grossen Buehnenerfolgen bei. “Liebelei” und “Literatur”, “Abschiedssouper”, “Der Schleier der Beatrice”, waren dauernd auf deutschen und oesterreicher Buehnen heimisch, und das Schauspiel “Der einsame Weg” sowie die drei Einakter “Komoedie der Werte” wurden durch Albert Bassermann’s Genie noch ueber ihren Wert hinaus zu Triumphen gefuehrt. “Das Spiel der Sommerluefte” verhalf im Jahre 1935 dem Juedischen Kulturbund in Deutschland zu einem hohen kuenstlerischen Erfolg, und die Dialoge des vielumstrittenen “Reigen” wurden in den letzten Jahren von den meisten grossen Kinos der Welt gezeigt. Der Schriftsteller Arthur Schnitzler, zu dessen schoensten Lebenserinnerungen auch die Begegnungen mit Theodor Herzl gehoerten, hat der Welt sehr viel gegeben und die Literatur bereichert. Die juedische Welt sollte im Gedenken an diesen Dichter nicht zurueckstehen und sich seiner in Dankbarkeit erinnern. CURT WlLK. (Buenos Aires) LIGA DE DAMAS Allen Spendern, die so liebenswuerdig waren uns fuer unsere Kleiderkammer Sachen zu uebersenden, danken wir recht herzlich. Infolge der Teuerung ist es unseren Beduerftigen nicht moeglich, auch Kleidung, Waesche, Schuhe, etc. anzuschaffen. Wir bitten daher alle, die uns noch nichts fuer unsere Kleiderkammer gegeben haben, dies schnellstens nachzuholen, da wir jede Woche viele der von uns Betreuten auf eine spaetere Zeit vertroesten muessen, weil unsere Vorraete erschoepft sind. Wie Sie aus unseren verschiedenen Berichten schon wissen, sind die uns verbliebenen Kinder des Kinderheims gegen monatliche Pensionszahlungen bei Familien sehr gut untergebracht. Kuerzlich hatten wir wieder die Barmizwah eines unserer Jungen, der seine Sache ausserordentlich gut gemacht hat und von der Liga reich beschenkt wurde. Die Feier wurde besonders dadurch verschoent, dass die Eltern eines Freundes von ihm, das Ehepaar Englaender, alle Anwesenden in grosszuegigster Weise bewirtete. Wir suchen freiwillige Mitarbeiterinnen fuer Krankenbesuche und Sparkassenleerung und bitten um baldige Anmeldungen bei Fraeulein Felicia Lewin, Telef. 493697. Diejenigen, bei denen in den letzten Monaten Buechsen nicht geleert wurden, bitten wir hoefl. sich unter der gleichen Telefonnummer 493697 zu melden, damit die Kassen sofort abgeholt werden koennen.

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