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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1956-09-01 · 9 (Septiembre, 1956) · p. Seite 6

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVIII (1956)
Issue
9 (Septiembre, 1956)
Date
1956-09-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 Septiembre, 1956 BOLETIN INFORMATIVO SUEHNE UND VERSOEHNUNG IM JUDENTUM (Eine Jom Kippurbetrachtung) DER KONGRESS SUEDAMERIKANISCHER GEMEINDEN IN MONTEVIDEO Von Rabbiner MANFRED LUBLINER Das Judentum war zu allen Zeiten die Religion der Versoehnung. Doch nie begnuegte man sich bei uns Juden mit der Verkuendung des Grundsatzes, dass der Mensch durch Reue, Gebet und mildtaetige Werke allein die goettliche Verzeihung erlangen koenne, sondern an seinem heiligsten Tage im Jahre sollte der Jude ein feierliches Schuldbekenntnis ablegen. Auf diesen hoechsten Augenblick des Jahres bereitete er sich in den “Tagen der Umkehr” vor. Beide Bussfeste, Rosch Haschanah und Jom Kippur, dienten dem juedischen Menschen frueherer Zeiten als Konkretes Mittel der Ermahnung und Verwarnung, damit er so zur Laeuterung und zur Aussoehnung mit Gott und Mitmenschen gelange. In seinem beruehmten Gesetzeswerke “Mischneh Thora” *fuehrt der grosse Maimonides aus, dass auch in der alten Zeit des Opferkultus Menschen, die eine Schuld auf sich geladen hatten, durch die Darbringung der Tieropfer keine Suendenvergebung erreichten, sofern sie nicht durch ein Bekenntnis der Reue vor Gott aussprachen, dass sie sich in tiefer Verschuldung fuehlten. Abgeurteilte erlangten durch Verbuessung der ^trafe keine Vergebung, wenn nicht Busse und Suendenbekenntnis abgelegt wurden. Ja, selbst die Rueckerstattung des Gutes, um welches man einen Mitmenschen geschaedigt hatte, vermochte keine ‘Vergebung zu bewirken, sofern nicht ein klares und eindeutiges Schuldbekenntnis vorangingen . Solche echt juedischem Gedanken bezitzen auch heute noch eine starke Aktualitaet. Denken wir z. B. an unsere einstigen Wohnlaender, w o man sich, oftmals absolut aufrichtig, anschickt, durch Entschaedigungsleistung, Wiedergutmachung, einen Kleinen Teil jener ungeheuren Schuld abzutragen, fuer welche ganze Nationen schwer mitverantwortlich sind. Dies waere, nach unserem Gefuehl, der Augenblick gewesen, da Alle, die guten Willens sind, sichtbar von denjenigen haetten abruecken muessen, die so unendlich viel Schuld auf sich geladen hatten. Doch, von einer Reihe bekannter Ausnahmen abgesehen, ging dort der Wille zur Wiedergutmachung keineswegs mit einem klaren Schuldbekenntnis Hand in Hand. Ein “Bekenntnis” setzt eine “Erkenntnis” voraus, die nicht allgemein vorhanden ist. Und ist auch von hoechster Stelle dort, CURT WILK. (Buenos Aires). in ehrlicher Ueberzeugung, gesagt worden, dass “uns die Gesamtscham niemand abnehme”, so bekennt sich ein grosser Teil unserer frueheren Mitbuerger laengst nicht einmal zu diesem Mindestmass an Eingestaendnis der Verantwortung fuer begangenes Unrecht. Doch ungeachtet seines einmaligen und einzigartigen Charakters hat der Jom Kippur niemals die Meinung aufkommen lassen, dass der grosse Tag selbst schon die Suendenvergebung in sich trage. Eine solche Auffassung wuerde juedischer Lehre widersprechen. Die Thora verhindert eine solche Meinungsbildung, indem sie nicht sagt: “Dieser Tag wird Euch versoehnen, sondern an diesem Tage wird Er (Gott) Euch versoehnen”. Durch die Wahl des Prophetenabschnittes aus Jesaje, der fuer den Vormittag des heiligen Tages bestimmt ist, in welchem der Prophet dem Fasten jegliche Kraft abspricht, wenn nicht die Hinwegschaffung des Unrechtes und die Uebung wahrer Menschenliebe damit verbunden ist, hat sich das Judentum dagegen verwahrt, dass die blosse Ausuebung eines frommen Brauches bereits die goettliche Versoehnung erwirken koenne. Und die Weisen des Talmuds betonen ausdrueoklich, dass schlechte Taten an Nebenmenschen nicht gesuehnt werden koennen, wenn nicht eine persoenliche Versoehnung des Beleidigten, eine Wiedergutmachung an dem Geschaedigten vorangeht. Es ist juedischer Geist, der die Busse als Werk des Menschen selbst ansieht, durch welches dieser zur Suendenvergebung gelangen koenne und fuer die nun der Versoehnungstag, wie einst durch seinen Opferdienst, heute durch die Kraft des Gebetes, das Mittel darstellt, an die Barmherzigkeit Gottes zu appellieren. In Uebereinstimmung mit der Lehre Mose und massgebend fuer alle Zeiten, hat der Prophet Joel diese Gedanken zusammengefasst: “Auch jetzt noch, spricht der Ewige, kehret zu Mir zurueck mit Eurem ganzen Herzen, mit Fasten, Weinen und Trauer. Zerreisset Euer Herz und nicht Euer Kleid und kehret zum Ewigen, Eurem Gotte zurueck, denn gnaedig und barmherzig ist Er, langmuetig und von grosser Huld ¡Ihn reuet des Unheils!” Am Schabbat Nachamu beging unsere Schwesterngemeinde, die “Nueva Congregación Israelita de Montevideo” ihr 20 jäehriges Bestehen. Die Feierlichkeiten, die aus diesem Anlass stattfanden und ihren Hoehepunkt im grossen Festgottesdienst am Schabbat Morgen hatten, waren von einer Tagung umrahmt, zu der zahlreiche Vertreter anderer suedamerikanischer Schwesterngemeinden erschienen waren. Zum ersten Mal nach 20 Jahren war uns endlich Gelegenheit gegeben, den persoenlichen Kontakt mit unseren alten Freunden wieder aufzunehmen und auch neue wertvolle Freundschaften mit verantwortungsvollen Gemeindefuehrern zu schliessen. Alle Anwesenden empfanden die wenigen Tjfge des Zusammenseins als ein grosses Erlebnis. Das allgemeine Stimmungsbild laesst sich wohl am besten in dem Vergleich aus der Josefsgeschichte wiedergeben. So wie einst Josef ausgezogen war um seine Brueder zu suchen, so sind wir von den verschiedenen Staetten ausgezogen, um unsere Brueder zu suchen und dass wir sie gefunden haben, das ist das grosse menschliche und juedische Erlebnis dieser Tage. Nach 20 Jahren haben wir zum ersten Mal wieder von Angesicht zu Angesicht von dem gesprochen, was uns alle als juedische Gemeindefuehrer bewegt, von den Problemen unserer Zeit und den Problemen der nahen Zukunft. Was juedische Menschen auf diesem Kontinent in den letzten 20 Jahren in den verschiedenen Laendern wie Brasil, Uruguay, Argentinien, Chile und Peru geleistet hahen, das wurde auf diesem Congress in Deutschland hatte vor der Nazi-Zeit eine grosse Zahl juedischer Kinder— und Jugend-Heime: von Bad Duerrheim und Bad Kreuznach im Sueden und Westen bis nach Blankenese und Wyk auf Foehr im Norden, und Bad Flinsberg und Ziegenhals im Osten zog sich ein Netz von Erholungsstaetten fuer juedische Jugendliche mit einer Gesamtzahl von ueber 1500 Betten. All dies wurde zerstoert. In der Geschichte der deut sehen Judenheit von heute Wales ein festlicher Tag dis am ersten Sonntag im Monat Juli ein neues juedisches Kinderferienheim mit einer Fasskraft von 120 Personen eroeffnet wurde. Es befindet sich in einem der idyllischsten Plaetze des Schwarzwalds in Wembach, un ifern von Basel, und Freiburg und ist in einem vollkommen renovierten Anwesen mit grossem Garten— und Waldbesitz untergebracht. Der Frankfurter Architekt Dip.—Ing. Hermann Guttmann gestaltete das moderne, lichte und luftige Heim. 'Eine grosse Zahl fuehrender Persoenlichkeiten — Juden wie Nichtjuden — hatten sich zur Feierlichen Eroeffnung eingefunden. Der Bundespraesident Prof Dr. Th. Heuss (dessen Sohn auch das Wort ergriff), der Bundeskanzler Dr. Adenauer, die Ministerpraesidenten aller deutschen Laender und die Buergermeister von Berlin und Hamburg hatten Botschaften und Gaben gesandt. Das Anhelften der Mesusoth klarer Form zum Vortrag gebracht, aber auch nicht verschwiegen wurde das, was der Loesung noch harrt und nur in Gemeinsamkeit geschaffen werden kann. Eines ist uns allen zum Bewusstsein gekommen,, dass es die Bestimmung unserer Generation ist auch weiterhin Suchende und Wegbereiter zu sein. Patentloesungen fuer di§, entscheidenden und dringendsten Probleme wie z.B. das Problem juedischer Jugend auf diesem Kontinent, neue religioese Lebensformen, die Frage der zukünftigen juedischen Gemeindefuehrer gibt es noch nicht. Es gilt auch weiterhin, den Mut zum Beginn von Teilloesungen zu haben ohne die letzte Gewissheit zu besitzen, dass sie zu dem erstrebten Endziel fuehren. Aus dem Erlebnis dieser Tage haben wir eines gelernt, wir wissen, dass wir nicht mehr allein sind, dass wir ueberall Brueder und Schwestern auf dem Kontinent haben, die mit uns gemeinsam arbeiten und schaffen wollen. Und das gibt uns mehr Kraft, auch Mut und Zuversicht fuer unsere zukuenftige Arbeit. Um dieser gemeinsamen Arbeit eine bestimmte Ausdrucksform zu geben, haben sich zunaechst die religioesen Fuehrer die auf dieser Tagung aus Rio de Janeiro, Sao Paulo, Montevideo, Buenos Aires, Santiago de Chile und Lima zugegen waren, zu einem Arbeitskreis lateinamerikanischer Rabbiner zusammengeschlossen und gleichzeitig haben die Gemeindefuehrer die Arbeitsgemeinschaft der Gemeinden und Organisationen zentraleuropaeischen Ursprungs in Lateinamerika geschaffen. Diese neu geschaffene Arbeitsgemein- und das Rezitieren von Psalmen durch die Landesrabbiner Dr. Lichtigfcld (Frankfurt) und Dr. Bloch (Stuttgart) eroeffnete die Feierstunde, in der ausser dem erstcren noch Ansprachen hielten Dr. Berthold Simonsohn von der Zentralwohlfahrtstelle der Juden in Deutschland, Mr. Theodore D. Feder vom American Joint Distribution Committee (welches mit der Claims-Conference das neue Heim finanziert hatte), O b e r r e gie rungsrat Schwoerer von der badischwuerttembergischen Landesregierung, Konsul Ben.- Jakow von der Israel-Mission, Praelat Monsignore Joergor vom Deutschen Carilasverband und der Arbeits gemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege, Otto Nachmann, Praesident des Oberrats der Israeliten Badens, Siegfried Led v<jm Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund und der Gemeinde Basel und zum Abschaft hat sich u.a. die Aufgabe gestellt, eine Sammelstelle einzurichten, die einerseits dem Austausch von Kultur und Erziehungsmaterie dienen soll, andererseits die Herausgabe von Lehrmaterial fuer juedische Geschichte und Israelkunde uebernehmen soll. Diese Aufgaben zu einer wirklichen Loesung zu fuehren, bedarf es der Mitarbeit aller Gemeinden, da es sich hier nicht mehr um nur lokale Fragen handelt. Mehr kann im Rahmen dieses Berichtes ueber die Diskussionen und Resolutionen der Tagung nicht gesagt werden. Wir alle sind der Meinung, dass der Erfolg dieser Konferenz nicht heute oder morgen sichtbar sein wird, doch wenn wir alle ernstlich den Willen haben juedische Arbeit auf diesem Kontinent in Gemeinsamkeit fortzusetzen, dann werden wir nach den ersten 20 Jahren eigener Pionierarbeit auf den Weg zur grossen Gemeinschaft des lateinamerikanischen Judentums gelangen. Das ist unser Wunsch und unser Ziel fuer die Zukunft. Wir hoffen, dass dieser Wunsch sich realisieren wird zum Segen fuer uns, die wir einen Teil des grossen Israels darstellen. Mit diesem Gedanken haben die Festlichkeiten anlaesslich des 20 jährigen Bestehens der Gemeinde in Montevideo und die Tagung selbst ihren Ausklang gefunden. Wir, die wir das Glueck hatten, an diesen wahrhaften Festtagen teilzunehmen, haben viel erlebt aber auch viel gelernt, und nun gilt es einen alt juedischen Satz zu realisieren: Aus dem, was inzwischen schon Erinnerung geworden, zur Tat werden zu lassen. Schluss Heinz Galinski. Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland und Frau Bundestagsabgeordnete Jeanette Wolfif als Vertrerin des Juedischen Frauenbundes und Mit- .gliedes Kuratoriums der Neugruendung, dem sie den Namen. “Henrietta Szold Kinderheim” gegeben hatte. Am Eroeffnungstag trafen noch 60 Kinder aus Berlin ein, die von den Heimleitern, Ephraim Haeusler (Paedagogik), Frau Freund (Wirtschaft) und Frau Dr. Beate Leser (Gesundheits wesen) und den zahlreichen, Lehrkraeften empfangen wurden. Das Kinderheim wird waehrend der acht Ferienwochen von Schulkindern benutzt werden und dann fuer Jugendliche und andere Erholungsbeduerftige sowie Tagungen zur Verfuegung stehen. ANEKDOTE UM EINSTEIN Einmal kam ein junger amerikanischer Methodistenpfarrer zu Albert Einstein nach Princeton. "Meine Schwiegermutter”, erzaehlte der junge Geistliche offenherzig, “wollte uns In der letzten Woche besuchen. Sie hatte schon ihre Schiffskarte und war reisefertig. Aber im letzten Augenblick verknaxte sie sich den Fuss und konnte nicht reisen. Und denken Sie, Professor, das Schiff, mit dem sie reisen wollte, ging gestern mit Mann und Maus unter! Was meinen Sie — war das nun ein Wunder oder war es Vorsehung?” — ‘Wie soll Ich das wissen?” entgegnete Einstein trocken. “Ich kenne ja Ihre Schwiegermutter gar nichtl” RODOLFO LEESER SASTRE HECHURAS FINAS PARA CABALLEROS Diplomado en Buenos Aires ESTADO 25, PISO 6.0, OFICINA 14 TELEFON 89297 ERSTES JUEDISCHES NACHKRIEGS-KINDERKEIM IN DEUTSCHLAND EROEFFNET

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