Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1956-09-01 · 9 (Septiembre, 1956) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVIII (1956)
Issue
9 (Septiembre, 1956)
Date
1956-09-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/8553624-8556986-9194234--1857-8557116
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

4 BOLETIN INFORMATIVO Septiembre, 1956; ZUR 50 - JAHRFEIER DER JUDEN IN CHILE (FORTSETZUNG VON SEITE 1) Einen mehr zufaelligen und individuellen Charakter hat der Typ Einwanderung, der im 19. Jahrhundert nach Chile gelangte und zu dem vielleicht die Familien Braun, Pioniere der Schafzucht und Schiffahrt in Magallanes, Bernstein, Zucker - Industrielle — ein Spross dieser Familie ist heute chilenischer Botschafter in Aegypten— und de Lima, Mitbegruender der chilenischen Grossloge, gehoeren. Es handelte sich bei den Haeuptern dieser Familien wohl hauptsaechlich um Handelsleute, die geschaeftlich nach Valparaiso gekommen waren und aus dem einen oder anderen Grund ihren endgueltigen Wohnsitz im Lande aufschlugen, die aber dem Judentum irgendwie —vor oder nach ihrer Einwanderung — verloren gegangen waren. EIN GLAUBENS-KURIOSUM Irgendwann, bevor der Zusammenprall der europaeischen Judennot mit der jungfraulichen Unerschlossenheit Chiles unseren “Jischuw” erzeugte, ereignete sich ein ausgesprochen seltsamer Fall von, wenn man so sagen darf, religiöser Parthenogenese. Im Jahre 1919 oeffnete, der damalige Oberste Richter der U. S. A. und unbestrittene Fuehrer der amerikanischen Juden, Louis D. Brandeis, einen Brief aus Chile. Er war von chilenischen Bauern geschrieben, aus Cunco oder Cumpeo, und sie teilten ihm mit, juedischen Glaubens zu sein und den Wunsch zu verspueren, mit “richtigen” Juden in Verbindung zu treten. Tatsaechlich stellte sich heraus, dass mehrere hundert Menschen einer sogenannten “Israelitischen Kirchengemeinde” in verschiedenen Flecken wie Lastarria, Cunco, Cumpeo, Guitratue u.s.w. angehoerten, die nicht nur von juedischem Glau bensgut durchtraenkte sabbatistische Riten achten sondern dass auch der Zionismus dort festen Fuss gefasst hatte. Ihr Wunsch, mit Juden in Verbindung zu treten, wurde noch im gleichen Jahre erfuellt und seitdem gehoert eine Delegation der dortigen Gemeinden! zu den staendigen Teilnehmern an den Zionistischen Kongressen von Chile. DIE EINWANDERUNGS - PERIODEN Die ersten Gruppen von Juden gelangten, wie gesagt, im Jahre 1906 ins Land. Zum Teil waren es Menschen, die im Zuge der Siedlungs - Experimente der J. C. A. nach Argentinien eingewandert waren, dort nicht Fuss fassen konnten und diesseits der Anden neue Horizonte suchten, zum Teil kamen sie direkt aus Osteuropa, hauptsaechlich aus Russland, wo die gescheiterte Revolution von Petersburg zu antisemitischen Ausschreitungen gefuehrt hatte, und Rumaenien, im Anschluss an den Pogrom von Kischinev. Viele liessen ihre Familien nachkommen, in den naechsten Jahren kam auch eine groessere Immigration aus Polen und Litauen, sodass diese erste Welle eigentlich nur durch den Ausbruch des Weltkriegs eine vorlaeufige Unterbrechung erfuhr. Unabhaengig davon gelangte eine zweite Einwanderer-Gruppe, diesmal von sefardischen Juden aus Stambul, Smirna und Salonika ins Land, in ihrer Mehrheit im Jahre 1910. Zahlenmaessig war und blieb diese Gruppe jedoch wesentlich geringer. Damit war die eigentliche Physiognomie der juedischen “Colectividad” in Chile gegeben, bis die nazistischen Greuel die mitteleuropaeische Immigration mit sich brachten, die in den Jahren 1933-1938 begann und 1939 ihren Hoehepunkt und Abschluss fand. Die grosse Mehrheit dieser Einwanderer stammt aus deutschsprachigen Gebieten, ein Teil aus Ungarn und anderen, im Verlaufe des Kriegs von den Nazis besetzten Gebieten. Eine nennenswerte Nachkriegs-Immigration hat nicht stattgefunden, was unter anderem auf zeitweilige Widerspreche und Ungerechtigkeiten in der chilenischen Einwanderungspolitik zurueckzufuehren ist. Die Zuwanderung beschraenkte sich auf zahlenmaessig nicht bedeutende Familien-Umgruppierungen und wird zweifellos von anderen Faktoren, wie Alijah nach Israel, Weiter-und Rueckwanderung zumindest aufgehoben. Die damit vorlaeufig kristallisierte demographische Formel des “Jischuw” in Chile laesst sich schaetzungsweise — zuverlaessige Zaehlungen existieren nicht — mit 15.000 “Aschkenasim”, 3.000 Sefarden und 15.000 Letzteinwanderern aus Mitteleuropa definieren. Die in der gesamten Diaspora vorherrschende Tendenz einer weitgehenden Konzentration in grossen Staedten wird auch hier bestaetigt, sammelt sich doch das juedische Leben zum weitaus groessten Teil in der Hauptstadt. Bedeutende Gemeinden behaupten sich ausserdem in Valparaiso und Concepción, waehrend sich das schwer um seinen Bestand ringende juedische Leben bereits in den naechst folgenden Staedten (Temuco, Valdivia, O s o r n o, Puerto Montt, Rancagua, u.s.w.) im grossen Ganzen auf den Schab bat—und Feiertagsgottesdienst so die den Empfang zionistischer Emissaere beschraenken muss. UNSER WIRTSCHAFT¬ LICHER BEITRAG Bekanntlich ist uns diese Siedlungstendenz auch von antisemitischer Seite des oeftern zum Vorwurf gemacht worden, besonders im Zusammenhang mit der “Landwirtschafts-Klausel”, die im Widerspruch zu in der Verfassung verankerten Garantien, von einigen Einwanderern als Alternative zu den nazistischen Konzentrationslaegern akzeptiert worden war. Abgesehen von der gar nicht unbetraechtlichen Anzahl und Kapital von Juden, das in Land— und vor allem Forstwirtschaft taetig ist, waere dazu zu bemerken, dass der noch immer halbfeudale Charakter der hiesigen Agrar-Oekonomie die Bildung einer bodenstaendigen Klein — und Mittelbauernschicht europaeischer Praegung vorerst unmoeglich macht was durch die unter Protest erfolgte Rueckwanderung deutscher und italienischer Bauern, die nach dem Kriege gekommen waren, erneut demonstriert wurde. Dagegen haben Juden auf Giebeten, die ihrer Neigung ebenso wie ihren sozialen Ten denzen mehr entsprechen, auch hier in Chile zweifellos Anerkennenswertes geleistet. In er ster Linie waere wohl die Kon sumgueter-Industrie zu nennen (neuzeitliche Kunststoffe, Textilien, Herren— und Damenkonfektion, Moebel, Nahrungsmittel), in der Bedeutendes geschaffen wurde. Speziell die Konfektion ist ein Produktions zweig, der von Unternehmern der letzten Einwanderung ei gentlich erst geschaffen worden ist, was seinerseits wie derum die Entstehung einer ganz beachtlichen Manufaktuvon Kleidun as-Zubehoerteilei (Guertel, Schnallen, Krawatten, Reissverschluesse, u.s.w.) mit sich gebracht hat. In der pharmazeutischen unc kosmetischen Industrie sine angesehene Firmen gegruende' worden. Mehr zur Schwerindustrie hin sind mehrere Un ternehmen zu nennen, die in den verschiedensten Zweigen der Metallverarbeitung, speziell fuer Hausgebrauch, Herstellung elektrischer Geraete und Zubehoerteile, Schrottverwertung und Giesserei arbeiten. In den letzten Jahren sind auch mehrere bis dahin stillgelegte Minen durch juedische Initiative und Kapital wieder erfolgreich in Betrieb genommen worden. Neue Import— und Exporthaeuser haben zur Belebung der chilenischen Wirtschaft beigetragen und durch Bearbeitung neuer Maerkte zusaetzlichen Bedarf fuer die nationale Produktion, sowie einen positiven Beitrag zur Besserung der Aussenhandelsbilanz geschaffen. Die Modernisierung des Stadtbildes von Santiago ist zu einem nicht geringen Teil den grosszuegigen Investitionen zu verdanken, die Firmen mit juedischen Inhabern in Laden installationen gemacht haben, sowie auf den Geschmack, mit dem dieselben von juedischen Innenarchitekten durchgefuehrt wurden. Unter der im Lande geborenen, zweiten Generation von Juden des aschkenasischen Sektors, ist eine starke Tendenz zu den freien Berufen unverkennbar, eine Tendenz, deren erste Anzeichen auch bereits beginnen, das zukuenftige Antlitz unseres eigenen Kreises zu praegen. Zusammen mit einigen juedischen Wissenschaftlern, die in den zwanziger Jahren von den damaligen Regierungen ins Land eingeladen wurden, hat diese Generation junger Akademiker bereits Hervorragendes geleistet und dem juedischen Namen grosse Ehre gemacht. WISSENSCHAFT, KULTUR, POLITIK, SPORT An erster Stelle waere wohl der erst vor Kurzem zu diesem hohen Amt gewaehlte junge Rektor der Universitaet von Concepción, David Stitchkin (“Boletín Informativo” von Juni 56) zu nennen. Die Professoren Krassa (Ingenieur) und Lipschuetz (Hormon-Forschung) gehoeren zu der oben genannten Gruppe von Wissenschaftlern internationalen Rufs wobei bei letzterem bedauerlicherweise festgestellt werden muss, dass ihn seine Zugehoerigkeit zur Kommunistischen Partei in offenen Gegensatz zu juedischen Interessen gestellt hat. Prof. Israel Drapkin gilt als erste Autoritaet auf dem Gebiet der Kriminologie und hat Chile auf mehreren internationalen Kongressen in dieser seiner Spezialitaet vertreten. Eine grosse Reihe von Professoren juedischer Abstammung lehrt an der ‘Universidad de Chile' sowie an der Universidad Té mica “Federico Santa María”. Juedische Aerzte, Ingenieure und Architekten gehoeren zu den besten Spezialisten ihrer jeweiligen Fakultaeten. Mit unserer letzten Einwanderung kamen Kapazitaeten wie der kurz nach seiner Ankunft verstorbene Prof. Finkeistein (Pediatrie), sowie die Professoren Guttmann (Oftalmologie und Simon (Traumatologie) ins Land. Dem sefardischen Sektor entstammt der Violinist Victor Tevah, der als amtierender staendiger Dirigent des Symphonischen Orchester von Chile dessen Aufstieg zu internationaler Kategorie an hervorragender Stelle geleitet hat und der sich auch als erfolgreicher Gastdirigent im Ausland einen bedeutenden Namen gemacht hat. Ueberhaupt hat das Symphonische Orchester eine prozentual erfreulich hohe Anzahl juedischer Kuenstler zu Mitgliedern, von denen persoenlich zumindest die vielversprechende junge Pianistin Edith Fischer genannt werden muss. Wenn auch durch seine Rolle zur unabaenderlichen Anonymitaet verurteilt, muss doch im Zusammenhang mit dem phantastischen Aufschwung des kulturellen Lebens in Chile in den letzten Jahren dem juedischen Publikum Tribut gezollt werden. Seine zahlreiche, verstaendnisvolle und begeisterte Anteilnahme an Konzerten und Theater hat entscheidend geholfen, die zu deren Fortschritt unbedingt notwendige Stimmung und Grundlage zu schaffen. Unser Beitrag in Literatur und bildender Kunst ist bescheiden. Die alteingewanderten Schriftsteller bedienten sich ohne Ausnahme der jiddischen Sprache und fanden. (Fortsetzung Seite 10) SAEULENGANG IN AKKO (Foto: Israel Picture Calendar) i»,.;*; ___ EIN AUSFLUG IM GALIL (Foto: Israel Picture Calendar)) aä? y*, i ¿y.-tífy. mm WfM .Á :;1ÄS mm

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.