Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVIII (1956)
- Issue
- 8 (Agosto, 1956)
- Date
- 1956-08-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 BOLETIN INFORMATIVO Agosto, 1956 i Ein Praesident - eine Wahl - ein Betrug Nicht nur in prinzipiellen Fragen ist der. aegyptische Diktator Gamal Abdel Nasser ein guter Sehueler Mussolinis und Hitlers. Die im vergangenen Monat veranstaltete “Wahl”-Farce zeigt, dass er auch die totalitaere Taktik einwandfrei assimiliert hat. Aegyptens Bevoelkerung eilte zu den Urnen, um .'' ... .... ... GAMAL ABDEL NASSER dort “Ja” oder “Nein” zu Nasser als konstitutionellem Praesidenten und zu Nassers praesidentieller Konstitution zu sagen. Um der analphabetischen Minoritaet die Stimmabgabe zu erleichtern, gab es keinen Gegenkandidaten zur Praesidentschaft und keine Abaenderungsvorschlaege im Verfassungs- Referendum. Die traditionellen Parteien, Waid und Saad, blieben auch nach wie vor verboten. Wie zu erwarten, waehlte 101% der Bevölkerung “Ja”. - Wir haben solche Sachen schon miterlebt. Damals wie heute deckten die internationalen Kabel-Agenturen und die Weltpresse den Betrug. Ein Volk, ein Reich, ein Fuehrer... Kein Zweifel wurde laut, kein Kommentar veroeffentlicht, wie wenn nicht ein grausiger Krieg und unsagbare Greuel den damaligen 101% igen Wahlergebnissen gefolgt waeren. Der Wunsch nach “demokratischer” Legitimierung ihres Regimes ist irgendwie allen Diktatoren gemeinsam. Manche veranstalten Wahlen mit mehreren Listen, verhindern aber die Propaganda der Opposition; ein heute noch sehr angesehener Staatsmann liess kurzerhand die Stimmzaehlung abbrechen als er erkannte, dass dieselbe seiner Wiederwahl zur Praesidentschaft unguenstig war; die klassische Form des totalitaeren Wahlbetrugs bleibt aber nach wie vor die der Einheitsliste und ihres hundertprozentigen Erfolgs. Was einen Nasser zu einer solchen Farce bewegt, ist gar nicht so leicht zu ergruenden. Das schlechte Gewissen, ein Usurpator zu sein, erklaert nicht viel; noch nicht einmal, wenn man die Tatsache hinzurechnet, dass .er seine eigenen Kumpanen, angefangen mit Naguib, verraten hat. Um die Hitler, Mussolini und Stalin einfach in allem zu kopieren, ist er viel zu klug. Glaubt er vielleicht selbst, durch solche Wahlen ein . ‘‘legitimes” Staatsoberhaupt geworden zu sein? Oder hoffte er, es anderen damit einreden zu koennen? Wenn letzteres der Fall sein sollte, dann muesste nur mit Bedauern vermerkt werden, dass soviel Umstaende gar nicht noetig gewesen waeren. Fuer Freier von der Moral eines Shepilov oder eines Foster Dulles duerfte es keine Rolle spielen, ob Nasser ein legitimes oder ein uneheliches Kind der gestuerzten Farouk-Dynastie ist. Worauf es ankommt, ist die Mitgift: strategische Stutzpunkte, politische Hoerigkeit, Wolle, Erdoel... Fanfaren und Feuerwerk , Das Datum fuer die “Wahlen” war grossartig gewaehlt: wenige Tage nach den grossen Feierlichkeiten anlaesslich des Abzugs der Englaender vom Suez-Kanal. Noch war das Feuerwerk der nationalen Begeisterung nicht erloschen und . schon riefen die Fanfaren zum ersten Plebiszit in der Geschichte Aegyptens. Eine Absage an die Demokratie nach der anderen. Die Feierlichkeiten um die Suez-Angelegenheit bestaetigten irgendwie die Erwartungen, die Foster Dulles zweifellos in den Abzug der Englaender gesetzt hatte. Er hatte, als er seinerzeit auf seine “Alliierten” Druck ausuebte, richtig damit gerechnet, dass deren Raeumung der Kanalzone dort ein machtpolitisches Vakuum schaffen wuerde. Amerika haette dieses Vakuum ausfuellen koennen. Der Umsicht des Herrn Dulles ist es in erster Linie zu verdanken, dass es auch ausgefuellt wurde. Allerdings von Russland. Denn Ehrengast bei Nassers neuen Nationalfeiertag war Dimitri Shepilov, der neugebackene Aussenminister der Sowjet-Union. Inzwischen muessen die Englaender auf Zypern einen ebenso aussichtslosen wie blutigen Guerilla-Krieg fuehren, um ihren letzten Stuetzpunkt im Nahen Osten zu halten. Besonders aergerlich ist dabei, dass Zypern im Vergleich zu Suez viel unguenstiger liegt. Erstens hat es strategisch nicht den gleichen Wert: man kann per Schiff Zypern links liegen lassen, Suez aber nicht. Zweitens sind die Englaender in Zypern bitter im Unrecht, waehrend sie in Suez kraft eines Vertrags waren, der normalerweise noch bis in die sechziger Jahre laufen GENERAL E. L. M. BURNS Er praesidiert die Waffenstillstands-Kommission (Foto: The New York Times) sollte. Und drittens ist Suez tatsaechlich ein internationaler Wasserweg, dessen Entstehung, Besitz und Bedeutung fuer alle schiffahrenden Nationen eine Einschraenkung der Oberhoheit des Uferstaates rechtfertigt. Dulles glaubte aber, sich an die Stelle der Englaender setzen zu koennen und Eden traeumte davon, mit Nasser Freundschaft zu schliessen und so kam diese “bedingungslose Kapitulation” zustande. Shepilov kann sich wirklich nicht beklagen. Posen und Aswan Molotows Nachfolger kam aber nicht nur, um zu feiern. Man ist in Moskau weder sentimental noch verliert man gerne seine Zeit. Und wenn der Mann, der das kommunistische waffengeschaeft mit den Arabern auf seinem Konto hat, wenige Tage nach seinem Aufstieg zur Fuehrung der russischen Aussenpolitik seine Freunde besucht, so weiss er, warum. Er bot Nasser russische Milliardenkredite zum Bau des monumentalen Aswan- Staudamms an. (Diktatoren bauen immer irgend etwas monumentales; wie sollte der aus dem Lande der Pyramiden eine Ausnahme sein?). Nach Ansicht westlicher Fachleute wuerde die Annahme der Offerte die aegyptische Wirtschaft fuer die naechsten 30 Jahre an russische Finanz, Techniker, Import, Export u.s.w. binden. “U.s.w.” heisst hauptsaechlich Politik. Die Gegenofferte des Westens konnte natuerlich nicht ausbleiben, seit Foster Dulles die originelle Theorie vertritt, die* Feindschaft der Araber damit zu beschwichtigen, im besten Muenchner Stil ihre Drohungen ernst zu nehmen" und ihre Wuensche zu befriedigen. Sie wurde persoenlich von Eugene Black, dem Praesidenten der Welt-Bank formuliert und scheint in ihren Bedingungen weniger guenstig als die russische Offerte zu sein. Nasser hat sich noch nicht entschieden. Am liebsten wuerde er beide akzeptieren. Waere Foster Dulles an Stelle von Mr. Black persoenlich nach Kairo geflogen, so haette Nasser wahrscheinlich bereits den russischen Kredit angenommen. So wie die Dinge stehen, kann man natuerlich nur schwer etwas Voraussagen. Was man jedoch aufzeigen soll, ist der Zusammenhang der Aswan - Verhandlungen mit dem Aufstand in Posen. Die ganze Skrupellosigkeit eines Regimes, das auf der einen Seite dem Volk nichts zu bieten hat und spontane Protest - Kundgebungen seiner Arbeiter nur niederzuschiessen versteht, geraet erst ins richtige Licht durch die astronomischen Summen und den Reichtum, den es bereit ist, an auslaendische Raeuber und Wegelagerer aus rein politischen Gruenden zu verschenken. Fuer den oberflaechlichen Zeitungsleser mag Posen und Aswan nur chronologisch in Zusammenhang stehen. Wer jedoch die Wechselwirkung zwischen russischer Innenpolitik und russischer Aussenpolitik sucht, kann an diesem monstruoesen Widerspruch nicht voruebergehen. Der Tag wird nicht mehr fern sein, eia Kruschev zugeben wird, dass Stalin den Wolga-Don-Kanal mit dem Leben, dem Blut und dem Schweiss von Millionen von Sklaven gebaut hat. Wer wird aber einmal zugeben, dass Kruschev und Shepilov die Pyramide von Aswan mit dem Hunger, der Kerkerhaft und dem Galgentod der Arbeiter von Posen und Berlin, von Budapest und Riga gebaut haben? In eurem Bunde der Dritte? Dass es beiden Parteien mit den Verhandlungen ernst ist, laesst sich schon an der Eile feststellen, mit der Nasser den Besuch Shepilovs erwidert. Bevor er sich jedoch in Moskau zur “friedlichen Koexistenz” bekennen wird, trifft er sich auf der Insel Brioni mit Tito und Nehru, den Wortfuehrern der “aktiven Koexistenz”. Solange es sich nicht um die einzige “Koexistenz” handelt, die man von änstaendigen Menschen erwarten sollte, naemlich um die friedliche mit seinem Nachbarn, ist der Diktator von Kairo zu jedem Glaubensbekenntnis bereit. Ihn kann ein Widerspruch mehr oder weniger nicht diskreditieren. Bedauerlicher ist derselbe schon im Falle eines Tito und I HAMMARSKJÖLD FLOG! NACH ISRAEL : Aber man beschnitt ihm vorher die Fluegel in den V. N. (Foto: The New York Times) Nehru. Sie haetten der Welt etwas geben koennen. Sicher sind es viele Millionen, die ihre Augen auf sie richteten und vielleicht Such noch richten, weil sie weder im politischen Credo der amerikanischen Grossunternehmen noch in der bolschewistischen Versklavung einen Ausweg aus den Problemen der Gegenwart sehen. Jeder auf seine Art, Tito als ehemaliger kommunistischer Organisator, Wiederstandskaempfer, Volksheld, Rebell gegen stalinistische Unterdrueckung und Nehru als der geistige Erbe Gandhis, Sozialist und Ethiker haben ein Format, das die Gravitation ihrer Laender gewaltig erhoeht. Um dies zu erhalten oder zu vergroessern, bedarf es vor allem eines: moralischer Groesse. Und dafuer ist das kleine ■ Israel -wie so oft in der Geschichteein Pruefstein. Bei Tito laufen wir Gefahr, dass er uns fallen laesst. In Funktion dieser moralischen Pruefung duerfen wir um-