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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1956-08-01 · 8 (Agosto, 1956) · p. Seite 7

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVIII (1956)
Issue
8 (Agosto, 1956)
Date
1956-08-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Agosto, 1956 BOLETIN INFORMATIVO 7 MITTELSTAND IN ISRAEL Tendenzen seiner Entwicklung von Prof. A. Bonne |Jerusalem| In den letzten Jahren ist das Interesse an den Fragen der sogenannten unentwickelten Laender in der Welt schnell gewachsen. Auf den internationalen Tagungen, die sich mit diesen Problemen beschaeftigen, spielt die Frage eine erhebliche Rolle, wer die wirtschaftliche Entwicklung in diesen Laendern initieren und dirigieren soll. Auf der Tagung des “International Institute for Differing Civilisations”, d. im September in London stattfand, wurden die Probleme und Aufgaben des Mittelstandes in verschiedenen tropischen und subtropischen Laendern, darunter auch in Israel, diskutiert. Es ist noch nicht lange her, dass die Stellung und Funktionen des Mittelstandes in der oeffentlichen Meinung unseres Landes recht umstritten waren. In den zwanziger Jahren befand sich der Mittelstand in der Defensive Die linken Gruppen, damals tonangebend fuer das soziale Klima des Landes, tolerierten seine Existenz in der Annahme, dass sie mit der Entwicklung der sozialistischen Gesellschaft ueberfluessig werden wuerde. Die Situation von damals ist nicht zu verstehen, ohne den geschichtlichen Hintergrund dieser Begriffe anzudeuten. Gebrauch und traditionelle Bedeutung des Wortes Mittelstand gehen auf die Kritik der industriellen Gesellschaft durch sozialistische Autoren zurueck. Die sozialistischen Kritiker sahen zwei zentrale Klassen in der Gesellschaft: besitzlose Arbeiter auf der einen Seite und Kapitalisten und Grundbesitzer auf der anderen. Zwischen beiden existierte eine Grupps von kleinen Mittelschichten, die der blinden Gesetzlichkeit der kapitalistischen Entwicklung unterlagen oder mit anderen Worten zum Untergang verurteilt waren. Das Kennzeichen, auf Grund dessen man zur Mittelklasse gehoerte, war in erster Linie ein Kriterium des Besitzes. Aenderungen in der Zugehosrigkeit zur einen oder andern Klasse traten in der Regel infolge von Aenderungen in der Eigentumssituation ein. Diese Terminologie war weitgehend von den Zustaenden im fruehen Stadium der industriellen Entwicklung westlicher Laender beeinflusst. Die Agrarlaender des Orients, die noch nicht von der modernen wirtschaftlichen Entwicklung beruehrt waren, kannten keinen - Mittelstand im westlichen Sinne. Andrerseits folgte auch die Entwicklung im Westen nicht den marxistischen Theorien, noch hat der Begriff “Mittelstand” selbst einen eindeutigen Charakter behalten. Es kann kein Zweifel darueber bestehen, dass in jedem Versuch zur Definition des Wortes “Mittelstand” die oekonomischen Kriterien an erster Stelle stehen muessen. Ein nicht unwichtiges Kennzeichen ist jedoch auch der Grad der Bildung, der von Mittelschule bis zu vollendetem oder teilweisem akademischen Studium reichen mag. Darueber hinaus jedoch gibt es auch Kriterien, die auf -einer Selbstklassifizierung beruhen und einen mehr oder weniger willkuerlichen Charakter. tragen. Hier spielt die persoenliche Entscheidung, in der Regel die Zugehoerigkeit zu einer selbstgewae'hlten politischen Gruppe, eine ausschlaggebende Rolle. Die Person, um die es sich handelt, wird sich gedanklich haeufig auch durch aktive Kooperation mit jener Gruppe identifizieren, die ihren persoenliohen Anspruechen, Erwartungen und Bedürfnissen entspricht. II Die Entwicklung des Mittelstandes in Israel ging unter Bedingungen vor sich, die sich weitgehend von denen I ma'ssgebencT westlicher Laender unter-1 scheiden. Israel kann als klassisches Beispiel eines Landes gelten, in dem die Majoritaet der Bevoelkerung aus Einwanderern zusammengesetzt ist und daher nicht der komplexen Erbschaft f altueberkommener und haeufig ueberalteter sozialer In- und Leistungen der Arbeiter einen besonderen Wertakzent verlieh. Es' war ein Masstab. der koerperliche Arbeit und Beschaeftigungen, die mit physischen Anstrengungen zusammenhingen hoeher wertete als andere Betaetigungen, eine Haltung, die aufs engste mit den fruehen Phasen in der Geschichte der juedischen Aufbaubewegung und ihrem Pioniercharakter verbunden war. Mit dieser Ueberbetonung der sogenannten produktiven Berufe ging -eine Geringschaetzung all der Vermittler funktionen einher wie z.B. Gross- und Kleinhaendler, Agenten, Commissionaere etc. Trotz der neuen Situation, die mit der mnteistaendischen Einwanderung aus Mitteleuropa nach 1933 geschaffen wurde, blieb diese Die Resultate dieser Entwicklung koennen folgendermassen zusammengefasst werden: 1) Kapitalakumulierung fuer private Vermoegensbildung galt im Gegensatz zu vielen westlichen Laendern in wichtigen und zahlenmaessig bedeutenden Gruppen des Jischuw nicht als Berufs- und Lebensziel. 2) Massnahmen zur Staerkung des Einflusses des Mittelstandes, ueberall sonst ein wichtiger Programmpunkt liberaler und konservativer Sozialpolitik, konnten sich nicht durchsetzen. 3) Halbos ff entliehe Sektoren der Wirtschaft, vor allem jene, die von der Arbeiterbewegung kontrolliert und operiert wurden, gewannen Sohluesselpositionen im Wirt- Orientierung fuer die Periode i schaftsleben, zwischen den beiden Kriegen | 4) Intellektuelle und Angehoerige liberaler Berufe nahmen in den Gewerkschaften eine nicht unwichtige Position ein. 5) In der Ausfuehrung oekonomischer Pionier funktionen war der Anteil des Mittelstandes gering, waehrend Siedlungsgenossienschaften und halboeffentlicbe Unternehmungen -eine ueberragende Rolle spielten. Diese Ergebnisse waren, speziell fuer die fruehen Etappen der Mandatsperiode charakteristisch. Es war die Zeit, in der Pionierqualitaeten am hoechsten eingeschaetzt wurden und die Bereitschaft, gefaehrliche oder komplizierte Situationen zu meistern, als hoechste soziale Distinktion galt. Die Eigenschaften, die in solchen Situationen erforderlich waren, waren gewiss nicht jene, die normalerweise mit der abwaegenden, sicher- (Fortsetzung Seite 15) CHRISTLICHES ZIONISMUS BEKENNTNIS ZUM UND ZU ISRAEL (Das Israel - Bach von Dr. Hermann Mass, Heidelberg) Dr. Hermann Maas steht seit vielen Jahren in der stitutionen ausgesetzt ist. Die i vordersten Reihe der wirk- Erfahrung in Laendern mit liehen Freunde des juedischen einer starken traditionellen I Volkes und des Staates Israel. Stratifizierung zeigt den enormen Einfluss einer solchen starren Struktur auf den ganzen Sozialprozess. Selbst Aenderungen in den Methoden der Gueterproduktion, die als Folge technologischer Neuerungen notwendig werden, stossen dann auf erheblichen Widerstand. Eine solche Situation waere in Israel nicht denkbar. Keine starre und einheitliche Klassenschichtung verbindet die aus Einwanderern zusammengesetzte Bevoelkerung. Infolgedessen ist die neue Gesellschaft in Israel ungewoehnlich aufnahmefaehig fuer neue soziale Impulse und Einfluesse, die mit den jeweiligen Einwandererstroemen an sie gelangen. Nicht nur die Einfluesse der westlichen Welt sind hier zu nennen. Auch die Einwanderer aus orientalischen Laendern bringen zahlreiche soziale Konzepte und Formen aus ihren Ursprungslaendern nach Israel. Doch ist es einer der bemerkenswerten' Zuege der neuen Gesellschaft in Israel, dass weder das ideologische und ethnologische Erbgut der Neueinwanderer noch die an Ort und Stelle entstandenen neuen sozialen Formen im Gesamtbild der socialen Kraefte und Bewegungen dominieren. Die israelitische Gesellschaft ist nach wie vor offen fuer vielfaeltige Einfluesse und Ideen geblieben, nach wie vor gilt die Freiheit, sich nach eigenem Ermessen zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder Ideologie zu bekennen, als hohes Gut. Bei alledem hat sich schon frueh ein System sozialer Wertungen herausgebildet, das bestimmte oekonomische und soziale Funktionen weit hoeher als andere schaetzte und vor allem den Aufgaben Dieser heute siebzigjaehrige Geistliche, Dekan der protestantischen Dioezese von Heidelberg, war als junger Mensch, als Student in Basel, zum Zionismus gekommen, nachdem er im Jahre 1903, auf dem 6. Zionistenkongress, Herzl und die Ugandadebatte erlebt hatte. Die Schreckenszeit der deutschen Juden zwischen 1933 und 1945 gab dem ehrlichen und tief-religioesen Manne die Gelegenheit, sich in den Stunden des Unglueekes seiner juedischen Mitbuerger wunderbar zu bewaehren, die Wut der Machthaber nicht scheuend. Schon zu Anfang des Jahres 33 hatte Dr. Maas aus privaten Gruenden in dem auch ihm Heiligen Lande geweilt. Doch im Jahre 1950 ist er der erste Deutsche gewesen, den die Regierung von Medinath Israel eingeladen hatte, das Land zu besuchen, und diese Reise wurde ihm zu einem grossen Erlebnis, auf das er dann in verschiedenen Botschaften an seine juedischen Freunde hinkein alltaegliches Reisebuch, sondern ein schoenes Bekenntnis zur Renaissance des juedischen Volkes auf der alten Heimaterde. Dieser christliche Zionist erfaehrt eine tiefe, innere Beeluekkung, wie sie nur wenigen Menschen zuteil wird, wen er nun zum dritten Male das Wunder des wiedererstandenen Heiligen Landes schauen darf. Er, der wahrhaft-glaeubige christliche Mensch, erblickt in Israel das erwaehlte Gottesvolk und mit glaeubigen Herzen, aus der Tiefe einer fuehlenden Seele heraus, erlebt er die Verwirklichung dessen, was die altisraelitischen Propheten, die auch ihm heilige Gottesmaenner sind, verheissen hatten. Er weiss mit der Sicherheit, des von der Bibel Erfuellten, dass “der leidende Gottesknecht” erloest und in sein Heimatland zurueckgefuehrt werden wird. Der Seel- Lande (Nazareth) und er stellt vor allem ueberall, wo er sich gelockert hatte, den Kontakt mit den juedischen Landsleuten, aus Deutschland wieder her. Besonders die juedische Jugend in Stadt und Land, und so manchen jungen Menschen kennt er bereits, erfuellt den Besucher mit unsagbarem Stolz, und in jedem Kibbuz, in jeder Moschawa, wo er Aufenthalt nimmt, erscheint er als lieber, alter Freund, mit dem man alle Sorgen bespricht, weil auf seine Liebe zur juedischen Sache zu zaehlen ist. Diese dritte Reise nach Erez Israel wurde fuer Pfarrer Doktor Maas zu einem seelisch - geistigen Erlebnis, dessen Hoehepunkte er in diesem Buechlein festhaelt. Seine tiefe Kenntnis der Geschichte des Volkes und des Landes traegt dazu bei, sehr lebensechte Schilderunsorger im deutschen Volke gen zu vermitteln, und es weiss ferner um die grosse Wahrheit, dass die Seele des Verfolgers vielleicht noch schwerer zu heilen ist als die Seele des Verfolgten. Er, der christliche Zionist, liebt das Volk der Bibel und das Land der Bibel; er ist nicht blind wies. Drei und ein-halb Jahre Tuer Fehler, aber sein Ver spaeter, im Herbst 1953, erfolgte abermals eine Einladung an den nichtjuedischen Freund Israels, sich von den Fortschritten des Aufbauwerkes zu ueberzeugen, und wiederum war Hermann Maas Gast der Regierung Israel^. Diesmal legte er seine Reiseeindruecke in einem Buche nieder, das er im vergangenen Jahre unter dem Titel “. und will Rahels Kinder wieder bringen in das Land”, einem Satze aus der Haftarah des zweiten Tages Rosch haschanah (Jirmijahu), veroeffentlichte. Das sehr geschmackvoll ausgestattete Buechlein erschien 1955 im Eugen Salzer-Verlag zu Heilbronn und, dies darf vorweggenommen werden, ist trauen in das juedische Volk ist unerschuetterlich. Etwa vier Wochen, vor Erew Rosch Haschanah bis nach dem “Schabät des Anfangs”, ueber die ganze Festesreihe, durchstreift Hermann Maas das Land, nimmt an den verschiedenen Feiertagsgottesdiensten des Monats Tischri teil, und er erlebt die Feste mit den Israelim. Er weilt im Negew und im Galil, erliegt abermals dem Zauber von Haifa, dem eigenartigen, undefinierbaren Reiz von Jerusalem, und auch das so moderne Tel Awiw uebt eine starke Anziehungskraft auf ihn aus. Wiederum besucht er die heiligen Staetten des Christentums im juedischen gibt kaum ein Gebiet, das der Autor nicht kurz beruehrt. Er erzaehlt von den Bewaesserungsanlagen im Negew ebenso interessant wie von den archaeologischen Entdeckungen ,von Strassen-und Staedtebau, von den verschiedenen Typen der Eingewanderten, von den Problemen des Grenzschutzes, der bangen Sorge um die Sicherheit des Landes. Gespraeche, Begegnungen, bruederliches Verstehenwollen und die ehrliche Ueberzeugung, dass Gott dgs Volk “Seines alten Bundes” nicht verlassen wird, verleihen diesem Buche seinen besonderen Charakter. Und man kann nur wuenschen, dass der grosse alte Warner vor dem Schlechten in seinem eigenen Volke begriffen werde. Uns Juden bedeutet dieses Werk mehr als ein “Reisebuch”, naemlich ein christliches Bekenntnis zur Zionsidee, zum Staate Israel. CURT WILK (Buenos Aires)

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