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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1956-06-01 · 6 (Junio, 1956) · p. Seite 8

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVIII (1956)
Issue
6 (Junio, 1956)
Date
1956-06-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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V Junio, 1956 INFORMATIVO BOLETIN MAENNER UND BEGEBENHEITEN y i f f! Nahum Goldmann Es war von Anfang an unsere Absicht gewesen, unserem Mitarbeiter Rabbiner Egon I. Loewenstein, der dem kuerzlich stattgefundenen Zionistischen Weltkongress in Jerusalem beiwohnte, das Wort zu einem eingehenden Bericht zu ueberlassen. Diese Absicht , verstaerkte sich, als die ersten Kabel Einzelheiten von den beschaemenden Zwischenfaellen brachten, die von den Delegierten der revisionistischen Fraktion,, in alter terroristischer Tradition, provoziert wurden. Zwar konnte es niemanden Wunder nehmen der die Geschichte dieser Partei kannte, die sich noch niemals mit ihrer Rolle als demokratischer Minderheit hat abfinden koennen, dass sie auch diesmal wieder von ausserhalb des Brettes und der Spielregeln Schach bieten wuerde, doch machte dieser Umstand, die Aufgabe nicht minder peinlich. r;:-7 um V >.'1 £ r*; NAHUM GOLDMANN Herrls und Weizmanns Erbe Wieder einmal wurde das nationale Veranfcwortungs- * gef uehl der demokratischen Fraktionen des Zentrums und der Linken auf eine harte Probe gestellt und ihnen ist es zu verdanken, dass der Kongress nicht nur ueberhaupt seinen Fortgang nehmen und positive Arbeit leisten konnte, sondern dass er durch einen Beschluss gekroent wurde, der uns veranlasst, dem in unserer naechsten Ausgabe folgenden ausfuehrlichen Bericht in einem Punkt vorauszugreifen. Wir beziehen uns auf die Wahl von Dr. Nahum Goldmann zur Praesidentschaft der Zionistischen Weltorganisation. Seitdem auf dem Kongress des Jahres 1946 in Basel Chaim Weizmann sich -nicht zuletzt unter dem Druck des nordamerikanischen “silveristischen” Zionismusvon der Praesidentschaft zurückgezogen hatte, stand die Organisation unter der Leitung eines “Praesidiums" Silver hatte, mit sicherem politischen Instinkt, es nicht versucht, die Fruechte seines “Triumphs” ueber Weizmann an sich zureissen und begnuegte sich damit, die Fuehrung zu parzellieren. Ein Praesidium von drei Personen zuerst, auf dem ersten im "befreiten Israel abgehaltenen Kongress auf zwei -Goldmann und Lockerreduziert, hatte seitdem den Stuhl gehuetet, auf dem einst ein Herzl und ein Weizmann sassen. Nun hat man zum ersten Mal einem einzelnen Mann das Recht eingeraeumt diesen Stuhl einzunehmen. Zehn Jahre sind vergangen, seit Weizmann ihn liess, nur um, wie wir heute wissen, wenig spaeter als erter Praesident des Staates Israel das ganze Prestige seiner Persoenlichkeit und die Weisheit seiner letzten Jahre in dessen Dienst zu stellen. Mehr als drei Jahre sind vergangen, seit er starb und somit ein Vielfaches der Zeit, mit der man nach Brauch und Sitte eine Position verwaist laesst, wenn man den unersetzlichen Verlust des Menschen bezeugen will, der sie zu Lebzeiten inne hatte. Und nun ist Nahum Goldmann in Jerusalem gewaehlt worden, das Erbe Herzls und Weizmanns zu verwalten. Man kann sagen, mit Einstimmigkeit gewaehlt, da nur die Revisionisten gegen ihn stimmten, eine Ausnahme, die ihn ebenso ehrt wie das einhellige Vertrauen ' aller anderen Fraktionen. Wir leriften Goldmann vor wenigen Jahren in Chile waehrend weniger unvergesslicher Stunden kennen und teilen die Ueberzeugung des Kongress’, dass keinem Wuerdigeren diese schwere und ehrenvolle Last aufgebuerdet werden konnte, als dem unbestrittenen Sprecher der heutigen Weltjudenheit. Ein neuer l. Mat Eine weitere erfreuliche Note aus den Kongress-Tagen stellt die diesjaehrige Erste Mai-Feier dar. Seit eine juedische Arbeiterschaft d i e Hauptverantwortung f u e r den Aufbau der alten Heimat .und deren Verteidigung uebernommen hat, wird in ihren Reihen der Konflikt zwischen der national bedingten, zionistischen Solidaritaet und den internationalen Bindungen zu sozialistischen Stroemungen und Maechten ausgetragen. Es gibt kaum ein Problem in der sozialen Struktur Israels, angefangen von der Stellung der Histadrut im Staate, ueber die Komplizierten Fragen der Funktion der Arbeiter - Unternehmungen, die inzwischen beigelegten Konflikte anlaesslich der Aufloesung der Palmach-Einheiten oder des unabhaengigen Schulwerks, bis zu jeder Verhandlung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern oder Streiks, in dem dieser Gegensatz nicht zu unendlichen Diskussionen Anlass gegeben haette. Seinen symbolischen Ausdruck aber fand er all.jaehrlich bei den Feiern des 1. Mai. Den 1. Mai dieses Jahres aber beging die israelische Arbeiterschaft in einer anderen Stimmung. Statt mit wehenden Fahnen durch die Staedte zu ziehen, zog sie mit Spaten und Hacke an die bedrohten Grenzen des Landes, um Befestigungen aufzuwerfen. Angesichts der hoechsten nationalen Gefahr und an Stelle unfruchtbarer Auseinandersetzungen und Demonstrationen, lieferten Israels Arbeiter und Bauern einen erneuten Beweis ihrer grenzenlosen Opferbereitschaft und Verantwortung. Es ist auch nicht zu verkennen, dass das Vertrauen auf die Solidaritaet der internationalen Arbeiterschaft zumindest in dem Masse gesunken ist, in dem die Gewissheit gestiegen ist. dass nur die eigenen Kraefte Israels Sicherheit gewaehrleisten koennen upd werden. Diese ideologische Verlagerung ist besonders in jenen Linkskreisen unverkennbar die noch bis vor Kurzem glaubten, die Einstellung der israelischen Arbeiterschaft mit der Machtpolitik des Ostblocks synchronisieren zu koennen. Mit groesster Spannung duerfen wir auch den Neuigkeiten entgegensehen, die sich in dieser Entwicklung noch aufgrund der Freilassung von Mordechai Oven ereignen werden. Oren. bekanntlich einer der prominenten Fuehrer der prosowjetischen Mapam, wurde vor nunmehr mehr als vier Jahren iip Verlaufe des Slansky-Schau-Prozesses in Prag zu 15 Jahren Zuchthaus wegen "zionistischer imperialistischer Umtriebe und Spionage” verurteilt. Der Abbau les stalinistischen Terrors hat es mit sich gebracht, dass er nunmehr vor Ablauf seiner Haft freigelassen wurde" und nach Israel zurueckkehren konnte. Noch wenige Tage vor seiner Freilassung lasen wir in einer glaenzend informierten schweizer Zeitung einen Kommentar, dessen Autor etwa folgendes ausfuehrte: Moskau hat von Prag die Rehabilitierung von Slansky ind Clementis Verlangt, ln Prag ist man entweder nicht bereit oder man fuehlt sich licht sicher genug, dieselbe vorzunehmen. Das Resultat wird ein Kompromiss sein, iemzufolge man die Anschuldigungen von “titoistischer” Verschwoerung fallen lassen wird, die anti-zionistichen üuegen aber beibehaelt. Das Hege auch ganz auf der Linie der Aussoehnung mit Belgrad einerseits und der proarabischen Politik andererseits und entspricht ausserdem der bequemen Konvenlenz, vor dem heute wichtigen Jugoslawien eine Entschuldigung zu stammeln, die das kleine Israel nicht wert ist. Diese anscheinend ganz logische Gedankenfolge wurde von den Ereignissen irgendwie dementiert, indem man Oren, der unter allen Angeklagten und “Zeugen” von 1952 der einzige wirkliche Zionist war (Slansky war bekanntlich Zeit seines Lebens ein wuetender Antizionist), frei liess. Noch verwirrender wird die Angelegenheit durch den Umstand, dass die Prager “Justiz” von Oren als Preis seiner Freilassung verlangte, eine Erklaerung zu unterzeichnen, derzufolge seine “Gestaendnisse” nicht erpresst worden seien. Es spricht fuer den ungebrochenen Geist und Mut des Israelis, dass er diese Unterschrift verweigerte und damit seine Freiheit ueberhaupt aufs Spiel setzte. Wozu sie allerdings fuer das Prager Regime gut sein sollte, laesst sich mit gesundem Menschenverstand wohl nicht erforschen und wird fuer immer ein. Geheimnis stalinistischerkruschevistischer Dialektik bleiben. Es sei denn, dass man in den Volksdemokratien selbst noch nicht genau weiss, wie weit und in welcher Form man von den Methoden des roten Zaren abruecken soll. Was Oren anbetrifft, so haben die Kabel bisher nur sehr wenig berichtet, ob und was er erzaehlt hat. Sollte er es tun, so werden seine Enthuellungen zweifellos von groesstem Einfluss nicht nur auf die Zukunft seiner Partei sein, in der ein nicht unbedeutender Sektor ihr seinerzeit fallen lassen wollte sondern fuer die Ausrichtung des ganzen linken Lagers. Zur gleichen Zeit, in der die neusserste zionistische Linke durch Schicksalsschlaege erschuettert wird,- hat der gemaessigte sozialdemokratische Sektor internationale Erfolge zu buchen. Wichtige Fraktionen, die der sogenannten 2. Internationales? angehoeren oder nahe stehen, haben Israel und seiner fuehrenden Regierungs Partei Mapai Solidaritaets beweise angedeihen lassen deren Bedeutung man nicht unterschaetzen SQllte. Die unter dem Vorsitz des Sekretaers der britischen Labour-Party, Morgan Phillips vom 2.-4. Maerz in Zuerich tagende Konferenz der Sozialistischen Internationale, an der Delegierte von 18 Laendern teilnahmen, ha1 eine Erklaerung angenommen, auf die wir in diesen Spalten bereits Bezug genommen haben und die an Klarheit und Energie in Bezug auf Ünterstuetzung Israels absolut nichts zu wuenschen uebrig laesst.* Nun sind wir zwar ln Bezug auf Deklarationen erfahrungsgemaess misstrauisch, doch muss selbst der groesste Skeptiker einen gewissen Zusammenhang zwischen der Einstei- ‘ lung £er 2. Internationalen und der Haltung der einzigen Grossmacht zugeben, in der heute Sozialisten an der Regierung sind: Frankreich. Es ist heute kein “Mystere” mehr, dass es Frankreich war, das uns in der Stunde der hoechsten Gefahr zu Hilfe kam. Dass diese Hilfe nicht ganz das Ausmass annahm das wir wuenschten und benoetigten haengt zum Teil mit dem “maessigenden” Einfluss zusammen, der von Washington aus ausgeuebt wurde, zum Teil vielleicht auch mit der alten sozialdemokratischen Schwaeche,' es oft an Mut zur energischen Durchfuehrung der eigenen Beschluesse fehlen zu lassen. Das laesst sich auch an der -N <■> W¡M MENDEZ-FRANCE 'MUENCHEN" mit Kairo? (Foto: "TIME") ungluecklichen Algier-Politik der Regierung Mollet feststellen, die aus einer Befriedungs-Kampagne unter dem Druck eines Mobs reaktionaerer Kolonisten zu einem zweiten Indochina - Feldzug geworden ist, oder aus dem im letzten Moment abgesagten Besuch des Aussenministers Pineau in Israel. Gewiss spielt auch die nordafrikanische und arabische Problematik Frankreichs in Bezug auf Israel bezw. Aegypten eine grosse Rolle. Man glaubt heute in Paris, dass Nassers fieberhafte Ambitionen ihn mehr zu einer chimaerischen Vorherrschaft ueber den nordafrikanischen Kontinent treiben als zu einem Sieg ueber Israel oder dass er bestenfalls beide Ziele im Auge haelt. Um nun die Ünterstuetzung, die er den algerischen Rebellen ange- (Fortsetzung Seite 14) l r \

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