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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1956-05-01 · 5 (Mayo, 1956) · p. Seite 8

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVIII (1956)
Issue
5 (Mayo, 1956)
Date
1956-05-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 BOLETIN INFORMATIVO Mayo, 1956 Vor einer Besserung der Lage? Es ist unmoeglich vorauszusagen, ob es nicht wieder Blei regnen wird, im Moment da diese Zeilen gedruckt sein werden, aber in dem Augenblick ihrer Niederschrift scheinen sich die schwarzen Gewitterwolken ueber Israel etwas zu verziehen und einige kleine, optimistisch stimmende, blaue Fetzen kommen durch. Wie sehen sie aus? Wo kommen sie her? Wie lange wird die Sonne scheinen? Wird sich das politische Wetter fuer Israel wirklich bessern? UEBERRASCHTJNGEN AUS MOSKAU Sensationelle Wendungen in der Weltpolitik haben meistens ihren Ausgang in Moskau. Bereits zu Stalins Zeiten und erst recht seit seinem Tode hat sich die Welt daran gewoehnt, sich bei Wendungen um 180 Grad in der russischen Politik nicht allzu sehr zu wundern. Wie in allen anderen Fragen, sind die Herren des Kreml auch in Fragen der Aussenpolitik skrupellos und stehen nicht an, aus Konvenienz-Gruenden Stellungswechsel vorzunehmen, die fuer einen westlichen Staatsmann eine Blamage auf Lebenszeit bedeuten wuerde. Was sie gestern angebetet haben, heute verbrennen sie es und waermen sich obendrein noch ungeniert an dem Feuerchen. Die —wie gesagt, sich heute erst andeutende— Wendung, die uns interessiert und betrifft, ist an zwei Begebenheiten festzustellen. Die erste ist die Anwesenheit des Vize- Premier Mikoyan und des Aussenminister Molotow beim Empfang in der israelischen Botschaft in Moskau anlaesslich des Staatsfeiertags. Dabei ist nicht nur die Kategorie der Gaeste bemerkenswert, sondern vor allem die Tatsache, dass dieselben auf Grund der momentanen Abwesenheit voii Bulganin und Kruschew, die sich am Montag, den 16. April unterwegs nach England befanden, die Qualitaet der hoechsten in Moskau befindlichen Sowjet-Wuerdentraeger hatten. Das war ein Symptom. Das andere Ereignis hat schon den Rang einer offiziellen Erklaerung und ist mehr als eine Geste —obwohl auch die Gesten in Moskau stets den Plaenen entsprechen—. Die Verlautbarung ist vom 17. April und besteht aus drei Punkten: Im ersten erklaert die U.d.S.S.R. ihre Unterstuetzung fuer die Massnahmen der V. N., die die Sicherung des Friedens in der Palaestina-Zone zum Ziel haben. Im zweiten gibt sie der Meinung Ausdruck, dass kuenftige Massnahmen zur Sicherung des Friedens frei von auslaendischer Intervention durchgefuehrt werden sollten. Und im dritten und letzten betrachtet sie es als notwendig, dass im Interesse des Weltfriedens an einer friedlichen und dauerhaften Loesung des Palaestina-Problems gearbeitet werde. In der einleitenden Betrachtung wird als Vorbedingung erwaehnt, dass die Verhandlungen “a u f beiderseitig annehmbarer Grundlage und unter Ruecksichtnahme der gerechten nationalen Interessen der interessierten Nationen” stattfinden. Schliesslich werden beide Parteien aufgefordert, die “Lage der hunderttausend arabischen Fluechtlinge zu verbessern”. DIE NEUEN FAKTOREN Was hat sich damit an der Situation geaendert? Es ist natuerlich vor Ablauf einiger Wochen nur schwer zu beurteilen, ob sich alles, vieles oder nichts gebessert hat. Die ersten, sich abzeichnenden Konsequenzen deuten jedoch auf folgende Tatsachen hin: 1. ) Die Erfolgsmoeglichkeiten der Mission Hammarskjold sind enorm gewachsen. 2. ) Das Vertrauen Nassers auf russische Unterstuetzung im Ernstfall ist um ebenso viel gesunken und damit sein Ungestuem, einen Krieg vom Zaun zu brechen. 3. ) Die Einstellung Russlands zu Israel ist fuer den Moment wieder auf ein .normales diplomatisches Niveau gekommen, auf dem anerüg«y. BEN GURION SPRICHT AM JOM HAAZMAUTH Bei der eindrucksvollen Kundgebung in Haifa. (Foto: “Israel, Life and Letters”). kannt wird, dass auch solch kann, denen man Rechnung tragen sollte. Das widerspricht der arabischen These von dem kuenstlichen Staatsgebilde, das nur als Funktion imperialistischer Interessen und zwecks Stoerung des Friedens existiert und die sich Kruschev auf dem letzten Parteitag in Moskau mehr oder weniger zu eigen gemacht hatte. 4.) Das Problem der arabischen Fluechtlinge ist auf seine wahre Dimension reduziert worden, in dem deren Zahl von fast einer Million, mit der Nasser renommiert, auf hunderttausend heruntergesetzt worden ist und man statt von der auch in den Vereinten Nationen immer wiederkehrenden utopischen Idee einer Ruecksiedlung abrueckt und eine “Verbesserung ihrer Lage” fordert. Es ist muessig hinzuzufuegen, dass Israel selbst an einer Besserung dieser Situation, und sogar einer ganz radikalen, ebenso interessiert ist, wie die arabischen Potentaten es bisher immer noch am Gegenteil sind. DIE BEWEGGRUENDE DES KREML Zwar sind Kruschews Ratschluesse bekanntlich unerforschlich, doch lassen sich einige oberflaechliche Betrachtungen zu diesem neuen “Statement” schon jetzt anstellen. Zunaechst scheint es klar zu sein, dass der Zeitpunkt der Erklaerung am Vorabend der Ankunft der “Zwillinge” Bulganin - Kruschew in England kein Zufall ist. Fuer England ist der Frieden im Nahen Osten lebenswichtig, haengt es doch, ebenso wie ganz Westeuropa, mit seiner Oel-Versorgung von den dortigen Feldern ab. Nordamerika stillt seinen Durst am schwarzfluessigen Gold bekanntlich an der eigenen Produktion, sowie in Venezuela und Iran. Dieser Interessen-Unterschied zwischen den beiden grossen Westmaechten war dem genialen Staatssekretaer Foster Dulles nicht aufgefallen, was die Misstimmung erklaert, die in England ob der nordamerikanischen Mittelost-Politik aufgekommen war. Es gehoert also zweifellos zu den Konzessionen, die der Kreml den Briten zu machen bereit ist, ihnen fuers Erste Frieden im Nahost und damit eine ungestoerte Oelversorgung anzubieten. Was die Russen dafuer einzuhandeln gedenken, mag Gegenstand einer gesonderten Betrachtung sein; uns soll es jedenfalls einmal einstweilen recht sein, dass in diesem imperialistischen Kuhhandel der Friede fuer Israel ueberhaupt einen Wert hat. Sodann spielen wohl auch Betrachtungen auf lange Sicht mit. Die neue “kollektive Fuehrung” ist davon ueberzeugt, dass die U.d.S.S.R. von einem langen Frieden profitieren wird. Sie rechnen damit, in zwanzig bis dreissig, Jahren “friedlicher Koexistenz” die U.S.A. und den I SKIZZEN VOM STAATSBESUCH So sieht ihn der bekannte Karikaturist Low, von “Punch1 (“Manchester Guanrdian”). ein kleiner Staat “gerechte nationale Interessen” haben Westen in jeder Beziehung, auch auf dem Gebiete der Wirtschaft, ueberfluegelt zu haben. Um es auf rein politischem Gebiet fertig zu bringen, koennte dies sogar noch viel rascher gelingen, vorausgesetzt, dass ihnen Foster Dulles weiter so standhaft hilft. Es passte ihnen also absolut nicht ins Spiel, sich von einem Nasser in akute Kriegsgefahr verwikkeln zu lassen. Nasser glaubte offenbar, im Besitze eines roten Blanko-Schecks zu sein. Der Kreml stellt aber aus Prinzip keine Blanko-Schecks aus, nicht einmal den eigenen erprobten und linientreuen Agenten, viel weniger also einem groessenwahnsinnig gewordenen Wuestensohn. Der Scheck wurde also ausgefuellt, auf soundsoviel Waffen, bereits geliefert oder noch zu liefern; bei unrechtmaessigem Gebrauch der Waffen wird er aber gesperrt werden. Damit ist auch das ursprüngliche Ziel der Russen, in den Nahost- und Mittelmeer-Belangen ihr Woertchen mitzureden, voll und ganz erreicht worden. Wenn es nicht tragisch und gefaehrlich fuer die gesamte freie Welt waere, muesste es fast komisch anmuten, mit welch hilflosem Unverstaendnis und Passivitaet Washington die Initiative an Moskau abgegeben hat. Ein Halbes Jahr ist es her, seit Russland begonnen hat, sich im Vorderen Orient einzumischen und schon spielen sie die Erste Geige, ohne dass die U.S.A. auch nur faehig gewesen waeren, eine neue Politik zu formulieren, geschweige denn, sie in die Wagschale zu werfen. Jetzt muss man sich damit abfinden, dass keine Regelung moeglich sein wird, bei der Russland nicht ein ganz entscheidendes Wort mitzureden hat. Das ist nicht angenehm, aber England hat sich damit bereits abgefunden. den Vereinigten Staaten wird nichts Anderes uebrig bleiben und Israel wird gur daran tun, sich so rasch wie moeglich darauf einzustellen. ATSCHEKA EINE ALTE ECKE IN JAFFA. (Foto: "Israel, Life and Letters”).

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