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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1956-04-01 · 4 (Abril, 1956) · p. Seite 10

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVIII (1956)
Issue
4 (Abril, 1956)
Date
1956-04-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 BOLETIN INFORMATIVO Abril, 1956 STAATSFEIERTAG - GEWEHR BEI FUSS Zum 8. Mal begeht Israel am 16. April den “Jom Haarmauth”, aber keiner der sieben Gedenktage, die diesem vorangingen, war mit solch dramatischer Spannung geladen. Sieben Mai hatten wir Gelegenheit genommen, die erstaunlichen Fortschritte des jungen Staates auf dem Gebiete der Einwanderung und Siedlung, der Wirtschaft und der Kultur, des Aufbaus und der Konsolidierung zu ueberblicken: selbst im Jahre 1949, nach Abschluss des Befreiungskrieges. Und sieben Mal mussten wir mit Bedauern unter anderem feststellen, dass nur auf dem Weg zum Frieden mit den arabischen Nachbarn noch kein Erfolg festzustellen sei. Und nun ist dieses Problem in einem solchen Ausmass in den Vordergrund gerueckt, dass es alle anderen ueberschattet und als gering erscheinen laesst. Die jahrelangen arabischen Drohungen von der “zweiten Bunde” droehnen nunmehr mit der Resonanz tschechischer Maschinengewehre, russischer Flugzeuge und nordamerikanischer Tanks. Jedermann weiss heute: es kann jeden Moment losgehen... Die Frage ist: worauf warten die Araber? PAPIER GEGEN STAHL? Vier grosse Gegensaetze bewegen den Vorderen Osten: Ost gegen West, Araber gegen Araber, Araber gegen Israel und West gegen... West. Um den Revanchekrieg gegen Israel vom Zaun zu brechen, wartet Nasser auf einen Moment, in dem die innerarabischen Gegensaetze so weit wie moeglich beschwichtigt und die Gegensaetze zwischen den Grossmaechten so verschaerft wie moeglich sind. Dem ersten Zweck dienen die bereits chronischen Tagungen in Kairo, Damaskus und sonstigen arabischen Hauptstaedten, in denen gegen Israel vom Leder gezogen wird, um die haeuslichen Probleme zu bagatellisieren, wobei wir aber tatsaechlich immer wieder daran erinnert werden, dass sie sich in dieser einen Sache —gegen uns— wirklich einig sind. Der Moment einer Krise im Weltmasstab kann dagegen natuerlich von Nasser nicht so einfach heraufbeschworen werden: ihn jedoch abzuwarten, scheint er aber die noetige Geduld aufzubringen. Die darin investierte Zeit kann er uebrigens nur nutzbringend anlegen, wenn er waehrenddessen unter seinen Wuestensoehnen diejenigen listigsten rekrutiert, denen die russischen Instrukteure das Umgehen mit modernsten Waffen einzutrichtern vermoegen. Es ist dieser Umstand, der die erneuerte Dreimaechte —Erklaerung zu faulem Zauber macht. Bekanntlich stellte die urspruengliche Erklaerung (Mai 1951) eine Verpflichtung dar, das Ruest u n g s — “Gleichgewicht” zwischen Israel und seinen Nachbarn durch beiderseitig profitbringende Waffenlieferungen aufrechtzuerhalten und die Waffenstill-standslinien irgendwie in endgueltige Grenzen zu verwandeln. Das neue Statement musste dem Umstand Rechnung tragen, dass die Araber auf das Gleichgewicht pfeifen und schwer wiegende russische Waffen auf ihre Waagschale haeufen. In welcher form geschah dies? Die Vereinigten Staaten, England und Frankreich erklaerten ihre Bereitschaft, im Falle eines arabisch-israelischen Konflikts gegen ' den Angreifer einzuschreiten, zuerst im Sicherheitsrat und, falls dies ohne Erfolg bleiben sollte, mittels direkter Intervention. Gegen letztere Alternative nahmen sowohl Russland wie auch Aegypten und seine Alliierten Stellung, indem sie verlautbarten, die Westmaechte haetten kein Rpcht. die V. N. —und damit das russische Veto-Recht im Sicherheitsrat— zu umgehen. Wie man sieht, hat Moskau aus seinem Fehler zu Beginn des Korea-Kriegs gelernt, als bekanntlich die U. S. A. den damaligen russischen Boykott des Sicherheitsrats ausnutzten und dadurch im Namen der Vereinten Nationen einschreiten konnten. Die Drohung mit einer direkten Intervention, so undurchführbar sie auch in der Praxis sein mag, schien darauf hinzuweisen, als haben auch die Westmaechte ihrerseits zumindest. diesen formellen Aspekt des Problems richtig interpretiert. Doch erwies sich selbst dieser Optimismus als uebertrieben, sobald naemhch Praesident Eisenhower am 6. Maerz —ln Abwesenheit seines Staatssekretaers-e rklaerte, die U. S. A. werden den Sicherheitsrat auffordern, sich mit der Vorderost-Krise zu befassen und damit naturgemaess die Drohung einer direkten Intervention wieder entkraeftete. Zu was ist nun die ganze Erklaerung gut? Ihr Grunduebel besteht zuerst einmal darin, dass sie ein einseitiges Statement darstellt statt eines Paktes und daher die Unterzeichner zu nichts verpflichtet. Der nunmehr verfallenen Dreier-Erklaerung von 1951 gegenueber, die nicht viel mehr wert war, hat sie die folgenden Nachteile: 1.) Es kann von keinem Ruestungs-Gleichgewicht mehr die Rede sein. Die Araber ruesten auf eigene Faust und Israel versucht man, wehrlos zu machen, was man “Verhinderung eines Ruestungs- Wettlaufs” nennt. 2.1 F’^e Garantie der Waffenstillstandslinien ist hinfaellig, seit Eden, der ja schliesslich Premier einer Signatarmacht ist, zu einer Revision derselben aufforderte. 3.) Die drei Maech te bekennen sich im Ernstfall zu dem angegriffenen Teil und gegen den Agressor. Wer wird feststellen, welches Heer angreift und welches verteidigt? Wenn acht Jahre arabischer Kriegshetze, Boykott und Sabotage nicht genuegt haben, den Grossmaech ten ein Bekenntnis zur Wahrheit abzuringen, wird dies in wenigen Stunden oder Tagen der Aufregung, Konfusion und Bombenlaerms gewiss nicht moeglich sein. Wie bisher, werden die Grossmaechte des Westens und des Ostens im Sinne ihrer eigenen Interessen den Teil als Angreifer brandmarken, der diesen weniger dient; Objektivitaet oder Verpflichtung zur Wahrheit kann es da keine geben. Und selbst in dem hypothetischen Fall, dass ein Funken von Anstand im Fass der Oel-Interessen zuenden sollte: wie lange wuerde es dauern, bis irgendein Mechanismus in Gang wuerde, der V. N. —Schlichter seinen Bericht kabelt, der Sicherheitsrat Zusammentritt, einen Beschluss fasst, das hundertsoundsovielte r u s s ische Veto zur Kenntnis nimmt, die Westmaechte eine Tagung zur Besprechung des letzteren anberaumen und schliesslich dortselbst beschliessen, nichts zu unternehmen? Tage? Wochen? Wer weiss: jedenfalls laenger als im Februar 1949, wo ein Waffenstillstandsbefehl der V. N. die israelischen Tanks auf dem Wege nach Kairo stoppte. Einmal abgesehen jedoch von diesen drei Faktoren —Zerstoerung des Gleichgewichts, Revision der Grenzen und Un tauglichkeit des Schlichtungs— oder Interventionsapparats—, die schon an und fuer sich die Dreimaechte-Erklaerung zu einem Wisch machen, ist es natuerlich klar, dass die Araber erst angreifen wuerden, wenn die Grossmaechte durch die Explosion irgendeiner anderén Gefahrenzone (Korea, Indochina, Kaschmir,* Nordafrika) vollkommen engagiert waeren. Im Falle eines Dritten Weltkrieges gar ist es vollkommen klar, dass sie die ihnen von beiden Seiten so gross zuegig ueberlassenen Waffen nur gegen -Israel gebrauchen wuerden, wobei man ihnen, aehnlich wie im Zweiten Weltkrieg noch obendrein dankbar waere, wenn sie sich ansonsten einer strikten Neutralitaet befleissigen wuerden. Das weiss vielleicht sogar schon ein solch genialer Mann wie Foster Dulles, wenn es ihn auch nicht davon abhaelt, weiter nach Pakten zu jagen. kommen ENGLANDS RUECKZUG ■ Das augenfaelligste Detail in der Kraefte-Verschiebung ist im Moment der britische Rueckzug auf der ganzen Linie. Der unvermeidl.che Fall vcn Zypern ist hoechstens eine Frage von Monaten. Die Absetzung des Brigadiers John Bagot Glübb 'Paacna” von seinem Posten an der Spitze der “Arabischen Legion” von Transjordanien war eh weiterer Fusstritt fuer den britischen LoeWen. Dass er darauf mit Knurren reagierte und weitere 15 Offiziere aus dem Jordanreich abberief, nur um sie spaeter wieder dortzulassen, verstaerkt nur den Eindruck seiner Alters-^chwaeche. Selbst der Irak, Stuetze und Stab .des Bagdad-Paktes, machte seinem “alter ego” Luft und gratulierte Koenig Hussein zur Beleidigung des Bundesgenossen. England ist heute ' nicht mehr stark genug, seine weitverzweigten imperialen Positionen zu behaupten. Die Laboristen hatten es verstanden, durch einen rechtzeitigen strategischen Rueckzug die wesentlichen zu halten, wenn auch manchmal nur indirekt. Churchills politischem Genie gelang es, eine Fiktion dieser Staerke aufrechtzuerhalten. Eden ist zu ersterem nicht bereit und zu letzterem nicht faehig. Das Resultat ist eine Politik der Unentschlossenheit und Halbheit, deren bittere Resultate nicht auf sich .warten lassen. Wie geschickt das Koeniglein von Jordanien eine solche Situation auszunuetzen versteht, grenzt bereits an das Tragikomische. Sein Staat ist bekanntlich eine Kreation Churchills, entstanden aufgrund der Veruntreuung des Palestina - Mandats des Voelkerbunds und seit jeher im Vasallenverhaeltnis zu London. Von dem Moment an, da die Bundesgenossen Nasser-Saud versuchen, die britische jaehrliche Subvention durch eine eigene (aus amerikanischen Oelgeldern) abzuloesen, wartet Hussein auf einen guenstigen Moment, den Englaendern das Vertragsverhaeltnis zu kuendigen, wonach er ein paar miserable Millionen Dollar mit politischer Abhaengigkeit zu zahlen hat. Er nahm diesen- Moment ausges prochen geschickt wahr und schickte anstelle eines zerrissenen Vertrags Herrn Glubb nach London. Die in diesem Moment gerade in Kairo tagenden Potentaten von Aegypten, Syrien und Saudi-Arabien boten Hussein sofort einen Ersatz fuer die britische Subvention an. Und da kommt sozusagen der Clou der ganzen Angelegenheit. Dieser erklaerte sich naemlich dankend bergit, d e elbe anzunehmen, behauptete aber, keinen Grund zu sehen, auf die britischen Almosen zu verzichten, braucht er doch beide, natuerlich (wofuer dies alles herhalten muss), um sich gegen die “israelische Agression” zu verteidigen! Nasser kann sich nicht beklagen: er hat gelehrige Schueler. Wenn er dank seiner “Neutralitaet” von den Aufmerksamkeiten der Westmaechte und Russlands im grossen Masstabe ueberhaeuft wird, warum sollte es Abdullas Thronfolger nicht moeglich sein, zwischen Aegypten und England “neutral” zu bleiben und dies mit ebenso lukrativem Erfolg? Wie man sieht, das Neutralitaets - Gangstertum macht Fortschritte. Praeventiv * Krieg oder Kampf um den Frieden Die beunruhigende Entwicklung der Lage hat es mit sich gebracht-,- dass die extreme Rechte (Cherut) am 6. Maerz in der Knesset einen Antrag auf Erklaerung eines Praeventiv-Krieges stellen konnte. Die Verlockung, den gordischen Knoten mit dem Schwert durchzuhauen, bevor das Seil immer dicker und das Schwert stumpfer wird, scheint gross. Die ueberwaeltigende Mehrheit (65 gegen 14 Stimmen) lehnte den Antrag ab , und nnW- (Fortsetzung Seite 18)

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