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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1956-04-01 · 4 (Abril, 1956) · p. Seite 9

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVIII (1956)
Issue
4 (Abril, 1956)
Date
1956-04-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Abril, 1956 BOLETIN INFORMATIVO 9 Zum 75« Todestage von BENJAMIN DISRAELI (21. DEZEMBER 1804 - 19. APRIL 1881) Man uebertreibt nicht, wenn man die Laufbahn von BENJAMIN DISRAELI als* die glaenzendste bezeichnet die ein Jude, ausserhalb seines eigenen Voikes, seit den biblischen Zeiten von Josef, den Ernaehrer Aegypten, zurueckgelegt hat. Jene sieben janre, welche seine letzte Regierung Grossbritaniens dauerte, werden in der englischen Geschichte, besonders was die Aussen politik anlangt, als glueckliche Jahre bezeichnet werden, und noch heute wird sein Denkmal alljaehrlich am Todestage mit Primeln geschmueckt, seiner angeblichen Lieblingsblume, welche ihm seine Koenigin waehrend seiner letzten Krankheit taeglich ans Schmerzenslager sandte. Disraeli war in seiner Jugend ein besonderer Liebling der Frauenwelt gewesen, und seine Monarchin, die, Queen Victoria, war die letzte Frau, die er durch seinen Geist, seine Galanterie, den Zauber seiner Persoenlichkeit gewann. Dieser Staatsmann waer ein tlich ist das Gesetz; welch unvollkommener E.glaender, so bezaehmbarer Geist lebt in wie er, trotz der vom Vater diezsem Volke Auch, i n den an ihm vollzogenen Taufe, Elendsvierteln von Whitechaein Jude im tiefsten seiner pel sah Disraeli die Sukkä, Seele geblieben ist. Ueber die Laubhuette, errichtet mit diesen inneren Widerspruch orientalischen Fruechten und zwischen den religioesen Be- Blumen geschmueckt, und es kei.ntnjssen ging er mit einer war ihm, als stuende sie ungewissen Naivitaet hinweg: ter dem Sternenhimmel des Das Christentum war fuer Heiligen Landes. Er selbst ihn etwa ein dem Ahendlanstammte von sefardischen de angepasstes Judentum Juden ab, die sich vor und Jesus von Nazaret ein if ¿r Inquisition nach Veneaus dem Koenigshause David dig gerettet hatten, und er stammender Prinz, der, r.ach war stolz auf diese Abstamden Evangelien, das Gesetz mung. In Israel erblickte er Mose nicht hatte zerstoeren jenes alte Beduinenvolk, das wollen, und unter dieses Ge- Mose aus Mizrajim befreit setz Mose, die “Zehn Worte hatte, und welches das vom Sinai”, so pflegte Dis- Schwert zu fuehren verstand, raeli zu argumentieren, hat- Der Dichter und Staatsmann ten sich die europaeischen Disraeli trat als Romantiker Voelker gestellt, und in ihrer auf, und ei": solcher ist er Mitte sind die Englaender das zeitlebens geblieben. Als bibibelglaeubigste gewesen, belglaeubiger Englaender Tatsache ist, dass der gleiche stand er der modernen Bibel- Disraeli oder Lord Beaconskritik feindlich gegenueber, field, der sich auf seinem ei-! und stets blieb der Orient die genen Landgute eine Pfarr- Quelle seiner poetischen und kirche hielt, die Geschichte politischen Inspiration. Als des Volkes Israel noch nicht junger Mensch hatte Disraeli als beendet ansah, dass er seine Bildungsreisen bis diesem alten Volke einen nach Palestina ausgedehnt, neuen Aufschwung durch den und das Ergebnis jener abend- Wiederaufbau seines alten teuerlichen Fahrt ins Heili- Heimatlandes durchaus zuge Land und in die arabischen traute. In seinem beruehmi Wuesten war sein Roman ten “Tancred”, wohl dem er- “David Alroy”, die tragische sten zionistischen Roman,! Geschichte eines juedischen heisst es: “Es gibt keine Exilsfuersten, ~ der bei dem Weinberge mehr in Israel, aber die ewige Satzung verpflichtet die Kinder Israel, noch immer die Weinlese zu feiern. Ein Volk, das so weiehrgeizigen Versuche, ein orientalisches Weltreich wiederaiifzurichten, zugrundegeht. Er war schon ein Vierziger ter feiert, auch, wenn es kei- und «tand im parlamentarlne Fruechte mehr erntet,' sehen Leben, als er nochmals wird seinte Weinberge zu-¡in den Orient reiste. Damals rueckerhalten. Wie unerbit-1 entstand der erwaehnte Ro- >;V;v.v IM BEZALEL-MUSEUM Renaissance des Volkes und Renaissance der Kunst. man “Tancred”, trotz gewisser Weitschweifigkeiten wohl sein bedeutendstes Buch. Wenn sein Held an einer Stelle fragt, wer bei uns der volkstümlichste Dichter sei und hierauf die Antwort erteilt: “Nicht Byron und auch nicht Shakespeare, sondern Koenig David mit seinen Psalmen”, so liegt hierin zweifellos ein stolzes Bekennt ..is Disraells zu “unserer” Bibel. Auf jene Reiseeindruecke duerfte nicht zuletzt die Tatsache zurueckzufuehren sein, dass Disraelis zweite Premierministertaetigkeit von 1874 bis zu seinem Tode, 1881, von der Loesung der orientalischen Frage ausgefuellt war. Und vielleicht reicht sein Wunsch, seiner Koenigin die indische Kaiserkrone aufs Haupt zu setzen (1876) auf einen fernen Jugendtraum, auf einer jener fruehen Reisen getraeumt, zurueck. Indie laetzte Amtsepoche faellt auch die Erwerbung der Insel Zypern fuer das Britische Reich, das heute um seinen Bestand als Weltmacht kaempft und eine schwierige Stellung auch auf dieser Insel deren Bevoelkerung groesSteuteils zu Griechenland gehoeren moechte, zu verteidigen hat. Dass Benjamin Disraeli auch den Verfolgungen, denen Juden waehrend seines Wirkens ausgesetzt waren, nicht teilnahmslos gegenuebersta"d, beweist u.a. sein energisches Eintreten fuer die Schaffung juedischer Minderheitsrechte in Rumaenien auf dem beruehmten “Berliner Kongress” von 1878. Will man diesem grossen Repraesentanten der englischen Politik aus der zweiten H a e 1 f t e des vergangenen Jahrhunderts vom juedischen Standpunkt aus gerecht werden, so muss man sagen, dass er ein stark ausgepraegtes Geschichtsbewusstsein besass und seinen Glauben aus der Bibel schoepfte, die ihm goettllche Offenbarung bedeutete und fuer ihn Verheissungen enthielt, von deren Verwirklichung er fest ueberzeugt gewesen ist. Der Lateinamerikanische Kongress in Montevideo Fortsetzung von Seite 1) Betonung der oft bewiesenen Friedensbereitschaft unserer Medinath wiesen sie darauf hin, dass das Gleichgewicht in der Bewaffnung der Staaten die beste Gewaehr sei fuer die Aufrechterhaltung des Friedens, was schon die alten Roemer in ihrem Leitsatz: “Si vis pacem, para betlum” (Wer Frieden will, rueste zum Kriege) zum Ausdruck brachten. Grossen Eindruck machte in der Eroeffnungs-Versammlung die Bekanntgabe der Tatsache, dass Uruguay einige Tage vor dem Kongress beschlossen hat, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen und seinen Botschafter dorthin zu entsenden. Dieses Land, das dem Kongress eine auffallend freundliche und grosszuegige Gastfreundschaft gewaehrte, ist somit das erste, das den Anspruch auf die Hauotstadt Jerusalem auädruecklich unterstuetzt. Die Tatsache, dass die prominentesten Nichtjuden der lateinamerikanischen Laender sich den Standpunkt und die Forderungen Israels voll und ganz zu eigen machten, fand ihren dokumentarischen Ausdruck in der historisch bedeutenden sogenannten “Erklaerung von Montevideo”, die wir an anderer Stelle bringen. CURT WILK (Buenos Aires) Die Bescheidenheit Als der Wunderrabbi ueber den dicken Folianten an seinem Tisch eingeschlafen war, Flues terten die Schueler einander allerlei Lob ueber ihren grossen Lehrer zu. “Er ist so gelehrt wie Hillel”, sagte der eime. “Seine prophetische Gabe ist gross wie die von Moshe Rabbenu”, ruehmte der andere. “Den letzten Bissen wuerde er mit den Armen teilen”, so der dritte. Und der vierte: “Sein eiserner Wille versetzt Berge!” “Shim’on, der Gerechte koennte sein Schueler gewesen sein”, fluesterte der fuenfte. Da erhob sich der gross Zeitgenosse und reklamierte: “Und von meiner Bescheidenheit sagt keiner etwas?!”. Nicht weniger wichtig und notwendig war der zweite Hauptzweck des Kongresses, naemlich die Aufruettelung des nationaljuedischen Gewissens in der suedamerikanischen Galuth. Es ist leider nicht zu verkennen, dass sich seit Gruendung der Medinath die zionistische Aktivitaet weiter Kreise unseres Volkes auf den Beitrag zur Magbit und eine ebenso wohlwollende wie distanzierte Anteilnahme an den Problemen und Ereignissen in Israel beschraenkt. Das aber ist bei der jetzigen Lage der Dinge nicht genug. Und so haben Dr. Nahum Goldmann vom Weltkongress und der israelische Minister Moshe Carmel, die im Mittelpunkt des Kongresses standen, darauf hingewiesen, dass das, was bisher in dieser Richtung geschehen ist, jetzt unzureichend erscheint. Der Augenblick erfordert mehr von uns, die wir bequem und gesetzlich geschuetzt unser “Leben” in diesen Laendern ruhig geniessen. Daher haben die Arbeitskommissionen, in die sich der Kongress hach den (vielleicht allzuvielen) Eroeffnungsreden geteilt hat, praktisch wertvolle Beschluesse gefasst, die sich auf eine wesentliche Verstaerkung der Arbeit bezueglich der Bonos, Inversionen und Aliah beziehen. Darueber hinaus wurde einstimmig beschlossen, aehnlich wie in den Zeiten der Makkabaeer, eine Gemeinschafts - Aktion einzuleiten und an die geschlossene juedische Solidaritaet der Jugend zu apDellieren. Juedische junge Müenner aus aller Welt muessen in diesen Stunden der Gefahr dem Staat Israel zeitweilig ihre Arbeitskraft zur Verlegung stellen, damit die, die dadurch entlastet werden, sich mehr der Landesverteidigung widmen koennen. Die begeisterte Aufnahme, die diese Anregung bei den sehr zahlreich erschienenen Vertretern der Jugend-Organisationen gefunden hat, laesst hoffen, dass dadurch eine wirksame neue Kraftquelle fuer Israel erstehen wird, die allein schon geeignet waere, die Kriegsgefahr zu vermindern, da die Erstarkung des Gegners dem Angreifer die Lust am Angriff vergehen laesst... Es wurden auch alle hierbei etwa zu erwartenden Schwierigkeiten in Erwaegung gezogen, deren Ueberwindung angesichts der aussergewoehnlichen Lage kein ernstes Problem darstellen darf. Die persoenliche Aussprache mit den Vertretern anderer Laender (es waren mehr als tausend Delegierte gekommen) und die Debatten in den Arbeitssitzungen haben sich als ungemein nuetzlich erwiesen, um die Gemeinsamkeit mancher Probleme zu erkennen. So ist z.B. die Gefahr, dass die Jugend den Kontakt mit der Tradition verliert, in Argentinien ebenso gross wie bei uns, obwohl dort dagegen mehr getan wird und viel groessere Mittel zur Verfuegung stehen als hier. Die Notwendigkeit des Weiterbestehens der Galuth als wirtschaftliches und moralisches “Hinterland” fuer Israel (jetzt auch von den energischesten Verfechtern der integralen Aliah anerkannt) wurde natuerlich bestaetigt und viele lokale Probleme der juedischen Gemeinden zur Sprache gebracht. Die chilenische Delegation, in der Vertreter des Comité Representativo, der Federación Sionista, unserer Gemeinde, des Vaad Hajinuj, der Bené Berith-Logen und vieler juedischer Vereinigungen und Jugendbewegungen ihr e Mitarbeit zur Verfuegung gestellt haben (insgesamt 33 chilenische Delegierte), hat durch ihre besondere Aktivitaet einen Presidenten und einen Sekretaer des Kongresses, sondern hatte auch in drei (von den vier) Arbeitskommissionen den Vorsitz inne. Was den praktischen Erfolg des Kongresses anlangt, so erklaerte Dr. Goldmann mit der ihm eigenen Deutlichkeit: Ob ein Kongress ein guter oder ein schlechter war, das sieht man gewoehnlich erst auf dem nachfolgenden. Im gegebenen Fall aber darf das nicht gelten. Das Weltjudentum kann es sich nicht leisten, vielleicht nach zwei oder drei Jahren rueckblickend festzustellen, dass auf diesem Kongress sehr schoen und sehr viel geredet, aber keine praktische Arbeit geleistet wurde. Daher muessen wir alle, ohne Ausnahme, unsere ganze Tatkraft dafuer aufwenden, dass die Beschluesse des Kongresses nicht auf dem Papier bleiben und dass der notwendige Gesamt- Einsatz unseres Volkes auch wirksam in Erscheinung tritt. Nur so koennen wir unsere juedische Pflicht erfuellen und dazu beitragen, dass die Existenz der Medinath endgueltig gesichert bleibt.

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