Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVIII (1956)
- Issue
- 4 (Abril, 1956)
- Date
- 1956-04-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Abril, 1950 BOLETIN INFORMATIVO AUCH DAS IST AMERIKA Von Uriel Zimmer Der Begriff “USA." assoziiert sich im Gedankensrang des Auslaenders mit einem gewissen, nicht immer sympathischen Bild der Ober. flaechlichkeit, der Business- Versunkenheit u. dgl. Auch in juedischen Kreisen erv/eckt der Gedanke an das “juedische” Amerika nicht immer die rosigsten Bilder Man stellt sich etwa einen abgeschmeckten ‘Allright.nik’ vor, oder im beiten Fall einen etwas naiven, wohlmeinenden Assimilanten, dessen Alfa und Omega im Judentum sich in Almosen und Wohltat summiert. Nicht viele Juden, insbesondere im Auslande, wissen, dass es auch noch ein ganz anderes Amerika gibt, das vielleicht, in gewisser Beziehung noch auf einen Koium. bus wartet. Im unabwendbar scheinenden Prozess des totalen Aufgehens im “Schmelztiegel” des amerikanischen Eillebens scheint sich waehrend der letzten Jahre eine Aenderung, wenn auch nur in kleinem Masstabe, vollzogen zui ha. oen, Innerhalb der amerikanischen Judenheit, namentlich bei der Jugend, besteht auch eine Bewegung in umgekehrter Richtung, eine Art Rueckkehr zu sich selbst, zu originaler Urjuedischkeit, wie sie oft auch die Eitern, manchmal selbst die Grosseltern der betreffenden Jugendlichen vielleicht nicht mehr ausuebten. Es soll dabei hervorgehoben werden dass hier in erster Reihe von der in Amerika gebuertigen und erzogenen Jugend die Rede ist, wenngleich die hier besprochene Bewegung durch Immigranten einer spaeteren Epoche stimuliert wurde. Wie gesagt, hat sich im amerikanischen Schmelztiegel auch so manches geaendert. Sozialere Gesetzgebung, Ae,n. derungen im Wirtschaftssystem u. dgl. bewirkten, dass —um nur ein Beispiel zu bringen—, das Halten der Sabbatruhe nicht mehr so unüberwindlich schwer ist, wie es etwa vor einem halben Jahrhundert gewesen war. Die fast modern gewordene, allgemein propagierte “Rueck kehr zur Religion” in der amerikanischen Öffentlichkeit, das andererseits totale Abflauen aller Arten “anar. chistischer" Bewegungen - all diese Erscheinungen sind auch in juedischen Kreisen nicht ohne Einfluss geblieben. Die vor einem halben oder Vierteljahrhundert Eingewan. derten die ihre juedischen Religionspflichten oft — sei es aus innerem Drang nach vermeintlicher ‘Freiheit’ .oder Bequemlichkeit, sei es durch aeusseren Zwang der Um. staende — ueber Bord gewor. fen hatten, sind inzwischen Vaeter und Grossvaeter geworden. Deren Kinder oder Enkelkinder sind als vielleicht naive, aber vorurteilslose Amerikaner herange. reift. Fuer diese zweite oder dritte Generation ist die ame. rikani-che Lebensweise eine Selbstverstaendlichkeit, in die sie hineingeboren sind. Sie hat fuer rie nichts von den Reizen und Lockungen der “neuen Welt” an sich, die sie etwa ihren E11 er n oder Grosseltern seinerzeit zu bieten schien. Dies sind aber bloss beste, hende Tatsachen und Sachlagen, at^trakte Tendenzen, die ohne praktisch leitende Hand vielleicht nie zu tat. kraeftigem Ausdruck gekommen waere. In der Tat gab es einige solcher leitenden Haende und jede hat im Bereiche ihrer Taetigkeit Grosses vollbracht. In diesem Rahmen soll jedoch nur eines dieser Bei^i^le, vielleicht das fundamentalste, weitreichendste una verzweigteste in diesem religioe :en Renaissanceprozess, erwaehnt werden. Aus den in Flammen, und Bombenrauch aufgehendp.n Truemmern Warschaus entrann im Jahre 1940 eine der fuehrenden PersoeniicnKenen der juedischen Welt und rettete sich nach den Vereinigten Staaten. Dem “Lubawitscher *) Rabbi”, Rabb. Isaak Jcsef Schneerson s. A. war es geglueckt, sich ueber das damals noch freie Lettland und Schweden mit dem letzten von dort ausgehenden Passa. gierschiff nach New York zu gelangen. Fuer diesen schwer. geprueften Mann war dies nicht das erste Entrinnen aus Todesgefahr. Er war es gewesen, der als letzter noch, trotz aller atheistischen, be. hoerdlich aufgezwungenen und durch juedische Agenten noch grausamer durchge. fuehrten Propaganda, sein Werk fuer die Aufrechterhaltung traditionellen Judentums im Sowjetreich offen und unerschrocken weiterge. fuehrt hatte. Dieses total unpolitische Werk, hatte er tets betont, sei in keinerlei Gegensatz zur sowjetischen Konstitution. Denunzianten, namentlich seitens der be. ruechtigten sog. “Jewsekzia” bewerkstelligten aber sei. ne Verhaftung im Jahre 1927 und er wa»- ernstn-Ti mit Todesstrafe bedroht. Es war ein fast uebeinatuerliches Wun. der, da s er dann, ueber Inte r v e n tion auslaendischer Freunde, freigelassen wurde, aber das Land seiner Geburt und Wirkung und seine Tausend und Abertausende von Getreuen verlassen musste. Kaum dreizehn Jahre s;ae. ter fand ihn der zweite Weltkrieg in Polens Hauptstadt, wohin er seine Taetigkeit verlegt hatte. Die koerperlichen und seelischen Leiden, die russischen Gefaengnisse und Straeflingslager im Uralge birge, die Wanderungen und die allgemeine Katastrophe deren Wolken sich schon damals ueber dem juedischen Himmel zu-ammenzogen, machten ihn zum koernerjip/h gebrechlichen und leidenden Manne, geistig aber staerkten diese seinen Mut zu ucppeit eifriger Taetigkeit. Nun hiess es abermals den Wanderstab ergreifen und,, wie gesagt, langte er im Fruehlimg 1940 in der neuen Welt an, nach einem gefahrvollen Entrinnen aus dem Reiche des Todes. In Amerika angelangt, sprach der koerperlich schwer Versehrte aber geistig und seelisch voellig unveraenderte Rabbi: “Die Vorsehung hat mich nicht in dieses Land gebracht, um dessen Fruechte zu geniessen oder mich an seiner Fuella zu saettigen". Schon beim ersten Betreten des freien Bodens Amerikas proklamierte er des Ziel, das er sich gesetzt hatte: eine geistige Renaissance im amerikanischen Judentum ins Leben zu rufen. Der Lubawitscher Rabbi war fast ohne Landsleute oder Anhaenger in Amerika angelangt. Auch die Zahl seiner bereits in Amerika an aessi. gen Getreuen war eine sehr geringe. Fast ganz allein, begleitet nur von wenigen Familienmitgliedern und Freunden war es ihm gelungen, mit dem letzten noch verkehrenden Schiff den New Yorker Hafen zu erreichen. Trotz dem geistig trueben Bild, das die damalige amerikanische Judenheit bot, ging er mit der ihm eigenen grenzenlosen Zuversicht unerschrocken ans Werk. Die Resultate ueb'utrafen jede Erwartung. Innerhalb weniger janre war es ihm gelungen, nicht nur den alten Lubawitsch auf amerikanischem Boden ein. zupflanzen, sondern auch, weit darueber hinaus, die von ihm erstrebte Renaissance im juedischen Leben dieses grossen Landes buchstaeblich aus dem Nichts zu erschaffen. Innerhalb kurzer Frist gelang es ihm, ein jugendliche - Heer tapferer Pioniere zu re krutieren, die stets bereit sind, den niemals verloeschenden juedischen Funken auch in den Herzen der Entfremdeten wieder zu neuer Glut zu entfalten. Dabei handelt es sich meistens um in Amerika gebuertige Jugendliche, die dieses Heer bilden. Er begnuegte sich nicht damit, die beruehmte Lubawitscher Jeshiwa von einst in Brooklyn neuzugruenden bensziels voll bewusst ist. Das letztere ist naemlich keineswegs das Schaffen eines abseits des Lebens stehenden Winkels, sondern, umgekehrt, das Hineindringen urjuedischer Lebensweise in alle Schichten der Judenheit. Im Februar 1950 verschied der Lubawitscher Rabbi s. A., betrauert von der gesamten juedischen Welt. Sein hier begonnenes Werk aber hatte er getreuen Haenden an. vertraut. Sein Schwiegersohn und Nachfolger, der jetzige Lubawitscher Rabbi, Mendel Schneerson, war noch zu Lebzeiten seines Schwiegervaters als Leiter des Erziehungswerkes und der litera. ri chen Abteilung taetig. Lubawitsch hatte sich in. zwischen mit Riesenschritten entwickelt. Nach Ende des Krieges war eine Gruppe von Juengern des Lubawitscher Rabbi ueber Japan und Chi. na in Amerika angelangt. Eine weitere Gruppe von Chassidim aus Russland liess, sich nach langem Wandern ueber die Fluechtlingslager Europas, in Amerika und anderweitig, nieder. Bewusst oder unbe. wus t, hat sich ihr Einfluss in der allgemeinen Amerikaner Judenheit geltend gemacht. Der amerikanisch geborene Jeschiwa-Juenger, der amerikanisch - geborene “Chassid” ist heutzutage kein Novum und keine Raritaet mehr. Die Erscheinung als Ganzes kann als neues Amerika, und zwar nicht ein im verborgenen Einsiedlerwinkel, sonder inmitten der juedischamerikanischen Wirklichkeit, betrachtete werden. Sie bedarf nur eines Kolumbus... Dr. Felix A. Theilhaber S. A. mengefasst war. Ein aktiver Sportler ist er bis ins Alter hinein geblieben. Nach der Rueckkehr aus dem Felde ver. oeffentllchte er zwei Buecher, die im Zusammenhänge mit der Frontkaempfertaetigkeit zu verstehen sind: streckte sich viel weiter als der eigene Kreis. In einer ganzen Reihe von Provinz, staedten, die vielleicht nie vorher wahrhaft juedische Erziehung gekannt hatten, wurden Lehranstalten fuer Kna- * Nach der weissrussischen Stadt Lubawitsch (Kreis Witebsk), seiner Geburtsstadt und der Wirkungsstaette fast aller Generationen der Fuehrer des sg. “Chabad” Chassidismus. Aus Tel Aviv kommt die Nachricht, dass dort im 72. Lebensjahre der bekannte Arzt, Soziologe und Schriftsteller Dr. Félix A. Theilhaber verstorben ist. A s Sohn des grossen Gynaekologen. Hofrates Dr. Adolf Theilhaber zu Bamberg ¡“Juedische Flieger im Welt- 1884 geboren, hatte Felix A.! kriege” und "Beruehmte jue- Theilhaber bereits in jungen dische Aerzte” dienten zu- Jahren ueber eine ausgedehn- I gleich dazu, der antisemitite aerztliche Praxis als | sehen Propaganda entgegen. Hautspezialist im Westen der zuarbeiten und juedische Ehehemaligen deutschen re zu verteidigen. Einige Jah- Hauptstadt verfuegen K^enre darauf erschien der Ro- Nein, seine- Perspektive er. nen. Sein Ruf war bald so man aus der Zeit Rembrandts gross, dass er viele oeffentli- und Spinozas “Dein Reich che Vorlesungen in medizi komme” und fand gleichfalls nischen Gesellschaften halten starkes Interesse, auch bei konnte. Im Jahre 1911 erreg- Nichtjuden. Darueber hinaus te eine von ihm verfasste pub izierte der vielbeschaef- Schrlft betraechtliches Auftigte Arzt zahlreiche Abhand- ,_ . , , sehen in den weitesten juedilungen in medizinischen und Maedchen gegruen.1 SChen Krei en; “Der Unterzionistischen Zeitschriften bfr-^hpn^rnfoi«11sang der deutschen Juden” und Broschueren und hielt Sas^er p^6 Mpilt pr lautete der Titel und ihr Au_ Vortraege im “Verein soziales Chassidismus ^lpichlpftlo tor’ der Sozio °Se Theilhaber,! üstischer Aerzte”, was dann, auch leicht ^eaenriich^ lf ,brachte darin zum Ausdruck, nach 1933, die Nazis veranteraturln enghsche^hebraei' I dass die Judenheit Deutschlasste, ihm, trotz der Frontscher, jiddischer ia aimh lands infolge der zunehmenkaempfertaetigkeit die Ausuefranzoesischer Sprache verden Austritts-und Mischebung der aerztlichen Praxis oeffentiieht, und zwar fuer henbewegung der Zerset- Zu verbieten. 1934 ging Theilalle Alters —und Gesellzungsgefahr, dem Unterganhaber nach Erez Israel, bauschaftsschichten, um sie dem Ue> frueher oder spaeter zum te sich die berufliche Exis- Originaljudentum nahezu. ¡°Pîer fallen muesste, zumal, tanz erneut auf und war bis bringen. Die Kinder— und wenn die Kraeftezufuhr von zuietzt Leiter einer grossen, Jugendzeitschrift “Talks and frueher, das oestliche Judenueber ganz Israel verbreite- Tales” (monatlich in sépara, tum keinen bedeutenden Einten Arbeiter Krankenkasse, ter englischer, jiddischer und! fluss mehr ausueben koennte. Dennoch vermochte er in franzoesischer Auflage er- 1 Zum ersten Male war diesen letzten zwanzig Jah scheinen) verdient woh) hier das moderne statistische auch in diesem Rahmen be. Material zu dem Zwecke zusondere Erwaehnung. jsammengefasst worden, um Es ist hier nicht beabsichden fortschreitenden Assimitigt, die Taetigkeit von Luba. lationstendenzen entgegenzuwitsch in Amerika (die sich wirken. Nur der Zustrom leuebrigens Jeeinesweg auf bendiger Volkskraefte aus . s,~ ’ ’ Osteuropa und die Erneuerung des juedischen Volks Amerika beschraenkt, sondern die ganze freie juedisehe Welt umfasst) selbst nur tums auf dem Boden von in groben Umrissen zu ueber. Erez Jisrael koennten den blicken. Alles Obige wurde ¡Verfallsprozess aufhalten. ren seine soziologische Forschungsarbeit weiterzufuehren und historische Studien zu treiben. Er verfasste einen Atlas von “Israel in seinen historischen Grenzen” und schrieb u. a. ein Buch “Acht Schicksale”, welches Biographien von Stefan Zweig, Walther Rathenau, Albert Ballin u. s. w. enthaelt und das, auch in spanischer Sprache, nur angefuehrt, um dem Le. Trotz des Widerspruches, die | in Buenos Aires erschien und ser ein Bild der praktischen ¡Theiihabers Broschuere da- Bewerkstelligung dieses Re.'ma;s fand setzte eine Eroernaisianceprojekts zu bieten. terung der Probleme ein, und die juedische Oeffentlichkeit Amerika inmittpn dpr nnl ,ale Jueiuacne ucucuu«,un=iii xeressanie laratmos’ohaere ein ganz musste slch mit dem Werke wendung. laraimossnaere, ein g a n z , t —r«. das Interesse weitester Leserschichten fand. Viel neues Material kam in diesem interessanten Buche zur Verneuer bisher unbekannter i des oloetzlich sehr bekanntge Typ entstand: Der Typ eines j wordenen Arztes und Schriftregelrechten Amerikaners von i Stellers beschaeftigen. Geburt, der aber ein ebenso,1 Theilhaber fand bereits als ja vielleicht noch regelrechte. Student den Weg zur zionisrer “Chassid” ist. der seine tischen Bewegung und wurde Gesinnung ausserlich wie einer der Mitbegruender der innerlich stolz traegt und sich juedischen Sportbewegung, seiner Aufgabe, seines Le. die im “Makkabi” zusam- Dr. Felix A. Theilhaber ist ueber den Kreis der zionistischen Bewegung hinaus sehr geschaetzt worden, und sein unerwartetes Ableben duerfte atich ausserhalb Israels tiefes Bedauern hervorgerufen haben. Curl Wilk (Buenos Aires).