Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVIII (1956)
- Issue
- 4 (Abril, 1956)
- Date
- 1956-04-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/8553624-8556986-9194177--1766-8557030- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
BOLETIN INFORMATIVO Abril, 1986 GEDANKEN ZUR JUEDISCHEN JUGENDERZIEHUNG von Juan Aufrichtig Nicht nur in Chile, sondern in ganz Amerika stent heute die Frage aer Zununft der juedische-i Jugend im Mittelpunkt der Eroerterungen. Aui den Kongressen aller Art, in Versammlungen jedweder Organisation im Schosse der jugenaöacnue, kurzum ueberali wj Juden sich zusammenfi-den, steht dieses Thema an erster Stelle. Gibt es eine Krise der juedischen Jugend? Steht die Zukunft unseres Volkes vor der Gefahr voelliger Assimilation? Oder beanjen wir uns nur in derselben Situation, die das Jude .tum in der Galuth stets ins Auge zu fassen hatte und aus der uns auch heute der Druck der Umstaende, das Vorbild Israels und dtr Instinkt des Ueberlebenwollen retten werden? Bevor wir diese Fragen beantworten, wollen wir zunaechst unsere augenblickliche ha ge betrachten. Der groessere Teil der heutigen Jugend ist entweder in Amerika geboren oder als kleine Kinder ins Land gekommen; das bedeutet,; ¡dass diese Jugend das Schicksal der europaeischen Judenheit nicht selbst erfahren hat, sondern es nur vom Hoerensagen kennt. Sie befindet sich heute in einer wirtschaftlich gesicherten Situation, der Antisemitismus ist praktisch nicht fuehlbar, Sprachschwierigkeiten oder U kenntnis der hiesigen Lande.sitten bestehen nicht. Das Vorbild, das diese Jugend vor sich sieht, ist die Kultur und die Leistung des Gastlandes, die trotz oekonomischer und sozialer Schwierigkeiten ein nachahmungswuerdige3 Vorbild zu bieten scheint. Werte juedischer Art sind, seien wir ehrlich, nur in beschraenkter Form sichtbar, moegen es religicese Werte sein, die meist unverstaendlich bleiben, moegen es kulturelle Werte sein, die nur tropfenweise u d in Form von UebErsetzungen greifbar sind, oder moege es auch das Verbild Israels sein. Ein Familien leben traditioneller Form besteht weder in religiceser noch in nationaler Form; die oeff entliehen Veranstaltungen entbehren fuer den jungen Menschen jeden Reizes und nicht selten auch jeder Wuerde, und wo es dramatische M'me te gibt, sind es leider nur zu haeufig Auseinandersetzungen p o 1 i t ischer Art, die hoechstens Schaden anrichten. Ist es zu verwundern, das die Jugend sich vom Judentum abwendet? Mir scheint eher ein Wu der, dass es heute eine juedische Jugend gibt, die trotz Allem versucht, einen eigenen Weg zum Judentum zu finden. Was moegen wohl die Gruende sein, die einen jungen Me sehen juedischer Abstammung bewegen, seinem Volke und seinen geistigen Werten treu zu bleiben? In erster Reihe ist es die Abneigung, die Bahn der Vorfahren zu verlassen, eine Ha dlung die stets als Verrat angesehen und als daher veraechtlich betrachtet wird. Hierzu gshoert auch der Wunsch, bei den Seinen zu bleiben und die Trennung von Familie und Freunden zu vermeiden. Doch sind dies nur gefufchlsmaessige Gruende, die durch andere ge Bedrohung unserer Jugend durch Mischehen. In zweiter Reihe ist es das grosse Ansehen, d^is unsere Religion und Kultur unter allen Voelkern ge iesst. Dieses Ansehen stuetzt sich auf die Bibel, das aelteste Kulturdokument und der Ursprung aller westlichen Religionen. Leider ist dieses Dokument den christlichen Religionen mehr vertraut als uns, und ein trauriges Zeichen unserer geistigen Situation kennzeichnet der umstand, dass in den meisten Familien uie Kenntnis und das Lesen der Bibel ..ur selben anzutreffen ist. Der dritte Grund ist die Gruendung und Entwicklung des Staates Israel. Aber auch hier stossen wir auf eine nur beschraenkte Kenntnis der Bedeutung dieses Vorganges, der sich nur zu haeufig auf einen billigen Patriotismus, um nicht zu sagen Nationalismus beschraenkt, der manchmal zu dem Problem der doppelten Treue zu dem Gastiande oder Geburtslande und zu Israel fuehrt. Der junge Jude befindet sich also in einer Situation, wo er entweder nur gefuehlsmaessig reagiert, etwas anerkennt, was scheidene wirtschaftliche Po- . sition erreicht hat, im Ver- [ gleich zu dem gesicherten Keichtum des juedischen j Buergei'bums in Mitteleuropa. Eine Assimilation aes Vaters,! der die deutsche Kulturerb-: Schaft in sich traego ist also kaum gegeben. Heute ist der Vater haeufig zionistischer als der Sohn, was im uebri- | gen auch auf die aus Osteu- | ropa stammenden Kreise zutrifft. Wie man sieht, hat ach also die psychologische ■ Situation zwischen Vater und Sohn veraendert. Trotzdem gibt es auch heute juedische Jugendbuende in Südamerika, sowonl chaluzischer als auch anderer Natur, und wenn sie auch nur einen Bruchteil der Jugend umfassen, so sind sie doch das Instrument, das die Bruecke zu unserer juedischen Zukunft schlaegt. Es Johnt also, dieses Instrument etwas naeher zu betrachten. Was zunaechst die chaluzischen Buende anlangt, so habe i sie sich alle aus unpolitischen Anfaengen zu einer erst zionistischen und spaeter politisch definierten Weltanschauung entwickelt, die in einem bestimmte i Zeiter nur von Hoerensagen kennt °u.nkt e*ner. orgmischen oder sich in einer Zwangslage befindet, die ihn vor unioesbare Konflikte stellt. Arthui Ruppin hat einmal in seiner “Soziologie der Juden” dargestellt, dass die Staerke der Assimilation umso groesser ei, je hoeherstehend die Kultur des Gastlandes ist. Nach dieser Theorie haette aisn rHe Assimilation in dem Vorhitler Deutschland groesser sein muessen als in dem heutigen Susdamerika, um so mehr, als Israel damals noch nicht existierte. Leider ist iies nicht der Fall. Es mues- -en also Gruende v’ri’porn, die diese Theorie ueberschaten. Mir schei t dies darin m bestehen, dass eine eigene Kraft des juedischen Lebens, ■'is z.B. in Deutschland noch bestanden hat, in der heutigen Galuth nicht mehr Vorhände' ist. Daran kocnnen alle Institutionen ^seien sie religiceser, sozialer oder sonstiger Art. nichts aendern. Wir wissen dass in Europa die juedi'chei Jugendbuende und Studentenverbindungen die Traeger der juedischen Rena hsa nee waren un d dass sie meistens eine Rebellion gegen die Lebensauffassu~e der Vaeter bedeuteten. Dies bezog sich sowohl auf die politisch-kulturelle Seite dieser Lebensauffassung, als auch auf ihre soziale Weltanschauung. Das drueckte sich zum Beispiel in einer Liberalisierung der streng religioesen Auffassung des Vaters" aus, oder in der Hinwendung zum Zionismus, icht sehen jedoch in einem Bekennen zu der Rupckkehr zur Handarbeit, verbunden ml4* einer sozialistischen Weltanschauung. In i°d’°m Fall war in dem Deutschland der zwanziger Jahre die Aufleh- Verbundung mit der entsprechenden Partei in Israel gelangt ist. Alle diese Buende habe i einen entschieden sozialistischen Charakter mit dem Endziel des Kibbuz” und der Alijah der herangewachsenen Jugend nach Israel. Es liegt in der Natur dieser Entwicklung, dass nur ein relativ kleiner Teil der Mitglieder dieser Buende dieses E - dziel verwirklicht und dass eine wirklich tiefe Ueberzeugung des Ideals der Kibbuzbewegung vorhanden sein muss, um von den Fleischtoepfen Chiles zu dem entsagungsvollen Leben im Kibbuz ueberzugehen. Eli weiterer, ebenfalls kleiner Teil entschliesst sich spaeter in Israel einer individuellen Laufbahn nach zun gehen, sei es als Kaufmann oder Akademiker. Der Rest, der nicht selten aus Anhaenglichkeit an seine Familie auf sein Israelideal verzichtet hat bildet oft ein wertvolles Element innerhalb der anderen Jugendbuende oder der juedischen Organisationen. Die anderen Jugendbuende entstehen zunaechst aus Gruenden sozialer oder sportlicher Natur mit der wohlwollenden Billigung der Eltern, die zwar ihre Kinder juedisch erziehen wollen, aber mit Sehrecken der Moeglichkeit einer Uebersiedlu'g nach Israel entgegensehen. Ein solcher Bund, falls er nicht ein reiner Sportklub mit juedischem Namen sein will, steht vor der Aufgabe ein Ideal zu zeigen, das dem jungen Menschen einen Weg weist aus seinen Zweifeln und Konflikten. Im Alter von etwa 15 Jahren beginnt gewoehnlich der Wunsch zu ei er eigenen Weltarschaunen Bund auf “unpolitischer” , Basis oder unter Beooacntung! traditioneller Werte in enger Weise zu organisieren, kann nun mit Sicherheit eine Stagnation und „p^eter ein Scnehern Voraussagen. Ebenso darf die Intervention Erwach .euer nur in sehr behutsamer Weioe erfolgen und muss unter allen Umstaenden; vermeiden, die eigene Anschauung der Jugend auf zwingen zu wollen. Sie muss sich vielmehr darauf beschraen- Ken, Kenntnisse zu vermitteln und Hilfe anzubieten; muss bereit sein, persoanliche Opfer zu bringen, oh„e eigene Forderungen zu stellen oder die eigene Einstellung als Vorbild anzupreisen. Denn Jugend ist nicht nur kritisch, sondern auch aeusserst empfindlich und auf die Wahrung ihrer Unabhängigkeit bedacht. Die Ausstrahlung des Landes Israels ist schon heute so stark, dass kaum eine Jugen^gruppe sich diesem Einfluss entziehen kann. Insofern wird frueher oder spaeter die Richtung dieser Gruppe zionistisch sein. Andererseits besteht auch heute unter der studentischen Juge .d ein starker Zug nach links. Es haengt dies einerseits mit dem Ideal der sozialen Gerechtigkeit zusammen, das mit Suedamerika nur zu oft mit Fuessen getreten wird, andererseits besteht auch hier eine Ausstrahlung der asiatischen L^ender(und nicht nur der kommunistischen), die die amerikanische Jugend beeindruckt. So liegt also der dynamische Akzent auf dem Begnff “progressiver Zionismus”, auch diesmal zum öcnrecken vieler Vaeter. Demgegenueber wird dann das Ideal der juedischen Kultur in der Galuth proklamiert. Es hat so etwas aehnliches in Deutschland gegeben. Ob und weshalb diese Galuthkultur versagt hat, ist hier nicht der Ort zu eroertern. Dass aber ein solches Ideal hier ganz anders aussehen muss, sowohl aus Gruenden der geographiscnen als auch der historischen Verschiedenheit der Umstaende, liegt auf der Hand. U -d trotz der Grossartigkeit unserer Gemeindehaeuser, Synagogen, Sportplaetze und Clubanlagen ist eine ideologische Grundlage einer solchen Kultur nicht sichtbar. Vielleicht noch nicht sichtbar. Die Zeit draengt, wir kee nen uns nicht leisten, kostbare Jugend zu verlieren. Es gilt, wie Kurt Blumenfeld einmal gesagt hat, die Frage des Judentums zu loesen und nicht der Judenheit. Zu oft haben wir zu spaet und zu wenig getan. Das Zielwort, dass jede Familie einen Vertreter i.i Israel haben muesste, ist kein Propagandaschlagwort, es ist eine Antwort an die Jugend. In Wahrheit die einzige Antwort, die uns vor der Assimilation retten kann. Und diese Antwort darf nicht nur von den chaluzischen Jugendbuenden kommen, sonder von jeden Leiter juedischem Lebens der wahrhalft an der Erhaltung des Judentums interessiert ist. ZU FAMILIEN - FESTLICHKEITEN Telegramme, Blumen-Ablocsungsspenden, Baeume, Goldones Buch, Bar—Mizwah—Buch, Kinder—Bucha des KEREN KAJEMETH LEJISRAEL Telefonische Bestellungen: 330S6 (Gemeinde) oder 87707 nung gege" den Vater nicht ung und damit die Erkenntnur das Thema der deutschen N1 ebkriegsiuger d. son- Hcrn auch d°r juedischen. Der na tue liehe Drang, etwas anderes zu sem als der Vater, der zu allen Zeiten bestanden hat. ist nun u~ter der ein gewanderten deutschiuedischen Juerend durch die fuehlsmaessige G e genstroe- Tatsache gegeben, dass der mungen zum Beispiel erotischer Art verdraengt werden koennen. Daher die grosse Vater dem spanischen Kulturkreis fr°md gegenuebersteht und dass er eine nur benis dass “wir nicht so sind wie andere Voelker”. Fs gilt also, neue Werte aufzufinden, eine Aufgabe, die jede Generation fuer sich loesen muss. Dass dies mit ei ". er Kritik des Bestehenden anfaengt, und dass alle Theorien eine’- neuen Ordnung, seien sie wissenschaftlicher oder politischer Natur untersucht werden, liegt auf der Ha~d. Wenn nun versucht, wird, ei- DER ANTLITZ DER JUGEND Nicht nur Zahlen, Arbeit und Kampf stellen das Gesicht des jungen Landes dar... (Foto: “Israel Pieture Calendar”)