Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVIII (1956)
- Issue
- 3 (Marzo, 1956)
- Date
- 1956-03-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Marzo, 1950 BOLETIN INFORMATIVO DREIHUNDERT JAHRE JUDENEMANZIPATION IN ENGLAND gemein wird anerkannt, dass fuer die Juden kein Konflikt der Gesinnungstypue besteht. Dieses Vorbild eines Ausgleichs zwischen zwei Gemeinschaften ist besonders aus zwei Gruenden bedeutsam. Es steht in staerkstem Gegensatz zu der Vorstellungs weit des westlichen Nationalismus, und es steht in Einklang mit einer “Grund- , stroemung der Zukunft". Der Die englischen Juden haben I xander su nennen. Herbert | Nationalismus fordert Assi Von Arnold J. Toynbe® Toynbee ist unseren Lesern zweifellos als der groesste zeitgenoessische Historiker bekannt. Im Folgenden bringen wir —auszugsweise— einen Artikel, dessen Allein-Veroeffentlichungsrecht den Verlagshaeusern des “Observer” und der “Neuen Zuercher Zeitung” gehoert. Der Autor befasst sich darin mit der in dieses Jahr fallende DreihundertiahHVier der Wiederzu lassung der Juden in England, die 1656 unter der Herrschaft Cromwells erfolgte. allen Grund, sich dieses Datums zu erinnern; an den Gefuehlen des Stolzes und der Hoffnung, die es in ihnen erweckt, duerfen aber ‘auch die nicht juedischen Buerger des Landes sowie die Juden ueberall in der Welt teilhaben. England war in der Ge- Samuel (Lord Samuel) ist | milation, weil er Einheitlichstaatsmann und Fhilosoph.! keit und Gleichfoermigkeit Diese ausgezeichneten Maen-| erstrebt: er erhebt den Ruf volksmaessig gemischter Staa der Scholle haftende Bauer. Aber diese alte Gesellschaftsordnung wird in zunehmendem Masse durch die industrielle Revolution zerstoert, die zur Entwicklung grosser Staedte fuehrt, deren Bevoelkerung sich aus allen Laendern der Welt rekrutiert; das ist eine Folge der “Aufhebung der Distanzen’ durch die Technik. Die ge waltigen Kraefte, die he”' ' am Werke sind, verwandeln die alte Welt homogener Nationen in eine neue Wel. ner und ihre Schoepfungen! nach einer einheitlichen Nazaehlen zum gemeinsamen Besitz der Judenheit und der Briten. Das mittelalterliche Kapitel der juedischen Geschichte hatte einen scheusslichen schichte der Neuzeit nicht das : Schluss zu verzeichnen. Ich erste westliche Land, weiches | zeigte in den dreissiger Jahden Juden gastfreundliche ] ren einmal einem deutschen j Er huldigt dem Ideal einer Aufnahme und ertraegliche Jungen die Sehenswuerdig-1 agrarischen Gesellschaft, die tion in einem geschlossenen nationalen Gebiet und fordert von allen Staatsangehörigen ungeteilte Gesinnungstreue. Der Nationalismus spiegelt eine Art voll Gesellschaft, die heute im Verschwinden begriffen ist. Lebensbedingungen bot. Als Manasseh Ben Israel auf einer Konferenz in Whitehajl, die von Cromwell einberufen worden war, die Interessen der englischen Juden verfocht, konnte er sich bereits auf das Beispiel der Toskana nicht ueber mechanisierte keiten der Stadt York. Der Junge war kein Nationalso-i Verkehrsmittel verfuegt; ihi zialist, fuehlte sich aber be-f typischer Vertreter ist der an drueckt durch die Kritik, wel-- drueckt durch die Kritik, wel che in England wegen der! Missetaten der Nationalsoziaj listen und besonders wegen j der Judenverfolgungen an! ten; efe ist klar, dass die Lebensform, welche die juedisch-englische Gesellschaft im Laufe der letzten drei Jahrhunderte geschaffen hat, die einzig moegliche Lebensform der Menschheit im Zeichen der neuen Ordnung ist, der wir so rasch naeher ruekken. Es ist kein Zufall, dass gerade die Juden die Pioniere dieser neuen Lebensform waren. Die Juden kommen aus dem Orient, wo zuerst in der Geschichte eine Zivilisation ins Leben trat, 3000 Jahre vor ihrer Ausbreitung in Wesi europa. Die Geschichte de# Westens im 20. Jahrhundert erinnert an diejenige des Orients im letzten Jahrtausend vor Christus. Weltkriege, Grausamkeiten, die "Aufhebung der Distanzen”, der “Schmelztiegel der Voelker” — alle diese Erscheinungen waren fuer das assyrische Zeitalter ebenso kennzeichnend wie fuer das Zeitalter des Nationalsozialismus, das die heutige Menschheit erlebt hat. Das juedische Rezept fuer die Erhaltung einer Gemeinschaft in einer Welt gemischter Nationalitaeten war die Antwort auf die Herausforderung jener uns fernen Zeit und Landschaft. Es ist aber auch eine Antwort auf die gleiche Herausforderung, vor der wir heute, nach 3000 Jahren, in der westlichen Welt stehen. und Hollands berufen. Spae-1 Deutschland geuebt wurde. | ter tat das von den Idealen Auf einem unserer Spazier-; des Jahres 1.7 8 9 beseelte Frankreich einen weiteren grossen Schritt vorwaerts auf dem Wege zur Emanzipation der Juden: es verlieh ihnen volle Bürgerrechte. Seither haben die Vereinigten Staaten die einstige Rolle des Koenigreichs Polen-Litauen (seit den Teilungen Polens im 18. Jahrhundert die "Juedische Provinz” des russischen Reiches genannt) als Zufluchtsort und Zentrum der weltweiten juedischen Diaspora uebernommen. Die amerikanischen Juden geniessen seit langem weit groessere politische Rechte, als sie ihren Glaubensgenossen in der “Juedischen Provinz” je zustanden, und Amerika erfuellt seit einiger Zeit auch deren historische Aufgabe als Heim- «taette juedlscher Gelehrsamkeit. So stellen also die drei Jahrhunderte juedischer Existenz in England nicht eine Phase der Entwicklung dar, die in der neueren Geschichte des Westens ohne Beispiel waere; wohl aber verdienen sie gewuerdigt zu werden als eine Ermutigung fuer alle Menchen guten Willens. Die vollstaendige Emanzipation der Juden Englands vollzog sich allerdings nicht rasch und ohne Schwierigkeiten. Die Entwicklung bewegte sich aber stetig in der gleichen Richtung bis zu dem heutigen, fuer die Juden so erfreulichen Zustand: sie duerfen ohne Widerstreit der Gefuehle gleichzeitig vollen Anteil am Leben der juedischen Gemeinschaft und der britischen Nation nehmen. Auch wenn man Benjamin Disraeli, der wohl juedischer Abstammung, aber nicht juedischen Glaubens war, ausser Betracht laesst, kann man muehelos die Namen einer Anzahl beruehmter englischer Juden aufzaehlen, die Zeugnis dafuer ablegen, dass man ein guter Jude und zugleich ein guter Englaender sein kann. Unter den juedischen Staatsmaennern — sie waren in allen drei Parteien zu finden — waeren zum Beispiel zu erwaehnen Rufus Isaaes (Lord Reading) und Edwin Montagu, welche 1917 die Wendung in der Frage der Selbstregierung Indiens herbeifuehrten. Unter den Philosophen ist Samuel Alegaenge entdeckte ich auf einem gruen bewachsenen Huei gel einen mittelalterlichen; Ex)siel?z genen Jahrhunderts eine to*1 wir e=rtiniChtS gewusst hatj starke Tauf-und Abfallbewe- Bel taftta ^rt! deutschen Aande “Seht' moedler JTÄ ™ SÄ veätaS durS Ä dem Turm dzusammengetrie^ iaussen> als zahlreiche angeben und dann lebendigen1UHp?np Jlinrpphpr!’ Leibes verbrannt worden wa-j^F1 ¿pfiPwf« ren. Der Junge schaute mich!?a.s geforderte Entreebllschweigend an. Ich konnte let zur europaeischen Kulum 70. Todestage vom ÜLeopold Zvmz| Von Curi Wilk (Buenos Aires) Als zu Beginn des vergansechs Jahre danach, an die , ten und erklaerten, um , Universitaet von Berlin zu1 schliesslich, im spaeteren gehen. Hier blieb Zunz, mit Mittelalter, vom “Darschan”, ganz kurzen Unterbrechun- I dem Prediger, abgeloest zu gen, auch nach Beendigung werden. Spaetere Buecher” der Studien. Er wirkte nach- 1 “Die synagogale Poesie der einander als Prediger, als Lei- Juden”, 1855, “Literaturgeter der “Juedischen Gemeinschichte der synagogalen Poedeschule” und vom Jahre sie”, 1865, bilden gruendliche 1839 an als Direktor eines, Durchforschungen des weitur” loesten, und als sogar unter dem Protektorat des preussischen Koenigs im Jahre 1822 eine “Gesellschaft zur Foerderung des Christentums unter den Juden” ins Leben gerufen werden konnte, gab es eine Gruppe junger juedischer Menschen, das Missbehagen, das ich empfand, nicht durch den Gedanken beschwichtigen, dass das schreckliche Ereignis vor vielen Jahrhunderten stattgefunden hatte; das Jahr 1290 schien mir gar nicht so weit zurueckzuliegen. Alle Buerger Grossbritanniens Nichtjuden wie Juden, muesi die ganz anders reagierte: sen Cromwell dankbar da-! Unter Fuehrung von Leopold fuer sein, dass er eine Wen- Zunz und Eduard Gans schlosdung in den juedisch-eng-! sen sie sich zu einem “Verein lischen Beziehungen herbeij fuer Kultur und Wissenschaft fuehrte.! der Juden” zusammen, weil Die neue und viel gluecklii sie einen Ausweg aus der Juchere Phase der juedischejij dennot nur in einer grundglischen Beziehungen hat nun! legenden Umgesta’tung des 300 Jahre gedauert. Was be- ■ juedischen Menschen erblickrichtet die Geschichte ueber: ten. Die Bemuehungen diediese 300 Jahre? Die juedises Vereins scheiterten, doch i sehe Gemeinschaft in Grossi aus dem misslungenen Varbritannien hat in staendig such erstanden neue anderszunehmendem Mass Anteil i geartete Kraefte. Die weniam Leben der Nation genomj gen Hefte einer “Zeitschrift men, ohne dadurch im gefuer die Wissenschaft des ringsten ihr Recht zu verwir- \ Judentums”, die das kurze ken, den juedischen religioei Dasein des Vereins uebersen Grundsaetzen, Braeuchen, dauerten, sind ein Beweis und Ueberlieferungen treu zu | fner den gewaltigen Umbleiben. Das war nur pp®*: schwung des juedischen Geistlich, weil alle Beteiligten teslebens, der damals in Ausein ungewöhnliches Mass von; sicht stand; Umfang und Lehrerseminars. Schon im ¡ten Feldes des juedischen jugendlichen Alter von 24 i Gebetes. Eine Sammlung ' “Zur Geschichte und Literatur” behandelt in meisterhafter Weise die einzelnen Sondergebiete der juedischen Jahren entwarf er eine kleine Schrift, die sich “Etwas lieber die rabbinische Literatur” betitelte und einen Grundriss fuer eine Neueinteilung des; Wissenschaften. Bis in das gewaltigen Gebietes der juehohe Greisenalter hat diedischen Wissenschaften dar-1 ser Mann die Feder gefuehrt, stellte,, und in der erwaehnten und es ist schwer, zu sagen, Zeitschrift jenes Kulturver-: was am meisten an Zunz beein gab er mustergueltige wundert werden soll, der un- Beispiele dafuer, wie gegewoehnliche Umfang der schichtliche Persoenlichkei- Gelehrsamkeit oder die Geisten (Raschi) im Rahmen ihteskraft, mit der er die Unrer Zeit zu gestalten seien. Als massen des von ihm bedann in der gleichen Epoche, herrschten Materials zu sichda er sich veranlasst sah, jten und zu ordnen verstand, sein Fredigeramt aufzugeben, ¡Alle jene Denkmaeler der liberaler Gesinnung, gutem Willen und Weisheit an den Tag legten. Aus dem Pro- Tiefe des Wissens, Schaerfe des Urteils und Vollendung der Darstellung stempelten ¿eLFeie.r.n’ T?,hiUi^irn i ihr®n Verfasser mit einem Schlage zum Fuehrer der A n k u endteunehervorzuhe-! neuen SeistiSen Bewegung, ben dass am 12. Juni der Erz- ^pd^p-hpnrw^pn^haft" bischof von Canterbury und; P.™ seine Frau unter dem Patro-1 dl®s war tw nat des Rates der Christen j ^m 10. August zu Det- und Juden eine Garden Par-1 niold zur Welt gekommen, ty veranstalten werden. Sie: wurde das fruen verwaiste, ist ein symbolischer Ausi schwaechliche Kind m die druck des heutigen glueckjvon Isaak Herz Samson belichen Standes der Dinge. Die' gruendete Erziehungsanstalt juedischen Buerger des Ver-|in Wolfenbuettel gebracht, einigten Koenigreichs wer-! Dort fand sich ein besonders den als geachtete Mitglieder j geeigneter Lehrer, der sich der nationalen Familie willi des Knaben liebevoll annahm kommen geheissen, ohne dass! und, da er bald dessen Beste dafuer den Preis der “As- I gabung erkannte, ihn fuers similation,, bezahlen, d. h. , Gymnasium der Stadt vorbeihr juedisches religioeses Er-1 reitete, das der Fuenfzehnbe preisgeben muessen. All- \ jaehrige bezog, um dann,, die das Gotteswort uebersetz- 17. Maerz 1886 zu Berlin. die Vereinsbest rebungen scheiterten, praegte er das bedeutsame Wort: “Was allein aus dieser Sintflut auftaucht, das ist die Wissenschaft des Judentums, denn sie lebt, auch, wenn sich durch Jahrhunderte kein Finger fuer sie regt. Weil ich sah, dass ich in der Wueste predigte, habe ich aufgehoert, zu predigen, doch nicht, um dem Inhalt meiner Worte treulos zu werden”. Dem Worte ist Zunz im edelsten Sinne treugeblieben. Durfte er nicht mehr Lehrer einer einzelnen Gemeinde sein, so wollte er nunmehr die gesamte Judenheit belehren. Inzwischen war sein klassisches Werk gereift: “Die gottesdienstlichen Vortraege der Juden, historisch entwickelt” (1832). Hier liefert Zunz den Beweis fuer seine Feststellung, dass zu allen Zeiten das lebendige Wort religiöser Belehrung ein wesentlicher Bestandteil des juedischen Gottesdienstes gewesen ist, wie im Ablaufe der juedischen Geschichte, entsprechend den veraenderten Zeit und Lebensbedingungen, auf die Propheten, die grossen Mahner und Kuender, die Schriftgelehrten folgten, Wissenschaft, die er ins Leben rief, sind ein sichtbares Zeugnis fuer die unverwuestliche Lebenskraft des Judentums und beweisen dass der Strom der geistigen Entwicklung ununterbrochen weiterfliesst. So hat Zunz entscheidend dazu beigetragen, die Grundlage einer neuen juedischen Erziehung zu schaffen, die Kluft zwischen weltlicher und religiöser Bildung zu ueberbruecken und die Aera der modernen “Wissenschaft des Judentums" anzubahnen. Zwar hat die nachfolgende Epoche seine Erwartungen insofern nicht erfuellt, als die neue juedische Wissenschaft innerhalb des juedischen Volkes nicht die Bedeutung des alten Thora-und Talmudstudiums erlangte und mehr eine Sache der Fachgelehrten blieb, doch ganz allmaehlich scheinen ihre Ergebnisse in das allgemeine Bewusstsein der Juden ueberzugehen. Von allen Juden, die am Ausbau der juedischen Wissenschaft in seinem Geiste mitarbeiteten, hochgeehrt, eine Figur allgemeiner Ehrfurcht und Bewunderung, starb Leopold Zunz, 92-jaehrig, vor jetzt 70 Jahren, am