Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVIII (1956)
- Issue
- 2 (Febrero, 1956)
- Date
- 1956-02-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Fôbrero 1956 BOLETIN INFORMATIVO 7 i m * r GAMAL ABDEL NASSER Der mittlere Osten, —der israeli-aegyptische Konflikt— ist wieder einmal das Objekt grosser Schlagzeilen und Leitartikel der Weltpresse. Aegypten hat einen grossen Waffenkauf mit einem der Laender des Ostblockes abgeschlossen. Es verschiebt sich nicht nur das militärische Gleichgewicht zwischen Israel und den arabischen Laendern, sondern vor allem stoert der fremde oestliche Finger, der ploetzlich das Zuenglein an der Waage zum ausschwenken bringt, wo bisher nur der westliche die Bewegungen kontrollierte. Der Mann, der diese neuen politische Gewitterwolken heraufbeschwoert, ist der aegyptische ‘Fuehrer” Gamal Abdel Nasser. Wer ist dieser Mann? Nasser wurde im Jahre 1918 in Alexandrien als Sohn eines mittleren Postbeamten geboren, besuchte die Schule, ohne sich besonders auszuzeichnen und geriet bereits mit 16 Jahren in die ersten politischen Verwicklungen innerhalb der Kampforganisation “Jung-Aegypten”. Nach einigen Schwankungen zwischen verschiedenen politischen Gruppen, beschloss e., die militaerische Karriere ein. zuschlagen und trat im Alter von 20 Jahren in die Militaerschule ein. Doch merkte er bald dass auch hier die Korruption — eines der Hauptuebel der aegyptischen Politik — tief eingedrungen war. Diese Einsicht und zugleich das seinen Hoehesunkt erreichende antienglische Ressentiment, Hessen in ihm um- Stuerzlerische Gedanken hoch kommen. Die ersten Versuche in der Organisierung aehn. Uchgesinnter junger Ofiziere, schlugen fehl durch den Ausbruch des 2. Weltkrieges und die Zerstreuung des aegyptischen Heeres in die verschiedenen militaerischen Stutzpunkte des Landes. Farouks Intrigen und Raenkespiele zwischen Alliierten und den Deutschen nahmen im Jahre 1942 solche Aasmasse an, dass die Englaender gezwungen waren, ihn in eine “freiwillige” Zwangsverbannung zu schicken. Damit verhetzte der Koenig der aegyptischen Nationalehre den schwersten Bchlag. Dieser Zwischenfall veranlasste Nasser, zum 2. Mai in den Offiziersklubs extreme und revolutionaer gesinnte Offiziere um sich zu sammeln. Die Niederlage Aegyptens im Krieg der araoischen Liga gegen Israel, liess noch deutlicher als alles Bisherige die politische Korruption und Degeneration der Monarchie zu Tage treten. Nasser, der ein Frontkommando in diesem Kriege hat. te, sah, dass fuer ihn die wirkliche Front in diesem Augenblick nicht in der Sinaiwueste, sondern in den politischen Kreisen in Kairo lag. Die Vclkswut wegen die er Niederlage machte sich zunaechst in anti - englischen und anti - europaeischen Unruhen in Kairo durch Zerstoerung und Pluenderung des Europaeerviertels und Stadtzentrums Luft, ange. iuehrt durch die “Muselmanische Bruderschaft”, die ars politischem und religioesen Fanatismus intere~s ert war, das Regime des Koenigs Fa. rouk zu einem gewalt amen Ende zu bringen. Die Zeit war reif und der Augenblick gegeben, um einen Militaerputsch, angefuehrt von der Nassergruppe, mit Erfolg durchzufuehren. Es gelang dann auch der Militaercüque, Koenig Farouk zur Abdankung zu zwingen und aie Regierung an sich zu reissen. Dies ist jetzt 2 112 Jahre her. Wie sieht Nassers Stellung heute aus? Ist sie gefestigter oder schwaecher? Die Offiziersgruppe, die an die Regierung kam, hatte nur ein Programm die Absetzung Farouks. Doch jetzt, da der erste Sieg erzielt war und nationale Probleme gelost werden sollten, da ein negatives Programm durch ein positives ersetzt werden musste, zeigte sich, dass ein solches nicht vorhanden war und dass die Ideen der einzelnen Complotteure in Bezug auf die “Erneuerung Aegyptens” recht verschieden waren, somit begannen die Intrigen und Machtkaempfe innerhalb der Reihen der neuen Regierungsgruppe. Bisher hatte Mohamed Na. guib, ein Oberst, der allgemeines Ansehen genoss und etwas gemaessigtere Ideen hatte, die Fuehrung und Nasser war Innenminister. Es galt, den ersten Erfolg mit starkem innenpolitischen una wenn moeglich auch aus enpolitischen Echo zu zeigen. Dieses wurde auch sieben Tage spaeter auf dem bereits vorgeackerten Feld der ae. gyptisch-englisChen Verhandlungen ueber den Abzug der britischen Garniscnstruppen am Suezkanal erreicht. Die Englaender, die in den neuen Kräften ein Bollwerk gegen den Kommunismus f ahen, stimmten, auch auf staerke. res Zureden der Amerikaner hin, dem graduellen Abzugsplan zu, besonders, da er eine Hintertuer fuer ihre Rueckkehr offen liess. Nasser benutzte diesen ersten Erfolg der neuen Regierung gru:pe, um sich selbst herauszustreichen, indem er ihn persoen. lieh der jubelnden Masse verwendete. Bei dieser Feier wurde ein Attentat auf ihn veruebt, dem er aber unversehrt entging und das ihm nun den Weg zu seinem zweiten Erfolg ebnete. Eine Untersuchung enthuellte angeblich als Urheber diese- Mordversuches die “Moslem Brotherhood” in gemeinsamer Taetigkeit mit dem Minister. praesidenten Naguib. Geschickte Machenschaften und der Druck seiner per. soenlichen Freunde innerbalv der Militaergruppe schafften somit die beiden Rivalen mit einem Schlag aus dem Spiele. NASSER Noch lacht er... «I ÉÉS1É? gi¡g¡§§¡ÍI mmmim slfÜs Ä mm Naguib war zu populaer, um umgebracht zu werden und musste -paeter abdanken, die “Bruderschaft” wurde angeklagt, schuldig erklaert, verbeten, verfolgt und ihre An. fuehrer ln einer Massenexekutien hingerichtet. Seitdem ist Nasser “Faehrer” ohne Rivalen und mit diktatorischen Vollmachten. Welche Erfolge hat er mit diesen ihm gegebenen Moeglichkeiten errungen? In einem kuerzlich dem “Time” Korrespondenten gegebenen Interview erkiaerte er, dass, je laenger er regiere, um so mehr unloesbare Probleme sich vor ihm auftuermten und dass er heute, nach 2 lj2 Jahren, fast den Eindruck habe, dass Zeit und Umstaende gegen ihn arbeiten. Da ist erstens das gegebene Versprechen, im Januar 1956 demokrat sche Wahlen abzuhalten. Jeder Schuhputzer in Kairo weiss, dass nicht so weit liegt wie die Erfueliung dieses Versprechens. Eine Landreform wurae seinerzeit mit grossem Laerm ausgerufen. Nichts hat sich bi zum heutigen Tage an dem feudalen Regime geaendert. Der Landbesitz ist weiter in den Haenden einiger weniger Familien, der Reis-und Baumwollba ler ist weiter in Wirk, lichkeit ein Leibeigener, so wie zu Pharaos Zeiten, auch wenn das Gesetz etwas An. deres sagt. Nassers Regierung stuetzt sich weiter nur auf das Militär und hat bis heute keine Partei oder soziale Klasse hinter sich scharen koennen. Er ist also nach wie vor gezwungen, auf gutem Fuss mit den Offizieren zu stehen und dem Volk von Zeit zu Zeit Erfolge oder Scheinerfolge als Koeder hin. zuwerfen. “Selb t die Ausmerzung Korruption ist ihm nicht gelungen, denn auch sie ist viel zu tief schon in das Wesen des arabischen Beamtentums eingefressen. Da er keines der politischen Systeme der Gegenwart, sei es Kommunismus, Faschismus, Demokratie oder Sozialismus fuer sich und sein Land passend fand, sondern etwas “urpersoenliches”, sucht, wird er eben bei der aitneuen Formel der “ismen”, dem “Nasser.ismus” landen und das Schicksal, aller dieser “,'men” teilen. Innenpolitisch ohne Erfolge und vor allem ohne Aussichten auf Erfolge, da ohne kon. structives Programm, blieb ihm, wie immer in der Geschichte, noch der Weg zur Beruhigung und Ablenkung der Gemueter durch aussen, politische Siege. Und wie sieht es hier aus- Das naechst liegende waere der Sudan. “Los von England” war auch dort als Parole schon laengst bekannt. “Anschluss” waere der zweite Schritt und man lancierte die Formel. Den besten Mann gab Nasser da. i fuer her, aber dieser erlebte einen Fehlschlag, denn die Sudanesen wollten nicht vom Regen in die Traufe, sondern ins Trockene. Und Sa'ah Salem musste als Suendenbock die Schuld auf sich nehmen und gehen. In der arabischen Liga sah Naser seine andere grorse Chance. Er glaubte, dass er und Aegypten be. stimmt waeren die Fuehrer. Schaft dieser Organisation zu uebernehmen, der Wortfuehrer Arabiens zu sein und somit ein wichtiges Wort in der internationalen Arena der haben Politik sprechen zu koennen. Doch machte ihm hier England und Amerika mit dem neuen tuerkisch-ira. kischen Pakt einen Strich durch die Rechnung. Denn die arabische Liga ist nun tatraechlich zerrissen und hae.t nur noch auf der anti-israelischen Buehne zusammen. Der Flirt mit dem Ostblock ist ein weiterer Schritt, um die kommende Krise hinauszuziehen. Er er. fuelit einen vierfachen Zweck fuer Nasser: 1. Der Waffenankauf staerkt die Sympathie des Militaers fuer ihn. 2 stelL te ein weiteres Ablenkungsmanoever von den immer dringender werdenden unge. loesten wirt chaftlichen Problemen dar, 3 staerkt das Heer fuer einen eventuellen naechsten Ablenkungschritt: Krieg mit Israel und. 4. irritiert die Westmaechte in ihrer Mittelostpolitik, die zwar um die Annaeherungsversuche Russland-Aegypten wussten, jedoch ni-ht an solch konkrete Resultate glaubten. Letzten Endes jedoch ist auch dieser Schritt ein politischer Boomerang. Noch fliegt er fuer Nasser in der abgeworfenen Richtung, doch I wenn die den Waffenversand begleitende Komission ihre Arbeit beginnt und auch die Wellen der sozialen Unzufriedenheit hoeher schlagen werden, ist der Wendepunkt gekommen. Dann gilt es aufzupassen, nicht vom eigenen Geschoss getroffen zu werden, GAD 'MM liÊKÊÈÊÊIi àmmËM ... AUW) fox’## ««6 f.... EIN ULPAN Ivrit-Intensivkurse fuer erwachsene Einwanderer werden hier abgehalten.