Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVII (1955)
- Issue
- 12 (Diciembre, 1955)
- Date
- 1955-12-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Diciembre, 1955 BOLETIN INFORMATIVO 11 interessieren verstaendlichkeit und Ueberzeugung nachkommt. Die Frage der doppelten Loyalitaet hat Wouk fuer sich selbst geloest und eine glueckliche Synthese gefunden. Aber nicht nur wegen seiner besonderen Haltung als Jude, auch als amerikanischer Schriftsteller nimmt er eine Ausnahmestellung ein. —“Angefangen von “Babbit”, “Trauben des Zorns” bis zu “Die Nackten und die Toten” hatte eine Generation von talentierten, aber erzuernten Schriftstellern die U. S. heruntergesetzt und gefunden, dass denkende Menschen sich sozusagen von den U. S. z ur ue c k zi e he n muessten. Wouk gehoert nicht zu diesen Erzuernten. Trotzdem ist es mehr als nur oberflaechlicher Optimismus oder Patriotismus, was hinter seinen Erzaehlungen steckt. Wouk hat zwar immer verneint, fuer oder gegen etwas Partei zu ergreifen, aber seine Buecher widersprechen ihm. In der “Caine”’ finden wir eine Verurteilung —und zwar letzten Endes nicht die von Queeg, dem strengen, psychopathischen Kapitaen, sondern Keefers, des unechten Intellektuellen. Dieser wird nicht verurteilt, weil er ein Intellektueller, sondern weil er verantwortungslos ist. Wouk will damit ausdruecken, wenn jeder wie Keefer handelte, wuerden Armeen auseinanderfallen und Kriege verloren werden. Wenn jeder wie Airman (der ruhelose Bohemien aus seinem letzten Buch) handelte, wuerden sich Ehen, Familien und zum Schluss die menschliche Gesellschaft aufloesen. Fuer Wouk ist Rebellion um der Rebellion willen ein unmodernes, leeres Cliché. Es ist schwer, Wouk als Menschen genau zu analysieren, vielleicht weil er keine Neigung zur dauernden und oft neurotischen Selbstbetrachtung, empfindet, wie sie bei Schriftstellern haeufig tvorkommt. Wenn man ihn damit zum Konformisten stempeln wuerde, so haette er nichts dagegen einzuwenden — vorausgesetzt, dass man den Nachdruck auf die zweite Silbe lege, “Form”. Denn, wie er sagt: ‘‘man muss dem Leben Form geben!”. Ein neues Buch von SCHALOM ASCH “Der Prophet” von Sehalom Asch ist das Werk eines Mannes, der es versteht, in einem guten Buch, der Bibel, den Stoff zu finden fuer einen guten Roman. Als Hoher Priester einer Schule von Schriftstellern, die wir als Neo-Apokryphen oder Bibel- Verbesserer bezeichnen koennen, hat Scnalom Asch, heute 75 Jahre alt, Auflagen von mehr als 1.000,000 erreicht, wobei er insbesondere solche Themen wie Christus, Paulus und Moses in eine von seiner Phantasie geschmueckte Romanform gebracht hat. Dieses Mal hat nun Asch der Bibel die Geschichte des zweiten Jesajah entnommen, der die Juden zum Auszug aus dem babylonischen Exil aufrief. Die religioese Botschaft des Buches ist gemischt mit Bildern, die Holl y w o od “produktionswertvoll” nennen wuerde, z. B. eine drei-dimensionale Fuehrung durch den Palast Nebukadnezars und die Haen. genden Gaerten Babylons, die orgastischen Riten einer Priesterin der Goettin Ishtar, Belsazars- Fest, bei dem eine Hand mit der beruehmten Schrift an der Wand dem Koenig und dem Land den Untergang ankuendigt. Unter den Menschen und Goettern des suendigen Babylons ist der junge und ernsthafte Jesajah ein Prophet ohne Ehre und Glanz. Geschlagen und bespieen ueberzeugt der Seher trotz allem einen kleinen Kern von Getreuen, dass Babylon ' zu Grunde gehen wird und dass den Juden ih- 1 mm mm SCHALOM ASCH Ein neues Werk re alte Heimat zurueckgegeben werden wird. Am Ende des Romans sind die ersten Gruppen von Juden auf dem Wege in die Heimat Der Sendbote Gottes wie Asch ihn schildert, ruehrt gelegentlich in der Stunde seiner Pruefung, oft genug jedoch erscheint er uns weniger der Gottberauschte Psalberauschte PsaLmensinger des grossen biblischen Textes, als ein baertiger positiver l5enker, der kleine Ermunterungsreden an die Entmutigten haelt”. (’"TIME”) Ein Unöewoehnlicher “Mord” * Prozess Vor anderthalb Jahren, am Donnerstag vor Karfreitag, kurz vor Mittag, ereignete sich an der Freiestrasse in Zuerich - Hottingen ein Aufsehen erregender Vorfall. Der 29 jaehrige Kaufmann Janek (Jakob) Klaymann, ein Staatenloser ehemals polnischer Herkunft, der sich voruebergehend in Zuerich aufhielt, wurde in dem Moment durch mehrere aus kurzer Distanz abgefeuerte Pistolenschuesse schwer verletzt, als er sich anschickte, seinen “Cadillac” in Beweung zu setzen. Der Taeter hielt das naechste Taxi an und liess sich zur Hauptwache der Stadtpolizei fuehren, wo er seine Tat meldete und sie als “Begleichung einer alten Rechnung” darstellte. Klaymann starb kurz nach der Einlieferung ins Spital; sein letztes Wort hiess “Erpressung”. Der Taeter wies sich durch seine Schriften als Jerzy Kasjan, geboren 1921 in Polen, aus und erklaerte, er sei bis Ende 1953 in Israel wohnhaft gewesen. Nach seinen ersten Aussagen war er in die Schweiz gereist um seine eindeutige und seit Jahren gehegte Absicht zu ver¬ Skuc^ürdicr^citonA wirklichen, Klaymann zu toeten. Das Motiv: Rache dafuer, dass Klaymann angeblich im Jahre 1948 im Zusammenhang mit einem Radiumhandel zwei Freunde des Angeklagten der russischen Geheimpolizei denunziert und so ihre Verhaftung und Deportierung nach Sibirien veranlasst habe. Heute duerfte feststehen, dass Kasjan in Wirklichkeit ßamek (Samuel) Witos heisst und am 22. Juni 1925 in Luck in der polnischen Ukraine als Sohn begueterter Eltern geboren wurde. Waehrend die Tat zuerst ln Uebereinstimmung mit einem allgemeinen Rechtempfinden eindeutig als Mord bezeichnet wurde, gab Witos nur Totschlag zu. Nach einem laengeren Seilziehen um die rechtliche Qualifikation der an sich nicht bestrittenen Tat und um die Zustaendigkeit des Schwurgerichts oder des Obergerichts kam es schliesslich zu dem “Kompromiss”, dass die Anklaege nur auf vorsaetzli. che Toetung lautete und der Angeklagte sich in diesem Sinn gestaendig erklaerte, womit die Zustaendigkeit des Obergerichts gegeben war. In der fast den ganzen Tag ausfuellenden Verhandlung vor dem Obergericht schilderte Witos seinen fuer hiesige Begriffe ungewoehnlichen Lebenslauf. Als vierzehnjaehriger Knabe war er von der Schule weg in den Strudel der Weltereignisse gerissen worden, an deren Ende er als verletzter Kriegsteilnehmer und Schwarzhaendler schliess lieh in Berlin landete. Mit sichtlicher Erregung schilderte er, wie Klaymann, der sich auf Grund guter Beziehungen zu den Russen in den Versuch zum Verkauf von Radium eingeschaltet und dabei wahrscheinlich einen Riesen betrug begangen habe, Witos selbst und zwei seiner besten Freunde denunziert habe. Waehrend Witos selbst sich habe retten koennen, seien die beiden Freunde verhaftet und nach Sibirien deportiert worden. Seit diesem Vorfall, der sich im Jahre 1948 ereignet haben soll, hat Witos sein ganzes weiteres Leben zur Hauptsache dem Ziel gewidmet, Gerechtigkeit fuer seine beiden Freunde zu fordern. Mit Bestimmtheit erklaerte er, er habe sich immer wieder bemueht, Klaymann vor ein Rabbiner- Ehrengericht zu ziehen, doch sei dieser regelmaessig ausgewichen, zuletzt in Zuerich wenige Tage vor der Tat. Witos bestritt energisch dass er ein Erpresser sei; im Gegenteil habe er es wiederholt abgelehnt, sich durch die Bezahlung einer Geldsumme zum Schweigen bringen zu lassen. Der Staatsanwalt beantragte, Witos wegen vorsaetzlicher Toetung unter Beruecksichtigung einer in leichtem bis mittlerem Grad vermin derte Zurechnungsfaehigkeit zu acht Jahren Zuchthaus, drei Jahren Ehrverlust und fuenfzehn Jahren Landesverweisung zu verurteilen, obschon er fuer die psychologische Situation des Angeklagten und fuer die psychischen Auswirkungen der schon in jugendlichem Alter ertragenen Kriegserlebnisse volles Verstaendnis hatte. Der Verteidiger setzte sich fuer ein mildes Urteil ein, das nach seiner Auffassung mit zwei Jahren Zuchthaus richtig bemessen waere. Er verstand es, die Persoenlichkeit des Angeklagten in ihre m Werdegang plastisch darzustellen und zu zeigen, weshalb er nach Temperament und Erziehung aus ei. ner alttestamentlichen EinrVrx-sH EN ESPÄNOt Die Monatszeitschrift “LI¬ FE”, laesst in ihrer Serie “die grossen Weltreligionen” auch das Judentum erscheinen. Mit sehr schoenen Photographien werden Braeuche und Familientraditionen, die Welt des alten und neuen Judentums gezeigt. Der begleitende Text erklaert das Judentum in seiner Geschichte, Literatur und religioesem Leben. Aites und modernes Judentum lernt der Leser kennen, es ist besonders erfreulich, dass durch diese Zeitschrift das spanischsprechende Amerika das Judentum das in diesen Laendern recht unbekannt ist, naehergebracht wird. Wie es der Folge in der das Judentum erscheint, “die grossen Weltreligionen” nur entsprechen kann, wird, besonderer Wert auf den religioesen Aspekt gelegt. Fuer den Leser, der als Jude in dieser juedischen Welt lebt, scheint es nur als ob die chassidisch —orthodoxe Seite etwas ueberbetont wird und das Ringen des modernen juedisch -religioesen Lebens mit der Neuzeit in seinen verschiedenen Stroemungen etwas zu kurz kommt. Vielleicht hat der Herausgeber das Judentum nicht so sehr als eine lebendige Kraft, sondern als eine exotische Erscheinung ange. sehen. Trotzdem begruessen wir diese Nummer des Life als einen Beitrag zur Aufklaerung ueber das Judentum. . v-' ©ill VON GENERATION ZU GE¬ NERATION Ein Vater belehrt seinen Sohn ueber das “Tefillin-Legen”. (Foto: “LIFE”) » Stellung heraus Gerechtigkeit fordern musste, als Klaymann nach seiner Ueberzeugung die Deportation seiner beiden Freunde verschuldet hatte. Obschon er durch seinen Glauben in einen Gewissenskonflikt geriet, entschloss er sich zur “Privatjustiz”, nachdem sich Klaymann immer wieder geweigert hatte, vor dem Ehrengericht zu erscheinen. Der Verteidiger forderte, dass Witos “achtenswerte Beweggründe” zugebilligt wuerden. (Fortsetzung Seite 21)