Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVII (1955)
- Issue
- 12 (Diciembre, 1955)
- Date
- 1955-12-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 BOLETIN INFORMATIVO Diciembre, 1955 Veroeffentlichun von Rosie Rubens “Ein brauner, gutaussehender Mann von 40 Jahren beginnt seinen Tag vor Sonnenaufgang. Er betet das Morgengebet. Dazu legt er den traditionellen schwarzweissen Tallis an und die Gebetsriemen. Auch liest er den Pentateuch. Daim faengt er an zu schreiben, wenigstens sechs Stunden am Tag, fuenf oder sechs Tage in der Woche. Aus dieser unermuedlichen Arbeit resultiert ein Werk, das bis jetzt drei Theaterstuecke, einen Film und vier Romane umfasst, u. a. den groessten Bestseller seit “Vom Winde verweht”: es handelt sich um “Die Meuterei auf der Caine”. Dies ist ein Ausschnitt aus einer der letzten Cover - Stories von TIME, einem der meistgelesenen Magazine der Welt, wie es einen der meistgelesenen Schriftsteller der letzten Jahre beschreibt. Es ist Herman Wouk; ein nicht nur in vieler Hinsicht aussergewoehnlicher Schriftsteller, sondern auch ein Tyo, wie er in unserem, an Originalen reichen juedischen Volk nicht oft zu finden ist: ein moderner, erfolgreicher Mann, ein Schriftsteller, der seine Themen abseits der eingefahrenen Strassen sucht und gleichzeitig ein aus tiefstem Herzen glaeubiger Jude. Was sagt TIME von ihm? “Die “Caine Mutiny” brachte Herman Wouk den Pulitzer-Preis 1951, fast eine Million Dollar in bar, ungezaehlte Autogramm-Jaeger (die er liebt), ungezaehlte Angebote fuer Vortraege (die er meistens ablehnt) und mehrere tausend Briefe (die er alle beantwortet). Aber Herman Wouk verliert niemals seinen kuehlen Kopf gegenueber diesem Erfolg in der unter Hochdurck stehenden Atmos. phaere der amerikanischen Literatur. Fuer ihn ist sein “Caine” einfach Roman Nr. 3 seines Gesamtwerks, und er fuerchtet nicht einen Moment, dass sein jetzt erscheinendes neues Buch “Marjorie Morningstar” dem Erfolg der “Caine” nicht standhalten k o e n n t e. Die einzigartige Selbstsicherheit ist typisch fuer Wouk, der eine aussergewoehnliehe Figur in der amerikanischen Literatur darstellt. Herman Wouk, ein paradoxer Mensch, erscheint selbst wie eine raetselhafte “Person auf der Suche nach einem Autor”. Er ist ein Glaeubiger, orthodoxer Jude, der es fertigbrachte, weltlichen Erfolg im snobistischen Manhattan zu erreichen, waehrend er die traditionellen Gebote und Speisegesetze einhielt, die viele seiner Glaubensgenossen laestig finden. Er pflegte fuer Radiokomoedien zu schreiben, aber gleichzeitig sein eigenes Werk nach den strengen Grundsaetzen der grossen englischen Romanciers zu beurteilen. Obwohl er ein sehr belesener Intellektueller ist, hat er gleichzeitig einen unbegrenzten Glauben an den “kleinen Mann der Literatur”, den sogenannten Durchschnitts-Leser. Er sagt von ihm, “schliesslich ist er doch auch gut genug, unsere Presidenten zu waehlen”. < Als hoechst sensitives Mitglied einer religioesen Minderheit, ist er einer der wenigen lebenden amerikanischen Schriftsteller der sich trotzdem nicht als “anders” oder gekennzeichnet fuehlt, und der darueber hinaus den Vereinigten Staaten in seinem Werk 100% Anerkennung zollt. TIME THE WEEKLY NEWSMAGAZINE Nicht nur in seinem Glauben, auch in seinem Werk kann man ihn eher als konservativ bezeichnen. In der “Caine“ trat Wouk der herrschenden, neuen Stroemung entgegen, ja, erregte sogar ziemliche Entruestung, indem er seinen Glauben an Folgendes zum Ausdruck brachte; 1) an Anstand in Sprache und Verhalten, 2) an Ehre und Disziplin, 3) Autoritaet, 4) geheiligte Institutionen, wie z. B. die U. S. Navy. Mit “Marjorie Morningstar”, seinem neuen Buch, wird er noch mehr Stirnrunzeln verursachen, da er darin die Ansicht vertritt, eine Frau solle rein in die Ehe treten und sie koenne wahres Glueck nur in ihrem Heim und mit ihren Kindern finden; ausserdem befuerwortet er laut und enthusiastisch die amerikani-! sehe Mittelklasse und verdammt Boheme und Bohemiens. Wouk ist ein umgekehrter Sinclair Lewis: seine Bedeutung liegt darin, dass er gegen drei Jahrzehnte amerikanischer Literatur Sturm laeuft, die von Skeptizismus, sozialer Kritik und psichoanalytischen Gruebeleien beherrscht wurden. Aber Wouk ist keineswegs ein Moralprediger, sondern vor allem ein ausgezeichneter Schriftsteller, und seine Leser wissen dies zu wuerdigen. Waehrend die “Caine” voller Abenteuer und Aktion war, ist “Marjorie” eine Liebesgeschichte, die “Caine” ein klarer, packender Bericht ueber das Leben an Bord eines Zerstoerers, und “Marjorie” eine klarblickende Erzaehlung von juedischem Familienleben in den 30 er Jahren. Wouk ist als Erzaehler in seiner besten Form, wenn er die selten beschriebene Welt von Manhattans Westseite veranschaulicht, welche einer seiner Charaktere das “vergoldete Ghetto” nennt. Wouk kennt seine Gebraeuche, Gewohnheiten und Vorurteile, und er ist hoechst amuesant und gruendlich in seiner Wiedergabe grosser Familienereignisse wie z. B. der riesig aufgezogenen Bar Mizvah mit ihrem protzigen, aber irgendwie doch ruehrenden Bankett, oder dem echten Pessach - Mahl. In solchen Szenen gibt Wouk seinem Volk eine spezielle Note und Anstrich. So wie die Heldin seines letzten Buches, wurde auch Wouk in der Bronx (einem Stadtteil New-Yorks) geboren, als der Sohn von Abraham Isaak und Ester Levine aus Minsk in Russland, Papa Wouk begann seine Laufbahn als Waescher in einem Kellergeschoss und stieg spaeter zum Besitzer einer der groessten Waschanstalten N. Yorks auf. Eine der fruehesten Kinder erinnerungen Hermans ist, wie er Verstecken zwischen den Waschmaschinen spielt. Den nachhaltigsten Eindruck seiner Kindheit bildeten fuer Wouk das Familienleben und die Buecher. Aber am meisten von allem liebte er den Sabbat. Mit seinen eigenen Worten hoeren wir die Beschreibung des uns allen vertrauten, traditionellen Freitag Abend: “Wenn der Freitag nachmittag heran kam, begann meine Mutter die Kueche auf den Knien zu schrubben, bis alles nur so blitzte. Die Kerzen wurden angezuendet, wir sangen die freudigen Sabbatlieder und tranken den Wein nach dem Segen.-Mein Vater pflegte meist ueber die Bibel zu sprechen. Das Menu bestand wie immer und ue- : berall aus Gefuellte Fisch, Nudelsuppe und Huhn. Diese Abende, sagt Wouk, waren eine Insel des Friedens und unser Heim der Ort, wo wirklich alles so ging, wie es sein musste”. Der Grossvater, Rabbi Mendel Leib Levine, nahm Hermanns religioese Erziehung in die Haende, als er aus Russland nach den Staaten einwanderte, und er war derjenige, der neben dem Philosophen Edman den groessten Einfluss auf das Leben des Schriftstellers ausuebte... mm mm ÜÜ ¿g*« BOGART ALS CAPTAIN QUEEG Die tragische Figur aus dem “Caine”-Roman (Foto: “TIME”) Wouk besuchte die Columbia-Universitaet, er studierte vergleichende Literatur und Philosophie, so wie der Willie Keith seines Buches “Caine”. An der Universitaet gab er das humoristische Blatt heraus und arbeitete an der Studentenzeitung. Dies war die Periode, als er seiner Religion nicht viel Beachtung schenkte, aber bald kehrte er zum Glauben seiner Vaeter zurueck. Diese Rueckkehr hatte kein spezielles Motiv, sondern, wie er selbst sagt, “die Krise als Erwachsener leben zu muessen. Ich fuehlte, dass in der juedischen Tradition ¡ein grosser Reichtum, ein grosses Erbe liegt, und ich waere dumm gewesen, nicht davon zu profitieren”. Von seinem Entschluss, Schriftsteller zu werden, war die Familie alles andere als begeistert. Sein Vater fand: “Wenn Du schon schreiben willst, warum denn keine Reklame fuer unsere Firma?”. Wouk begann seine Karriere als Mitarbeiter am Witzrepertoire der bekanntesten amerikanischen Radio-Kuenst ler. Waehrend der tiefsten Tiefen der Depression verdiente er sogar noch zweihundert Dollar woechentlich und konnte ein elegantes Leben fuehren, aber trotzdem stiegen langsam in ihm Zweifel auf, “ob denn Witze nun cie Antwort auf das Raetsel der menschlichen Existenz seien”. Er beriet sich mit seinem Grossvater und trag alles, was er ueber sich selbst herausfand, in ein Tagebuch ein. Er fuehrt es noch heute, bis jetzt sind es ¿0 Baende —6000 Seiten Als Pearl Harbor kam, meldete sich_ Wouk zur Navy. In der Marineschule wurde er beim Abschluss-Examen einer der ersten zwanzig von 500 Anwaertern und tat sich aussercierri hervor, indem er eine Abnandlung in Versen in der Art einer iranzoesischen Ballade schrieb ueber Die Aufgaben eines Seeoffiziers . ln der Marineschule und waehrend seiner ganzen Karriere auf See, hielt Wouk iest zu seinem Glauben und Gesetzen. Auf dem Liberty- Schiff, mit dem er 1942 in den Pazifischen Ozean fuhr ass Wouk oefters nichts Schiffsn*/rKart<?ffeln’ Weil das Schiffs-Menu m der Hauptsache aus Schweinefleisch bestand. Eines Tages heftete er ein sich darauf beziehendes satirisches Gedicht an das Anschiagebrett, und als einer der Schiffsoffiziere oies sah, gab er den Befehl: Bringt dem Mann etwas das er essen darf! ’!n zwei Jahren erhielt Wouk mehrere Befoerderungen. Er stieg vom Hilfsfunker bis zum Ersten Offizier auf. Ais er zum Kapitaen seines Schiffes ernannt werden sollte, sank dies in einem Taifun vor Okinawa. Mit dem Kriegsdienst in der Navy nahm Wouks zweite Verwandlung an: die erste begann waehrend seiner Studienjahre, als er den Weg vom snobistischen Intellektuellen zum verinnerlichten Glauben seiner Vaeter zurueckfaiid. Er beschreibt diese _ Entwicklung selbst: “die Kriegsmarine war das groessr i~EZlehms meines Lebens. Ich hatte zwei Welten gekannt, die “hellen” Jungens vom Broadway und die von der Columbia - Universitaet, zwei kleine Welten, die sieh ■manchmal fuer das ganze Universum halten, in der havy aber lernte ich mehr ueber die Menschen und die Vereinigten Staaten als jemals vorher”. Heute ist Wouk als Prototyp eines Juden zu toetrachder f®“ vollkommenes Gleichgewicht gefunden hat, Mensch, der nicht nur “nh0Ch,Hel! dient, lrd«»PhPn glei^eitig seinen PfhPhtf« ’aTd menschlichen Flüchten mit groesster Selbst- “WAHRES GLUECK NUR IM HEIM, MIT DEN KINDERN” Herman Wouk und Familie (Foto: “TIME”) ■ tm um mam mm CÛ Sil ¡HüHH iss íéIIÉééI wmm mm mm Mim