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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1955-04-01 · 4 (Abril, 1955) · p. Seite 16

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVII (1955)
Issue
4 (Abril, 1955)
Date
1955-04-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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16 BOLETIN INFORMATIVO Abril, 1955 Dr. HERBERT FREEDEN Und wieder ruft der KKL Worte von Albert Schweitzer “Gut ist: Leben erhalten, Leben foerdern, Boese ist: Leben vernichten, Leben beeintraechtigen, entwick. lungsfaehiges Leben hemmen. Weil ich auf die Kraft der Wahrheit und des Geistes vertraue, glaube ich an die Zukunft der Menschheit. DIE WAHRHEIT ABER HAT KEINE STUNDE, IHRE ZEIT IST IMMER UND GERADE DANN, WENN SIE AM UNZEITGEMAESSE. STEN ERSCHEINT. Die Sorge um die nahe und die fremde Not vertragen sich, wenn sie miteinander genug Menschen aus der Gedankenlosigkeit wecken und einen neuen Geist der Humanitaet ins Leben rufen. Wir muessen zu jeder Stunde Ehrfurcht vor dem Leben haben”. “Es ist noetig, dass alle Wissenschaftler in Reden und Artikeln die Menschen aufklaeren. Sie haben die Autoritaet zu erklaeren, dass wir Verantwortung fuer diese Versuche nicht mehr uebernehmen koennen. Das ist meine Ueberzeugung. Ich gebe sie mit angstvollem Herzen mit einer Seelenpein, die mich Tag und Nacht nicht mehr verlaesst. “Meine tiefe Ueberzeugung ist, dass die Loesung der Probleme darin besteht, DASS WIR DEN KRIEG AUS ETHISCHEN GRUENDEN ABLEHNEN MUESSEN^, WEIL WIR UNS EINES VERBRECHENS AN DER MENSCHLICHKEIT SCHULDIG MACHEN. In mir vereint sich diese Wahrheit mit der aus dem Denken geborenen Gewissheit, dass der Geist faehig ist, in unserer Epoche eine neue Mentalitaet, eine ethische Mentalitaet zu schaffen. IM NAMEN ALLER DERER, DIE FUER DEN FRIEDEN LEIDEN, WAGE ICH ES, DIE VOELKER ZU BITTEN, DEN ERSTEN SCHRITT AUF DIESEM WEGE ZU TUN”. aeltesten Friedhof in USA. Gedenktafel Die Aufgaben des Keren Kayemeth haben sich im Laufe der vergangenen zehn Jahre entscheidend gewandelt. Vor der Errichtung des Staates Israel lag der Akzent auf Bodenkauf, denn man sah voraus, dass der politische Anspruch des juedischen Volkes auf Palaestina an der Bodenflaeche gemessen wuer. de, die bereits in seinem Besitz ist. Tatsaechlich haben die Vereinten Nationen, als sie 1947 den Teilungsvorschlag machten, die Grenzen des Juedischen Sektors ungefaehr entsprechend dem Landbesitz des Juedischen Nationalfonds gezogen. Und als es zum juedischen Befreiungskrieg im Jahre 1948 kam, war es die Landpolitik des Keren Kayemeth, die es ermoegllcht hatte, strategisch wichtige Gebiete juedischer Siedlung zugaenglich zu machen, und jene Siedlungen im Norden und Sueden des Landes hielten dem Ansturm von sieben arabischen Armeen stand. Nur wo es dem Keren Kayemeth nicht gelungen war, isolierte Siedlungen durch “Landbruecken” mit anderen juedischen Zentren zu verbinden, kam es zu Verlusten, zu dessen schmerzlichsten die Opfer an Blut und Gut der vier Siedlungen im Kfar Ezion- Block gehceren. Dann begann die dritte Phase in der Entwicklung Israels — “Kibbuz Hagaluyoth”, die “Sammlung der Zerstreuten”. Und wiederum war es der Keren Kayemeth, der durch seine Arbeitsdoerfer eben erst Eingewanderte von den uebefuellten Laeerern heraus aufs Land holte, Tausenden produktive Beschaeftigung in Aufforstungsarbeiten und Urbarmachungsprojekten gab. Aber auch dieses Kapitel in der jungen Geschichte des Staates ist zu einem Abschluss gekommen, und der Abschnitt, der jetzt beginnt, findet zwar keinen Widerhall in den Schlagzeilen der Weltpresse, aber er ist nicht weniger dramaiiseh und entscheidend, wie Krieg und Massen- Erstes Planetarium Traeume werden Wirklichkeit Seit Urzeiten hat die Beobachtung der Sterne bei den Voelkern des Morgenlandes eine grosse Rolle gespielt. Dem Tempel der Chaldaeer waren im Altertum Observatorien angegliedert. Jesaja, das Buch Hieb und die Psalmen enthalten viele Beobachtungen ueber die Sterne. Die Araber des Mittelalters haben diese Tradition uebernommen und grosse Mathematiker und Astronomen hervorgebracht. In menschlichen Traeumen und Phantasien meldet sich die Vergangenheit und in Israel werden Traeume Wirklichkeit. Jungens in Bruenn und Stuttgart, in Warschau, Berlin und Odessa traeumen von Sternwarten und Fernrohren um den Himmel beobachten zu koennen. Jahre vergehen. Die Jungens sind Aerzte, Anwaelte, Ingenieure und Wissenschaftler geworden. Viele hat ihr Weg nach Israel gefuehrt. Sie schliessen sich in ihrem Interesse fuer Astronomie zusammen. In Ramath- Gan hat sich ein um seine Existenz schwer ringender in. einwanderung, naemlich die Phase der Konsolidierung. I IN ERSTER LINIE WUESTE Israel Ist ein souveraener Staat— dass heisst aber nicht, dass aller Boden innerhalb des Staatsgebietes etwa dem Staat gehoert. Aufgebaut nach den Prinzipien westlicher Demokratien, respektiert Israel privates Eigentum, und das juedische Volk, das so oft in seiner Geschichte zum Opfer von Expropriationen geworden ist, sollte gewiss nicht in seinem eigenen .Staat zu solch unmoralischen Mitteln greifen. Wenn man Boden bebauen will, muss man ihn besitzen, und um ihn zu besitzen, muss man ihn kaeuflich erwerben. Und die grosse Mehrheit des Bodens in Israel ist noch Wueste, Fel3, Sumpf und Sandduene. Erst ein Fuenftel des gesamten Staatsgebietes ist kultiviert. Daraus erklaert sich zu einem wesentlichen Teil der schwere wirtschaftliche Kampf Israels. Im vergangenen Jahr mussten allein 75 Millionen Dollar fuer den Import der notwendigsten Nahrungsmittel ausgegeben werden. Aber jene Abhaengigkeit von auslaendischen landwirtschaftlichen Erzeugnissen stellt nicht nur eine ungeheure oekonomische Belastung dar. Ein Staat muss imstande sein, sich im Notfall von den Produkten des eigenen Bodens zu ernaehren, es sei denn, er hat die maechtigste Flotte der Welt, wie sie einmal das industrialisierte England hatte. Aber Israel kann es sich sicherheitsnolitisch nicht leisten, sein taegliches Brot ueber tausende von Meilen hinweg zu transportieren, ueber Verbindunsglinien, die exnoniert sind und leicht durch kriegerische Zwischenfaelle irgendwo in der Welt zerschnitten werden koennen. Die Forderung nach agrarischer Autarkie ist deshalb vom Standpunkt der Wirtschaft wie Sicherheit eine unumgaengliche Notwendigkeit fuer Israel. Und dahin zu im Mittleren Osten genieur, ein Fernrohr selbst zusammengebastelt und versammelt seine Freunde um sich. In Jerusalem trifft man sich regelmaessig auf einem Dach, um mit dem Fernrohr eines Arztes Beobachtungen zu machen. Auch im ganzen uebrigen Land gibt es astronomische StuetzDunkte. Prof. Zaitschek, Botaniker an der Universitaet, sucht durch die Gruendung eines Bundes der Amateurastronomen eine bescheidene Grundlage fuer weitere Studien zu finden. Ein Fernrohr von beachtlicher Qualitaet befindet sich seit Jahren im Lande. Es wird den Astronomen angeboren. Prof. Zaitschek moechte es in einem Observatorium sehen, das von Amateuren, Schulklassen und Kibbuzzim besucht wird. Die Geldmittel fehlen. Prof. Zaitschek versucht Organisationen. Bankdirektoren, Kapitalisten zu interessieren. Ein amerikanischer Kulturfilm ueber Palomar mit seinen einzigartigen astronomischen Einrichtungen wird vorgefuehrt, um die Gebefreudigkeit der zukünftigen Goenner anzuregen. An Interesse und Ratscblaegen arbeiten, ist die Aufgabe des Keren Kayemeth. DREI GROSSE PROJEKTE i i Das Programm fuer das laufende Jahr sieht drei grosse Projekte vor, die diesem Ziel dienen. Das erste ist die Urbarmachung des Berggebietes, jener riesigen Strecken von Wildnis, die einen grossen Teil von Judaea und de3 Galils ausmachen, Gerade durch jenes Berggebiet laeuft ein hoher Prosentsatz von Israels Grenzen, und gerade hier ist es, wo Infiltranten und Schmuggler von jenseits der Grenzen auf israelisches Gebiet dringen und unter dem Schutz der Dunkelheit morden und rauben. Man kann jene Grenzen nicht durch eine “Maginot’-Linie von toten Befestigungswerken sichern, sondern nur durch eine lebendige Kette von Doerfern, mit Siedlern, die bereit sind, ihr Land, in Frieden zu bestellen, aber im Kriegsfall zu verteidigen. Mit anderen Worten: jenes Grenz gebiet in den Bergen muss bevoelkert werden, aber Doerfer brauchen Erde und Bauern Land, das sie bestellen koennen. Und jene Berge sind erodierter, nackter Felsen. Der Keren Kayemeth hat grossangelegte Entsteinungs¬ und Terrassierungsarbeiten in jenen Gebieten begonnen, um den in biblischen Zeiten einst fruchtbaren Boden wieder dem Pflug zuzufuehren. Gemeinsam mit der Jewish Agency ist ein Fuenfjahresplan ausgearbeitet worden, wonach in den Bergen zehntausend Familien in Bauernwirtschaften angesiedelt werden sollen. Der Juedische Na. tionalfcnds wird zu diesem Zwecke 150.000 Dunams urbar machen. EROBERUNG DER WUESTE Das zweite grosse Entwicklungsprojekt Hegt im Negev, und hier handelt es sich um die “Eroberung der Wueste” im woertlichen Sinn. Vor zehn Jahren drang das juedische Siedlungswerk zum ersten (Schluss auf der naechsten seite) fehlt es nicht, aber die grossen Spenden bleiben aus. Wie es so oft zu sein pflegt — nimmt ein kleines Komite die viel zu grossen Lasten auf sich. Ueberraschenderweise .gelingt es in kurzer Zeit das mit grossen Opfern erworbene Fernrohr in einem, wenn auch primitiven Observatorium innerhalb des jetzigen Universitaetskomplexes aufzustellen. Kibbuzim, Schulen und viele Liebhaber sind zah. lende Mitglieder geworden. Regelmaessige Fuehrungen finden statt. Die Schuldenlast wird durch die Mitgliedsbeitraege langsam kleiner. Professor Zaitschek traeumt aber weiter. Vor 25 Jahren hat er das erstemal ein Planetarium gesehen und sich zugeschworen ein solches in Jerusalem zu ermoeglichen. Unendlich weit scheint noch der Weg bis zur Verwirklichung, “Sterngucker" nennen die heranwachsenden, spottlustigen Kinder ihre astronomischen 7 Vaeter. Die Ehefrauen stoehnen, wenn sie bei Ihrem ohnehin knappen Budget, die heimlichen Ausgaben ihrer dem astronomischen Ausschuss angehoerenden Ehemaenner entdecken, die durch endlose Sitzungen und Beobachtung der Sterne ihre Abende so selten zuhause verbringen. _ _ Inzwischen aber traeumt ein einfacher englischer Jude auf andere Art. Durch volkstümliche Buecher und Zeitschriften ist er in die Wunder der Sternenwelt eingedrungen. Er sieht einen klaren Weg. Die Jugend in Israel, der Mann von der Strasse sollen ebenso wie die Wissenschaftler das Weltall durch ein Planetarium kennen lernen, dass den Lauf der Sterne zu jeder Zeit verstaendlich darstellen kann. Seine Art Zionismus treibt ihn aus eigener Kraft Riesensummen aufzubringen. Er studiert den Bau von Planetarien und besichtigt sie in vielen Staedten. Er sucht nach einer, wie er hofft schon bestehenden Vereinigung der Astronomen in Israel um seine Plaene zu verwirklichen. In diesem Jahre hat man sich gegenseitig gefunden. Mit einem Schlage haben sich neue Perspektiven fuer das bisher schwer kaemp fende Komite geöffnet. In schoenster landschaftlicher Lage entsteht die neue Universitaet in Jerusalem. Dieser Tage wurde, ermoeglicht, durch die Geldmittel von Mr. Nahum Z. Williams, der Grundstein zu dem Planetarium gelegt, das seinen Namen tragen und in einem halben J a hr betriebsfertig sein wird. In ungefaehr 20 Staedten der Welt gibt es Planetarien. Jerusalem wird das erste Pia. netarium in Mittleren Osten und in Asien haben. Die Einrichtung wird aus USA geliefert und es wird nach Plaenen des Tel-Aviver Architekten Gewirtzmann gebaut. Da3 Planetarium wird neben dem naturhistorischen I n s t it u t stehen und ebenso wie das auch von Mr. Williams finanzierte Observatorium das Bild des Campus beherrschen. Eine einzigartige astronomische Bibliothek wird angegliedert sein, die das Interesse der Jugend wecken und foerdern soll. Der Rektor der Universitaet Prof. Mazar, Prof. Zaitschek und andere hielten Reden in hebraeischer Sprache, Mr. Williams schildert in humorvollem Jiddisch seinen nicht leichten Weg bis er dieses Ziel erreicht hat. Viel schwerer noch, ist aber sein Stand in Israel, wo er allen ¿eldhfungrigen Organisationen erklaeren muss, warum er nicht fuer sie, sondern aus. gerechnet fuer ein Planetarium gesorgt hat. Der Grundstein traegt die Inschrift des Psalms 148,4: “Es lobe den Herrn, Sonne und Mond Es lobe den Herrn das Licht der Sterne”.

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