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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1955-04-01 · 4 (Abril, 1955) · p. Seite 15

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVII (1955)
Issue
4 (Abril, 1955)
Date
1955-04-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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Abril, 1855 BOLETIN INFORMATIVO 15 Israel - Notizen Wenn wird am Sederabend bei der Zitierung von Bibelstellen die Tuer oeffnen, ist Jedem der Teilnehmer die Symbolik der Handlung gewaertig. Ihre Deutung hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. In unserer Jugend wies man auf die Zeiten des Mittelalters hin, in denen Haescher die Feier belauschten, um Unheil auf die Teilnehmerheraufzubeschwoeren Die Modernen unter uns laechelten, bis ihnen in Hitlers Zeiten grausam wieder gewaertig wurde allerdings nicht mehr auf diesen einen Abend beschraenkt . wie zeit gemaess diese Furcht war und sein kann. Aber der Brauch des Oeffnens der Tuer stammt nicht aus dem Mittelalter, er ist viel aelter als die Judenverfolgungen in Gastlaendern. Schon im alten Palaestina wurde am Sederabend die Tuer geöffnet, um die Jugend an jene erste Sedernacht zu erinnern, in der ein Pharao Moses wissen liess, dass die Tore Aegyptens zum Auszug der Kinder Israel geoeffnet seien. Bald aber verinnerlichte das Judentum die Deutung. Mit einem Becher Wein ging der Hausherr an die geoeffnete Tuer, um der Aussenwelt zu zeigen, dass es bei uns keinerlei Mysterien oder Geheimkulte gibt, wenn auch die Teilnahme an der Feier nur Juden Vorbehalten ist Spaeter verband man damit den Messiasgedanken; Elias sollte an diesem Abend in unserer Mitte sein - nicht wie St. Nikolaus mit irdischen Geschenken kommend, sondern als geistiger Fuehrer. War es ein Wunder, dass man ihn im Mittelalter als unseren Schuetzer vor der Verleumdung des Blutgenusses betrachtete? Und heute? Wir oeffnen die Tuer in einem freien Lande am Abend des Befreiungsfestes. Was bedeutet das uns? Wollen wir es nicht so auffassen, als ob wir die Tuer fuer unsere eigenen Menschen oeffnen muessen? Nicht nur fuer jene, denen erneut wieder Verfolgungen und Bedrueckungen drohen, sondern auch fuer jene unter uns, denen juedisches Gefuehl. wie es das Brauchtum schafft oder vertieft, fehlt oder abhanden kam? Aber darueber hinaus oeffnet das Judentum die Tuer fuer alle, die im friedlichen Wettbewerb mit uns zum Wohle der Menschheit arbeiten wollen. Ist es ein Zufall oder mehr, wenn der Osterwunsch des Papstes im vergangenen Jahr unser alter Satz war: Schalom alechem - schalaum aleichem - der Wunsch, mit dem auch die arabische Welt sich seit jeher begruesst? Dr. Alfred Karger-Quito. ARABER IM LAND An der Universitaet Jerusalem gibt es 22 arabische/ Studenten. Keiner ist aber in der medizinischen oder landwirtschaftlichen Fakultaet eingeschrieben, was auf israelischer Seite sehr bedauert wird, weil diese Berufe den Arabern am nuetzlichsten waeren. Die arabischen Studenten muessen keine Studiengelder entrichten und erhalten Stipendien. Viele Araber sind als Polizisten, Lehrer, Postbeamte und an oeffentlichen Arbeiten beschaeftigt. Im Buero des Premiers arbeiten drei Araber, im Finanzministerium 56, im Gesundheitsministerium 56, im Ministerium fuer Landwirtschaft 19, im Arbeitsministerium 15, je 7 in den Aemtern fuer Wohlfahrt und Handel, 6 in der Justiz und je vier im Innen und Erziehungs ministerium. 262.000 Dunam Ackerboden wurden den arabischen Eigentuemern zu. rueckgegeben, viele andere haben Entschaedigungen erhalten. Seit der Staatsgruendung hat sich die Zahl der arabischen Einwohner verdop pelt, und ihre landwirtschaftliche Produktion macht 25 Millionen Pfund aus. Suedamerikanische Investoren Juliu Julius Bab, dessen Ableben die Tageszeitungen meldeten, ist aus der Theater —und Literaturgeschichte des ersten Dritttels dieses Jahrhunderts nicht wegzudenken; so vielseitig und produktiv war sein Wirken in der damaligen deutschen Hauptstadt, in welcher er am 11. Dezember 1880 das Licht der Welt erblickt hatte. Aus einem profunden, Wissen schoepfend, hat sich Bab im damaligen Kulturleben sehr erfolgreich betaetigt. Er ist einer der beliebtesten Dozenten fuer literarische Themen an der “Humbolthochschule” gewesen und gleichzeitig Dramaturg der Berliner “Volksbuehne” Theaterkritiker der bei Rudolf Mosse erschienenen “Berliner Volks. zeitung”, und nebenher ging seine schriftstellerische Taetigkeit. Goethe und Anzengruber, Shaw und Dehmel bildeten den Gegenstand seiner besonderen Studien; fuer die beiden letztgenannten war Bab zu einem Zeitpunkt bereits eingetreten, als diese Autoren noch heftig umstritten waren. War er ein hochbegabter Stilist, so ist sein Vortrag nicht weniger bedeutend gewesen. Hinreissend . vermochte er auf dem Vortragspult zu wirken, ein grosses Publikum zu fesseln, gleichgueltig, ob er einen Autor und dessen neuestes Buch MAGBIT 5715 s Bab besprach oder ueber einen Buehnen— oder Filmschauspieler. Bab’s besondere Liebe galt dem Theater; was er hierüber geschrieben, gehoert zu dem Besten, was es auf diesem Gebiete gibt. An dieser Stelle sei das grosse Werk ueber Albert Bassermann erwaehnt, das im Jahre 1929 erschienen war und von einer beispiellosen Einfuehlungsgabe in das Wesen dieses genialen Menschengestalters zeugt. Im vergangenen Jahre liess er ein aus dreissig Biographien bestehendes Buch “Kraenze dem Mimen” herauskommen, das nunmehr auch hierher gelangen wird; es duerfte das letzte Buch des grossen Theaterkenners sein. Julius Bab war ein bewusster und taetiger Jude. Lange Zeit hindurch hatte er dem Hauptvorstande des “Centralvereins”, in Deutch- 1 a n d angehoert, und die Zahl der an der “Freien Jued i s c h e n Volkshochschule” und im “Juedischen Kulturbünde” von ihm gehaltenen Vortraege ueber juedische Themen ist gross. Das Schicksal liess ihn noch 1939 die rettende Kueste Amerika’s erreichen, und dort ging sein literarisches Schaffen weiter; Der “Aufbau’ und der “New World Club” gaben ihm Moeg lichkeiten des Wirkens, vielleicht nicht genug fuer diesen rastlos schaffenden Geist. Nun ist er, nachdem er mit seiner tapferen Lebensgefaehrtin vor wenigen Monaten das Fest der Goldenen Hochzeit feiern durfte, dahingegangen, ein Kaempfer, fuer alles Grosse und Schoene in der Welt, ein edler Mensch und ein stolzer Jude. CURT WILLK Die Investitionsgesellschaft Uruguay — Israel, die eine Gruppe suedamerikaniseher juedischer Kapitalisten, mit Alfredo Korn, einem bekannten argentinischen Industriellen und Zionisten an der Spitze, repraesentiert, beschloss sich an der israelischen Agrobank zu beteiligen und sie zu einem wirtschaftlich-finanziellen Instrument auszubauen, die die uebrigen suedamerikanischen Juden zu Investitionen in Israel anregen wird. Eisenbahnen Mit der Ankunft von vier neuen Diesel - Lokomotiven, jede von 1400 PS., auf der s. s. Dagan, begann die Umstellung der Eisenbahn auf Dieselbetrieb. Einige Dutzend Dampflokomotiven wurden damit ueber. fluessig. Am Ende des Mandats uebernahm die Eisenbahn von den Briten einen Besitz im heutigen Wert von 90 Mili. IL. Die Bahn befoerdert an Tagen von Hochbetrieb 18.000 Fahrgaeste, sie besitzt ein Geleisenetz von 345 Km., davon 60 Km. neue Strecken. 80 Km werden mit der Vollendung der Beer Schewa-Bahn hinzukommen. In 4—5 Jahren wird die Bahn nach Kurnuk in die Steinbruecke vollendet und die Emek-Bahn fuer den Transport von Industrie- und Landw irtschaftsprodukten ausgebaut werden. Vorgesehen ist weiter eine Linie Edom-Filat. 40 Prozent der Gueter-Wag. gons fahren heute leer, weil es vom Sueden nach Norden fast keine Frachten gibt. Im kommenden Jahr wird die Bahndirektion Nebengeleise bis an verschiedene Fabriken heranfuehren, von der noeti- Stille Mahnung Dass Ihr, die “jenes “miterlebt, heut unbekuemmert eure Strasse geht als waer dergleichen nie geschehen — und haette nicht der Greueltaten furchtbarste entsetzt, betaeubt, erstarrend, gleich Wahngebundenen mit angesehn—? Dass Menschensinn vergessen kann, in Alltagskleinlichkeit verstrickt, Vergangenes nicht mehr erblickt— des Schmerzes dunkler Seelenlaut nicht mehr vernehmbar ist— weil schales Interesse sich an Nichtigem erbaut?— Dass ihr nicht rueckwaerts blickend folgt der Trauer tief gegrabner Spur— dass in sich saugend Raum und Zeit nicht stille steht die Weltenuhr, so lang —bis, suehnend ueberm Aschen— meer der modernden Skelette, das Urgewollte sich erhebt, der Schoepfung Sinn und Wert, erneut den heilgen Keim zu kuenftig Fruchtendem zu wahrem Menschentum belebt. GRETE KRUEGER DAS ZIONISTISCHE WORT IN DER STUNDE DES ENDES DES DEUTSCHJUEDISCHEN ZUSAMMENLEBENS “Tragt ihn mit Stolz, den gelben Fleck!” Es ist nicht unsere Art, zu lamentieren. Auf Ereignisse von dieser Wucht mit sentimentalen Salbadereien zu reagieren, ueberlassen wir jenen Juden einer vergangenen Generation, die nichts gelernt und alles vergessen haben, Es bedarf heute eines neuen Tones in der Diskussion juedischer Angelegenheiten. Wir leben in einer neuen Zeit, die nationale Revolution des deutschen Volkes ist ein weithin sichbares Signal, dass die alte Begriffswelt zusammengestuerzt ist. Das mag fuer viele schmerzlich sein, aber in dieser Welt sich behaupten kann nur, wer den Realitaeten ins Auge sieht. Wir stehen mitten in einer gewaltigen Umwandlung des geistigen, potilischen, sozialen und wirtschaftlichen Lebens. Unsere Sorge ist: Wie reagiert das Judentum? Der 1. April 1933 kann ein Tag des juedischen Erwachens u. der juedischen Wiedergeburt sein. Wenn die Juden wollen. Wenn die Juden reif sind und innere Groesse besitzen. Wenn die Juden nicht so sind, wie sie von ihren Gegnern dargestellt werden. Das angegriffene Judentum muss sich zu sich selbst bekennen. Dass die Boykottleitung anordnete, an die boykottierten Geschaefte Schilder “mit gelbem Fleck auf schwarzem Grund” zu heften, ist ein gewaltiges Symbol. Diese Massregel ist als Brandmarkung, als Veraechtlichmachung gedacht. Wir nehmen sie auf und wollen daraus ein Ehrenzeichen machen. Viele Juden hatten am Sonnabend ein schweres Erlebnis. Nicht aus innerem Bekenntnis, nicht aus Treue zur eigenen Gemeinschaft, nicht aus Stolz auf eine grossartige Vergangenheit und Menschheitsleitung, sondern durch den Aufdruck des roten Zettels und des gelben Flecks standen sie ploetzlich als Juden da. Von Haus zu Haus gingen die Trupps, beklebten Geschaefte und Schilder, bemalten die Fensterscheiben, 24 Stunden lang waren die deutschen Juden gewissermassen an den Pranger gestellt. Neben anderen Zeichen und Inschriften sah man auf den Scheiben der Schaufenster vielfach einen grossen Magen David, den Schild Koenig Davids. Dies sollte eine Entehrung sein. Juden, nehmt ihn auf, den Davidsschild, und tragt ihn in Ehren! Man weiss, wer Jude ist, Ein Ausweichen oder Verstecken gibt es nicht mehr. Die juedische Antwort ist klar. Es ist der kurze Satz, den Moses zum Aegypter sprach: Ivri anochi. Ja, Jude. Zum Jude-Sein Ja sagen. Das ist der moralische Sinn des gegenwaertigen Geschehens. Wir gedenken aller derer, die seit 5000 Jahren Juden genannt, als Juden stigmatisiert wurden. Man erinnert uns, dass wir Juden sind. Wir sagen Ja, und tragen es mit Stolz. ROBERT WELTSCH gen Investition von 900,000 II, wird sie 400.000 IL selbst zur Verfuegung stellen. Der Rest soll von den Unternehmern getragen - werden. Der Frachttransport stieg in diesem Jahre um 300,000 Tonnen und die Maximalkapazitaet ist derzeit 1,6 Mil. Tonnen jaehrlich. Wir uebernahmen 2500 Gueterwaggons von den Englaendern, die im Durchsschnitt aelter als 30 Jahre sind und von den 75 Lokomotiven, waren viele ebenso alt, Jede Reparatur einer Lokomotiv erfordert 30000 Arbeitsstunden, die neuen Diesel - Lokomotiven werden diesen Zustand voellig aendern Mit dem Eintreffen des neuen Wag en parks aus Deutschland wird die Kapazitaet auf 2,6 Mill. To. im Jahre steigen. Die neuen Personenwaggons werden den Einsatz von 12 Zuegen im Tag zwischen Haifa u. Tel Aviv und den Ausbau des Verkehrs nach Jerusalem, Migdal, Ludd und Naharyia ermoeglichen. Heute gibt es 40 Personenwaggons, in d. naechsten Zeit kommen 8 neue Waggons und in der Jahresmitte 10 Motorzuege fuer je 300 Passagiere aus Deutschland. Das Personal wird durch intensive Kurse den neuen Arbeitsbedingungen angepasst werden.

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