Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVII (1955)
- Issue
- 4 (Abril, 1955)
- Date
- 1955-04-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 BOLETIN INFORMATIVO Abril, 1955 Fallschirmspringer vor dem Absprung Eine Flugzeugstaffel steigt mit abgeblendeten Lichtern vom Flugplatz irgendwo im Lande auf und wendet sieh einem anderen, weit abgelegenen Flugplatz zu In jedem einzelnen der zu dieser Staffel gehoerenden Flugzeuge sitzt eine Gruppe Fallschirmspringer in Bereitschaft und wartet auf das Zeichen zum Absprung. Ploetzlich erscheint im Innern der Flugmaschine ein rotes Licht; die jungen Burschen stellen sich, gegenueber der geoeffneten Tuer, in einer Reihe auf — und dann ein gruenes Licht, und sofort verschwindet einer nach dem anderen im dunklen Raum. Es ist eine dunkle Nacht und nur unscharf erkennt man in der Ferne die Umrisse der abspringenden Fallschirmer. Doch “der Feind” hat diese Gestalten rechtzeitig bemerkt, und auf dem betreffenden Flugplatz alle Vor bereitungen getroffen. Der Kommandant der Luftbasis erhielt bereits die Meldung; Fallschmspringer im Anzug, Die jungen Fallschirmspringer sind inzwischen an einem Punkt angelangt, der sich nur wenige Kilometer von dem eigentlichen Flugplatz entfernt befindet Langsam naehern sie sich dem Flugfeld, unter Einhaltung peinlichster Vorsichtsmassnahmen, und sie bemuehen sich nach besten Kraeften, nicht entdeckt zu werden Waehrend sie sich ihren Weg zum Ziel bahnen, versucht eine andere Gruppe von Fallschirmspringern, die “feindliehen” Kraefte von der Haupt gruppe abzulenken; denn diese hat die Aufgabe, auf dem “feindlichen” Flugplatz soviel Flugzeuge des Feindes wie nur irgend moeglich zu vernichten. Wie aber werden bei Manoevern Flugzeuge “vernichtet”? Es gibt da eine einfache Methode: Der betreffende Flugapparat wird — mit Farbe uebermalt, und wenn es den “Angreifern” gelingt, sich beispielsweise 10 Flugzeugen auf dem Flugfeld zu naehern und sie mit Farbe zu uebermalen, so bedeutet das, dass sie “10 feindliche Flugzeuge vernichtet haben” Die Hauptaufgabe solcher Fallschirmer Aktionen ist es ja, eine moeglichst grosse Anzahl von Flugzeugen des Feindes auf dem Boden zu vernichten; denn ein Kampf in der Luft ist meist wesentlich schwerer als das Ringen auf dem Boden. Wie aber verteidigen sich die mit dem Schutz der Flugzeuge auf dem Flugplatz betrauten Kraefte gegen solche Ueberraschungsangriffe? In erster Linie werden zur Abwehr starke Scheinwerfer eingesetzt, die ununterbrochen die Gesamtflaeche des Flugplatzes absuchen und in deren grellen Schein, etwa annaehernde feindliche Truppen entdeckt werden koennen Ein Fallschirmabspringer, der in solche Lichtgarben geraet, ist praktisch “des Todes” sicher; wenn es ihm aber trotzdem gelingen sollte, sich noch weiter den Flugzeugen zu naehern, so muss er mit direktem Maschinengewehr - oder Gewehrfeuer rechnen. 7 Jahre Israel (Schluss) IV Nur wer die Bedeutung der Gleichzeitigkeit all dieser revolutionaeren Umwaelzungen begreift, der wird auch verstehen, dass all die Schwierigkeiten und Schattenseiten des israelischen Lebens unvermeidlich waren und sind. Das Lagerleben von hunderttausenden Einwanderern; der langsame Uebergang vom Lager, durch die Maabaroth, bis zur Einordnung; die anfaengliche Notwendigkeit, die Lebensmittel und die wichtigsten Bedarfsartikel mittels eines Cupon-Systems zu verteilen, um Hunger und Not zu vermeiden; der schrittweise Uebergang zu normalen prod u k t i v e n wirtschaftlichen Formen, da Hunderttausende schon aufgehoert haben nur Verbraucher zu sein, und sich in Produzenten von Milch, Gemuese und anderen Artikeln verwandelt haben. Nicht wenige Erscheinungen, welche auf den ersten Blick wie Gegensaetze wirtschaflicher Systeme und Anschauungen aussehen, erweisen sich als gesetzmaessige Entwicklungsstadien, als sozial-politisch und wirtschaftlich logische Etappen bei der Verwandlung von 700 000 Konsumenten in hunderttausende Produzenten. Auch auf landwirtschaftlichem Gebiet hat sich ein re. volutionaerer Prozess vollzogen; im Verlauf der letzten 3 bis 4 Jahre hat die israelische Landwirtschaft angefangen das Land in Hinsicht auf die Emaehrung auf eigene Fuesse zu stellen, was als wichtigster Faktor in der nationalen Wirt Schaft bezeichnet werden kann. Dank der Neueinwanderer, die sich der Landwirtschaft zugewandt haben, hat Israel heute soviel Gemuese, Milch und Eier wie es zu seinem eigenen Bedarf gebraucht und dank dieses Umstandes hat das Land die schwerste Krisis seit seiner Selbstaendiekeit ueberwinden koennen. Jetzt, mit der Fruchtbarma. chung des Negew 'und dank des Fortschrittes im Bewaesserungssystem, naehert sich Israel der vcllstaendieen Loe. sung seines Lebensmittelproblems. Gleichzeitig mit der Landwirtschaft stehen wir auch am Beginn der Ausbeutung von Israels natuerlichen Bodenschaetzen und dem Wachstum der Industrie. V Nicht weniger wichtig ist auch noch eine andere Erscheinung, von der die Welt um uns herum noch so gut wie gar nichts weiss, obwohl dies vielleicht der interessanteste Asnekt der neuen israelischen Wirklichkeit ist: Das Aufbluehen der neuen he. braeischen Kultur. Erst vor ein oder zwei Generationen, als der heutige Ministerpraesident von Israel, Mosche Sharett, noch ein Schueler des-gerade erst gegruendeten hebraeischen Gymnasiums in Tel Aviv war, zaehlte die ganze “Hebraeischsprechende Nation” nur einige wenige hundert Jungen und Maedchen. In den Augen des cberflaechlichen Beschauers sah das aus, wie eine kuenstlich gezogene Pflanze, die nur in einer Treifohausatmosphaere, bei regulierter Temperatur und Feuchtigkeit gedeihen kann. Jetzt aber steht es schon ausserhalb jeder Frage, das wir auch auf diesem Gebiet das entscheidende Entwicklungsstadium schon hinter uns haben. Die hebraeische Sprache und die neue hebraeische Kultur sind bereits der natürliche Ausdruck im Leben und Schaffen von etwa einer Million Menschen, darunter einer halben Million Kinder und Schueler der Kindergaer. ten und Schulen Israels, deren Zahl unaufhoerlich waechst. Es handelt sich also nicht mehr um eine Treibhauspflanze, sondern um einen richtigen Wald, der nach seinen eigenen Naturgesetzen lebt, blueht und gedeiht. Wie gesagt, hat die Welt ausserhalb Israels (sowohl die nichtjuedische als auch die juedtsche) die Bedeutung dieses Faktors noch nicht abzuschaetzen verstanden. Sie hat noch nicht den eigenartigen Duft dieses neuen Waldes und seiner juengsten Blumen und Fruechte eingeatmet. den Duft der im Sprachreichtum und In den verschiedensten literarischen Formen zum Ausdruck kommt, in Prosa, Poesie, Drama, Satire in der Bibelforschung und der Archaeologie — ein neuer Gesichtswinkel, eine neue Welt, die ihre Lebenskraft nicht nur von alten Buechern sondern auch vom jungen und pulsierenden Leben bezieht, von der Muttererde und vom Zauber ihrer Landschaft sowie von ihren verborgenen historisch - archaeologischen S c h a e t zen, welche in ihrem Inneren durch Jahrtausende verborgen waren, damit die Generation der nach Zion Heimkehrenden sie aufs Neue entdecken soll... Es ist schwer, in Worten jener wunderbaren Symphonie der neuen und neuesten hebraeischen Kultur Aus. > druck zu verleihen —jener seltsamen H a r m o ni e, die durch das Zusammenstroe. men der verschiedensten Motive entsteht; der elegisch schwermuetigen und heitermutigen, der westlich-modertraeumten... Es ist keine Fra. nen und orientalisch - verge, dass die Welt, wenn sie nicht vom Feuer eines neuen Krieges umschlungen wira, sehr bald aufhorchen und das Aufbluehen dieser neuen Kultur am oestlichen Ufer des Mittelmeeres erkennen wird, einer Kultur, welche die tiefsten und aeltesten Wurzeln, aber gleichzeitig die juengsten und modernsten Blumen im vielfarbigen Garten der Menschheit aufzuweisen hat. VI Der 7. Jahrestag Israels findet das Land in voller Entwicklung von vier oder fuenf historischen Prozessen auf allen Lebensgebieten: Landesverteidigung, Sammlung der Zerstreuten und Verschmelzung der diversen Staemme zu einem Volk, Urbarmachung von Wuestenland, Formung der sozialen und wirtschaftlichen Einheit sowie die Wiederbelebung der altneuen hebraeischen Kultur dieses alles zur gleichen Zeit, mit maechtigem Rhythmus, eine Erscheinung, die sicherlich nicht ihresgleichen in der Weltgeschichte hat. Dies Ist* eine Geburtsstunde und, wie jede Geburtsstunde, so Ist auch diese von Die einzige gerechte Loesung TRYGVE LIE UEBER DIE EREIGNISSE UM DIE STAATSGRUENDUNG ISRAELS Der ehemalige Generalsekretaer der Vereinten Nationen, Trygve Lie, spracht neber die Ereignisse, die vor sieben Jahren zur Gruendung des Staates Israel fuehrten. Er bezeichnete die Resolution der Vereinten Nationen vom 27. November 1947, die die Aufteilung Palaestinas bestimmte, als einen entscheidenden Schritt zur endgueltigen Wiedererrichtung des juedischen Staates. Als UNO-Generalsekretaer sei es seine Aufgabe gewesen, den Beschluss durchzusetzen, ungeachtet seiner persoenlichen Ueberzeugung. Aber in diesem Falle haette sich sein persoenlicher Standpunkt mit dem der Vereinten Nationen gedeckt. “Ich war ebenfalls ueberzeugt”, sagte Lie, “dass die Errichtung eines unabhaengigen juedischen Staates in einem Teile Palaestinas die einzige gerechte und praktische Loesung war”. Trygve Lie bemerkte, dass er stolz auf die Rolle der Vereinten Nationen in der Palaestinafrage sei, jedoch enttaeuscht von dem, was die UNO bisher in den Beziehungen Israel-Araberstaaten erreicht habe. Die Tragoedie des Palaestinakrieges haette sich wahrscheinlich nie ereignet, wenn die Welt schneller gehandelt und mit groesserer Entschiedenheit zum Novemberbeschluss der UNO gestanden haette. Die verzweifelte Lage der arabischen Fluechtlinge ist nach den Worten Lies eine der bittersten Fruechte des Palaestinakrieges. Die Fluechtlinge selbst wuerden nie in der Lage sein, ihren Lebensstandard zu ver. bessern — trotz der Hilfe durch die UNO—, wenn nicht ein praktisches Wiederansiedlungs- und Wiedereingliederungsprogramm mit grossmuetiger Hilfe “von draussen” in die Tat umgesetzt werde. Trygve Lie lobte die Haltung Israels gegenueber den juedischen Fluechtgen und den Einwanderern als “ein Beispiel dessen, was getan werden koennte”. Gedanken... [Schluss] Beide Ziele sind ohne Krie. g e und Erschuetterungen zu erreichen, es ist eine Aufgabe der Diplomatie in einer Welt, die steten Aenderungen unterworfen ist, sie haengt von historischen Gelegenheiten ab, die sich rascher in unserer Zeit ergeben, als jemals frueher. Der Schreiber dieser Zeilen hat im Aufträge einiger israelischer Blaetter an den Vollversammlungen der Vereinten Nationen teilgenommen und durch persoenliche Wahrnehmungen und Eindrücke, durch Gespraeche mit den Vertretern der Maech tigen dieser Welt sich von einer Wahrheit ueberzeugt: Weder der Druck der einen oder anderen Grossmacht kann die heutigen arabischen Politiker dazu bringen, mit. uns Frieden zu machen. Ganz einfach weil wir fuer sie die Ausrede fuer ihr Versagen in ihren inneren politischen, sozialen und kulturellen Schwie rigkeiten bilden. Nur eine dynamische Aussenpolitik der jungen Medinat Israel, kombiniert und koordiniert mit der zionistischen Weltorganisation, die gewisse Momente in der Entwicklung der weltpolitischen Lage ausnutzen muss, wird uns auch diesem zionistischen Ziel naeher bringen. Ebenso ist eine wirtschaftliche und politische Fundierung des jungen Staates mit seinen empfindlichen Grenzen erforderlich. Fuer uns —die ueberwiegende Mehrheit des Jischuws, die Soldaten aller Parteien, Schmerzen und von Freude begleitet, von Schmerzen der Verzweiflung und der Hoffnung, ausgeloest durch die hoechste Konzentrierung aller Kraefte in einem kurzen transzendentalen Moment, in dem eine ganze Welt erschaffen und gewonnen wird. (Aus dem Jiddischen uebersetzt von W, K.) von Maoai bis zu Cheruth, ist das keine Illusion, sondern das von den einen bereits ausgesprochene, von den anderen nur gefluesterte Ziel. Unsere Sache ist gerecht, denn immer enger werden die judensicheren Gebiete, immer enger der “juedische Lebensraum” und immer groesser die Notwendigkeit einer zionistischen Loesung. Frieden im Mittleren Osten bedeutet nicht Frieden mit den Effendis und Unterdrückern der arabischen Massen wie Na. guib oder Shishakly, diesen Marionetten fremder Interessen und Diktatoren in Miniaturausabe, die nur in den Zeiten eines kalten Krieges moeglich sind und beim ersten Hauche einer neuen Zeit verschwinden werden. Sieben Jahre sind seit dem Tage der Proklamation Israels verflossen. Es war keine leichte Aufgabe fuer die Regier u n g, und die Regierten in Israel; er war nicht einfach, fuer Menschen, die ins Land stroemten und durch ihre Abstammung, die einen von den anderen, tausend Jahre Differenzen auf weisen, im Benehmen und Koennen, von dem Jungen aus Brooklyn bis zu dem Maedchen aus Yemen. Es war eine Zeit der Fehler und der Erfolge, beides natuerlich, beides unvermeidlich, beides verstaendlich, die als Lehren fuer die Zukunft gelten sollten. Vieles vom juedischen Interesse an Israel ist Alltag geworden. Ein ausgetraeumter Traum, eine erfuellte Sehnsucht schaffen eine gewisse Leere. Und doch ist das, was existiert, der juedische Staat in seinen heutigen Grenzen; nur ein Anfang, eine Etappe auf dem Wege zu dem weiteren Ziel, fuer das Menschen und Nationen leben: Ki mi Zion tezeh Thora — Schritt auf dem Weg wo Israel in der Vorhalle des geheimnisvollen Asiens seine Rolle spielen wird, nicht nur politisch und wirtschaftlich, sondern auch 1 geistig.