Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVI (1954)
- Issue
- 8 (Agosto, 1954)
- Date
- 1954-08-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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BOLETIN 1NFORMATIVO Agosto, 1954 12 -.* “Ich bim Der geniale Staatsmann unserer Zeit, Sir Winston Churchill, hat bei seinem Besuch in Washington feststellen muessen, wie stark die aui den englischen Inseln vorherrschende Beurteilung der Weltlage davon abweicht, wie sich diese in den Koepfen der fuehrenden Persoenlichkeiten der USA wiederspiegelt. Tapfer und taktvoll verbarg der englische Ministerpraesident waehrend und nach seiner Staatsvisite seine Enttaeuschung angesichts der grundlegenden Meinungsverschiedenheiten zwischen den angelsaechsischen Nationen, die nicht nur nicht bereinigt werden konnten sondern deutlicher denn je zu Tage traten. Doch in einer Angelegenheit liess der grosse Mann seine diplomatische Zu Zionist” rueckhaltung fahren: ueber seine Einstellung zu Israel konnte und wollte er nicht schweigen! Das Interview mit den etwa tausend Pressevertretern Nordamerikas gab ihm die Gelegenheit, in Gegenwart Staatssekretaers John Foster Dulles eine unmissverstaendliche Erklaerung abzugeben. Er faende es wundervoll, meinte Churchill, wie sich die Juedische Gemeinschaft in Palaestina eingelebt und Wue sten in fruchtbare Gaerten und bluehende Staedte verwandelt habe; sie haette damit eine ¡Zufluchtsstaette fuer ihre von Hitler —und nicht nur .von ihm!— verfolgten Glaubensbrueder geschaffen. Er faende dies wundervoll, wiederholte Churchill und setzte hinzu, dass die Araber, welche er gleichfalls schaetze, im friedlichen Einklang mit den Juden die Region entwickeln helfen sollten. “Lasst uns die berechtigten Bestrebungen der Zionisten unterstuetzen!” schloss Churchill und erteilte damit der nordamerikanischen Politik im Mittleren Osten einen Tadel und Hilfssekretaer Byroade, der sein Veto gegen juedische Einwanderung nach Israel einzulegen versucht hatte, eine gehoerige Abfuhr. Am eindrucksvollsten nahm sich aber doch der einleitende Satz dieser fuer einen hohen Ehrengast ungewoehnlich vehementen Erklaerung aus. In einer Zeit, wo die zionistische Idee, je nach Breitengrad und Temperament, zum alten Eisen geworfen, zur unbequemen Chimaere oder gar zum Hochverrat gestempelt werden soll, lautete dieser Satz, schlicht und klar: “Ich bin Zionist!”.! Bundespraesident Heuss bei der Batifizie rung dea Wiedergutmachungsabkommens. w «■ v' * ' * \ i&ft# mm WM mm IIIIäI •Ä'SX*» mm Mmm liiii m>$y. Mm Der erste Gruss Die Gefuehle aufrichtiger Bewunderung, ja dankbarer Liebe, die jeder ehrlich denkende Mensch fuer die deutschen Widerstandskaempfer gegen den Hitlerbarbarismui empfinden muss, sind meist von der traurigen Feststellung begleitet, wie gezaehlt doch die Gerechten —bei allen Voelkern!— sind. Die Problematik der juedisch-deutschen Beziehungen in den auf die grauenvollen Geschehnisse felgenden Nachkriegsj ähre wurde dadurch verschaerft, dass es leider nicht nur die Vertreter des antifaschistischen Widerstands waren, die in der Bundesrepublik zu Wort« kamen. Wenn sich aber trotzdem die Beziehungen im Laufe der Zelt verbesserten, ja sich nahezu normalisierten, so ist das sowohl besonneneren Elementen in Israel und der Weltjudenheit zu verdanken wie auch dem redlichen Bemuehen einiger fuehrender Persoenlichkeiten Deutschlands, ueber deren aufrechte Haltung waehrend der Schicksalsjahre keinerlei Zweifel bestehen kann: Bundeskanzler Adenauer, Professor Boehm, Dekan Maas, Erich Lueth und andere waeren da zu nennen. Hervorragend unter ihnen aber ist der Bundespraesident Professor Dr. Th. Heuss. Di#ser sandte, wte j«tzt vsroeffentlicht wurde, ein Glueck wunschtelegramm anlaesslich des sechsten Staatsfeiertags Israels an Praesident Jizchak Ben-Zvi, in welchem er seine aufrichtigen besten Wuensche fuer das Wohlergehen des juedischen Staates zum Ausdruck brachte. Israels Staatsoberhaupt dankte Professor Heuss in einem Antworttelegramm. Es ist dies der erste Notenwechsel zwischen Israel und Deutschland. Wen freute es nicht, in dieser hasserfüllten Welt diese Geste beginnender Aussoehnung zu beobachten? Lob, rechts und links Die Kunst, allen Menschen recht tun, kann wie das Sprichwort sagt, niemand. Auch Israel, dynamisch wie es auch sein mag oder gerade weil es so ist, muss sich notwendigerweise neidische F e in d e schaffen. Wieviel Freunde es sich aber in den verschiedensten Lagern erwirbt, bleibt erstaunlich. Hedley V. Cooke, langjaehr i g e r nordamerikanischer 'Konsularbeamter im Vorderen Orient, gibt eine nuechterne Beschreibung im “Middle Erstem Affairs” der Anwendung, welche die Kapitalien und Anleihen aus der westlichen Welt in jenem Sektor fanden. Die 3,8 Billionen privater und oeffentlicher Anleihen und Kapitalsinvestitionen, die aus dem Westen in den Mittleren Osten im Lauf der letzten zehn Jahre stroemten, brachten im allgemeinen wenig Nutzen, muss der erwaehnte Bericht festeilen. Saudi Arabien, Irak usw. benutzen die riesigen ihnen zur Verlegung stehenden Geldsummen hauptsaechlich zur Finanzierung ueppiger Fuerstenhoefe. Nur die Tuerkei konnte mit ihren Anleihen (45%. der Gesamtsumme) ihre Wirtschaft entwickeln. Israel, das etwa 20% der von Amerika an den Osten bewilligten Anleihen erhielt, war “imstande, seine hauptsaechlichen Ziele zu verwirklichen” (Vordoppelung der Bevoelkerung, wirtschaftlicher Fortschritt bis zur Stabilitaet, Aufstellung einer die Sicherheit garantierenden Armee usw.) Das Geld, das nach Israel ging, hat etwas geleistet. Von einem vollkommen verschiedenen Blickwinkel aus, faellte der Fuehrer des extremen Fluegels der englischen Arbeiterpartei, Aneurin Bevan, sein Urteil ueher Israel, das er auf seiner Tour durch Klein— und Vorderasien kennen und mit den Nachbarn vergleichen gelernt hatte. Der juedische Staat, erklaerte Bevan, zur Hilfe an Israel aufrufend, sei eine der hoechsten Errungenschaften der modernen Zivilisation. Er, Bevan, fuehle sich verpflichtet, seine M ein u n g kundzugeben, wonach das soziale Experiment in Israel das bedeutungsvollste der ganzen Welt sei und dass er eine grosse Reihe eigener Prinzipien durch es bestaetigt gesehen habe. Die zionistische Bewegung, welche in den sogenannten Volksdemokratien als konterrevolutionaer angesehen wird, kann sich mit diesem Lob aus berufenem sozialistischen Munde (der, wie seinerzeit berichtet, an der aegyptischen Sc h e 1 n r e volution scharfe Kritik uebte!) zufrieden geben, Hehler des “J” Die Amtsstellen des Dritten Reiches verfielen in ihrem systematisierten Sadismus darauf, die deutschen Paesse von Juden mit einem besonderen Kennzeichen zu versehen. Die deutschen Konsule im Ausland verstanden, dass die Besitzer der gebrandmarkten Paesse keinen Anspruch auf ihre Hilfe und Schutz zu beanspruchen haetten, und dass diese oft ein Touristenvisum auszunutzen versuchten, um als Einwanderer in ein neues Land zu gelangen, hatten die fremden Regierungen bald heraus. Es war (und ist) schwer, in ferne Laender zu reisen, fuer Leute mit dem grossen, roten “J” im Pass war es oft unmoeglich. Wieviel Menschenleben mag diese Polizeimassnahme auf dem Gewissen haben? Der fuenfte Band der von den Vereinigten Staaten, Grossbritannien und Frankreich gemeinsam publizierten Akten zur deutschen auswaertigen Politik von 1918 bis 1945 hat nun ueber die Vorgeschichte dieser Kennzeichnung von Paessen neues Licht geworfen. Nach Pruefung der Dokumente sah sich der sozialdemokratische Nationalrat Oprecht veranlasst, gegen den Chef der Eidgenössischen Polizeiabteilung in d«r Schwei/, Dr. Rothmann, die schwere Anklage zu erheben, das3 er den Nazis die Anregung zu einer Kennzeichnung gegeben habe. Die Diskriminierung der deutschen Juden sei so weit von.. einzelnen schweizerischen Behoerden gefoerdert worden, dass diess manchmal die Eintragung eines “J” s el b s t Vornahmen. Von schwerwiegender Bedeutung sei auch, dass eine moe gliche Diskriminierung schweizerischer Juden in einem Abkommen mit Deutschland in Aussicht genommen worden s@i Wir sind bereit anzunehmen, dass diese Anschuldi gungen nicht in vollem Umfang aufrecht zu erhalten sein moegen; gewiss war die Verbrecherische Rassenpolitik des Hitlerreichs letzte Ursache fuer die perversen Auswuechse einer entmenschten Buerokratie. Die Tatsache aber bleibt bestehen, dass offizielle Vertreter der Schweiz sich mit. Nazihenkern ueber das Zeichen im Pass unterhalten und geeinigt haben! Dies allein ist Grund fuer schwerste Anklage: Amsterdamer Transportarbeiter haben ihr eigenes Leben in einem grossen Streik aufs Spiel gesetzt (und viele verloren!), um Juden vor dem Verschikk«n zu erretten; englisch« /