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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1954-08-01 · 8 (Agosto, 1954) · p. Seite 11

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVI (1954)
Issue
8 (Agosto, 1954)
Date
1954-08-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Agoato, 1964 BOLETIN INFORMATIVO II A Garten und Bücher Von Heinz Risse -V Wenn du einen Garten hast und Buecher, so fehlt es dir ah nichts. Der Satz ist alt, er stammt aus dem Latenischen, auch auf Deutsch ist er einmal geglaubt worden, heute nicht mehr. Was ist das schon: ein Garten und Buecher? In einem Garten kann man spazieren gehen, Kohl oder Blumen ziehen und die Hecke so hoch wachsen lassen, dass einem keiner hineinsieht, wenn man drin sitzt und liest. Das ist aber auch so ziemlich alles, was man mit einem Garten anstellen kann. Man kann weder mit dem Auto herumfahren, noch ein Fussballspiel in ihm veranstalten; ein Garten eignet sich ueberhaupt nur wenig als Schauplatz von Sensationen —wenn ein Igel darin herumraschelt, so ist das schon viel und verdient, ausfuehrlich besprochen zu werden. Insofern ist der Garten das Symbol der Genuegsamkeit in aeusseren Dingen. Wissen Sie, weshalb so wenige Leute in Wahrheit reich sind? Weil sie Beduerfnisse haben, die sie nicht haetten, wenn sie nicht Leuten glaubten, die ihnen versichern, sie muessten sie haben. Ja, so ist das. Sie kennen nur: in einem Auto oder Autobus sitzen muessen, der sie nach Rom bringt, nach Paris oder nach Bern —fuer zehn Tage, fuer acht Tage, uebers Wochenende: Mailand, das war, wo wir den angebrannten Fisch kriegten, der Satz gehoert zum Bestand teil ihrer Reiseerinnerungen. Sie sind, was die aeusseren Dinge betrifft, anspruchsvoll und also Sklaven ihrer vermeintlichen Beduerfnisse geworden, Sklaven sind immer arm. Damit die Wandlung im Geiste des heute Lebenden alten Lateiner gegenueber vollkommen sei: Dem Wachstum der Ansprueche im Aeusseren entspricht im Geistigen die Entwicklung zur Genuegsamkeit — Verzicht auf das Buch als Symbol des geistigen Beduerfnisses. Es Ist in der Tat so, als reichte es nicht mehr bis hierher angesichts der Moeglichkeit, aus Lautsprechergeriesel, Bildzeitung und Lichtspieltheater die gerade noch fuer notwendig gehaltene Kost unter moeglichst geringem geistigen Aufwand zu beziehen. Dass diese selbstverordnete geistige Askese auf die pauer das Gefuege unserer gesellschaftlichen Struktur aendern wird, ist sicher; die Umformung hat schon begonnen. Denn es ist in der menschlichen Geschichte nie entscheidend gewesen, wer die aeusseren Mittel beherrschte, sondern wer das Ingenium besass, und es gibt Kraefte, die dafuer sorgen, dass das Geld, wenn es in die falschen Haende geraten ist, wieder in die richtigen zurueckkehrt — nicht sogleich, aber doch im Laufe der Zeit. Kleider machen auf die Dauer keine Leute, und auch der Besitz des groessten Radioapparats, des schnellsten Wagens oder des k a e 11 e s ten Kuehlschranks schafft keine Individualitaeten. Das Haben schafft ueberhaupt nicht die wesentlichen Unterschiede zwischen den Menschen, sondern das Sein. Ob ich etwa glaube, fragen Sie nun, dass die Erhoehung des Seins aus dem Lesen von Buechem gewonnen werden koenne? Ja —nicht in Form eines Rezeptes freilich. Man kann nicht lesen, ohne zu denken, meine ich— was man lesen kann, ohne zu denken, sollte man nicht lesen. Denken aber ist die Voraussetzung der Gruendlichkeit, der Gewinnung des eigenen Standpunkts, der inneren Auseinandersetzung mit der aeusseren Welt. Es ist so schwer wie jede Anstrengung eben, aber es lohnt sich, und wenn man erst einem mit Lesen hingebrachten Sonntag im Garten nicht mehr als einem verlorenen nachtrauert, wird man empfinden, dass man sich auf dem Wege zum Reichtum befindet, zu jenem Zustand naemlich, in dem einem nichts mehr fehlt. D. B. Aus dem Mitteilungsblatt des Boersenvereins Deutscher Verleger —und Buchhaendler— Verbaende e. V. Vom dem Wörtern Von HILDE MARX Wie sind die Worte schwer. Wie sind wir stark, so leicht daran zu tragen. Wir koennen ohne Zittern Traene sagen und Ewigkeit und Niemalsmehr. Wir sagen Liebe und wir stehen nicht von tausend goldnen Sonnen ueberflutet. Wir sagen Tod und stemmen das Gewicht. Wir sagen Krieg und keine Lippe blutet, Geburt — wir sinken nicht ins Knie.. Atome spalten — und wir atmen noch. Wir sagen Blinder und wir lachen doch. Und Baum und Kind und Sterne und Melodie— Wie sind die Worte schwer. Und alle wagt der Mund, wagt das Gehirn. Der grosse Weltwind kuehlt die heisse Stirn und alle Zeiten stehen um uns her. BUCHBESPRECHUNG.— WOLFGANG CORDAN Israel und die Araber Wolfgang Cordan, schildert in Wort und Bild den aus der zionistischen Idee erwachsenen Staat Israel in seinem Verhaeltnis zur arabischen Umwelt, die ihm bekanntlich bitter feind gesonnen ist, aus einem Antijudaistnus, der nichts mit rassischen, aber um so mehr mit sozialen Gruenden zu tun hat: “Es ist der Hass der Traegheit und Unfaehigkeit auf die Tuechtigkeit”. Israel ist im Vorderen Orient „der Nachbar, der seinen Garten besser bestellt” kraft seiner Tuechtigkeit, aufgeschlosseneren Intelligenz und einer von “unten” her den natuerlichen Bedingungen angepassten Sozialverfassung, die in genossenschaftlichen Landgemeinden, einer Art praktischer Sozialismus also, die Methoden entwickelte, aus einem fast veroedeten Boden einen bluehenden Fruchtgarten zu machen. “Die blosse Existenz Israels wirft die Frage nach den sozialen Bestaen den im Nahen Osten auf. “Begreiflicherweise, wenn man die Zustaende in den von innerer Korruption und Diktatur bedrohten-Republiken, wie neuerdings Aegypten, und in den noch im Feudalismus verharrenden Moslem - Staaten betrachtet. Cordan berichtet aus eigener Anschauung, doch gibt er weniger einen Reisebericht als eine ausserordentlich inhaltsreiche und fesselnde ge- 'uchichtliche Entwicklung des Islam sowohl wie der zionistichen Idee und ihrer Verwirklichung. Waehrend der Islam, von Hause aus eine Nomaden-Religion, ein Reich gruendete, das nach hoher kultureller Bluete an der Unfaehigkeit, die Einheit zu bewahren, zugrunde ging, erlitten die ursprünglichen Gruender des Monotheismus, die Juden, das merkwuerdige Schicksal, unter Verlust der orientalischen Heimat in der Zerstreuung und im Ghetto sich als ein Volk zu bewahren. Cordan entrollt, weit ausholend, das Schicksal dei ehemals bluehenden; aber an innerer Uneinigkeit zerfallenden Moslem - Kulturen wie dasjenige der Juden, klar und uebersichtlich gegliedert, in ausserordentlich lebend!- ger Schilderung und mit so reichhaltiger Tatsachenkennt nis, dass der Leser eine Fuelle von Einsichten geschichtlicher, politischer und kultureller Natur gewinnt, namentlich ueber die Geschichte des Zionismus, dessen eigentlicher Begruender, Theodor Herzl, besonders eingehend gewuerdigt wird. Die Geschichte der letzten hundert Jahre des Judentums, die Geschichte dieses Volkes ueberhaupt ist ja ein allen ueblichen Geschichtstheorien widerstreitendes Beispiel der Herrschaft einer echten Idee, kraft deren ein zerstreutes, O es Buches?» Wir wollen efn Beispiel aus unserem eigenen Bezirk geben.. Man spricht von dem juedischen Volk als vom „Volk des Buches”. Der Sinn dieses Wortes ist, die starke Beziehung der Juden zum Buch als dem Ausdruck geistigen Schaffens zu kennzeichnen und damit ueberhaupt einen Hinweis auf ihren Volkscharakterim allgemeinen zu geben. Gemeint war damit ein ganz bestimmtes Buch, naemlich die “Thora”, die von den Juden durch all die Jahrtausende als eine direkte Emanation Gottes aufgefasst und —zusammen mit dem ganzen Gebiet ihrer Kommentare— zum Gegenstand des Studiums gemacht wurde. In bezug auf dieses Buch war das juedische Volk in der Tat das “Volk des Buches”; praktisch das ganze Volk war in irgeneiner Form mit seinem Studium beschaeftigt —und diese Tatsache formte weitgehend seinen Volkscharakter. In jenem Buch war der “Geist” eingefangen, und so besass das juedische Volk eine einzigartige Beziehung zum Geistigen. L. STEIN. Rembrandt - Voirag Am 24. Juni fand im Rahmen der Kulturveranstaltungen der S. C. J., ein Vortrag von Herrn Hans Jonas ueber “Rembrandt, der Magier des Lichts” statt. Herr Jonas schilderte die ersten Lebensjahre Rembrandts, die er in einer alten Muehle am Rhein verlebte, und ist der Ansicht, dass die dort empfangenen Einduecke der Lichtwirkung durch die Bunsenscheiben einen entscheidenden Einfluss auf die Kindesseele gehabt haben. Herr Jonas teilt das Schaffen dieses grossen Malers in drei Perioden ein: 1. Das Ich, die Jugendzeit, die sich durch starkes Selbstbewusstsein auszeichnet. In diese Epoche faellt die Schaffung seines ersten Gruppenbildes “Die Anatomie”, das ihn beruehmt machte. 2. Das Du und Ich. Er heiratet Saskia und verlebt mit ihr 9 glueckliche Jahre. Er malt Saskia in staendigem Wechsel, Portraet, Modell; er malt in Liebe, im Rausch. Bis Saskia, nachdem sie ihrem Sohn Titus das Leben geschenkt hat, stirbt. In diese Zeit faellt die Entstehung des Gruppenbildes, die Schuetzenkompanie, das Rembrandt seiner eigenen Auffassung entsprechend und nicht im Sinne seiner Auftraggeber gemalt hat. So verliert er nicht nur sein ueber alles geliebtes Weib, sondern auch seinen Ruhm. 3. Die Periode des “Wiederalleinseins”. Es ist die interessanteste Zeit in seinem Leben. Zu seinem Ich gesellt sich das Zusammengehoerigkeitsgefuehl zur Masse Mensch. Und wieder malt er und gibt so seinen Gefuehlen Ausdruck. Er ist der einzige Kuenstler, der uns durch seine ungewoehnlich zahlreichen Selbstportraets eine Selbstbiographie hinterlassen hat. Es ist unmoeglich in diesem Rahmen auch nur andeutungsweise die Fuelle der Gedanken, die Herr Jonas zum Ausdruck brachte wiederzugeben, wie es auch unmoeglich ist, die Feinheit des Ausdrucks und der Sprache hinreichend zu wuerdigen. Es ist bedauerlich, dass dieser Vortrag nur von einer so kleinen Gruppe Menschen besucht wurde. sss SSSfSä Synagogen - Entwurf des beruehmten Architekten F. L. Wright. Das Projekt wird von einer Gemeinde in Philadelphia durchgefuehrt werden, zum Gedenken an die Ankunft der. ersten Juden in Nordamerika vor 300 Jahren. verachtetes, unendlichen Leiden ausgesetztes Volk ueberdauerte, das, wie Cordan wohl nicht mit Unrecht meint, einzige Volk, das eine echte Ueberlieferung aus der Antike bewahrt hat. Das Erstaunliche ist, dass dies Volk auf dem Boden seiner ursprünglichen Heimat ein modernes Staatswesen aufzubauen sich faehig erweist, dessen Entwicklung in der spannungsvollen, aber nicht widersprüchlichen Mischung von Sozialismus und Privatwirtschaft ausserordentliche Energien, bis zur koerperlichen Leistung, hervorrief und die verschiedensten Elemente einzugliedem und zu binden verstand. Das schoene Bildmaterial ergaenzt sozusagen als Reisebeschreibung und sinnfaellige Anschauung den spannend zu lesenden Text, der uns Deutsche in mehr als einer Hinsicht nachdenklich stimmen duerfte: Es ist vielleicht das einzige Beispiel dafuer, dass eine im tiefsten religioese, aber dem Diesseits verpflichetete Idee die Kraft und Vernunft zur Verwirklichung erzeugt hat. H. S. (AUS “BUECHERGILDE”)

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