Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVI (1954)
- Issue
- 7 (Julio, 1954)
- Date
- 1954-07-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 BOLETIN INFORMATIVO WEIL ER! HERZL« JAHR;! Das Aktionskomitee des KKL proklamierte den 50. ’ Todestag von Theodor Herzl, den 20. Tamus 5714, als [ den Beginn von „Schnath Herzl”, des Herzljahres, das; ueberall in der juedischen Welt begangen werden soll. Als Hoehepunkt wird die Staette von Herzls Grab auf dem Herlzberg durch einen Park verschoenert werden, der diesem nationalen Ehrenmal wuerdig ist. Die zio- ■ nistischen Organisationen der USA verpflichteten sich, fuer jedes ihrer Mitglieder einen Baum im Herzlwald zu pflanzen. Die zionistischen Organisationen in anderen Laendern werden aufgerufen, diesem Beispiel zu folgen. WOLLTE, ELI] -.«•K««* Jr'rí ‘ ..V '£■ yrV; > wm mmM ÿî%&: mm SWk' WM& Symbol fuer die Judenheit Von JOSEF FRAENKEL Nach der Veroeffentlichung der Broschuere „Der Judenstaat” (1896) ging Theodor Herzl darán, aus der Idee die Tat zu schaffen. Und seine erste groesste praktische Leistung war die Einberufung und Organisierung des ersten Zionistenkongresses in Basel (1897), welches das wichtigste juedische Ereignis des 19 Jahrhunderts darstelite. Der Zionistenkongress eroeff nete die Geschichte des modernen Zionismus, formulierte das zionistische Programm („Basler Programm’), machte die Judenfrage zu einem internationalen Weltproblem und schuf die Zionistische Weltorganisation, welche nach 50 jaehriger Taetigkeit zur Errichtung des Staates Israel gefuehrt hatte. Herzl war sich gleich bewusst, dass er in Basel „das repraesentative System, also die Nationalversammlung” geschaffen hatte und er wollte, dass jeder Jude im Zionistenkongress „das Hoechste und Feierlichste” sehe. Der Kongress leitete eine langsame Demokratisierung des gesamten juedischgesellschaftlichen Lebens ein. Wahlen, nach demokratischen Vorschriften, wurden eingefuehrt. Jedes Mitglied der Zionistischen Weltorganisation — Inhaber eines Schekels — erlangte mit dem 18. Lebensjahr das aktive und' mit dem erreichten 24. Lebensjahr das passive Wahlrecht. Waehrend in den anderen Laendern Frauen um das Wahlrecht kaempften, hatte die juedische Frau die volle Gleichberechtigung noch im Jahre 1897 erzielt. Der Kongress ist bis nun die hoechste gesetzgebende Koerperschaft der Zionistischen Welt - Organisation, welcher eine Exekutive und ein Aktionscomité waehlt,. Rechenschaft ueber die vergangene Arbeit verlangt und die Politik und die praktische Arbeit fuer die Zukunft bestimmt . Wenn der Kongress tagt, urspruenglich einmal im Jahr, dann einmal in zwei Jahren und nach der Errichtung des Staates Israel einmal in drei Jahren, so richten sich dorthin die Augen des juedischen Volkes. Was dort von den Delegierten beschlossen wird, betrifft alle, die Juden im Galuth un d in Israel. Schon nach dem ersten Zionistenkongress entwarf Herzl einen Plan, ein eigenes Kongresshaus, welches ein Symbol fuer die Judenheit werden sollte, zu errichten. Am 10. Juli 1898 machte er sogar einen Entwurf in seinem Tagebuch, wie dieses „Judenhaus” aussehen soll, Gleichzeitig ersuchte er seinen Freund und Mitarbeiter Oskar Marmorek einen Bauplan zu zeichnen, welcher im „neujuedischen Stil” sein sollte, Diese Zeichnung wurde tatsaechlich auf Zionistenkongressen in Basel ausgestellt. Sie erregte unter den Delegierten Aufsehen und entfachte eine Debatte. Seit dieser Zeit traeumte man, ein eigenes „Judenhaus’’ fuer die Kongresse zu bauen. Man erkannte, dass dieses Haus fuer das juedische Volk nicht in Basel oder in einer anderen Galuthstadt stehen kann, sondern im „Judenstaat”, in Jerusalem. Herzl propagierte weiter diesen Gedanken und in seinem Zukunftsroman „Alt - Neuland” (1902) beschrieb er den Kongress-Saal als einen weiten hohen „Marmorsaal mit Oberlicht, das durch eine matte Glasdecke hereindrang”. Seit dieser Zeit strebte man nach einem eigenen Kongresshaus und man hoerte auf den Zionistenkongressen den Wunsch aeussern: „Den naechsten Kongress in Jerusalem, im eigenen Haus in Erez Israel”. Geplante» Hml-Monament auf dem Karmel WM •.V/Ajj1 WWm 'ugW wwMm 'tefe; * ' Pp a.' Ehrenwache an Herzl’s Grab THEODOR HERZL SPRICHT So stand er vor mir, als ich.siebzehn war: Gleich Koenig Saul, die Menge ueberragend, Von dunkler Trauer war sein Bart und Haar, Und seine Augen tiefe Schwermut tragend. Und seine Stimme dunkel klang und leis, Und was sie traf, verstummte in der Runde. Sie war uns allen Werbung und Geheiss Und brachte uns die allererste Kunde: „Das Land ist fern, ich will es naeher bringen. Ob ihr, ob ich es schaue, weiss ich nicht. Genug, dass ihr schon wisst, es wird gelingen, Genug, ich zeige euch — das grosse Licht. Wollt ihr zurueck ins Land? Ich will noch mehr, Ich lief zu lange durch den fremden Sand; Die Heimkehr will ich, sie ist mein Begehr, Zum Judentum noch vor dem Judenland. Was nuetzen Spaten, Hacke, Pflug und Beil, Die Kraefte, die wir in den Armen haben? O glaub mir, nur die Heimkehr ist das Heil, Du wirst dir sonst Erloesung nicht ergraben. Graebst du auch Tag und Nacht, du graebst fuer dich, Wenn du dein Volk, dein leidendes, vergisst. Ich sah sein Leid und so erkannte ich, Dass Rueckkehr noch nicht Heimkehr ist. Doch bist zu wahrer Heimkehr du bereit Zu Volk und Gott in Liebe und Vertrauen, Dann macht dir unser Land die Tore weit: Dann darfst du kommen und dann darfst du bauen!“ EMIL BERNHARD COHN Nach dem Tode Herzls verlangte David Wolffsohn, der zweite Praesident der Zionistischen Weltorganisation, in seinem Testament, dass „das Kongresshaus in Palaestina” erst dann errichtet werde, nachdem die Gebeine Herzls von Wien nach Israel ueberfuehrt wurden. Und damit das erfuellt werde, wartete das juedische Volk fuenfzig Jahre. Nun ist der Staat Israel da, die Gebeine Herzls ruhen jetzt in Jerusalem und ein alter Traum wird Wirklichkeit — das Haus des juedischen Volkes, das Kongressgebaeude. wird in Jerusalem errichtet. VERLORENES TAGEBUCH Allgemein bekannt sind die „grossen” Tagebuecher, die mit den Worten „Der Judensache erstes Buch” beginnen. Als Herzl Berichterstatter der „Neuen Freien Presse” in Paris war und sich mit der Zeit intensiv mit der Judenfrage beschaeftigte, fuehrte er ein Tagebuch, wo er seine Gedanken und Plaene, seine Handlungen und Verhandlungen, seine Begegnungen una Erlebnisse, niedergeschrieben hat. Die ersten Eintragungen erfolgten zu Pfingsten 1895. Nach einer erklaerenden Einleitung ueber sein „Werk, das von unendlicher Groesse” erscheint „wie ein maechtiger Traum”, kommt der historische Briefwechsel mit Baron Hirsch. Neun Jahre trug Herzl in seine Notizbuecher fast alles ein, was in einem arbeitsreichen zionistischen Leben passierte, Manchmal einige Male am Tage und manchmal nur einmal in der Woche oder laenger hielt er Seine frischen Eindruecke fest, ganz gleichgueltig, ob es sich um seine Gespraeche mit Koenigen und Ministern oder mit seinen Freunden oder Gegnern handelte. Die letzte Eintragung machte der totkranke Herzl am 16. Mai 1904 in Franzensbad... Diese Tagebuecher wurden zuerst in drei Baenden veroeffentlicht (Juedischer Verlag, Berlin, 1922 bis 1925) und bilden die Hauptquelle fuer die Geschichte des klassischen Zionismus. Das Originalmanuskript befindet sich im Zionist Central Archives welches im Jahre 1919 gegründet und im Jahre 1934 von Berlin nach Jerusalem ueberfuehrt wurde. Dieses Archiv besitzt die groesste Sammlung von Dokumenten und Akten der Zionistischen Weltorganisation, z i o n i s t ischer Vorlaeufer, Fuehrer und von vielen Privatarchiven zionistischer Persoenlichkeiten und Politiker. Auch das Herzl - Archiv, besteht ftu;s mehreren tausenden Herzlbriefen, und anderem Material von, an und ueber Herzl, wurde von 'Wi'en nach Jerusalem gebracht und dem Zionist Central Archives uebergeben. Ausserdem gibt es noch ein „kleines” Tagebuch von Herzl, das sogerannte Jugendtagebuch, welches sich heute in Amerika befindet, Mit diesem Tagebuch ist eine eigenartige Episode verbunden. Die zionistische Welt erfuhr kurz nach dem Tode Herzls zuerst ueber die „grosfeen” Tagebuecher’’. Leon Kellner, den Herzl zur Herausgabe seines „Tagebuches ueber die zionistische Bewegung 1895” bestimmt hatte, veroeffentlichte ein Buch „Theodor Herzl’s Lehrjahre (Wien, 1920), wo er erstmalig viele Stellen aus dem „Jugendtagebuch” Herzls zitiert hatte. Auch im “grossen” Tagebuch erwaehnte Herzl seine „alten” Notizbuecher aus den Jahren 1881—82, aber zum Vorschein kamen sie erst im Jahre 1931, nach dem tragischen Tode von Hans, dem .einzigten S o h ne Theodor Herzls. In diesem Tagebuch (1882— 1887) besprach Herzl seine Jugenderlebnisse und vor allem die Buecher, die er damals gelesen hatte. Man kann die geistige Entwicklung des werdenden Schriftstellers und Dramatikers verfolgen, aber auch seinen juedischen Weg, der ihn spaeter zum Judenstaatszionismus gefuehrt hatte. Insbesondere das Buch „Die Juden von Coelln” von Wilhelm Jensen machten auf den 22-jaehrigen Herzl einen tiefen Eindruck und seine diesbezueglichen Eintragungen bewiesen, dass er schon damals durch die HERZL- UND WENN NICHT JETZT, WANN DENN? Frueher war es nicht moeglich. Jetzt ist es. moeglich. Noch vor hundert, vor fuengzig Jahren waere es eine Schwaermerei gewesen. Heute ist das alles wirklich. Die Reichen, die einen genussvollen Ueberblick ueber saemtliche technische Errungeschaften haben, wissen sehr gut, was mit Geld alles gemacht werden kann. Und so .wird es zugeben: gerade die Armen und Einfachen, die gar nicht abnen, welche Gewllt ueber die Naturkraefte der Mensch schon besitzt, werden die neue Botschaft am stäerksten glauben. Denn sie haben die Hofnnung auf das Gelebte Land nicht verloren. Wenn man uns in Ruhe Hesse...