Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1954-07-01 · 7 (Julio, 1954) · p. Seite 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVI (1954)
Issue
7 (Julio, 1954)
Date
1954-07-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/8553624-8556560-9194046--1388-8556673
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

8 entity mentions

fulio, 1954 BOLETIN INFORMATIVO 11 SB ES KEIN MAERCHEN Er,der uns riet Von HANS SILBER Er, der uns rief — erschuettert von dem Traum, der ihn verhiess: Sein Volk wird auferstehen. Er sah das Land auf weitem Wuestenraum und lehrte uns mit seinem Blick zu sehen. Er, der uns schuf aus einem Fetzen Tuch die Fahne, die uns wieder Sinn gegeben, er schrieb im Rausch das grosse „Judenbuch”, das uns erfuellt mit Glaube — Hoffnung — Leben. Er, der uns wies, dass Wille alles strafft, dass Judenjungen junge Juden werden, er schenkte uns im Strom der Leidenschaft den Sang der Freiheit — Siegeslied auf Erden. _ Er, der bewies, dass Leben Kaempfen heisst, und dass die Starken nicht vom Wege weichen, er fuehlte tiefst, wie neues Werden kreist, um einst sein Ziel durch Opfer zu erreichen. Er, den das Schicksal nicht erleben liess, wie Worte sich zu Wirklichkeiten wandeln, Er, den die Mitwelt einen Traeumer hiess, Er riss uns fort zum Schaffen - Wirken - Handeln. Er, der verbrannte, weil sein Leben Glut und weil sein Herz sich sehnte nach Versoehnung. Er gab uns alles — Kraft und Tat und Mut, und Israel ward seine hohe Kroenung. Mi Judenfrage keine Ruhe fand. Auch las er die Buecher von Eugen Duehring, dem Begruender des Rassenantisemitismus, und warnte vor der kommenden Gefahr, die die Juden bedrohte. Herzl begnuegte sich nicht nur mit schriftlichen Warnungen in Notizbuechern, sondern er begann eine Loesung der Judenfrage zu suchen... Hans Herzl hatte verfuegt, dass dieses Jugendtagebuch fuer vierzig englische Pfund verkauft werden sollte, um damit eine Schuld zu bezahlen. Der Schriftsteller Josef Laftwich, der ein Freund des ungluecklichen Hans war, bot dieses Tagebuch der Zionistischen Weltorganisation an, aber man hatte damals — aus unverstaendlichen Gruenrten— dafuer kein Verstaendnis. Zufaellig kam Zalman Reisen, der Verfasser mehrerer Werke in Jiddisch, nach London, und er erwarb es fuer die IWO, die ihren Sitz von Wilno nach New York verlegt hat. (Die IWO wurde im Jahre 1925 in Berlin gegruendet und besitzt die groesste Archivsammlung zur Geschichte der Juden, der juedischen Wanderungen, der jiddischen Sprache und Literatur). Theodor Herzls Traum ging in Erfuellung — der Judenstaat existiert. Dann wurden Herzls sterbliche Reste von Wien nach Jerusalem ueberfuehrt. Viele Briefe und Handschriften von Herlz, die man unterdessen gefunden hatte, wurden dem Zionist Central Archives uebergeben. Auch das Jugendtagebuch wurde nach Jerusalem ins Herzl-Archiv gebracht. WORTE Aber ich glaube, man wird ms nicht in Ruhe lassen. Durch Druck und Verfolgung sind wir nicht zu ver-;ilgen. Kein Volk der Geschichte hat solche Kaempfe und Leiden ausgehalten wie vir. Die Judenhetzen haben mmer nur unsere Sehwaechinge zum Abfall bewogen. Die starken Juden kehren trotzig su ihrem Stamme heim, wenn lie Verfolgungen ausbrechen. UNSERE FAHNE Wir haben keine Fahne. Wir brauchen eine. Wenn raan viele Menschen fuehren vill, muss man ein Symbol ueber ihre Haepter erheben. Ich denke mir eine weisse Pahne mit sieben goldenen Stunden unseres Arbeitstages. Denn im Zeichen der fcrbeit gehen die Juden ln das neue Land. Elias Auerbach, Haifa Vor fuehfzig Jahren, an der Schwelle des 20. Jahrhunderts, war der Zionismus als politische Bewegung eben erst ins Leben getreten. Eine politische Bewegung, die ihre unvergaengliche Praegung im Basler. Programm von 1897 erhielt , und den raschen Siegeszug der zionistischen Idee bis zur Begruendung des Judenstaates Israel moeglich machte, ist, das sollte nie vergessen werden, auf dem Boden Mitteleuropas geschaffen worden. So war es nur natuerlich, dass in diesen ersten Jahren der deutsche und oesterreichische Zionismus eine fuehrende Rolle spielten. Was wissen die Heutigen noch davon? Ihnen moechte einer der wenigen heute noch Lebenden, der vom ersten Anfang an bei dieser Auferstehung des Judentums mitwirkte, ein kurzes Erinnerungsbild des fruehen Zionismus zeichnen. ANFAENGE DES ZIONISMUS IN DEUTSCHLAND Das Judentum Deutschlands stand vor einer klaren und unausweichlichen Entscheidung: Untergang oder Zionismus. Es hatte nicht mehr die traditionsgewordene Sicherheit einer juedischen Existenz wie das Ostjudentum. Von innen heraus brachte es —schon vor dem Auftreten Theodor Herzls— eine kieine Gruppe von National-Juden hervor, die unter der Fuehrung von Heinrich Loewe, Nathan Birnbaum und Max Bodenheimer bereits in dem Verein “Jung- Israel” alle Folgerungen des Zionismus zog und sofort die politische Bewegung zu der ihrigen machte. Waehrend fuer das Judentum Osteuropas die Zions - Bewegung vor allem auch die Befreiung vom nnertraeglichen Dtruck eines wirklichen Ghetto bedeutete, hatte der Zionismus in Deutschland und Oesterreich andere ideelle Entwicklungsmoegliehkeiten vor sich: er konnte ein philanthropischer “Zionismus fuer die armen Juden” werden oder ein positiv nationaler, der weder von der Philanthropie noch vom Antisemitismus ausging. Beide Wege wurden beschritten. In dem kulturell und materiell hochentwickelten deutschen Judentum gab es eine starke Stroemung, die an das Mitleid der uebrigen Juden appellierte, um sie zum Zionismus zu bringen. Aber von innerer Bedeutung wurde nur die andere Stroemung, die an kulturelljuedische Ideale und an die geschichtliche Verbundenheit appellierte und auf Moses Hess zurueckgriff. Es hat nigends in der Bewegung einen so reinen nationalen Zionismus gegeben wie in Deutschland. Er brachte die innere Ueberwindung der Assimilation. Dreimal kam ich mit Herzl in Verbindung: 1897 und 1901 in Berlin und 1903 auf dem 6. Kongress in Basel. Noch bis heute kann ich ueber Herzl nicht ohne tiefe Erregung sprechen, da er das groesste menschliche Erlebnis meines. Lebens war. Fuer die Zionisten Mitteleuropas war Herzl der Zionismus schlechthin, und die verehrende Treue zu dieser grossartigen, prophetischen Persoenlichkeit war seelisches Beduerfnis und richtende Kraft der Arbeit. DIE BEWEGUNG DER JUGEND Der Zionismus in Deutschland war eine Bewegung der Jugend, und das sicherte ihren Sieg. Ihr Kern waren die juedischen Studentenvereine und die rasch wachsende juedische Turn- und Sportbewegung. Ziemlich gleichzeitig wurde 1896 in Wien die “Kadimah”, in Berlin der “Verein juedischer Studenten” durch Heinrich Loewe gegruendet, mit Theodor Zlocisti, Max Jungmann, Richard Loewe, Alberto Goldberg, Martin Buber als fuehrenden Persoenlichkeiten. 1898 entstand durch eine Anregung Nordaus in Wien der Sportverein “Hakoah”, in Berlin “Bar-Kochba” unter Fuehrung von Wilhelm Levy, Richard Blum, Max Zirker, rni Nachman Bialik AMOS AUS DEM HEBRAEISCHEN UEBERSETZT VON E. B. C. „Seher, geh und flieh!” (Arnos, VII, 10-14) „Pack dich und flieh!“ — Nicht flieht wie ich ein Mann. Mich lehrten meine Rinder langsam wandeln. Auch meine Zunge kommt nur schwer voran, Wie Axthieb faefit mein Wort und faellt mein Handeln. Und hab’ ich meine Kraft umsonst verwandt, Ich bin nicht schuld, ihr seid’s und buesst’s am Ende: Mein Hammer eben keinen Amboss fand, Und meine Axt nur morsche Waende. Was tut’s? Mein Schicksal ist’s! Ich gehe schon, Bind’ an den Gurt mir ruhig meinen Kram, Ein schwerer Tageloehner ohne Lohn, So gehe ich so langsam, wie ich kam. Zu meiner Weide kehr’ ich, meiner Flur, Wo meine treuen Maulbeerbaeume stehen, Ihr aber, ihr seid Wurm und Moder nur. Und morgen schon wird euch der Staun verwehn. Schluss auf Seite 19 Israels Tochter Ist deine Krone noch nicht Schmuckes voll — Ich habe einen Stein in Haenden; Ist sie mit Perlen uebersaet, so soll Ein Smaragd ihre Pracht vollenden. Es ist ein lichter Stein — die Liebe ist’s — O schaetz ihn, dir soll er gehoeren. Setz ueber alle Edelsteine ihn; Sei der Juwel in deiner Krone. Fuerwahr, ein neuer Glanz — o glaube mir. Wird seines Lichts Gefaehrten adeln, Und eine Fuelle neuer Farbenpracht Wird hell dein Leben ueberstrahlen. Und auch die Steine werden winken dann * Dir neue nicht gekannte Gnade; Und neue Melodien toenen dir Im Chor der Lieder deines Herzens. O hoer; bei Gottes Sternen schwoer ich dir’s: Ein Stein so rein und so vollkommen; Kein Fehl und keinen Makel findest du An ihm im Licht von sieben Sonnen. Halt eine Mutter — ihr Gedenken seliuetzt — Sie lehrte mich, mein Herz verbergen, Und Schaetze perlengleicher Lieblichkeit In seine Tiefen still versenken. In Sabbathnaechten, wenn die Nacht geweiht. Die Mutter zuendet sieben Lichter— Und meine Seele traenkt sie ewiglich Mit Licht der Demut, heiligem Feuer. So wie es ist mein Herz — o nimm es hin — Ohn Falsch und Fehl und ohne Luegenglanz; Nur ein Geschenk bescheiden bring es dir; Der Tochter Judas strahlend Leuchten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.