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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1954-06-01 · 6 (Junio, 1954) · p. Seite 11

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVI (1954)
Issue
6 (Junio, 1954)
Date
1954-06-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Junio, 1954 BOLETIN INFORMATIVO 11 x Gedenkrede des Gemeindepraesidenten (Schluss) hin eine Gemeinde gegruenaet, eine Gemeinde, wie wir sie aus unseren Herkunftslaendern kannten. Es sollte wieder aufgebaut werden, langsam auer zielbewusst, was an ideellen Werten in Mitteleuropa verloren gegangen war. Es sollte fuer unsere juedischen Menschen, die mit ihrer Gemeinde das auf ihr basierende juedische Leben verloren hatten, im neuen Lande eine neue juedische Heimat geschaifen werden. Die Neueingewanderten, unsere Schicksalsgenossen, seelisch zermuexot, zum grossen Teil ohne jeden Anschluss, sollten den Anschluss finden, der der ideale war, den Anschluss an das Judentum und das juedische Volk. Denn es war ein Charakteristikum Josef Hirschbergs, aus Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Die Gemeinde, die ihm vorschwebte, musste also unter seiner Fuehrung eine Religions — und Volksgemeinschaft werden. Es waren fast uebermenschliche Aufgaben, die er sich stellte — aber eine Aufgabe, die Josef Hirschberg sich gestellt hatte, erfuellte er. Er, der gemaessigt Konservative, war die gegebene Persoenlichkeit fuer den Aufbau unserer Einheitsgemeinde in religioeser Hinsicht. Mit tiefer Wehmut erinnern wir uns, wie er selbst als vorbildlicher Vorbeter an unseren hoechsten Feiertagen seine Zuhoerer in Andacht zu versetzen wusste und den Gottesdienst fuer den liberalen Teil der Gemeinde durch einen Damenchor zu verschoenern verstand. Sein Schluss — Kaddisch am Simchat — Tora wird von keinem ven uns je vergessen werden. Dieser war das Sinnbild des tiefreligioesen Juden Josef Hirschberg. Kulturarbeit, Jugenderziehung, Erweckung der zionistischen Begeisterung — kein Gebiet der Gemeindetaetigkeit gab es, das er sich nicht selbst zur Aufgabe gestellt hatte. Man fragt sich: Wie war es tnoeglich, das er dies alles leistete? Dass er so verwachsen war mit dieser Gemeinde? Ich glaube, dass er einer der Wenigen war, der von sich sagen konnte: Ich bin der erste Diener meiner Gemeinde, weil es meine Gemeinde ist. Die Gemeinde, die er gruendete, deren Vizepresident er seit 1938, deren Praesident er seit 1946 bis zu seinem Weggang nach Israel, deren Diener er aber vom ersten bis zum letzten Tagen gewesen ist. Dieses Haus, in dem wir heute seiner gedenken, ist im Wesentlichen sein Werk. Als im Jahre 1944 ein Brandunglueck unser frueheres Gemeinde — Zentrum vernichtete, erlahmte er nicht, verlor er keine Energie. Kaum war der erste Schreck ueberwunden, verdoppelte Josef Hirschberg seinen Eifer, vervielfachte er seine Entschluss kraft. Und es ist ihm gelungen, die Dynamik, die von ihm ausging, auf alle seine Mitarbeiter zu uebertragen und alle mitzureissen, die mit ihm gemeinsam fuer die juedische Sache wirkten. Mit Recht hat tman den Tag der Einweihung dieses Hauses den stolzesten Tag- Josef Hirschbergs genannt. In diesem Hause hat er noch 3 Jahre wirken koennen, wirken fuer alle unsere gemeinsamen Ideale, besonders in der Arbeit , fuer unseren jungen Staat. Was Josef Hirschberg fuer unsere nationalen Fonds, K. K. L., Keren Hajessod, Magbiot geleistet hat, wie er durch zuendende Reden Begeisterung zu erwecken verstand, wie er in der Federación Sionista de Chile, als deren Vize-Praesident, als rechter Mann am rechten Ort, stets fuer die zionistischen Ideale eintrat, das wird ihm nie vergessen sein. Die Eintragung in das Goldene Buch des K. K. L. ist nur eine bescheidene Anerkennung seiner aufopfernden Taetigkeit. Und dieses Haus soll Josef Hirschberg nie mehr Wiedersehen? Es ist unvorstellbar. Als wir uns vor eta 1 1|2 Jahren von ihm verabschiedeten, haben wir ihm nur auf Wiedersehen gesagt, hoffend, dass wir ihn alle in Israel Wiedersehen wuerden, aber auch hoffend, da's er eines Tages vielleicht als Schaliach zu uns kommen wuerde, um uns von unserem Lande Israel zu erzaehlen das er mit jeder Faser seines Herzens liebte. I Diese Liebe zum Lande ist die hervorstechendste Eigenschaft Josef Hirschbergs gewesen. Zielbewusst hat er sich fuer die erste Hachschara in Chile eingesetzt, in der unsere Jugend fuer das Leben und den Kampf in Israel vorbereitet wurde. Zielbewusst widmete er alle seine Kraefte der Ali ja. Und wenn vor wenigen Tagen bei der Verabschiedung von 27 jungen Menschen, die ihre Alija nach Israel antraten, Josef Hirschbergs als eines Vorkaempfers ehrend gedacht wurde, so hat er sich dies verdient. Er war ein Mann der konsequenten Tat, er hat seinen Kindern eine bewusst nationale Erziehung angedeihen und sie in einem Zeitpunkt nach Israel auswandern lassen, in dem er noch nicht wusste, wann er ihnen werde nachfolgen koennen. Die Liebe zum Land ging ihm ueber alles und die Eltern waren stolz auf ihre Kinder. Es war ihm noch das grosse Glueck beschieden, selbst mit seiner Gattin, seiner juengsten Tochter und seiner Mutter die Alija nach Israel antreten zu duerfen. Sein innigster Lebenswunsch ist ihm in Erfuellung gegangen. Fuer ihn war es eine Alija der Begeisterung und des Willens, das nationale Heim wieder aufbauen zu helfen, um durch seine eigene Haltung ein leuchtendes Beispiel zur Mobilisierung juedischer Herzen zu geben. Er hat das Glueck gehabt, seine Kinder, begeisterte Chaluzim, nach jahrelanger Trennung wiederzusehen, sich mit ihnen und seinen Enkelkindern zu freuen und seine juengste Tochter unter die Chuppe fuehren zu koennen. Leider hat er nur kurze Zeit dieses Glueck gemessen duerfen. Ein Mensch der Arbeit, der er war, hat er sich keine Ruhe, keine Schonung gegoennt, obwohl sein geschwaechter Gesundheitszustand es gebieterisch gefordert haette. Er erlag — welch tragisches Zusammentreffen —am gleichen Tage, an dem er vor 7 Jahren den Grundstein zu diesem Hause legte— einem Leiden, dessen Keim er vielleicht schon in sich trug, als er sich von uns verabschiedete. Er ruht in geheiligter Erde unseres Landes. dem er sein Leben gewidmet hat. Und wir muessen uns fragen; Haben wir ihm vielleicht zuviel zugemutet? Haetten wir ihm nicht hier bereits mehr zur Ruhe und Schonung raten muessen? Aber wir wissen es: Fuer Josef Hirschberg gab es keine Ruhe, gab es keine Schonung, fuer ihn gab es nur eins: Arbeit fuer sein Volk. Es entsprach seiner Natur —eine innere Berufung fuehr te ihn zur Arbeit fuer die Gemeinschaft und diese Arbeit fuehrte er mit einem Pflichtbewusstsein durch, das beispiellos ist. — In ueberreichem Masse hat er diese Pflicht erfuellt—zum Glueck fuer das juedische Volk. Er war der Prototyp des Lebens, des Arbeitswillens, der Arbeitskraft, des Idealismus, des Optimismus, der unbegrenzten Liebe zum juedischen Volk, des stolzen aufrechten. Juden. Es trauern um ihn seine Gattin, seine Kinder, seine Geschwister und seine gesamte Familie, denen allen unsere tiefste Anteilnahme gilt. Es trauern um ihn alle seine Freunde und es trauern besonders alle seine Mitarbeiter, zu denen ich jahrelang zu gehoeren die Ehre hatte, und fuer die er immer ein Vorbild und Ansporn gewesen ist. Unsere Gemeinde hat unendlich viel mit ihm verloren. Wir koennen Josef Hirschberg, seine aussergewoehnliche Persoenlichkeit, den Gruender und Ehrenpraesidenten unserer Gemeinde nicht besser ehren, als durch Erfuellung seines geistigen Testaments: In seinem Sinne fuer die Einheitsgemeinde weiter zu arbeiten, dafuer zu sorgen, dass eine Generation stolzer junger Juden aufwaechst, die ebenso begeisterungsfaehig ist, vom gleichen Idealismus beseelt und willens, fuer unsere Religion, fuer unser Volk zu kaemofen. Dann ist die Arbeit Josef Hirschberg nicht vergeblich gewe-en. Dann zollen wir ihm den Dank, den wir ihm schulden. Josef Hirschberg wird in unserer Gemeinde nie vergessen werden. “Denn er ist unser”. Ufas JDiicjn unseres v oikcs Von David Ben-Gurión Unsere Generation kennt den Tenach nicht, der die groesste Schoepfung des juedischen Volkes bis zu diesen Tagen und ueberhaupt ist. Ohne Kenntnis des Tenach aber gibt es keine Kenntnis unserer selbst, unseres Ursprungs, unseres Geistes, unserer Bestimmung und unserer Zukunft. * * Der Tenach erzaehlt die Geschichte des juedischen Volkes. Er berichtet uns von den Herzensregungen, den Gedanken, den Traeumen und dem Glauben der Vaeter der Nation ihrer Gesetzgeber und ihrer Propheten — und beide sind gleich wichtig und teuer. Wir lesen in diesem Buche von grossen und tiefen Erlebnissen, materiellen und geistigen, moralischen u. ideologischen von Visionaeren, die ihresgleichen in der Weltgeschichte nicht haben. Aber wir lesen nur von ihren Erlebnissen. Quelle und Wurzel dieser Erlebnisse kennt kein Mensch. * * * Der Tenach ist, nach meiner bescheidenen Meinung, eine Schoepfung des juedischen Volkes, das ihn nicht von aussen erhalten hat. Der Tenach war zweifellos einer der wichtigsten Faktoren zur Formung der Gestalt unseres Volkes. Aber dieser Faktor kam von innen, aus dem Volke. Die Groesse des Tenach ist die Groesse des juedischen, Volkes, und er ist eine Frucht seines Geistes. Ich habe in meinen Worten betont, dass die Wahrheit, die grausame Wahrheit, eine der wichtigsten und kostbarsten Eigenheiten des Tenach darstellt. Mit der grausamen Wahrheit des Tenach, meine ich z. B.: Die grossen Autoren des Tenach ueberlieferten uns die Figur des Koenigs David mit seinen gewaltigen Abenteuern u. seinen tadelswerten Suenden, und wir wollen den Tenach so lernen, wie er ist, mit seiner bitteren Wahrheit. * Als wir in die Golah zogen, wurde unser Volk aus dem Boden gerissen, aus dem der Tenach gewachsen ist, und aus dem Rahmen seiner politischen und geistigen Wirklichkeit. Es gibt Buecher im Tenach, die an Ort und Zeit nicht gebunden sind, wie z. B. die Mehrzahl der Psalmen die Buecher der Sprueche und das Buch Hiob. Fast alle Buecher der Thora und der ersten und letzten Propheten sind aber Fruechte und Ausdruecke des politischen und geistigen Ringens des Volkes Jisrael in der geographischen, geistigen und kulturellen Umgebung, in der es in Epoche des Tenachs, von den Tagen Abrahams bis zu denen Esras und Nechemias, gelebt hat. Ohne Kenntnis dieser Umgebung kann man den Tenach nicht verstehen. In der Golah wurde die Gestalt unseres Volkes verfaelscht und auch die Gestalt des Tenach verzerrt. Im Tenach offenbart sich die Einzigartigkeit und Bestimmung des juedischen Volkes. Die Buecher des Tenach kuenden den Ruhm Jisraels. Den Ruhm Got* tes — kuenden die Himmel. Und “die Himmel” gehoeren nicht nur unserem Volke, nicht nur der Menschheit, sondern dem Unendlichen; Gott ist der Gott des Alls, der Ewigkeit. Der Tenach ist unsere Schoepfung. WOHLTAETER (Schluss) ruhmvoll in die juedische Geschichte eingehen wie Baron Rothschild. Gegen das skeptische Nein, welches Baron Hirsch zu den Herzl’schen Vorschlaegen aeusserte, heQt sich leuchtend die Paiaestinabeg'eisterung Rothschilds ab: Unter den von seiner ICA —Gesellschaft in aller Weit gegruendeten Siedlungen jueüLcher Landarbeiter waren ihm jene im alten Judenland am liebsten: Die Kolonisten aus Sichron Jaakov, Rischon l’Zion, Mikve Jisrael Rosh Pina und Ekron wussten, dass sie fuer ihre Klagen ein offenes Ohr beim “Baron” finden wuerden, wenn sie sich mit Bitten und Klagen an ihn wandten. Nie wonl haben philantropische Bemuehungen eines Einzelnen so tief in die Geschichte eines Volkes eingegriffen; als Dutzende der Biduim, spaeter Hunderte der Chaluzim ins Land kamen, fanden sie in den Rothschild’schen Siedlungen Unterkunft und erste Arbeitsgelegenheit. Baron Rothschild enoeste mit seinem Geld 400,000 Dunam Boden, errichtete etwa 40 Siedlungen und grosse Industriewerkstaetten, baute Schulen und Kulturinstitute. Zu Lebzeiten investierte er im Land 150 Millionen Frank, hinterliess aber wichtige Stiftungen noch nach seinem Tod. Nicht umsonst nannten ihn die juedischen Siedler schlechthin “Hanadiv Hajadua” (unser beruehmter Wohltaeter). In diesen Wochen wurden nun die sterblichen Ueberreste Edmonds de Rothschild und seiner Frau vom israelischen Kriegsschiff “Miwtaeh” von Frankreich nach Israel ueberfuehrt. Fuehrende juedische und nichtjuedische Persoenlichkeiten aus aller Welt gaben den Toten das Ehrengeleit bis nach Sichron Jaakov, wo sich das schlichte Grab befindet. Die von Rothschild begruendete Gesellschaft PICA aber gab anlaesslich des weihevollen Tages eine Anzahl grosser Spenden bekannt: Die Station fuer Agrikulturforschung in Rechowot erhaelt 100,000 IL, die Hebraeische Universitaet in Jerusalem ebenfalls 100,000 IL., das Technion in Haifa 60,000 IL., das staedtische Rothschild-Spital in Haifa 50,000 EL., das staedtische Spital in Zfat 10,000 IL., das Oberste Religionszentrum des Oberrabbinats 20,000 IL., die Landwirtschaftliche Schule in Mikwe Israel 10,000 IL., ausserdem verschiedene kleinere Institutionen zusammen 15,000 IL. Fuenf Preise auf den Namen der Rothschilds, Jeder in Hoehe von 5000 IL sollen ausserdem in den naechsten zwei Jahren fuer die besten Arbeiten auf dem Gebiete der Landwirtschaft, Wissenschaft und Kunst verteilt werden. So wirkt der Gerechte noch nach seinem Tode Segen fuer sein Volk. Mizva goreret mizva — die Kette der guten Taten reisst nicht ab! BEN. j Wir entnehmen dem “Dawar” nebenstehende Stuecke aus einem Brief der sich mit Grundfragen unserer geistigen Tradition befasst. (Te Na Ch-Abkuerzung von Tora-Neviim- Cetuvim ist die hebraeische Bezeichnung fuer die Bibel).

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