Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVI (1954)
- Issue
- 5 (Mayo, 1954)
- Date
- 1954-05-01
- Page
- Seite 16 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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16 BOLETIN INFORMATIVO Mayo, 1954 Israel * ira. Musik Metaucht Ein grosser Musikkenner schrieb einmal in seinem schoenen Musikbuch: „Jede Landschaft erhaelt ihr Antlitz durch den Kuenstler, der sie von der Wirklichkeit erloest. Der Pastorale- Bach, das Meistersinger- Nuernberg, das Carmen-Spanien erheben sich im Abglanz der Musik ueber die geographische Realitaet zu Musiklandschaften, die intensiv in uns leben“. Zahlreiche musikausuebende Kuenstler und Komponisten leben und wirken in Israel, die dem Lande und dem Volke ein neues, eigenes musikalisches Profil verleihen und die Musikpflege und die Musikerziehung auf einem hohen Niveau halten. Der Zuspruch des Volkes ist gross, die Orchesterkonzerte der „Israel-Philharmoniker“, die Kammermusik - Abende im Tel-Aviv Museum, in Jerusalem und Haifa sind meistens ausverkauft. Konservatorien, Musikakademien, Chorvereinigungen, Ballettschulen, das Radio, Privatpaedagogen und viele weitere Faktoren sorgen fuer den lebendigen Fluss und eine anhaltende Entwicklung unseres Musiklebens, in dem seichte oder sogenannte Biergartenmusik kaum Platz haben. In bestimmten Zeitbschnitten veranstaltet das Orchester selbst grosse Konzerte in zentralen Punkten des Landes fuer die umliegenden Kibbuzim. Musikfreunde und tuechtige Instrumentalsten auf dem Lande haben ein eigenes Kibbuzim - Orchester gegruendet. Die Spieler treffen sich einige Male im Jahr und ueben intensiv und begeistert unter einem-erfahrenen Dirigenten ein paar Tage und fuehren dann ihre Kunst in diversen Siedlungen vor. Unser Orchester ist das leb.e n d i g s t e Musikseminar Nicht nur die Stadtbevoelkerung erfreut sich an seinen Programmen, auch der Siedler und laendliche Arbeiter kommt —partiturbewaffnet— zu den Konzerten und lernt an der Musik. Viel wird auf dem Gebiet der Musikerziehung in den Schulen getan. Fast jede Schule besitzt einen Musiklehrer, der fuer die musikalische Ausbildung der Kinder und der Jugend zu sorgen hat. Viele spielen Blockfloete, manche Geige, Cello und Klavier, kleine Ensembles werden zusammengestellt, Jugendchoere gebildet, die dann die Programme der Schulfeiern zu bestreiten haben. In vielen Schulen wird die Unterrichtswoche (Sonntag frueh) mit einer gemeinsamen Gesangstunde begonnen. Unser Publikum interessiert sich hauptsaechlich fuer gute Musik. Erstklassige und bekannte Dirigenten werden aus dem Ausland engagiert und unser Orchester ist auch im Ausland ruehmlichst anerkannt. Namhafte Geiger und Pianisten des Auslandes gastieren, neben einheimischen jungen Kraeften in den Orchesterkonzerten. Unser eigener kuenstlerischer Nachwuchs besonders an Pianisten, ist im Ausland ebenfalls schon gut eingefuehrt. Spezielle Musikerzieher wer- 'den in die entlegensten Doerfer gesandt, dort gibt es Vortraege, Chorauffuehrungen, musik - theatrai i s c h e Darbietungen mit Taenzen und Rhythmik. Eine ganze Reihe von Privat-Musikverlegern und Schallplattenfirmen bemuehen sich, den Musikalienmarkt mit frischer Ware einheimischer Musiker zu beliefern, darunter sowohl leichter, als auch ernster Musik und Werke fuer den Unterricht. Die Musikalien-Geschaefte in den Staedten stehen durchaus auf der Hoehe und sind anhaltend bemueht, das erforderliche Notenmaterial stets auf Lager zu halten, den zahlreichen Anforderungen der Israel-Musikliebhaber und Musikbeflissenen zu befriedigen. Einen wichtigen Faktor im Musikleben spielt der „Kol Israel“ - Sender. Wie alles im Lande, probiert man aus, stellt um, weil ja diese Kunstuebung nach mannigfachen Anspruechen und verschiedenen Gesichtspunkten immer wieder geaendert werden muss, um die Hunderttausende seiner Hoerer zufriedenzustellen. Denn fuer die allerverschiedensten Programm wuensche muss Geeignetes geboten werden. Wir besitzen ferner eine Oper, die in Tel- Aviv einmal woechentlich im Gebaeude von „Habimah“ spielt und auch im Lande gastiert. Die Auffuehrungen sind in hebraeischer Sprache, eine grosse Zahl von Neueinwanderern hat hier kuenstlerische Betaetigung ge funden. Allerdings reisen die Saenger nebenbei im Lande umher und geben in Kibbuzim, Moschawoth und fuer die Armee — einzeln oder in Gruppen — Gesangsdarbietungen. Üii liliilt Wm. /, Á rámm W$M, y ■wm imJÈêk wm rnm mmm 'ÉïÆÈÊii ÜÉiü sm Komponist im Kibutz Auch eine Operettenbuehne besitzen wir neuerdings, die recht sehenswerte Vorstellungen mit jungen, talentierten Kraeften, die sich der heiteren Muse verschrieben haben, bietet. Selbst am Traktor, in einer Arbeitspause, wird ein Musiklehrbuch, eine Partitur, ein Opernauszug hervorgeholt und gemeinsam studiert oder ueber ein musikalisches Thema diskutiert. Nach diesen Dingen sollte uns Juden die Welt beurteilen! Doch zurueck zur Stadt, zur Musikstadt Tel Aviv, in der aus jedem Fenster Musik ertoent und die ein musikgewordener Rhythmus ist. Die Musikgeschaefte zeigen in ihren Auslagen auch viel israelische Notenhefte, israelische Platten, neben Klassikern und Standardwerken. Abseits vom grossen umfang r e i chen Musikbetrieb wirken bescheiden und im Stillen die regelmaessigen Veranstaltungen der „Toynbee-Hall“ und des „Verbandes der Aelteren“ in Tel Aviv. Hier werden hochkuenstlerische Musikabende zu ganz niedrigem Preis — von Oktober bis Juni ca. 40 Programme — zugunsten alter Menschen, Nichteingefordneter, Alleinstehender usw. veranstaltet. Alle unsere Kuenstler werden fuer diesen schoe- Festspiele am Kineret Am oestlichen Ufer des Kinneret-Sees befindet sich der Kibutz Ein-Gev, der sich im Laufe der Jahre zum Zentrum der Musikfeste in Israel entwickelte. Jedes Jahr stroemen mehr Gaeste, nicht nur aus dem benachbarten Tiberias sondern aus dem ganzen Land und auch viele Touristen, in den gastfreundlichen Kibutz. Dort finden sie neben einem Konzertsaal (fuer 3,000 Hoerer unter Dach, 2,000 im Freien), einer reichhaltigen Musik-Bibliothek und einer Musikschule auch kleine Haeuschen zur Unterbringung der Gastmusiker und einen ausgedehnten Park, der dank dem sub-tropischen Klima ein ueberaus farbenpraechtiges Aussehen besitzt. Die Anfaenge dieser herrlichen Einrichtungen waren recht bescheiden: hier und da Kammerkonzerte von Liebhaber-Trios und Quartetts. Dann aber folgte das beruehmte Philharmonische Orchester des Landes und spaeter Solisten von Weltruf. Waehrend bei den ersten Konzerten etwa 400 Hoerer versammelt waren, kamen z. B. zu den zwei Konzerten von Jehhuda Menuhin ueber 7,000 Personen. Heute hat bereits das Erziehungsministerium von Israel, angesichts der Proportionen, die dieses musikalische Unternehmen angenommen hat, gewisse Verantwortung fuer die Programmgestaltung usw. uebernommen. Doch die Organisation und Ausgestaltung der Festspiele sind weiterhin das Werk der Bauern und Fischer von Ein-Gev. Hebraeische juen^ste Literatur Die neue israelische, oder vielmehr die hebraeische Literatur entstand im Laufe der letzten 50 Jahre, aber ihre Wurzeln gehen mindestens auf die letzten zwei Jahrhunderte zurueck. In gewisser Form drueckte sich der Wunsch des juedischen Volkes, wieder in seine Heimat zurueckzukehren, in erster Linie in der Literatur aus. Bevor noch der Zionismus als pclitische Bewegung entstand, gab es schon eine juedische Literatur welche versuchte, aus der biblischen Sprache eine neue moderne juedische Sprache zu schaffen, gab es schon Autoren. Denker, die ihre Werke der Wiedererstehung des juedischen Volkes widmeten, und die so den spaeter kommenden politischen und sozialen Zionisten den Weg wiesen. Man koennte heute sagen, dass es in Israel noch keine klare und tiefe nationale Literatur gibt, obzwar die letzten Jahre, und besonders die Jahre nach dem Befreiungskrieg, die Geburt einer solchen mit sich brachten. Die meisten der israelischen Autoren von heute, welchen es gelang, sich einen Namen zu nen Zweck einmalig in der Saison in Anspruch genommen und sie stellen sich — ohne Minderung ihrer Gebelaune — von Herzen gern zur Verfuegung. Es sind Konzerte ohne jegliche Geschaeftspolitik, jedoch von hohem kuenstlerischem Niveau und sie vermitteln den Hoerern einen Hauch von ewiger Schoenheit. Massgebende hiesige Persoenlichkeiten halten diese Veranstaltungen fuer „wichtig und wertvoll“. Seit 10 Jahren hat der Verfasser dieses Berichtes die gesamte kuenstlerische Leitung und Conférence solcher Abende ehrenamtlich und er wuerde gern mit seinen Kuenstlern israelische Musik und Kunst den Menschen der Golah vorfuehren. Es ist nicht moeglich, in einer kurzen Uebersicht alle Auswirkungen der Musikkultur in Israel eingehend einzufassen. Die knappen Hinweise wollten nur vermitteln, dass der Ruf des juedischen Volkes als musikliebend und musikbegabt sich hier, in der Heimat und in freien Lebensbedingungen, erst recht vollauf bestaetigt und schoene Fruechte traegt. Julius Sachs Tel Aviv schaffen, sind noch stark von dem Galutleben beeinflusst. Der groesste Teil dieser Verfasser kam erst in einem fortgeschrittenen Lebensalter nach Palaestina, und sie mussten sich erst langsam den neuen Umstaenden anpassen. Oft schrieben sie auch noch in Israel Werke, deren Handlung sich entweder in der Galut abspielte, oder deren Helden aus der Gola stammten. Auch bei denen, die sich scheinbar aus dem Galutleben befreien konnten und die ueber die neue Heimat des juedischen Volkes schrieben, uebte die nicht - juedische Welt, in welcher sie erzogen waren und deren Ethik sie angenommen hatten, noch einen tiefen Einfluss aus. Ausser diesen Autoren gibt es einige, welche entweder hier im Land geboren oder sehr jung ins Land kamen, die hier das erste Kapitel der neuen juedischen Literatur schreiben. Diesen fehlt es anderseits an einer gewissen Tradition und so muessen auch sie entweder aus den Quellen der klassischen biblischen Literatur schoepfen, oder sich irgendwie an die aeltere Generation, die letzte der Gola, anlehnen. So leidet unsere heutige Literatur an der Tatsache, dass wir politisch noch jung sind und die allgemeine Entwicklung unseres Staetes noch nicht weit fortgeschritten ist. Eine wahre Literatur, d. h. eine solche, die bestehen bleiben soll, muss sich auf Tatsachen des taeglichen Lebens stuetzen. Sie kann diese Tatsachen erweitern, aus ihnen einen Weg zur Zukunft herausschaelen, sie kann ihre Widerprueche klarstellen, sie kann sie ruehmen, oder herabsetzen, aber sie kann diese Tatsachen auf keinen Fall er- Hubermann S. A. im Kibbutz