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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1954-05-01 · 5 (Mayo, 1954) · p. Seite 15

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVI (1954)
Issue
5 (Mayo, 1954)
Date
1954-05-01
Page
Seite 15 (sequence 17)
Language
German
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Mayo, 1954 BOLETIN INFORMATIVO 15 Buch nannte den Namen, Michael Batan; der Englaender wiederholte sein Spruech lein, dass „den Behoerden in Tel Aviv nahegelegt werden muesse, Sarachel als schuldlos sofort freizulassen“, und Buch ordnete schliesslich an, den Mann ins Schneller- Camp zu bringen; dort werde man sein verwundetes Bein pflegen, und was dergleichen mehr ist. Dort werde beschlossen werden, was mit ihm zu tun sei. Wir brachten den Offizier dann zum Auto, und ich stieg mit ein. Nechamia sah uns zu, verzog den Mund und stellte die Frage: „Vielleicht holen wir noch eine Ehrenkapelle zusammen?“ — Ich wies ihn zurecht: Quatsch nicht, fahr lieber zu den Eltern von Sarachel und sag ihrer Mutter, es sei jetzt zu hoffen, dass ihre Tochter bald zurueckkommt. Das lehnte Nechamia ab — fuer einen solchen Job sei er nicht der richtige Mann. „Ne“, meinte Esrah, „Du bist nur der richtige Mann dazu, die falschen Leute tot zu schiessen“. — „Und Du (gab Nechamia zurueck) steckst die Handgranaten in die Tasche und, wenn es so weit ist, bittest Du andere, sie herauszuholen — vor lauter Angst!”. So haenselten sie sich, und der Englaender sass im Wagen und hoerte sich alles in Ruhe an. -Nach einigen Tagen hatte ich im Camp zu tun und der Englaender ging aiuf hem Hof spazieren, rauchte eine Zigarette, redete mit den anderen, und sobald er mich sah, — auch Buch war dabei — wollte er wissen, was aus dem Maedchen geworden sei, Was ihn selbst betreffe, meinte er, sei es besser, ihn nicht hier in der naeheren Umgebung einzusetzen, denn „zu meinem Bedauern stehen hier ja die Truppen der Arabischen Legion an der Front, und unter ihnen gebe es andere Englaender, auch Freunde von mir und sogar einen Verwandten“. Auf Befragen fuegte er hinzu, er sei davon ueberzeugt, dass diese Leute nur mitmachen, weil sie nicht anders koennen, er aber wollte ihnen nicht gerade gegenueberstehen und schlage daher vor, wenn sein Bein wieder in Ordnung sei, ihn an die Suedfront zu bringen, denn er hasse die Aegypter. -Als unser Convoy nach einigen Tagen aus Jerusalem abfahren s ol 11 e, hoerte ich im letzten Moment von der Bombe, die die Aegypter aus ihren Flugzeugen auf die Autobusstation von Rischon geworfen hatten, und entschloss mich deshalb, ueber Rischon zurueckzufah ren und dort im Hause meiner Eltern nach dem Rechten zu sehen. Den Englaender nahm ich nach Tel Aviv mit, und unterwegs hielten wir vor der Wohnung der Familie Maadani, den Eltern Sarachels. Ihr Vater war gluecklicherweise nicht zu Haus. Nur die Mutter war da, eine alte Frau, die mich mit finsterem Gesicht empfing und kaum antwortete, als ich sie bat, Sarachel zu rufen, von der ich annahm, sie sei auf unsere Intervention hin inzwischen aus dem Gefaengnis entlassen worden. Sarachel? Welche Sarachel? — Ob sie nicht wieder zu Hause sei? — Irgendein Kerl sei vor einigen Tagen allerdings gekommen und habe angekuendigt, sie werde nach Haus zurueckkehren, aber das sei auch alles — „Unbesorgt, Muetterchen, jehije tow“. Ich sei der Meinung gewesen, sie sei schon wieder da. — Und warum ich sie sprechen wolle, und was ich ueberhaupt noch von ihr wolle? — Ich? Nichts, Muetterchen, aber ein Englaender. den sie gepflegt hat, sei draussen und wolle sie um Verzeihung bitten; denn er habe sie in diese Geschichte verwickelt.— „Was da, Verzeihung! Verzeihung? Du bist es, der um Verzeihung zu bitten hat, und Ihr alle, Ihr Halunken!” — Wir seien keine Halunken, erwiderte ich, sie solle sich nicht aufregen. Jetzt sei das Land in einem Krieg auf Leben und Tod, ob sie das nicht wisse? In Tel-Aviv, wohin die beiden dann weiterfuhren, blieben ihre Versuche fruchtlos, Sarachel in einem der Gefaengnisse oder anderwaerts ausfindig zu machen. Es kam zwischen ihnen zu einer Auseinandersetzung darueber, ob Sarachel und ob auch Michael Betan, der sie von Jerusalem nach Tel-Aviv eskortiert hatte, auf dem Wege vielleicht abhanden gekommen seien”, oder ob Michael das Maedchen etwa umgelegt habe. „Wie kann so etwas in dieser Stunde der grossen Erlcesung, von der die Propheten schon getraeumt hatten, Vorkommen?” — Idiot! dachte ich, und laut sagte ich, in der allgemeinen Verwirrung dieser Tage sei dies und das natuerlich moeglich. Er bestritt es, und ich fragte ihn, ob er als alter Offizier nicht wisse, was Krieg bedeute. Er bestritt, dass dies ein Krieg wie alle anderen Kriege sei. Es sei „ein historisches Ereignis”. Was ich bestritt; es sei ein Krieg wie alle Kriege, Sir, nur mit dem Unterschied, dass eine kleine Armee gegen die Heere von sieben feindlichen Staaten zu Felde ziehe. Diese Diskussion ging ins Uferlose. Der Englaender schuettelte den Kopf. Das sei nicht das Entscheidende, fuegte er hinzu, Ich entgegnete wuetend: „Zum Donnerwetter, und wenn schon ein Maedchen in diesem Drueber und Drunter verloren geht; ist das vielleicht das Entscheidende?” Und er: „Vielleicht. Vielleicht beginnt die Entscheidung damit”. Danach gab ich meinen Englaender schliesslich ab, wie es sich gehoerte. Ich legte den Begleitzettel vor, liess ihn mit einer Empfangsquittung versehen, steckte sie in die Tasche, atmete tief auf und war gluecklich, dass ich die Geschichte los sei. Verstaendlich? Es ist nicht angenehm, mit so einem Englaender durch das Land zu fahren, auch wenn er hinkt und entschlossen ist, uns zu helfen. Also, ich sah mich in Tel-Aviv um und fuhr dann nach Rischon. Wir sind eine grosse Familie, vier Brueder, drei Schwestern, sie alle waren gesund und wohlauf, mit Ausnahme meines zweiten Bruders, der in den Kaempfen zwischen Jaffa und Tel- Aviv verwundet worden war, wie ich hoerte, und in eines den Englaendern abgenommenes Militaerkrankenhaus eingeliefert worden war. Mutter weinte, und als ich sie fragte, warum, erwiderte sie, sie habe mich so lange nicht gesehen und nicht geglaubt, dass ich noch am Leben sei. „Da hast Du Dich al- Die volkstuemlichste Dichterin des Landes Rachel — sie ist im April 1931 gestorben, und unvergessen nicht nur dem engeren Kreis geblieben, der mit ihr in verehrungsvoller Freundschaft zum grossen Idealisten der Zweiten Alijah, A. D. Gordon vereint war. Wer weiss heute noch, dass sie Rachel Bluwstein hiess, aus frommen Hause stammte, als junges Maedchen vor etwa einem halben Jahrhundert ins Land kam, in Rochowoth mit ihren Schwestern voruebergehend „das Schloss der drei Schwestern” als Musikzentrum jener Jahre begruendete, spaeter als Arbeiterin nach Kinnereth ging, dann im Ausland Landwirtschaft studierte, bis der erste Weltkrieg kam, in Frankreich dichtete, malte, nach Russland zurueckging, in Odessa von den damals dort versammelten fuehrenden hebraeischen und jiddischen Schriftstellern bald als ihresgleichen erkannt und anerkannt wurde, und Anfang 1919, nun schon von Schwindsucht befallen, mit dem ersten Schiff nach Palaestina zureckkehrte — wer weiss es noch? Aber ihre Gedichte werden gelesen, gesungen: im Herzen derer, die von ihrer tiefen und geheimnisvollen Persoenlichkeit einmal direkt angeruehrt worden waren, wie in der Jugend unseres Landes, lebt die Dichterin Rachel. so geirrt”, troestete ich sie, waehrend auch in meinen Augen Traenen standen, Himmelherrgott Donnerwetter. Ich sei so abgemagert, meinte sie, und fragte, ob in Jerusalem auch die Aschkenasim abgemagert seien. Alle, sagte ich, die Aschkenasim und die Sphardim und die Bucharen — nur die Jemeniten nicht, scherzte ich. Dann gab sie mir ein fuerstliches Abendbrot, und am naechsten Morgen fuhr ich zu meinem Bruder ins Krankenhaus — und da sass er schon im Garten. Er war am Arm und der Schulter verwundet worden, ,aber jetzt ohne Schmerzen und voellig „Mab- KRANK Bis Du das Ende? Noch klingt mir die Weifte, noch winkt wie im Nebel das Leben von fern, blau ist noch der Himmel und gruen der Rasen, AN MEIN LAND Nicht sang ich Dir, mein (Land, nicht pries ich Deinen Na- (men durch tapfere Heldentaten, durch maechtige Schlach- (tenbeute. Nur einen Baum— —.den pflanzten meine (Hände an des Jordans stillen (Ufern. Nur einen Pfad — —.den bahnten meine (Fuesse ueber Deine Felder. Ach, sie ist sehr gering, ich weiss es ja, o Mutter, ach, sie ist sehr gering, die Gabe deiner Tochter. Nur einen Jubellaut, am Tag, wo Licht uns (strahlt, ein heimlich Weinen nur ob deiner Not. bevor es Herbst wird. Den Richterspruch (empfang ich, kein Murren im Herzen. Mein Abendbrot sank. Rein ist der Morgen, und Blumen laecheln am on A (Weg mir zur Seite, wenn ich hinueberschreite. DICHTER INS HEBRAEERLAND Die Leitung des P. E. N. Klubs, der internationalen Organisation von Schriftstellern und Dichtern hat die Einladung der Israel-Regierung angenommen und wird demzufolge den im 1955 zu veranstaltenden Kongress in Israel abhalten. Der Beschluss wurde auf dem diesjaehrigen Kongress in Dublin bekanntgegeben und von den 500 Schriftstellern, die 27 Laender vertreten, mit allergroesstem Beifall aufgenommen. Als die beiden in Bab ei! ■ Wab angekommen waren,; um in die Burmastrasse ’ einzubiegen, wurden die Papiere der Reisenden ge- ] prueft — und zwar von Soldaten, von denen die \ meisten Michael gut kann ten. Einer von ihnen ha- ■ be Michael gefragt, wer 1! das Maedchen sei, sie, Sarachel, ob es seine Bachu-; rah sei, er habe geantwortet: „Bis auf Widerruf!”,; er habe sie „irgendwo 1 vom Baum gepflueckt”; dann haette sie Michael in einen Unterstand an der 1 Chaussee mitgenommen, . um das Wiedersehen ge-; buehrend zu feiern, und! waehrend dieses „Kum- sitz” habe sich eine Ku-; gel geloest und ihn ge- troffen. Obwohl schwer; verwundet, habe er nicht ] verraten, dass sie eine Strafgefangene sei, son- ‘ dern gebeten, sie in seiner . Begleitung ins Kranken- ■ haus zu bringen. Und hier! sei sie. Und das sei alles. sut”. Da er verwundet war, ich aber nicht, spielte er sich mit seiner Klugheit und Kriegserfahrung gross auf, erzaehlte mir wilde Dinge, und ich Hess ihn reden. Ploetzlich sagte er, ob ich wisse, dass sich auch Michael Batan hier befinde. Ich sprang wie von der Tarantel gestochen, auf. Was?— Ja, er sei mit einem schweren Bauchschuss eingeliefert worden, und es gehe ihm nicht gut. Sofort versuchte ich, Erlaubnis zum Besuch Michaels zu erhalten, und wie ich mit den Sanitaetern hin und herredete, kommt ein Maedchen vorbei, mit einer Schuessel in der Hand, einem weissen Handtuch um den Kopf, und als ich sie mir naeher ansah, war es Sarachel. Sie fluesterte: „Kommst Du, mich wegzubringen?” — Ich beruhigte sie, nein. — „Warum nicht”, wollte sie wissen.— Weil wir den Englaender gefunden haetten, und weil sich herausgestellt habe, dass sie schuldlos sei. Der Englaender habe sich sehr um sie gesorgt. Der Englaender wolle sie um Entschuldigung bitten. Ich haette den Englaender gestern nach Tel-Aviv gebracht. Sarachel wandte sich ab, und ich sah, dass sich ihre Augen mit Traenen fuellten. Aha, dachte ich, die Beiden haben vielleicht doch nicht nur Bibel gelesen, Junge, Junge! und sagte laut: ..Uebrigens sei unbesorgt. Dein Englaender ist okay”. Ob sie mit mir nach Tel-Aviv kommen wolle, und von da nach Jerusalem.— „Ich weiss nicht”. „Was weisst Du nicht?” — „Ob ich nach Jerusalem zurueck soll”. — „Willst Du denn hier bleiben?”. Dann, nach einigem Zoegern, erzaehlte sie mir, was mit Michael und ihr passiert sei. „Ein gros'- artiger Kerl”, sagte ich. Ob ich ihn nicht sprechen koenne. Man habe ihm heute eine Bluttransfusion gemacht, erwiderte Sarachel, sein Zustand sei bedenklich, aber nicht hoffnungslos. Ja, waehrend der Transfusion habe er sogar gewitzelt; hoffentlich sei es kein Blut eines Maedchens. Dann ging ich ins Zimmer zu Michael und erschrak. So ein lebensvoller Junge war er gewesen, immer aufgelegt zum Singen und Tanzen, zum Springen und Scherzen, und lag nun da, zum Skelett abgemagert, Herrgott - Donnerwetter, mit gelbem Gesicht und blauen Lippen, mit grossen Augen, uebergrosser Nase und ohne Kraft, sich mir zuzuwenden. Ich musste mehrere Male schlucken, bevor ich ihn begruessen konnte. Er erbleichte noch mehr, als er mich erkannte, und fluesterte mir zu: “Ich habe keine Schuld”. „Unbesorgt, Du kommst in Ordnung, der Arzt hat es mir gesagt”. Er winkte muehevoll mit dem Zeigefinger ab. Nein, darum gehe es nicht. Sie aber, Sarachel, habe keine Schuld daran, dass sie nicht ins Gefaengnis gebracht worden sei. Er sei es gewesen, der...”. „Ach, das bekümmert Dich noch? Unsinn, das Ganze war ein Irrtum”. — „Du bist also nicht gekommen, um sie abzuholen?” — „Nein, nein”. Etwas vom alten Glanz leuchtete in seinen Augen auf. „Du Halunke”, sagte er. „Schoen, Halunke. Hauptsache, dass Du wieder gesund wirst!” — „Halunke!” — “Chabibi, Chabibi!”. „Wie geht es Euch denn?” —„Der Chewre? Glaenzend”. „Ich wuerde Dir ins Gesicht lachen, aber die Bauchwunde schmerzt mich so”. — „Spaeter, ich gebe Dir Kredit, — lach, wenn Du gesund bist”. Sarachel stand dabei Und als er vorschlug, Sarachel nach Jerusalem mitzunehmen, fragte sie ihn, ob er denn allein gelassen sein wolle. Darauf antwortete er nicht direkt, sondern murmelte mir zu: „Ihren Militaerrichtern sage, wenn Du in Jerusalem bist, dass ich ihnen die Knochen bei lebendigem Leibe zerbrechen werde, wenn ich wiederkehren werde”. — „Gut, werde ich ihnen sagen, und sie werden ungeduldig darauf warten”. Dann schloss er die Augen, und in der Tuer erschien eine Schwester und bedeutete mir, mich davon zu machen. Ich ging, und lachte ¡vor mich hin.

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