Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVI (1954)
- Issue
- 5 (Mayo, 1954)
- Date
- 1954-05-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/8553624-8556560-9194043--1347-8556634- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
10 BOLETIN INFORMATIVO / Israel*erbaut auf Freiheit, Gerecl WANDERJAHRE ALS LEHRJAHRE Von Dr. Abner Nechuschtan (Tel Aviv) Viereinhalb Jahre umfasste die erste Phase juedischer Staatlichkeit mit dem Kennwort “Israel als Masseneinwanderungsland’’. Zwischen dem 14. Mai 1948, als der Staat ausgerufen wurde, umd dem Dezember 1952 kamen mehr als 700,000 Juden in beispiellosem Tempo ins Land ihrer Vaeter. Dann versickerte der Massenzustrom. Zu ihm hatte nicht nur die Not der Juden des europaeischen Kontinents gefuehrt, soweit sie die Naziverfolgungen ueberlebt hatten, und ebensowenig nur der politische Antisemitismus, der sich als Echo auf die Proklamierung Israels seit 1948 in den meisten arabischen Laendern zu Siedepunkten gesteigert hatte. Mindestens so sehr hatte zur Grossen Einwanderung beigetragen, dass die Kunde von der Neuerrichtung eines eigenen Staates, nach zweitausend] aehrigem “Exil unter den Voelkern”, die juedischen Herzen allerorten in der Welt hoeher schlagen liess. Schliesslich darf im Rueckblick auf diese Immigrationsjahre aber auch nicht vergessen werden, was die von den Fuehrern des Staates Israel ueberallhin in die juedische Diaspora entsandten Propagandisten im Verein mit der weltzionistischen Bewegung taten, um die von Ben Gurion aufgenommene biblische Parole einer “Sammlung der Zerstreuten” in die Wirklichkeit umzusetzen, und warum sie es taten. In den entscheidenden JBemuehungen vor den United Nations war die Staatsforderung waehrend der letzten Jahre des Palaestina-Mandates vor allem ja mit den Beduerfnissen einer unbeschraenkten “Masseneinwanderung von Juden ins juedische Land” begruendet und auch ideologisch entsprechend untermauert worden. So gesehen, haette es geradezu geheissen, den von der Jewish Agency des verstorbenen Prof. Ch. Weizmann erzielten politischen Erfolg hinterher zunichte zu machen, wenn die “Sammlung der Zerstreuten” nicht wenigstens in den Anlaufsjahren des Staates zu seinem A und O geworden waere. Der Erkenntnis, dass sie aus all den hier angedeuteten Ursachen zunaechst nicht mehr und nicht weniger als Israels “raison d’etre” d&rstellte, entsprach eines der ersten von der Knesseth, der Volksvertretung) erlassenen Gesetze grundsaetzlicher Natur, das “Heimkehr-Gesetz”. Es gab jedem Juden —ausnahmslos— das verbriefte Recht auf Einwanderung und Niederlassung. Ob es im herkoemmlichen Sinne nun ein staatsrechtliches Novum oder vielleicht sogar ein voelkerrechtliches Kuriosum darstellte — es wurde mit Recht als angemessenster Ausdruck eben dieses “raison d’etre” betrachtet. In der Praxis hat sich spaeter dennoch die Notwendigkeit von Einsehraenkungen ergeben. Die 100,000 Ankoemmlinge umfassten aus asiatischen Laendern und aus Nordafrika etwa 350,000 Menschen, die zum allergroessten Teil ohne Eigenmittel und Berufskenntnisse aus einer oft mittelalterlichen Millieugebundenheit kamen und die Kassen des Staates, der Sozialfuersorge und der zionistischen Bewegung entsprechend belasteten. Auch unter den ca. 238,000 Emigranten aus dem niederliegenden Europa der ersten Nachkriegszeit befanden sich natuerlich grosse Scharentypi scher sozialer Faelle. Nur um die Einwanderer aus Uebersee war es besser bestellt; aber ihre Zahl war vergleichsweise minimal. Infolgedessen blieb nichts uebrig, als der Masseneinwanderung ungeachtet des Heimkehrgesetzes Schranken zu ziehen; das geschah um die Wende des Jahres 1952 mit der Aufstellung Von Grundsaetzen einer “Selektionspolitik”, die mittellose, aeltere, alleinstehende Leute fernhielt und die Visenerteilung von schaerferen Gesundheitspruefungen als vorher abhaengig machte. Zu einer zweiten Lockerung der Prinzipien des Heimkehrgesetzes entschloss sich die Knesseth nach laengerem Zoegern Anfang Februar ds. Js., indem sie beschloss, kriminelle Elemente und ueber- Aus der Proklamation Der Staat Israel wird offen sein fuer Juden aus allen Laendern ihrer Zerstreuung; wird foerdern die' Entwicklung des Landes zum Wohle aller seiner Einwohner; wird auf gebaut auf den Grundsaetzen von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden, wie sie ausgelegt wurden durch die Propheten von Israel; wird aufrechterhalten die volle soziale und politische Gleichberechtigung aller seiner Buerger ohne Unterschied der Religion, Rasse oder des Geschlechtes; wird garantieren die Freiheit der Religion, des Gewissens, der Bildung und Kultur; wird schuetzen die Heiligen Staetten aller Religionen und wird loyal die Grundsaetze der Charta der Vereinten Nationen aufrechterhalten. * Wir reichen unsere Hand in Frieden und Nachbarlichkeit allen benachbarten Staaten und ihren Voelkern und laden sie ein, mitzuarbeiten mit dem unabhaengigen Juedischen Volk fuer das Gemeinwohl aller. Der Staat Israel ist bereit, seinen Beitrag zu leisten zum Fortschritt des ganzen Mittleren Ostens. Unser Ruf geht an das Juedische Volk in der ganzen Welt, mitzugehen an unserer Seite in der Aufgabe der Immigration und Entwicklung und uns beizustehen in dem grossen Kampf fuer die Erloesung Israels, haupt “Personen, die nach ihrer Vergangenheit als mutmassliche Stoerer der oeffentlichen Ruhe und Ordnung zu betrachten sind”, von Wohltaten dieses Gesetzes auszuschliessen. Die Einwanderung hat ihren Massencharakter verloren, wie schon erwaehnt. Wie sehr sich die Dinge daraufhin von Grund auf gewandelt haben, wird besonders krass dadurch beleuchtet, dass der viel kleiner gewordenen Immigration —von nur ca. 10,000 Juden im Jahre 1953— eine Auswanderung gegenuebersteht, die seit der Staatsgruendung bis heute 40 bis 50,000 Menschen umfasst hat. Zweifellos hatten viele von ihnen den Staat Israel von vornherein nur als voruebergehende Zufluchtsstaette oder als “Umsteigebahnhof” betrachtet, und ebenso verlohnt es, darauf hinzuweisen, dass das fluktuierende Herein und Heraus bekanntlich seit jeher zum Wesen derart i g e r Immigrationslaender gehoert. Dennoch bildet eine Auswanderung oder Wiederauswanderung des zahlenmaessigen Umfanges wie die jetzige fuer das Prestige und die politische Stellung des juedischen Staates unleugbar einen Gegenstand betraechtlicher Verlegenheit, so wenig es ihm in seinen jetzigen wirtschaftlichen Noeten unbedingt zum Nachteil gereichen muss, wenn seinen Behoerden-die Sorge fuer Menschen genommen wird, die sich nur u n te r grossen Schwierigkeiten und mit unverhaeltnismaessigem Aufwand an oeffentlichen Mitteln umschichten und unterbringen lassen. Bedauerlicherweise ist es indessen so, dass sich unter den Wiederauswanderern daneben Leute mit Vermoegen und guten beruflichen Qualitaeten in keiner belanglos kleinen Zahl befinden. Es ist lehrreich genug, die Gruende zusammenzustellen, die fuer das Aufhoeren der Masseneinwanderung und zugleich fuer die Gegenbewegung dieser Emigration vor allem geltend gemacht werden. 1. Vielfach sind —besonders in den vorder— orientalischen Laendern die “juedischen Menschenreservoire” erschoepft. So befindet sich buchstaeblich jeder in Yemen geborene Jude heute hier in Israel. Andererseits beharren die Sowjetunion und ihre osteuropaeischen Vasallenstaaten bei der Praxis fast genereller Ausreiseverbote auch fuer Israel. 2. Natuerlich wirkt es abschreckend, dass die arabi-: sehen Nachbarn Israels in ihrer Feindschaft zum juedischen Staat beharren und seine Landessicherheit ebenso wie seine politische Stabilitaet damit staendig bedrohen. 3. Auch die Wirtschaftskrise der heutigen Uebergangszeit Israel schreckt besonders Menschen ab, die mit ausgesprochener Fiuechtligsmentalitaet, will sagen ohne innere Bindung, hierhergekommen waren. Was ihre Neigung noch verstaerkt, nicht erst in dieses Land zu kommen oder wieder wegzugehen, ist der Umstand, dass ihnen beispielsweise Amerika ungleich bessere Erwerbschancen zubieten scheint, oder dass —ein anderes Beispiel—, DER HISTORISCHE AKT Am Freitag, dem 14. Mai 1948, um 16. Uhr versammelten sich die prominenten Persoenlichkeiten der juedischen Gemeinschaft in Erez-Israel im grossen Saale des Tel Aviver Museums, um die Proklamation des juedischen Staates zu erleben. Noch bis in die fruehen Nachmittagsstunden hatte der Volksrat, der im Hinblick auf das durch die Aufloesung der britischen Mandatsverwaltung dem Lande drohende Chaos die einstweilige Fuehrung der oeffentlichen Angelegenheiten uebemommen hatte, an der endgueltigen Festlegung des Textes der Staatsproklamation gearbeitet. Lange vor der festgesetzten Stunde fuellte sich der Saal des Museums, der sonst nur Kammermusikkonzerten und Vorlesungen ueber kuenstlerische Themen diente, mit einer festlich gekleideten Menge. Die Bilder alter Meister, die sonst an den Waenden des Saales hingen, waren entfernt und an ihre Stelle Bilder grosser juedischer Meister der Malerei getreten: Werke von Joseph Israels, Mare Chhgall und Max Liebermann. Ueber der Estrade, auf der der Tisch stand, an dem Mitglieder der provisorischen Regierung Platz nahmen, hing ein grosses Bildnis Theodor Herzls. Als der Zeiger auf 16 Uhr sprang, eroeffnete David Bern Gurion mit einem Hammerschlag die historische Sitzung des Volksrats. Alle Anwesenden erhoben sich und sangen gemeinsam die Hatikwa. Dann verlas Ben Gurion die Staatsproklamation, die mit dem lapidaren- Satz beginnt: „In Erez Israel erstand das juedische Volk. In Erez Israel schuf es sich sein geistiges, religioeses und politisches Gepraege, durchlebte seine staatlichen Aufschwuenge und schenkte sich und der Menschheit Kulturwerte, die mit dem Buch der Buecher voran ewigen Bestand haben”, und die mit der Anrufung der Gottheit enden: „Im unerschuetterlichen Vertrauen auf den Fels Israel unterzeichnen wir, die Mitglieder des Provisorischen Stadtrates in Tel Aviv: auf dem Boden unserer Heimat, diese Proklamation vor Eingang des Sabbat heute am 5. Tage des Ijar 5708, dem 14.5.1948“. Ungeheurer Beifall erhob sich, als Ben Gurion die Errichtung des Staates und dessen Namen „Israel“ verkuendete. Bis zum letzten Augenblick hatte darueber Ungewissheit bestanden. Viele Namen waren vorgechlagen worden, unter anderem Juda, Ivria und Zion, aber schliesslich war man bei der historischen Bezeichnung Israel geblieben, die sich durch den Namen Erez Israel bereits internationale Geltung erworben hatte. Einstimmig nahmen die Provisorische Regierung Volksrat durch Erheben von ihren Sitzen, dem auch im westlichen Deutschland und seinen Nachbarlaendern Prosperitaet herrscht. 4. Dazu treten die kulturellen, und hier besonders die sprachlichen Schwierigkeiten der Eingewoehnung in ungewohnte Verhaeltnisse. 5. Aber auch der Tatsache ist Erwaehnung zu tun, dass es seit Jahr und Tag in Israel selbst wie in den Gemeinden und Gruppen der juedischen Diaspora nicht an einer oft uebermaessig zugespitzten Kritik ,an den Maengeln des von Ben Gurion geschaffenen staatlichen Systems fehlt gleichgueltig, ob es sich um berechtigte Einwuerfe, um einen Niederschlag politischer Gegensaetze oder nur um unverantwortliches Bekritteln handelt. 6. Persoenliche Motive sind das letzte Hemmnis, so vielleicht der Wunsch nach einer Wiedervereinigung mit Familienangehoerigen, nach der Ausnutzung nicht transferierbarer Vermoegenswerie u. dgl. Was diese Aufzaehlung ausser Acht laesst, ist das vielleicht Entscheidende: mit der Masseneinwanderung von 1948 bis 1952 hatte sich der noch junge und noch schwache Staat, so grossartig die Konzeption, der “Slammlung der Zerstreuten” in nationaler und menschlicher Beziehung war, bei nuechterner Betrachtung “uebernommen” Ein Rueckschlag war nach den ehernen Gesetzen des Wirtschaftslebens und der Zum Vol Die Araber begannen wieder, unter freundlicher Duldung der Englaender, die juedischen Siedlungen anzugreifen. Die Haganah musste aber mals den Schutz uebernehmen. Die Briten aenderten ihre feindliche Haltung auch nicht, als die konservative Regierung von einer sozialistischen abgeloest wurde. Die Haganah musste ihre Kraft und ihren Protest in einigen Aktionen deutlich demonstrieren. Sie bemuehte sich, Menschenleben zu schonen und nur Sachschaden anzurichten. Die Mandatsbehoerde reagierte mit heftigen Unterdrueckungsmas s n a hmen gegen den Jischuv. Schliesslich ging sie zu Massenverhaftungen von Haganahmitgliedern und Fuehrern der nationalen Institutionen ueber. Das Kommando der Haganäh war sich darueber klar, dass uns ein schwerer Kaempf bevorstand. Das war keine Verteidigung Massenpsychologie u n v e rmeidlich geworden. Die teuer genug erkaufte Erfahrung dieses Rueckschlags lehrt, dass der Grundsatz, Masseneinwanderungen im Rahmen der oekonomischen Aufnahmefaehigkeit des Emigfrationslandes zu halten, auch fuer Israel gilt. Diese Lehre ist das Fazit der nun abgeschlossenen Lehrjahre des Staates Israel, die die Jahre seiner grossen Zuwanderung gewesen «ind. de sil be ju Si si( da hs sie zu sei du de te: 29, Er St; be Di mi wc Br ba ra; Sic ] St£ ric eir un un de. gii be. dri reí 1 lei; wo rm gel