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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1954-04-01 · 4 (Abril, 1954) · p. Seite 3

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVI (1954)
Issue
4 (Abril, 1954)
Date
1954-04-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Abriï, ¿954- B 0 L; E; X I N I N Î 0 R M A XIV 0 ERINNERUNGEN IM ÄFRIL Von Pr. Herbert Freeden Jedes Jahr im April ge denken wir. der. Tage, an denen die Emanzipation der tieätschen Juden 'zu einem jaehen Ende kam. Vielleicht .haben die folgenden Jahre an Bestialitaet und Grauen jenen Boykott weit ueber treffen —aber damals be gann der “kalte” Krieg der Nazis gegen die Juden „heiss” zu werden, und fuer die wenigen, die die Zeichen lesen konnten, war der April 1933 die eigentliche Kriegserklaerung des zweiten Weltkrieges. Deutschland war im Apri 1933 ein Mitglied des Voel kerbundes und Hindenbuvg noch Reichspraesident, hat te kaum ein Jahr zuvor die Buergerrechte der deutschen Juden garantiert. Am 2. Fe bruar schrieb die „C. V. Zei tung”, das Organ des „Zentralvereins deutscher Staatsbürger j uedischen Glau tens”: „Die deutschen Juden haben die tiefe Ueber zeugung, dass Praesident Elinderbufg, loyal zur Ver fassung, keinen Angriff auf die konstitutionellen Rechte einer Gruppe deutscher Staatsbuerger dulden wird”. Die oeffentliche Meinung der Welt beschaeftigte sich mehr mit den persoenlichen Schicksalen von “Prominenten” — Schriftstellern, Gelehrten, Kuenstlern—als mit der Kriegsansage an die Zivilisation. In Amerika verbuchte das Mitglied des Kongresses, Emanuel Celler, einen Gegen-Boykott ins Le ben zu rufen und in England sprach am 30. Maerz Lord Kleading, unterstuetzt vom damaligen Erzbischof von Conterbury, Lord Lang, im Houso of Lords ueber die Ereig nisse in Deutschland, Mr. Attlee war unter denen, die eine Sympathieerklae rung an eine Massenversammlung im Londoner East End schickte, aber nur eine einzige Stimme erhob sich, die die Entwicklung in der richtigen Perspektive sah — Eleanor Rathbone. Mit prophetischer Klarheit sagte die allzul’rueh verstorbene Kaempferin der Freiheit in jenen Tagen im House of Common: „Ein Geist ist ueber Deutschland gekommen — - ein Redner fciannte ihn einen neuen Geist; ich moechte eher von der Wiederkehr des boesen Geistes sprechen, ein schlimmes Omen fuer den Frieden und die Freiheit der Welt”. Und am 5. April 1933 sagte sie in einer Protestkundgebung in Liverpool: „Selbst wenn die Verfolgung der Juden jetzt aufhoeren wuerde haette sie einen Zweck erfuellt, einen ganz anderen Zweck als die Nazis im Auge hatten: sie hat uns gelehrt, in jenem .Tempevamentsausbruch’ der Deutschen eine ernstliche Bedrohung der Zivilisation zu sehen. Vielleicht, so schloss sie, „das die gegenwaertigen Leiden der Juden die Welt vor kuenftigen und noch furchtbarereft Leiden , bewahrt haben — indem sie uns rechtzeitig als Warnung dienten”. Die Warnung ist unbeachtet geblieben. Im britischen Unterhaus gab es damals zwar eine stuermische Debatte. aber stuermisch deshalb, weil der seinerzeitige Innenminister Sir John -Gilmeur das Aufkleben antideutscher Plakate im East dnd verboten hatte, was man .uer eine Beschraenkung der Meinungsfreiheit ansah, und Vinston Churchill protestier- ,e am lautesten. Aber schliess ich ebbte das Interesse an ier „internen Affaere” des .ieiches —so lautete die verraengnisvolle Phrase — ab. ieibit ein Teil der deutschen luden, Geissein in den Haenlen der Nazis, fuerchteten leshalb antideutsche Aktio- -ien im Ausland so sehr, dass iie „C. V. Zeitung” von den .Massnahmen gegen die Juden als einer „haeaslichen Ange- . e g e n h e i t Deutschlands” schrieb, in die keine inter- / e n t i o n von aussen er- .vuenscht sei. Der letzte .Versuch, die juedische Position .n Deutschland auf einem internationalen Forum zu diskutieren, schlug fehl, als eine Debatte im Genfer Voelkero u n d die antisemitischen Ausschreitungen in Oberschlesien als eine Verletzung ies Minderheitenstatuts hinsustellen suchte und ergeb- .lislos versackte. Zwei Jahre spaeter erhob;ich noch einmal eine prophetische Stimme —diesmal -icht in der Sicherheit denokratischer Freiheiten, sondern in Nazideutschland. Am .6. April sprach der Dichter Jrnst Wiecnert in der Muenhener Universitaet zur Ju- ,end. Die Schergen der Getapo waren im Saal. Auch Doebbels hatte seine Spitze) entsandt. Dennoch war die-;e Rede die groesste Heraus- .orderung, die das Regime jenals waehrend seiner Schreckensherrschaft oef- . entlieh in Deutschland erfuhr. Wiechert wurde daraufhin verhaftet und ins KZ geworfen. Er ueberlebte, aber tarb an den Felgen der Haft und weiterer Inhaftierungen mr drei Jahren. „Wir alle wissen”, hiess es n seiner Rede, die er “Der Dichter und die Zeit” betitelte. “das es fuer Goethes Geammelte Werke wahrscheinich gut gewesen ist, dass er um 1813 keine Freiheitslieder gedichtet hat, sowenig wie es fuer Gerhart Hauptmann gut gewesen ist, dass er Kriegsiieder geschrieben hat... Ich selbst weiss, dass die deutsche Erde heute von Dichtern ueberquillt. Und es gibt unter ihnen solche, die mit 25 Jahren durch die deutschen Lande ziehen und nicht nur ihre Blutgesaenge singen, sondern aus ihrem Leben erzaehlen. Und es gibt viele, ja Tausende, die diesen Gesaengen und diesem Leben achtungsvoll lauschen weil wir ja bekanntlich ein tapferes Volk sind, das Maennerstolz vor Koenigstronen gelernt hat. “Aber einen Hausgott, liebe Freunde, sollten wir aus Kinderzeiten her ehrfuerchtig auf unserem Herde bewahren, und es tut nichts, dass er bei jedem von uns ein anderes Antlitz traegt: das Antlitz der Dichter oder das der Religion oder das der Liebe zu allen vom Weibe Geborenen. Es ist in bewegten Zeiten der Mensch wohl so geartet, dass er die Hand an alles legen moechte, was nach seiner Meinung beweglich sein koennte, und dass diese Hand mitunter der Ehrfurcht ermangelt, und dass er glaubt, das Antlitz eines Volkes sei mit dieser Hand so zu formen wie er es haben moechte. Aber, meine Freunde, in den alten7 Tafeln der Erde steht nicht geschrieben, dass der Mauricio Stern irrrifMBiiMiiiMmTiiiiMfi iirrw Die Lebensuhr von Mauricio Stern steht nunmehr still. Als wir ihn am lezten Freitag trafen, ahnten wir nicht, dass ihm nur noch gezaehlte Lebensstunden bestimmt waren. Denn schon am darauffolgenden Tag in den spaeten Abendstunden oegann seine Lebensuhr sich zu verlangsamen, um am Montag fuer immer still zu stehen. Wenn wir als hoechstes Gut des Lebens nicht die Gueter sondern die Guete amehen, die die Seele des Daseins bildet, dann duerfen wir dass heute aussprechen, dass Mauricio Stern zu denen zu zaehlen ist, die dieses hohe Gute besessen haben. Ein besonders zaertlicher und guetiger Ehemann, ein aufopfernder Vater fuer seine Toechter und ein besonders liebevoller Grossvater ist er gewesen. Sein Heim war durch eine friedliche Atmosphaere ausgezeichnet. Gross wird daher der Schmerz bei allen denen;ein, die er in diesem trauten Heim zurueckgelassen hat, aber eine Linderung, einen Trost erfaehrt dieser Schmerz dadurch, dass Gattin und Kinder auf ihn besonders stolz sein koennen, denn er hat nicht nur ihnen als die Krone der Familie gehoert, sondern auch uns, unserer Gemeinde und unserer Gemeinschaft war er ein treuer Oiener. “Er war unser “und so mag das stolze Wort den auten Schmerz gewaltig ueoertoenen”. Er hat unserer Gemeinde nicht nur von Anfang an als Mitglied angehoert, sondern er hat ihr mit seinen besten Kraeften gedient. Viele Jahre — und es waren nicht die leichtesten denn es waren die Jahre des Aufbaus — hat er das schwere und verantwortungsvolle Amt eines Schatzmeisters bekleidet und hat den Titel Parnes, Erhalter einer juedisthen Gemeinde, mit vollem Recht verdient. Wie haette es auch anders sein koennen, denn er war ein treuer Sohn der j uedischen Sache aus zweierlei Gruende.n, Aus Familientradition und aus eigener Ueberzeugung. Von ihm darf man sagen, und er haet- GR ABSTEINE ln «Mtntlichen Steinarten tu billigsten Preisen TH, REIS José Miguel de la Barra 412, 5,o piso Dep. A. esq. Merced. Tel. 33200 Fuer die Ueberaus tahlreichen Beweise aufrichtiger Teilnahme an dem Hinscheiden unserer geliebten Mutter ADELE FISCHELSOHN sprechen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank?.us. ROSA und REGINA FISCHELSOHN Santiago, im Maerz, 1954. l iier die ueberaus grosse Anteilnahme beim Heimgange meiner ueber alles geliebten Frau, unserer unvergesslichen Mutter, Schwiegermutter, Grossmutter, Schwester, Schwaegerin und Tante HULDA SCHUEFTAN geb. HEIMANN danken wir aut diesem Wege herzUchst. Santiago, Maerz 1934 Hugo Schueftan und Kinder Fuer die zahlreichen Beweise aufrichtiger Teilnahme am Hinscheiden unseres geliebten Gatten, Vaters, Schwiegervaters und Grossvaters ALFRED WAGNER zuzeigen und danken gleichzeitig allen Freunden und Bekannten unseren herzlichsten Dank Im Namen der Hinterbliebenen Santiago, Marzo 1954, Cueto 95 MARGOT WAGNER mm Fuer die uns anlaesslich des Ablebens unseres geliebten Gatten und Vaters erwiesene Anteilnahme danken wir allen Freunden und Bekannten herzlichst LOTTE und HEINERLE JAFFE te es von sich selbst auch sagen duerfen, wass im Lied am Schilfmeer so herrlich zum Ausdruck gebracht worden ist: “Das ist mein Gott, ich will ihn loben, und den Gott meiner Vaeter will ich preisen”. Wo immer sich Gelegenheit bot, hat er diesen Satz verwirklicht, Nicht nur an der Staette des Gebets, sondern Im taeglichen Leben, insbesondere in jener Organisation, deren Leitmotiv “Zedakah” ist. Lange Jahre hindurch hat er an fuehrender Stelle im “Cisroco”, unserer ¡uedischen Wohlfahrsorganisation, auf’s aktivste mitgearbeitet. Fuer einen Menschen wie Mauricio Stern, der ven dem tiefen Gefuehl der Guete durchzogen war, war es eine Selbstverstaendlichkeit die hohe Pflicht der Zedakah im werktaetigen Leben zu ueben und sich damit in den Dienst derer zu stellen, denen Zedakah zuteil werden muss. Gemeinde und Cisrcco werden diesen guetigen Menschen und seine aufopfernde Arbeit, die er fuer die Gemeinschaft geleistet hat, nicht vergessen. Er wird als einer unter uns weiterleben, der bemueht gewesen ist, den Lebenssinn so zu verwirklichen, wie es ein altes Prophetenwort ausgesprochen hat: Recht tun, Liebe spenden und in Demut vor Gott wandeln RAB. LUBLINER. Mensch, sondern dass Gott der Herr der Erde sei... “Es ist vor einiger Zeit in einem vom Philclogenverband herausgegebenen Buch ein Aufsatz eines Oberstudiendirekter.s ueber den kommenden Deutschunterricht, erschienen, in dem dieser wildgewoirdene Volkserneuerer fordert, dass fortan die Jugend zu einem neuen Heldentum erzogen werden muesse. Und zwar sei es fortan ganz gleichzeitig ob der Held einer Dichtung edel oder boese handelt, sondern es kommt allein darauf an, da~s er ueberhaupt handelt. Und es sei ferner eine Forderung ueberwundener Zeiten, dass die Jugend zur Ehrfurcht vor sittlicher. Groesse gefuehrt werde, weil die Jugend von heute auf der Schule bereits —von der Universitaet ganz zu schweigen —dahin zu fuehren sei, dass sie— ich zitiere— mit kaltem Blick die Anarchie der moralischen Welt bejahe... Dichter, wie ich sie mir denke, wollen, dass vor den Augen der Menschen aufgerichtet werde, was in der Welt verdunkelt und oft geschaendet ist: die Wahrheit, das Recht, , die Freiheit, die Guete, die Lieb», und ueber allem: der Sinn und das Gesetz einer grossen Weltordnung, Wenn in mir ein Stueck “Gewissen der Nation” lebt. —und ich fuehle schmerzlich genug, wie sehr es das tut— dann kann es mir nicht gleich sein, ob eine Jugend in Goethescher “Ehrfurcht” heranwaechst, oder ob sie “mit kaltem Blick die Anarchie der moralischen Welt” bejaht. Ja, es kann wohl sein, dass ein Volk aufhoert, Recht und Unrecht zu unterscheiden, und dass jeder Kampf ihm “recht” ist, aber dieses Volk steht schon auf einer jaeh sich neigenden Ebene, und das Gesetz seines Untergangs ist ihm schon geschrieben. Es kann auch sein, dass ein Volk aufhoert, Gut und Boese zu unterscheiden. Es kann dann sein, dass es noch einen Gladiatorenruhm gewinnt und in Kaempfen ein Ethos auf richtet, das wir ein Boxerethos nennen wollen. Aber die Waage ist schon aufgehoben ueber diesem Volk, und an jeder Wand wird die Hand erscheinen, die die Buchstaben von Feuer schreibt... Ich beschwoer» Sie heute, sich nicht vermehren zu lassen, nur Glanz und Glueck zu sehen, wo soviel Leid sich heimlich an uni wendet. Und niemals sich dahin bringen zu lassen, zu schweigen, wenn dass Gewissen Ihnen zu reden befiehlt”. Die jungen Menschen, die in jener denkwuerdigen Muenchener Studentenrovolte des Jahres 2944 ihr Leben Hessen, haben bewiesen, dass jene Worte nicht auf taube Ohren fielen. Wenn wir uns der Anriltage erinnern, der Schandtaten der vielen, sollten wir auch der Opfer der wenigen gedenken. Unsere Quellen Zu den Veroeffentlichungen auf der Titelseite: David Ben-Gurions Aufzeichnungen sind seinem demnaec.hst erscheinenden Buch “Reibirth and Destiny of Israel” entnommen. Der Abschnitt wurde uns von der JADLA freunlichst zur Verfuegung gestellt. Die Schilderung des Besuches bei Ben-Gurlon wurde uns von Dr. Avner Nechuschtan - Kupferberg, unserem liebenswuerdigen Mitarbeiter in Israel, eingesandt. Dr. Nechuschtan ist einer der fuehrenden Presseleut» taa Land. .

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