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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1954-01-01 · 1 (Enero, 1954) · p. Seite 7

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVI (1954)
Issue
1 (Enero, 1954)
Date
1954-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Enero, 1954 BOLETIN INFORMATIVO 7 Auf dem breit ausladenden Rasen, der sich zwischen dem langgestreckten Speisesaal und den ersten Auslaeufern der Wohngebaeude ausbreitet, sind lange Tischreihen festlich gedeckt: Kibuz “Ramot Menasche” feiert sein fuenfjaehriges Bestehen, Schon von mittags an stroemenzahl reiche Besucher herein, und die Chawerim sind fieberhaft mit den letzten Vorbereitungen des festlichen Abends beschaeftigt. Die Waende des Speise und Versammlungssaals sind mit zahlreichen Statistiken geschmueckt, die dem Betrachter ein uebersichtliches Bild der Entwicklung, des Kibuzes van seiner Gruendung waehrend des Befreiungskrieges an bis heute, vermitteln. Eine kleine Ausstellung von Steinen, Geraetestuecken, Vasenscherben u. a., die bei der Bearbeitung des' umliegenden Bodens gefunden wurden, verleihen der Neusiedlung die historische Perspektive: der Hirtenstamm Menasche weidete hier seine Schaf— und Ziegenherden. Spaeter siedelten Araber in kleinen Doerfern in den “wadis”, den Taleinschnitten, und trieben Raubbau mit dem der Erosion aeusserst ausgesetzten Boden. “5 Minuten vor zwoelf” kamen die Chaluzim, um —wie so manchen anderen, von Sachverstaedigen schon aufgegebenen Boden— auch den der Efrajim-Berge vor vollstaendiger Preisgabe zu retten. 5 Und der Betrachter der Aufnahmen von vor 3. 4 Jahren meint seinen Augen kaum zu trauen dass an der Stelle der damaligen, von Stachelpflanzen besaeten, trockenen Steinwueste in so kurzer Zeit eine geordnete und aufstrebende Ansiedlung erwuchs: eingebettet in weite, gruen bebaute und schwarz— geackerte Flaechen erhebt sich das weit ausladende Rund des Kibuzes. Um den, die Anhcehe dominierenden wohlproportionierten Gemeinschaftssaal gruppieren sich in weitem Kreis die Wirtschaftsbauten und die schmucken, rotbedaecherten Stein— und Holzhaeuser der Chawerim und Kinder. Dazwischen, von dekorativen Fusswegen umgrenzt, erstrecken sich gruene Rasenflaechen, Ziergaerten, und vor allem: der ganze Kibuz ist uebersaet von schon fast mannshohen jungen Baeumen. Diese und die mit ihnen heranwachsenden Kinder, verleihen uns —vielleicht mehr als alles andere— ein Gefuehl von Bodenstaendigkeit und Zuversicht in die Zukunft. Chilenische Chaluzim mit ihrem “zabre” ■¡lili Wmm Bl i mm lliiil aöm.»*. mm mm mm mm ¡¡¡¡¡¡(¡¡¡ütMifiai Tee. “Der Tee wird nichts nuetzen, aber wenn ich eine Zahnbuerste bekomme, dann werden die Schmerzen sicher gut werden...” Etwas, was schwer erkaempit wurde, gewinnt an Wert in den Augen des Besitzers, und im Falle der Zahnbnersten hat sich der anfaengliche Kampf gegen die aeltere Generation entschieden vorteilhaft bewaehrt und Zaehneputzen zu einem begehrten Vergnuegen gemacht. Jabba ist ein verlassenes arabisches Bergnest, in einer idyllischen Landschaft zwischen Obstgaerten und terrassierten Weinbergen gelegen, Vorläufig sind die etwa 50 Familien jemenitischer Neueinwanderer in schwarzen, teerbestrichenen Zelten untergebracht. Die Maenner arbeiten am Bau ihrer Haeuser, die noch vor Beginn des Winters fertig sein muessen, Waehrend die Frauen unter der Leitung ihrer Instruktorin mit den landesüblichen Methoden des Kochens und den Anfangsgruenden der Kinderpflege vertraut gemacht werden. Kaum hatten jedoch die neuen Siedler ihren Einzug gehalten so forderten sie als erstes eine Schule. Mancherlei Schwierigkeiten waren zu ueberwinden; es waren gerade grosse Ferien, der einzige Raum, der zur Verlegung stand in einem der drei bestehenden arabischen Steinhaeuser, hat weder Fenster noch Tuer. Schliesslich entsandte das Erziehungsdepartment eine junge Absolventin des Seminars, die, wie die Mehrzahl ihrer Klassenkolleeinnen, sich zur Arbeit in Einwandererlagern oder Siedlungen gemeldet hatte. Nach aussen hin ist die'T'afel, die an der rohbehauenen Wand haengt, das einzige Symbol der Schule, da noch keinerlei Mobiliar oder Lehrmittel nach diesem entlegenen Punkte geschafft werden konnten. Es gibt in Jabba im Ganzen 47 Kinder schulpflichtigen Alters. Jungen und Maedchen, darunter fuenf verheiratete Frauen, deren Maenner instaendig baten, gemeinsam mit ihren Gattinnen die Schulbank druecken zu duerfen. Von Schulbank ist allerdings noch keine Rede. Die Schueler hokken auf dem gestampften Lehmfussboden, eine Stellung. in der sie sich durchaus komfortabel fuehlen. Gibt es etwas zu schreiben, dann legen sie das Heft vor sich auf den Boden und lassen sich auf Knie und Ellbogen nieder. Die Jungen waren bereits im Cheder, koen.uen sozusagen lesen und schreiben und verstehen auch besser Iwrith als die Maedchen. die vorlaeufig senarat unterrichtet werden. Bekanntlich hat im jemenitischen Cheder nur der Chacham ein Buch: diejenigen, die seinerzeit ihrem Lehrer gegenueoer sassen, bestehen noch immer darauf, ihr Buch verkehrt zu halten und die Buchstaben verkehrt zu schreiben. Die Aufgaben, die Ruth hier zu erfuellen hat, gehen weit ueber die einer Volksschulllehrerin hinaus, die unter normalen Bedingungen unterrichtet. Sie muss 'gleichzeitig Kindergaertnerin, Krankenschwester, Instruktorin und was nicht alles sein. Ihre Zoeglinge sind noch sehr unzulaenglich gekleidet, muessen die Gebote der Sauberkeit erlernen, sie werden sich gewoehnen muessen, auf einem Stuhl zu sitzen und an einem Tisch zu schreiben, es muss in ihnen die Freude an gemeinsamen Spiel geweckt werden, und bei alledem verstehen sie noch kaum die Sprache ihres Lehrers. Abgeschnitten und isoliert ist der Lehrer hier hauptsaechlich auf seine eigene Phantasie, sein Einfuehlungsvermoegen und seinen Idealismus angewiesen Ruth hat sich selbst ein System zurechtgelegt, eine Kombination von Berhtz-Svstem und der modernen Projektmethode, um ihren Schuelern erst einmal Iwrith beizubringen und sie gleichzeitig mit ihrer m voellig anderen, neuen Umgebung vertraut zu machen. Um ein Beispiel zu geben: Es traf sich, cla-s an einem der ersten Schultage Jabba an die Wasserleitung angeschlossen wurde. Somit ergab es sich ganz natuerlich, “Wasser” als Thema des Tae-es zu waehlen Die wichtigsten, mit Wasser verbundenen Worte wurden an d’e Tafel geschrieben, muendlich und schriftlich durchgencmmen. Darauf folgte eine Demonstration aller Taetigkeiten, die mit Wasser vorgenommen werden, wie waschen, Pflanzen begiessen usw. Zur besseren Einpraegung liess sie dann die Klasse jede einzelne Aktivitaet mimisch wiederholen. In einer einklassigen Schu- 'e besteht immer das Problem:, idie Aufmerk'amkeit der juengeren und leichter ermuedenden Kinder wachzuhalten. Um ihren Schuelern eine Abwechslung von ernsthafteren Studien zu bieten, zeichnete Ruth mit einigen Strichen einen Baum an die Tafel, verteilte Papier lind Buntstifte und ueber- Hess die Klasse sich selbst. Die Kinder, die noch nie ein Bild gesehen hatten, verstanden erst gar nicht, was man von ihnen wollte. Die Jungen schrieben einfach das Wort ..Baum” mit gruenem oder blauem Stift. Anderen machten die Buntstifte so viel Spass, dass sie vorerst einmal ihre Blaetter mit buntem Gekritzel bedeckten. Nach mehreren Versuchen kamen sie ailmaehlich auf den Geschmack und Hessen ihrer Beobachtungsgabe und Phantasie freien Lauf. Trotz ihrer Freude an der Schule und am Lernen und der oft mehrenden Dankesbezeugungen von Eltern und Kindern wird es noch einige Zeit erfordern, bis sie sich an Disziplin gewoehnen. Lernen bedeutet, besonders fuer “Ramot Menasche” zaehlt heute ueber 200 Bewohner: 140 Chawerim —von denen ca. 80 dem “Haschomer Hazair” in Chile und Uruguay die Jungen, „Thora”, und alles andere ist bloss ein faszinierendes Spiel. Sie verstehen daher auch nicht, dass der Schulbesuch obligatorisch ist, und noch viel weniger, dass sie um 1 Uhr auf das Glockenzeichen die Klasse verlassen muessen. Jeden Morgen, wenn Ruth sich dem Lager naehert, wird sie mit aengstlichen Fragen bestuermt: “Warum so spaet heute, wir fuerchteten schon, Du wuerdest nicht kommen”. Freitags erhaelt sie eine nicht geringe Anzahl von Liebesbriefen, die ungefaehr so lauten: “Schabbat Schalom und Dank unserer Lehrerin, ich war sehr traurig und habe geweint, weil Du entstammen— 50 Kinder und 18 Eltern. Diese letzteren kamen fast alle in den letzten 2 Jahren —meist aus Chile u. Uruguay— und vermich gar nicht in der Klasse gefragt hast, obwohl ich meine Lektion so gut wusste... ”. “Ich weiss gar nicht, womit ich das verdient habe”, sagt die junge Lehrerin kopfschuettelnd, “wenn ich bedenke, wie wir uns gegen unsere Lehrer benommen haben? Nun, in einem Jahre wird alles anders sein, da werden wir eine richtig ausgestattete Schule haben, die Kinder werden Zeitung lesen, Radio hoeren und Fussball spielen, dafuer werden sie aber auch gelernt haben, sich vor der Schule zu druekken und dem Lehrer freche Antworten zu geben... und das nennen wir dann Fortschritt’”. vollstaendigen in traulicher Weise das Bild des Kibuzes als einer grossen Familie. Die Frage der Aufnahme und Einordnung der Eltern ist keine leichte —sowohl fuer den Kibuz als auch fuer die aelteren Leute selbst. Und mit Genugtuung koennen wir die gelungene soziale u. wirtschaftliche Einreihung der —“sabot” und “sabtot” (Grossvaeter u. muetter) fest stellen. Alle haben ihren entsprechenden Arbeitsplatz: Kueche, Kleiderkommune, Bibliothek,, Geraete-Depots, etc., der sie im allgemeinen befriedigt, und auch gesellschaftlich hat sich sowohl unter ihnen selbst als auch im Kontakt mit den Chawerim eine warme, haeusliche Atmosphaere herausgebildet. Uebersichtlich ist auch die Entwicklung der einzelnen Wirtschaftszweige dargestellt R. M. bearbeitet ca. 4,000 dunam extensiv. 300 verteilen sich auf Obstbaeuma ((Wein u. Pflaumen), Gemuesegarten und Futter fuer den 100 Stueck zaehlenden Kuhstall (50 Milchkuehe). Die 430 Stueck zaehlende Schafherde ist, in anbetracht der ausgiebig vorhandenen natuerlichen Weideflaechen. ein wichtiger u. ausbaufaehiger Zweig, Der Hluehnerstall zaehlt 4,000 Stueck. Und vor allem: dieses Jahr wurde die Trockenheit besiegt! Eine im Nachbar-Kibuz Dalia vorgencmmene Bohrung erschloss ausgiebl* ge Wasserquellen, von denen auch uns genuegende Mengen zustroemen. ... Gemessener Gongschlag verkuendet den Beginn dev Feier, Bedaechtig gruppieren sich die Chawerim in ihren weissen Hemden und Kakihosen auf dem hell erleuchteten Rasen, der heute eingeweiht wird. In ihrem Schreiten ist deutlich das Bewusstsein jedes einzelnen zu spueren; jeder sprossende Baum ist in jahrelanger, immer sich steigender Arbeitsanspannung erkaempft. Und das gibt ihnen das Recht jedes Schaffenden: von Zeit zu Zeit sich des von ihm Geschaffenen zu freuen, und aus ihm Kraft zu erneutem Wirken zu schoepfen. Diesem kollektiven Gefuehl gibt der Sekretaer des Kibuzes in kurzen Worten Ausdruck . Einige herzliche (deutsche) Begruessungsworte des Kibbuz aeltesten (ein “saba” aus Montevideo) eroeffnen die Feier, die sich mit einer, ein biblisches Thema komisch behandelnden Freilichtauffuehrung und unter Gesang, Volkstaenzen und Spielen bis in die fruehen Morgenstunden des kommenden Tages hinzieht. Und verhallende Klaenge der letzten Runden der “Horra” umwehen den Hirten, der frueh morgens seine Schafe zwischen die gruenen Huegel weiden fuehrt —mit demselben bedaechtigen Schritt und aehnlichen seltsamen Lockrufen, wie einst die Hirten des Stammes Menasche... RUDI H. (Ramot-Menasche) 5714 GIB SCHNELL UND GERN: DU UNTERSTUETZT DIE POLIKLINIK, SCHULE, ALTERSHEIM, WOHLTAETIGKEITS-INSTITUTIONEN UND ISRAEL

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