Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XV (1953)
- Issue
- 7 (Julio, 1953)
- Date
- 1953-07-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Julio, 1953 8 "Mein Hobby? ^Jfhsik und Kinder!" , Eine besondere Ehrung ' wurde einem vor 73 Jahren in Mannheim geborenen Juden Zuteil, der" als junger Mann nach England ausgewandert war und heute zu den führend e n Persoenlichkeiten des Londoner oeffentlichen Lebens zaehlt: Sir Robert Mayer, einer der angesehendsten Bankiers der City. Seinen betraechtlichen Reichtum verwandte Sir Robert seit drei Jahrzehnten wesentlich dazu, klassische Musik zu popularisieren und vor allem die Kinder zum Verstaendnis und zur Liebe der wahren Musik zu erziehen. Es war im Maerz 1923, dass Sir Robert Mayer in der grossen Central Hall von Westminster die erste Serie von klassischen Konzerten, von hervorragenden Meistern ausgeführt, für Schulkinder organisierte. Die Kinder der Londoner Volksschulen zahlen einen nur-nominellen Preis für den Besuch der am Sonnabendmorgen stattfindenden Konzerte. Die bekanntesten englischen Dirigenten wie damals noch Sir Henry Wood, heute Sir Malcolm Sar . gent und Sir Adrian Boult, dirigieren Mozart, Beethoven. Brahms, und machen in einleitenden Vortraegen die Kinder mit der Musik vertraut. Diese Konzertserien, die nur in den Kriegsjahren unterbrochen wurden, wurden alle von Sir Robert Mayer persoenlich finanziert. Sie erfreuten und erfreuen sich der allergroessten Pop ularitaet unter der heranwachsenden Generation der L o n doner, gleichgültig ob sie von den aermsten Vierteln des Eastend oder von den besser gesj teilten Kreisen des Westens ] kommen. Vor einigen Tagen fand die 25-Jahr-Feier dieser Konzerte statt, das heisst, zum 25. Male wurde eine Serie dieser Winterkonzerte eroeffnet. Sir Adrian Boult hielt die Festansprache, bevor er ein Brandenburgisches K o nzert und spaeter — recht anspruchsvoll— Egar’s „Enigma Variationen“ dirigierte. An dem naechsten Konzert wird Queen Elisabeth, die Koenigin selbst teilnehmen, um Sir Roberts edlem Unternehmen ihre Anerkennung zu bekunden. Sir Robert Mayer, der sich in allen Schichten der Londoner Bevoelkerung grosser Beliebtheit erfreut, bezeichnete es als sein „Hobby“, Musik zu pflegen und den Kindern den Geist der Musik nahe zu bringen. Der grosse Financier der City von London hat denn auch mehrere andere Ehrenaemter übernommen, in denen er für diese seine beiden Ideale wirken kann — er ist Vorsitzender einer Gesellschaft zur Pflege von Theatervorstellungen für Kinder, einer anderen, die sich die allgemeine Fürsorge der „Unter 14 Jahre Alten“ zur Aufgabe setzt, und eines „Komitees für junge Leute in Not“. Daneben findet man seinen Namen auf den Komitee-Listen fast aller bedeutender jüdischer Hilfsorganisationen. Hier ist, wie einer seiner Bewunderei kürzlich sagte, „ein reicher Mann, der sich ein reiches Leben zu schaffen wusste”. BOLETIN INFORMATIVO Gro EIN BUNTES BILD Wir sind dort eine bunte und interessante Gesellschaft. Am auffaelligsten sind die Amerikaner, viele junge. Leute und Ehepaare verschiedenen Alters, die Maedchenund jungen Frauen mit halblangen Hosen und farbigen Inschriften auf den Pullovern quer ueber den Busen. Die meisten haben Autos, noch mit amerikanischen Nummern, und der Autopark vor dem Haus Weidenbaum, wo die eine Haelfte des Ulpan stationiert ist, ist kaum kleiner als zu den Zeiten, als das Hotel noch das Ziel verwoehnter Privatgaeste war. Wenn man heutzutage einwandert (und es sich leisten kann), faehrt man vom Schiff oder Flugplatz mit saemtlichen Gepaeck direkt zum Ulpan. Ehepaare haben ihre Kinder inzwischen in Ben Shemen oder anderen Kinderheimen untergebracht, wo sie nicht weniger Gelegenheit haben, sich schnell zu akklimatisieren. Es gibt aber auch weit weniger elegante Teilnehmer, Leute, die unmittelbar aus den Maabaroth kommen. Im Gegensatz zu den modernen Koffern der Amerikaner ruekken sie mit Kisten und Ka-' sten an, das obligate Sochj nuth - Bett samt Matratze j nicht zu vergessen deren re-, regensichere Unterstellung { Schwierigkeiten macht. Den! groessten Prozentsatz stellen i jedoch die Iraker. Viele von, ihnen bringen gute Vorkennt-! nisse mit und wurden gleich: den hoeheren Klassen zu ge. teilt. Aber ihr Iwrith ist schwer verstaendlich, obwohl; sicher dem Klang der Ursprache naeher. Dieser Typ des gebildeten Irakers aus gutem Hause ist eine neue Nuance im bunten Bild des Jischuw. Sie sind meist gross und schlank, mit dunklen Hornbrillen, und wirken eher wie gelehrte Inder. Im uebrigen sind alle Balkan-Schattierungen vertreten, auch ei. nige unverkennbar jeckische Akademiker, doch ist dieses Element erstaunlich schwach. Sie haben es entweder mit Bienenfleiss schon laengst erlernt — oder endgueltig resigniert. Auch an Kibbuzniks fehlt es nicht, auf eigene Faust und Kosten Gekommenen, wie ich, oder Beorderten des Kollektivs, die dann sprachlich vervollkommnet zur besonderen Verwendung ver.fuegbar sein sollen. Schliesslich sei nicht unterschlagen, dass wir auch einen waschechten Englaender un_; ter uns haben, einen alten i und bis vor kurzem noch, hochbeamteten Freund unserer Sache. D i e Alterschichtung erstreckt sich von 20 bis Ende 60. Das maennliche Ge-; schlecht ist weit in der Ue-; berzahl. Man wohnt in den Hotels oder in Privatzimmern \ zu dritt. Alles ist sauber und frisch, wie nagelneu. Das Esj sen. von der Sochnuth ange-, liefert, beweist, dass man auch bei “Zena” nicht ver-; hungern muss. In jedem Fall i ist es von dem geschulten Ho.; telpersonal vorzueglich ausi gewertet, wer sich zudem mit j den Amerikanern und Fran-1 zosen haelt, die nicht ganz i lernt Ivrit ohne Buechsen eingewandert sind, sind, kann gelegentlich an einem “Kumsitz“ (1) mit Ness-Kaffee und ungewohnten Genuessen teilhaben. Gleich zu Beginn wurden wir je nach Vorkenntnissen in sechs Klassen eingeteilt, deren Bestand seitdem noch dauernd fluktuiert. Manche stiegen schnell in hoehere Klassen auf, andere Hessen sich zurueckversetzen, weil sie schwer folgen konnten. Das Niveau ist natuerlich stark differenziert, und von den Fortgeschritteneren auch nur zehn “auf einen Nenner” zu bringen, ist unmoeglich. Einige koennen kaum lesen, aber sich gut verstaendlich machen. Andere lesen fliessend unpunktierte Zeitungen, bringen aber nicht den einfachsten gesprochenen Satz zustande. Dies alles wird sich in wenigen Wochen ausgleichen. Die Hauptsache ist der gute Geist, die Atmosphaere des Ganzen, und sie ist vor allem der Leiterin des Ulpan Naharia zu danken, Judith Katznelson, heute schon eine gewichtige Persoenlichkeit im Leben der Moschawa. Mit Energie und Charme dirigiert sie die verschiedenen Zweige der Schule, kuemmert sich —unterstuetzt von freundlichen Maskiroth (2) —um die Details der Unterbringung und Versorgung, um die Ausgestaltung des Oneg Schabbath, die Tijulirn (3), und —“last not least”— um den Unterricht. DIE NEUE METHODIK Hierzu sei vorweg gesagt, dass man sich modernster, hier wie im Ausland erprobter Methoden bedient. Man beginnt sofort mit der leben, digen Sprache. Schreiben waehrend des Unterrichts ist verboten, erst am Ende saemtlieher Stunden werden die neuen Vokabeln, 40-50 pro Freie Aufsaetze, Berichte ueber Zeitungs-Artikel, Referate sind staendiges Hausarbeits-Pensum. neben der obligaten Vokabel - Liste und dem Auswendiglernen von Sprich-Woertern, Liedern und aus Texten. Doch ist das W a e 1 z e n von Woerterbuechern unerwuenscht. Man soll nur verwenden, was man schon kennt, denn die Erfah. rung lehrt offenbar, dass das nur auf mechanischem Weg Aufgesuchte doch nicht haen. gen bleibt. ES LAESST SICH ERLERNEN Man wird wissen wollen, wie ich selbst meinem alten Schaedel diese Fuelle neuartigen Wissens apDliziere. Abgesehen von sporadischer Ar. beit fuer die Presse laesst mir mein Beruf seit Jahren kaum Zeit zu geistiger Tae. tigkeit, und ich muss gestehen, dass ich dem Ulpan und der damit verbundenen, ploetzlichen Umstellung nicht ohne Bangen entgegensah. Zwar faellt mir das Auswendiglernen noch immer schwer. Aber sonst fand ich zu meinem eigenen Erstaunen mein Gehirn wie ausgeruht, sehr aufnahmefaehig, ja geisteshungrig. Zwar bin ich erst am Beginn meiner neuen Karriere, aber bisher konnten mich auch die vier langen Vormittagstunden Iwrith, nur durch eine kurze Pause unterbrochen, kaum ermueden. 'Allerdings: das grosse Ziel ist auch zu verlockend und mag wohl imstande sein, bisher ungekannte Energiequellen zu erschliessen. Inzwischen sind die Feiertage ueberstanden. Die letzten Gaeste haben Nahariya verlassen, die Saison ist beendet, der Strand verwaist. Die Tanzkapelle im “Ginati”, dem zweiten Ulpan.Standquartier, ist abgezogen und stoert nicht mehr allabendlich die Arbeit der Studenten 25 Mitglieder der Wirt, schafts und Finanzkommission der Knesseth kehrten kuerzlich von einer dreitaegigen Tour durch den Negew und der Arawa zurueck, die von der Informations —Abteilung des Landwirtschafts— und Entwicklungsministe, riums organisiert worden war Tag, aufgeschrieben, und wer : Selbst das zentrale Cafe sie dann noch nicht gefasst “Penguin” hat seine Pforten hat. der allerdings muss sie! .. . . _ pauken. Denn am naechsten Morgen werden sie zuerst repetiert und die Fehlerzahl in eine bestimmte Tabelle eingetragen, so dass man am En. de eines halben Monats an einer Kurve selbst die eigenen Fort, oder Rueckschritte verfolgen kann. Im uebrigen wird das schnelle Auffassen neuer Worte durch die Methodik wesentlich erleichtert. Alles neue wird nachgesprochen, oft im Sprechchor aufgesagt. Es wird auch viel gesungen, und wir haben in der kurzen Zeit schon viele Lieder gelernt. Fuer die Qualitaet der Lehrer buergt die Tatsache, dass jede Klasse mit dem ihren zufrieden ist. Natuerlich wird auch viel gelesen. und die punktierte Tageszeitung “Omer”, die ebenfalls punktierte Wochenzeitschrift “Prosdor”, “Haarez”, “Dawar” und div. Wochenzeitschriften fuer die hoeheren Klassen werden umsonst geliefert, ebenso wie Hefte und Buecher aller Art. Aber die Lektuere ist mehr der Heimarbeit Vorbehalten, und diese ist denn auch reichlich bemessen, sodass die freie Zeit kaum genuegt, sie eini. germassen zu bewaeltigen. E M K K Aecke.r, quadratisch im weiten Tal; Weinberge haengend, diagonal; Citrusplantagen flaechig bewegt von steilen Zypressen lotrecht umhegt; Wassertuerme dazwischen gestellt, kubischen Haeuschen zylindrisch gesellt. Fischteiche spiegeln Unendlichkeit, arabische Doerfer: Traktorengeratter, Vergangenheit. Maschinengestampf: schwitzende Maenner in Glut und Dampf. Spitfires wachen sturmwindbeflaggt, * Panzer laermen grimmigen Takt: Dasein heisst dienen, schweigend und hart — Kuenftiges schaffen: Gegenwart! MERLIN geschlossen — ja es schloss sie nicht einmal mehr. Denn kaum war zu Simchat Thora die letzte Weise des Primgeu gers verklungen, da begannen schon Maenner mit Spitzhacken die ueberalterten Lokalitaeten einzureissen. Zu Beginn der naechsten Saison soll dort ein neuer Prachtbau d i e landesberuehmte “Penguin”-Tradition fortsetzen. Alle Verlockungen und Ablenkungen sind ge schwunden — nur wir “Ulpa. nikes” blieben zurueck. Und das ist gut so. Jetzt haben wir Ruhe — und ausserdem viele Monate Zeit. (“Hakidmah”) (1) Kum -sitz: komm un-'i setzdich; intime Gruppen- Veranstaltung; (2) SekretaeTinnen: (3) Ausfluege. Kupfer Schuerfunè in Israel Am zweiten Tage ihrer Tour sahen die Besucher in der Arawa das Schuerfen von Kaolin und Phosphaten. Sie erfuhren Einzelheiten ueber den Plan der Anlage einer Eisenbahn, die die Phosphatbergwerke mit Eilath verbinden soll. In Ejn Radian sahen sie Dattelpalmen, die gut Zunaechst besuchten sie eine i angegangen sind. Dank des Anzahl neuerer Siedlungen \ vielen Wassers, das dort ge im noerdlichen Teil des Negew und lernten die wirtschaftlichen, administrativen, kulturellen und gesellschaftlichen Probleme dieser Siedlungen kennen. In Beer, schevva wurden sie vom Buermeister David Tuviajahu im Namen des Stadtrats empfan. gen, der ihnen ueber die Ent. Wicklung der Stadt und ihre Probleme berichtete, und ins. besondere von den Bemue funden wurde, besteht Aussicht darauf, dass mitten in der Wueste grosse Dattel. Pflanzungen entstehen werden. In Eilath wurden die Gaeste von dem Leiter der Abteilung fuer die Arawa. Herrn Alexander Fischmann, empfangen, der ueber die Probleme der Entwicklung der Arawa und Eiiaths berichtete und mitteilte, dass schon im naechsten Winter hungen zur Entwicklung einer; eine Maabara in Eilath er- Industrie, die einerseits das Beschaeftigungsproblem i n der Stadt loesen. andererseits die Bearbeitung der im Negew gewonnenen Mineralien ermoeglichen soll. Die Lebensmittelindustrie in der Stadt soll gleichfalls entwickelt wer. den. richtet werden wird. Am naechsten Morgen waren sie anwesend, als in den Berg, werken des Koenigs Salomon die erste Kupferschuerfung in moderner Zeit stattfand. (“Jedioth Chadaschoth”)